Das Original
Der chilenische Marineschlepper Lientur (ATF-60) dient für den Einsatz in der Antarktis, u.a. der Versorgung der chilenischen Forschungsstationen dort, als Such- und Rettungsschiff, Bergungsschlepper, Tonnenleger, Patrouillenschiff sowie zur Bekämpfung von Wasserverschmutzung und Katastrophenhilfe. Das Schiff wurde ursprünglich als Ankerziehschlepper Havila Neptune für Havila Shipping ASA gebaut. Das Schiff beruht auf dem Design Havyard 842. Ankerziehschlepper dienen zur Unterstützung von Bohrinseln und Rohrlegern, z.B. um diese zu Schleppen und insbesondere um deren Anker zu verlegen. Die Schiffe des Designs Havyard 842 zeichnen sich durch für ihre geringe Größe hohe Zugkraft aus und große Windenkapazität aus. Sie haben einen gegen Eis verstärkten Rumpf (Eisklasse 1E), sind seetüchtig und können auf dem Arbeitsdeck über 1000 t Ladung transportieren. Sie haben ein dynamisches Positionierungssystem und sind auch zur Feuerbekämpfung ausgerüstet. Von dem Design Havyard 842 wurden 14 Schiffe 2008-22 in Norwegen, China, Indien und der Türkei gebaut.
Lientur ist 74,5 m lang, 17,2 m breit und verdrängt voll beladen 5828 t. Der Antrieb erfolgt über zwei Dieselmotoren mit zusammen 16.0000 PS, womit 17,5 kn erreicht werden. Es sind auch zwei Bugstrahlruder und ein ausfahrbarer Rundumantrieb vorhanden. Die Besatzung besteht in chilenischen Diensten aus 46 Personen. Es können 14-15 weitere Personen, z.B. Wissenschaftler, untergebracht werden.
Lientur wurde 2008 von Havyard in Leirvik als Havila Neptune gebaut. Sie fuhr bis 2022 für die Havila Shipping ASA. Danach wurde sie an die griechische Reederei MTC verkauft und in Achilles Z umbenannt. Im Rahmen des Remolcadores Fase 2-Programms der chilenischen Marine zur Erneuerung deren Schlepperkapazitäten wurde sie 2023 von Chile gekauft und als Lientur in Dienst gestellt. Ihr Heimathafen ist Punta Arenas.
Das Modell
Das Modell des chilenischen Marineschleppers Lientur habe ich bei dem chilenischen Kleinserienhersteller Yacara Scale Models gekauft. Das Modell ist aus 3D-gedruckten Resin. Es wird auch im Maßstab 1/350 angeboten. Im Maßstab 1/700 besteht das Wasserlinienmodell nur aus einem Teil. Dieses sieht sehr eindrucksvoll aus, auch wenn schnell sichtbar war, dass der Versuch eine dünne Reling anzudrucken gescheitert war und deren Reste, die fadenartig im Bereich der Brücke und der Kräne herumhingen, entfernt werden mussten. Die Detaillierung ist aber ansonsten sehr gut, z.B. die Darstellung der großen Winden und der Brücke mit den offenen Brückenfenstern. Auch die Druckqualität ist ansonsten sehr gut. Das Teil sah so eindrucksvoll aus, dass ich dachte, dass ich es nur kurz bemalen müsste. Das war allerdings ein Irrtum, wie sich nach einem Studium von Fotos des Originals herausstellte.
Die Wasserlinie war etwas wellig, wahrscheinlich bedingt durch ungenügende Zahl von Stützstrukturen. Auf dem Arbeitsdeck ist eine Delle, die wegen der dargestellten Holzstruktur nur durch Zuladung zu kaschieren ist. Auf einem Video der chilenischen Marine auf YouTube von 2025 ist Lientur bei der Versorgung einer chilenischen Polarstation zu sehen - und dabei eine Beladung aus Containern und Beibooten auf dem Deck trug. Diesen Zustand wollte ich darstellen.
