Das Original

Die Bayraktar TB2 ist eine taktische unbemannte Aufklärungs- und Kampfdrohne (MALE/UCAV), die vom türkischen Rüstungsunternehmen Baykar entwickelt und seit 2014 produziert wird. Sie wurde als modulare Plattform für Überwachungs-, Aufklärungs- und Präzisionsangriffsmissionen konzipiert, bestehend aus der Drohne selbst, einer Bodensteuerstation, Datenverbindungseinrichtungen und Unterstützungsmodulen. Die Serienentwicklung begann 2012, der Erstflug erfolgte 2014, und ab 2015 wurde die TB2 schrittweise bei den türkischen Streitkräften eingeführt. Bis Juli 2023 wurden mehr als 600 Exemplare gebaut, die in staatlichen Streitkräften und Sicherheitsdiensten verschiedener Länder im Einsatz sind. Bei der türkischen Marine dienen 10 TB2-Einheiten, u. a. zur Überwachung der ausschließlichen Wirtschaftszone, zur Zielaufklärung und zur Unterstützung von Seestreitkräften eingesetzt werden. Auch die ukrainische Marine setzt TB2-Drohnen ein. 


Die Bayraktar TB2 ist 6,5 m lang und besitzt eine Spannweite von 12 m bei einer Höhe von etwa 2,2 m. Das maximale Startgewicht liegt bei 700 kg, wobei eine Nutzlast von bis zu 150 kg getragen werden kann. Angetrieben wird die Drohne von einem Kolben-Verbrennungsmotor des Typs Rotax 912-iS mit 100 PS angetrieben. Die maximale Geschwindigkeit beträgt etwa 222 km/h (120 kn), die Reisegeschwindigkeit liegt bei rund 130 km/h (70 kn). Die maximale Dienstgipfelhöhe erreicht bis zu 8.200 Metern, und die Flugdauer kann mehr als 27 Stunden betragen, wodurch langfristige Überwachungsflüge möglich sind. An vier Außenlaststationen kann die TB2 laser-gelenkte Raketen wie Roketsan MAM-L und MAM-C, die für gezielte Angriffe auf Boden- oder Seeziele eingesetzt werden können, mitführen.


Die ukrainische Marine begann mit der Beschaffung der Bayraktar TB2 im Rahmen der militärischen Modernisierung bereits Ende 2020/Anfang 2021. Nach einem Vertrag mit dem türkischen Hersteller Baykar wurden sechs Bayraktar TB2-Komplexe speziell für die Marine bestellt, die erste Lieferung traf am 15. Juli 2021 ein und wurde offiziell an die 10. Marine-Luftfahrtbrigade übergeben, inklusive der Drohnen selbst, mobiler Bodensteuerstationen und Unterstützungsgeräte. Diese Plattformen erweiterten die Fähigkeit der Marine, maritime Überwachung, Aufklärung und die Feuerleitung sowohl im Schwarzen Meer als auch im Asowschen Meer durchzuführen.

Nach der russischen Invasion wurden Bayraktar TB2-Drohnen in der Ukraine, inklusive solcher unter maritimer Kommandostruktur, intensiv für ISR-Missionen (Intelligence, Surveillance, Reconnaissance) und gezielte Angriffe gegen russische Streitkräfte genutzt. Zu den dokumentierten Einsätzen zählen Angriffe auf russische Patrouillen- und Landungsboote, darunter die Zerstörung von zwei russischen Raptor-Patrouillenbooten nahe der Schlangeninsel im Mai 2022. Ein weiterer signifikanter Einsatz ereignete sich am 24. Juni 2025, als eine Bayraktar TB2 der ukrainischen Marine mit einer MAM-L-Präzisionsmunition ein russisches Landungsboot in der Region Cherson traf und zerstörte. Es gibt auch Berichte, dass TB2 eine Rolle bei der Versenkung des russischen Lenkwaffenkreuzers Moskwa am 14. April 2022 durch zwei Neptun-Anti-Schiffsraketen spielten.

Das Modell

Modell: TB.2 UAV Ukrainian Navy
Hersteller: Clear Prop
Artikelnummer: CP3503 „Starter“
Maßstab: 1:35
Preis ca. 48,-€

Zusätzlich verwendete Materialien: Painting Mask, Etched Brass, Wheel Set jeweils von Clear Prop, Figuren: Servicewoman of the Armed Forces of Ukraine von ICM

Farben: Hobby Color H324 Hellgrau und H325 FS26440 Grau H25 Himmelblau, H322 Cyanne Blau, Revell SM360 Farngrün, SM364 Laubgrün, diverse Farben aus dem Sortiment von Citadel, Washing von Tamiya und AK. 

