Das Original

Das italienische Leichte Spähschiff (esploratori leggeri) Leone war das Typschiff einer Klasse von drei von 1921-24 gebauten Einheiten. Diese Schiffe waren als billigerer und schnellerer Ersatz für Kreuzer für die Aufklärung und als stärkste Einheiten der leichten Seestreitkräfte bei schnellen Vorstößen vorgesehen. Die Klasse war eine Weiterentwicklung der Carlo Mirabello-Klasse, fiel aber größer aus. Während des Ersten Weltkriegs war mit 15,2-cm-Geschützen auf Leichten Spähschiffen experimentiert worden, aber diese erwiesen sich als ungeeignet für die leichten Schiffe. Deshalb erhielt die Leone-Klasse neue 12-cm-Geschütze in vier Zwillingslafetten, womit sie längere Zeit zu den schwerst bewaffneten Schiffen ihrer Größe gehörte. Die Geschützbewaffnung war bei den Leichten Spähschiffen die Hauptbewaffnung, die Torpedorohre waren nur Sekundärbewaffnung. Eigentlich sollte mit dem Bau der Leone-Klasse schon 1917 begonnen werden, aber wegen Stahlmangel wurde der Bau verschoben und erst 1921 begonnen. Ursprünglich waren fünf Schiffe - Leone, Tigre, Pantera, Leopardo und Lince - geplant, aber die letzten beiden wurden schon 1921 wieder storniert.


1930-31 wurde die Feuerleitung verbessert. Statt kleiner Deckshäuser mit Entfernungsmesser auf der vorderen und achteren Brücke wurden neue Feuerleitgeräte aufgestellt. Auch die Flugabwehr wurde zusätzlich zu den ursprünglich vorhandenen zwei 7,6-cm-Flak durch zwei 4-cm-Flak verstärkt und die ursprüngliche beiden 45-cm-Drillingstorpedorohre durch zwei 53,3-cm-Zwillingstorpedorohre ersetzt. 1935 wurden die Einheiten der Leone-Klasse nicht mehr als erstklassige Kampfschiffe betrachtet und deshalb vom Mittelmeer ins Rote Meer in die italienische Kolonie Eritrea verlegt. Hierfür erhielten sie 1936 eine Klimaanlage, die in einer Erweiterung des Backdecks neben den hinteren Schornsteinen untergebracht wurden. Die dort ursprünglich aufgestellten 7,6-cm-Flak wurden entfernt. 1938 erhielt sie zwei 1,3-cm-Zwillingsflak auf der Brücke und sie wurden zu Zerstörern (cacciatorpediniere) umklassifiziert.


Leone war 113,4 m lang, 10,4 m breit und verdrängte 2203 t. Der Antrieb erfolgte durch vier Kessel und zwei Dampfturbinensätze mit zusammen 42.000 PS. Bei Probefahrten wurden mit 45.667-48.705 PS zwischen 33,5 und 34,3 kn erreicht. Die Besatzung bestand aus 204 Mann.

Bewaffnung 1938
8 x 12 cm L/45 (vier Zwillingslafetten)
2 x 4 cm L/39 (Einzellafetten)
4 x 1,3 cm (zwei Zwillingslafetten)
4 x 53,3 cm Torpedorohre (zwei Zwillingsrohre)
2 Schlepptorpedos (zur U-Jagd)
18-30 Wasserbomben (zwei Ablaufvorrichtungen am Heck)
35-66 Minen (je nach Typ und ob Torpedos an Bord waren)


Leone wurde 1921-24 von Cantiere Ansaldo in Genua gebaut. Sie fuhr anfangs bei den Aufklärungsgruppen, aber auch als Flottillenführer für Zerstörer-Einheiten. 1935 wurde sie nach Massua im Roten Meer verlegt. 1938 wurde sie zum Zerstörer umklassifiziert. Als der Kriegseintritt Italiens bevor stand, begannen die Schiffe im Juni 1940 Minenfelder zu verlegen. Am 21. Oktober 1940 griffen Leone und Pantera mit den Zerstörern Francesco Nullo und Nazario Sauro den britischen Konvoi BN 7 an, wurden aber von dem Leichten Kreuzer HMNZS Leander und mehreren Zerstörern und Sloops vertrieben. Als die Einnahme von Massua durch britische Truppen drohte, sollten die drei Zerstörer der Leone-Klasse den Suez-Kanal angreifen. Dabei lief Leone am 1. April 1941 auf Grund und wurde aufgegeben. 