Ich ergänzte insgesamt 67 Teile. Auf die Brücke kamen Scheinwerfer aus Plastikstäben. Die Mastspitze baute ich aus Metallstäben und fotogeätzten Leitern nach. 2025 hatte Lientur nur die Satellitenantenne auf der Steuerbordseite - ausgerechnet die war bei meinem Modell verloren gegangen. Die auf der anderen Seite, ein etwas anderes Modell, musste also entfernt werden und die andere aus einem Plastikstab neu geschliffen werden. Die Stabantennen auf der Brücke sind aus 0,05 mm dicken Kupferdraht. Der Davit des Beiboots an der Backbordseite fehlte. Ich versuchte nicht, dass Beiboot zu entfernen, um den Teil des Davits unter dem Boot darzustellen, sondern baute nur den oberen Teil des Davits aus Plastikstreifen. Hinten auf dem Beiboot fehlt ein "Bügel", den ich auch aus Plastikstreifen baute. Zwischen den Boot und dem Kran an Backbord gibt es irgendein Problem, da hier kein Platz für die dort auf dem Original gelagerten Rettungsinseln ist. Deshalb ergänzte ich nur Rettungsinseln an Steuerbord mit Hilfe von Teilen von Starling Models. Hinter der unteren Winde steht beim Original ein Gestell, das wahrscheinlich der Führung der Schlepptrosse dient. An diesem sind noch zwei Seiltrommeln befestigt. Ich baute das Gestell und die Seiltrommeln aus Plastikrundstäben und-platten. Über diesem Gestell sind zwei weitere Vorrichtungen, die etwas wie Rutschen aussehen - eventuell ebenfalls etwas für die Führung von Seilen? Diese sind relativ komplex, ich deutete sie mit Plastikstreifen an. Die 20-Fuss-Container auf dem Arbeitsdeck sind von Starling Models, ebenfalls die beiden Schlauchboote dort. Das Motorboot (das Vermessungsboot Albatroz?) ist aus der Restekiste, ich versuchte es mit einem modifizierten Steuerhaus dem Original anzunähern.
Die Bemalung erfolgte wieder mit Acrylfarben von Vallejo Model Color: für den Rumpf 28 (909) Verkehrsrot), den Aufbau 4 (820) Cremeweiß, die Innenseiten der Schanzkleider, Teile der Container und die Winden 154 (989) Signalgrau, die Stahldecks 155 (990) Silbergrau und das holzbeplankte Arbeitsdeck 110 (986) Achatgrau. Im hinteren Bereich des Arbeitsdecks gibt es einen größeren Bereich ohne Holzbeplankung. Diese bemalten ich entsprechend. Das Beiboot an Backbord, das Motorboot, eines der Schlauchboote und einen Teil der Container bemalte ich mit 27 (910) Blutorange. Das zweite Schlauchboot und die Mastspitze mit 167 (995) Anthrazitgrau. Einer der Container ist mit einem Tarnmuster bemalt, das aus 4 (820) Cremeweiß, 154 (989) Signalgrau, 160 (992) Londongrau und 167 (995) Anthrazitgrau besteht. Die Auspuffrohre, Ankerketten und Stahltrossen auf den Winden sind mit 177 (865) geöltes Stahl bemalt. Die Kennnummern "60" sind mit Abziehbildern von L'Arsenal bzw, Starfighter Decals dargestellt.
Hier Lientur zusammen mit dem Schlepper Yelcho (1906), der 100 Jahre früher wie Lientur von der chilenischen Marine für verschiedene Aufgaben im Süden Chiles und nahe der Antarktis verwendet wurde:
Lientur ist ein relativ kleines Schiff. Hier im Vergleich mit einem kleinen Polarforschungsschiff, der französischen L'Astrolabe (2017), und einem großen, der japanischen Shirase (1982):
Quellen
- ATF-60 "Lientur" (Armada de Chile)
- Chilean Navy Commissions Offshore Tug Lientur (seawaves.com)
- Fleet Tug Lientur Fulfilling Mission in the Chilean Antarctic (seawaves.com)
- Chile: Hochseeschlepper für die Antarktis (Marineforum)
- Lientur (Vesselfinder)
- Lientur (Shipspotting)
- Havila Neptune (Wikipedia)
- Havyard 842 (Ships and Oil)
- Tareas del ATF 60 “Lientur” en el Territorio Chileno Antártico (YouTube)
Lars