Nach über zwei Jahren Ukrainekrieg ist die Bayraktar TB-2 auch im Modellbau ein präsentes Thema. Der hier vorgestellte Bausatz stammt von Clear Prop, einem ukrainischen Hersteller, und stellt die von der ukrainischen Marine eingesetzte Drohne dar.

Der Bausatz überzeugt bereits beim Öffnen: Rund 110 sauber gespritzte Teile, sehr gute Oberflächenqualität, ein übersichtlicher Bauplan sowie ansprechende Abziehbilder. Die Klarsichtteile sind separat und gut geschützt verpackt. Optional erhältliche Zubehörsets (Masken, Resinreifen, Fotoätzteileile und Sensoren) sind nicht im Bausatz enthalten, stellen aber eine sinnvolle Ergänzung dar.

Der Kunststoff ist eher weich, lässt sich aber gut bearbeiten. Die dünnen Hinterkanten der Tragflächen sind sauber ausgeführt und ohne Angüsse, lediglich an den Vorderkanten ist Nacharbeit nötig. Die Passung der Flächenhälften ist durch eine innere Führung sehr gut. Steuerflächen liegen separat bei, sind konstruktionsbedingt jedoch nur in Neutralstellung montierbar. Aufgrund der Verbundbauweise des Originals gibt es keine klassischen Panel Lines – konsequent und korrekt umgesetzt.

Laut Anleitung sind 5 g Buggewicht erforderlich. Der Platz im Bug ist knapp, daher empfiehlt sich feines Blei, das z. B. mit Holzleim fixiert wird. Wichtig: Beim Austarieren muss das lange V-Leitwerk berücksichtigt werden. Ein vorderes Schott im Fahrwerksschacht war etwas zu hoch und musste angepasst werden, ansonsten überzeugt der Rumpf durch Stabilität und gute Passung der Tragflächenaufnahme.

Die vorderen Stummelflügel aus Kunststoff werden später durch breitere Fotoätzteile ersetzt. Nach dem Abtrennen ist nur minimale Spachtelarbeit notwendig. Raketen und Bomben sind konstruktiv sehr clever gelöst: Erhabene und versenkte Passhilfen sorgen für saubere Ausrichtung der Bauteile. Auch die Flügel der Bewaffnung sind paarweise verbunden und können nicht falsch montiert werden. Enthalten sind je ein Satz UMTAS-Raketen und MAM-C-Bomben.

Mangels verfügbarer Herstellerfarben kamen Grau H325 und Hellgrau H324 von Hobby Color zum Einsatz. Um das Einheitsgrau aufzulockern, wurden einzelne Flächen leicht aufgehellt – eine modellbauerische Freiheit. Kleinteile wie Fahrwerk, Propeller und Antennen erfordern saubere Detailbemalung in Schwarz, Grau und Metalltönen.

Das Fahrwerk lässt sich problemlos montieren, nach dem Aufsetzen steht die Drohne stabil. Die Abziehbilder funktionieren auf ebenen Flächen sehr gut, zeigen aber auf stark gekrümmten Bereichen deutliche Steifheit. Hier ist reichlich Weichmacher notwendig, insbesondere beim zweiteiligen Kormoran-Emblem. Der Bug-Anströmsensor wurde durch eine Eigenanfertigung aus Metall ersetzt, da das Kunststoffteil zu grob wirkte.

Der Bausatz erlaubt die Darstellung am Boden oder im Flug; das Bugfahrwerk ist dabei der einzige Unterschied. Das Hauptfahrwerk bleibt immer ausgefahren. Die optionale Darstellung im Flug wurde thematisch angepasst und zeigt die Krim als stilisiertes Basiselement.

Fazit

Clear Prop liefert mit der TB-2-Drohne einen sehr hochwertigen und durchdacht konstruierten Bausatz. Passgenauigkeit, Detailgrad und Materialqualität sind durchweg überzeugend. Etwas Aufmerksamkeit erfordern das Buggewicht, kleinere Anpassungen im Fahrwerksschacht sowie die Abziehbilder auf stark gewölbten Flächen. Insgesamt ein moderner, sauber konstruierter Bausatz, der sich sowohl für erfahrene Modellbauer als auch für ambitionierte Einsteiger eignet.


Eberhard Sinnwell