Das Original

In 1918 als USS Shubrick bei der Bethlehem Shipbuilding Corporation in Squantum, Massachusetts vom Stapel gelaufen unterscheidet sich der britische Zerstörer HMS Ripley in Vielem von den beiden anderen Zerstörern Assiniboine und Restigouche, die 1941 Prince of Wales geleiteten. Als ehemals amerikanisches Schiff ist schon seine Bauweise als „flush decker“ (Glattdecker) mit ziemlichem Fall nach achtern auffällig. Ein weiteres auffälliges Merkmal sind die Schornsteine des Schiffes, Ripley war der einzige „four stacker“ (Vierschornsteiner) bei dem Törn mit der Prince of Wales über den Atlantik. Bei der Royal Navy war die Ripley der Belmont-Klasse (Town-Klassen, Typ A) zugeordnet, wie andere Zerstörer der Clemson-Klasse in britischen Diensten.


Die Shubrick wurde am 3. Juli 1919 in Dienst gestellt und schon drei Jahre später wieder aus dem Dienst genommen. Eine Reise führte sie über die Karibik durch den Panama Kanal an die amerikanische Westküste wo sie in San Diego der Reserve Flotilla zugeordnet wurde. Am 18.12.1939 stellte man Shubrick wieder in Dienst um nach Halifax zu fahren. Das Schiff sollte im Rahmen des Lend Lease Programms an die Royal Navy übergeben werden. Am 26. November wurde Shubrick für die US Navy endgültig außer Dienst gestellt, um im selben Moment als HMS Ripley mit der taktischen Nummer G79 für die Royal Navy wieder eingestellt zu werden.

Ripley erfuhr nun einige Umbauarbeiten: um für den atlantischen Geleitdienst gerüstet zu sein, entfernte man drei Viertel der Hauptartillerie, die achteren Torpedobänke wurden abgebaut, um mehr Wasserbomben aufnehmen zu könne, und vorne wurden Hedgehogs installiert. Auch die Schlote wurden um gut ein Viertel gekürzt.


Neben ihren Geleittaufgaben für die Konvois begleitete Ripley mit Assiniboine und Restigouche die Prince of Wales mit Winston Churchill an Bord über den Atlantik. Danach wurde sie im September 1942 für eine Zeit in den Golf von Mexiko detachiert (warum hat mir das jetzt so viel Spaß bereitet??), um den Amerikanern bei der Abwehr deutscher U-Boote in diesem Seegebiet zu helfen.

HMS Ripley  wurde im März 1944 aufgelegt und ab dem 14. April 1945 abgewrackt.

Das Modell

Ripley ist das einzige Modell auf dem Diorama, das mit Vollrumpf gebaut ist. Innerhalb kurzer Zeit hatte ich mit den zwei vorhergehenden Eigenbauten ein wenig Erfahrung gesammelt – so ging der Bau der Ripley recht einfach und flott von der Hand. Der  Wasserlinienriss von Ripley scheint viel schnittiger durch seine beiden spitzen Enden, insgesamt wirkt das Schiff, obwohl nur 5 bzw. 15 m kürzer als seine Kumpane auf dem Trip zur Placentia Bay, kleiner und geradezu zierlicher. Gut kann man die beginnende Entwicklung zu den späteren Zerstörern erkennen.

Als Planvorlage diente mir meist ein auf 1200 reduzierter Plan aus dem Bausatz der USS Ward von Mirage Hobby. Der Aufbau erfolgte wie bei den anderen beiden Schiffen, hier aus vier Lagen zu 1,5 mm übereinander geklebter Polystyrolplatten – die ich bei Ripley dreimal gemacht habe, weil ich mich in der Breite vermessen habe und auch die Rumpfform etwas anspruchsvoller ist. Auch hier formte ich den Rumpf durch schleifen und feilen, unter ständiger Kontrolle mit den auf Karton geklebten Spantrissen. Die Ankerklüsen sind bei Ripley keine Löcher im Bug sondern nur kurze, offene Kettenführungen. Die Aufbauten wiederum waren meist recht einfach zu bauen, da sie weitgehend vom Polystyrolstabprofil abgesägt und mit Feile und Sandpapier beigeschliffen wurden. Die zwei Dreifach-Torpedobänke entstanden in der schon beschriebenen Manier aus nebeneinander verklebten Polystyrolrundstäben. Die mittschiffs und nach achtern liegenden Ladeluken, von denen zwei auch geöffnet sind, bestehen aus einfachem Polystyrol-Flachprofil mit 0,5 mm Breite.

Rettungsflöße waren mir ausgegangen, etwa zehn Stück musste ich noch von der Kette abschneiden. Zwei Verkehrsboote, ein Whaler und eine kleine Motorlaunch schnitzte ich wieder aus Buchs. Die einfachen Pfahlmasten entstanden auch bei Ripley aus den konischen Messingmasten von Master Model aus Polen, sehr stabiles und gut verbaubares Material. Bei guter Kalkulation kann ein Mast von Master Model so geschnitten werden, dass er für beide Pfahlmaste eines Schiffes reicht.

Ganz zum Schluss gönnte ich mir noch den achtern angebrachten Schraubenschutz… Zuerst bohrte ich dafür auf einer Linie knapp über der Wasserlinie zwei Löcher schräg nach vorn und achtern, klebte ein Stück zugeschnittenen heiß gezogenen Gussast mit einem Bogen in diese Löcher und setzte hier jeweils drei noch dünnere Plastikstäbchen drauf. Die Verklebung ging hier nur mit Sekundenkleber, weil die Gussaststücke so dünn waren, dass sie sich bei Kontakt mit Plastikkleber sofort verbogen. Im Dioramawasser eingelassen kann man sie leider kaum noch sehen.

Der Bau der kleinen Ripley hat einmal mehr gezeigt, dass man in diesem kleinen Maßstab nicht auf irgendwelche Hersteller angewiesen ist. Will man die „großen“ Schiffe im 1200er Maßstab in historischen Situationen mit Begleitschiffen darstellen bietet sich mit dem Eigenbau aus einfachen Mitteln eine gute Gelegenheit. Auch wenn Segelschiffe deutlich schöner sind als die modernen Blechkummen, ich werde das Thema Zweiter Weltkrieg auf See vertiefen…

Quellen


Frank Brüninghaus
Modellbauclub Koblenz