Das Modell

Von dem italienischen Leichten Spähschiff Leone hatte ich zwei Bausätze: von Delphis und von SSModel (siehe Bausatzbesprechung). Der Bausatz von Delphis ist inzwischen recht alt, was man den Teilen auch ansieht. Der Bausatz von SSModel ist überwiegend sehr gut, aber der Rumpf hat einige Probleme, z.B. durch erhabene Kreise dargestellte Bullaugen, tiefe Gravuren im Deck und erhöhte, breite Decksränder - und dazu verbog sich der Rumpf zu einer Banane. Deshalb griff ich auf den Rumpf von Delphis zurück, entfernte einen Teil der Aufbauten und ersetzte diese durch die von SSModel. Im Bereich des zweiten Schornsteins bin ich mir nicht sicher, welcher der beiden Bauätze korrekt ist - ich habe keine eindeutigen Fotos oder Pläne gefunden. Also passte ich den Delphis-Rumpf so an, dass ich auch den vorderen Schornstein von SSModel verwenden konnte (es würde mich aber auch nicht überraschen, wenn der umgedrehte Weg, die Anpassung des Schornsteins an den Rumpf von Delphis richtig gewesen wäre). 


Von den Kleinteilen verwendete ich überwiegend die Teile aus dem SSModel-Bausatz. Die Masten baute ich aus Metallstäben, verwendete aber die Scheinwerferplattform und das Krähennest aus dem Bausatz. Die Torpedorohre waren viel zu lang, weshalb ich sie kürzen musste. Beim Schraubenschutz habe ich einen von SSModel verloren, weshalb ich die von Delphis verwendete. Bei den Ankern war im SSModel-Bausatz nur einer vorhanden, weshalb ich einen von Delphis genutzt habe. Die kleinen beiden Beiboote von SSModel waren Fehldrucke, auch hier verwendete ich die von Delphis - auf vielen Fotos sind die Beiboote übrigens nicht zu erkennen. Bei dem SSModel-Bausatz fehlten die Decksstützen und die 4-cm-Flak. Erstere ergänzte ich aus Metallstäben, letztere mit 3D-gedruckten Teilen von Ciel Blue Modelworks, die mir Jens Bartels ausdruckte (vielen Dank!). 

Für den Anstrich verwendete ich wieder Acrylfarben von Vallejo Model Colour: 153 (907) Hellblaugrau für die Seiten, 160 (992) Neutralgrau für die Decks und 124 (819) Iraquisand für die Persenning. Ich stellte den Bauzustand von 1938 nach der letzten Modernisierung dar - ohne die Kennbuchstaben, die Leone als Zerstörer trug, also kurz vor der Umklassifizierung zum Zerstörer.

Links Leone mit dem Typschiff der Vorgänger-Klasse, der Carlo Mirabello (1916) sowie dem britischen Flottillenführer HMS Scott (1918). Rechts mit dem in Italien gebauten sowjetischen Flottillenführer Taschkent (1939, ähnlich zu den Ideen für Spähschiff in den 1930ern) und dem französischen Großzerstörer Jaguar (1926, dem französischen Gegenstück zur Leone-Klasse).


Links Leone mit zwei Leichten Kreuzern der gleichen Epoche, der britischen HMS Southampton (1912) und der japanischen Kiso (1921). Rechts mit zwei neueren italienischen Fregatten, der Libeccio (1983) und Carlo Bergamini (2014).

Quellen

  • Esploratori italiani von Franco Bargoni, Rom, 2019
  • Super Destroyers. From the Torpedo Boat Era to the Dominant Surface Warship of Today von Robert C. Stern, Barnsley, 2024 (Buchbesprechung)
  • Z-vor! Internationale Entwicklung und Kriegseinsätze von Zerstörern und Torpedobooten. 1914 bis 1939 von Harald Fock, Herford, 1989
  • All the World's Fighting Ships 1906-1921 von Robert Gardiner (Herausgeber), London, 1985
  • Leone-Klasse (Wikipedia)


Lars