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Heller - La Reale de France 1/75 Drucken
Samstag, 07. Oktober 2006 um 17:23

Modell: La Reale de France
Hersteller: Heller
Maßstab: 1/75
Teile: 900
Art. Nr.: 80898
Preis: 89,99 Euro

Das Vorbild


In der Mitte des 17. Jahrhunderts hatte die Galeere den H√∂hepunkt ihrer Entwicklung bereits hinter sich. Die verbesserte Man√∂vrierf√§higkeit der Segelschiffe und die Weiterentwicklung der Artillerie leiteten den Niedergang ein. 1651 lieferte sich die 26 Kanonen-Fregatte Lion Couronn√© und 11 Galeeren ein mehrst√ľndiges Gefecht, das unentschieden endete; 1684 besiegte das Linienschiff Le Bon 35 spanische Galeeren.
In dieser Zeit des Niedergangs werden die schönsten und prächtigsten Galeeren gebaut. Von ihren militärischen Aufgaben weitestgehend entbunden, dienten sie nun in erster Linie repräsentativen Zwecken.
Im 17. Jh. wurden die Galeeren in gewöhnliche, welche 26 Bänke besaßen und in die besonderen Galeeren (Galères extraordinaire) unterteilt. Die Bezeichnung Réale war den Schiffen des Königs vorbehalten. Sie gehörten zu den Galères extraordinaire und konnten bis zu 33 Paar Ruderbänke besitzen. Jeder Riemen wurde bei diesen Schiffen von bis zu 7 Mann bedient.
Die La Réale de France des Bausatzes wurde nach Plänen vom Ende des 17. Jh. rekonstruiert. Die Schnitzereien entstammen der Werkstatt des französischen Bildhauers Pierre Puget. Sie können heute im Pariser Marinemuseum besichtigt werden.

Der Bausatz


Der Rumpf
Der Rumpf wird aus zwei Teilen aufgebaut. Die Holzmaserung des √úberwasserschiffes und die Detaillierung sind sehr gut. Die Bemalung der winzigen Lilien d√ľrfte sehr aufwendig werden. Beim Unterwasserschiff wurde dagegen auf jede Gravur verzichtet.



Das Deck
Die Holzmaserung des Decks ist zu grob. Auch sind die Fugen zu breit. Ein Großteil des Decks wird durch die Ruderbänke verdeckt



Die nächsten Spritzlinge enthalten die beiden Beiboote sowie weitere Bauteile der Decks und des Rumpfes.



Die Gravur der Holzmaserung wurde sehr schön wiedergegeben. Die Fugen zwischen den Planken sind leider etwas zu weit auseinander.



Vervollst√§ndigt werden die Bauteile des Rumpfes durch Lukendeckel, die Ausleger f√ľr die Draggen, weitere Balustraden und einige Kleinteile



W√§hrend die Gravur des Laufbr√ľckengesch√ľtzes sehr fein ausgef√ľhrt worden ist, tr√ľben Sinkstellen bei den Kranbalken und die Auswurfmarken an den Balustraden den positiven Eindruck.



Laufgang und Balkenwerk
Die nächsten Spritzlinge enthalten die Seitenwände des mittleren Laufgangs und die Laufgänge der Bakbord- und Steuerbordseite:





Die n√§chsten beiden Spritzlinge sind jeweils zweifach vorhanden und enthalten die Bauteile f√ľr das Balkengestell der Ausleger.



Leider weisen die Balken eine Vielzahl von Auswurfmarken auf.



Die Verzierungen
Die Bauteile der Verzierungen verteilen sich auf drei Spritzlinge.



Die Gravur ist sehr fein. Beim Vergleich mit Fotos der Originalschnitzereien von Pierre Puget √ľberzeugt die √úbereinstimmung selbst in Details.



Die Riemen
Die Riemen verteilen sich auf die Spritzlinge 9und 9A, die jeweils zwei Mal vorhanden sind. Leider sind die Handgriffe massiv ausgef√ľhrt worden.



Masten und Rahen
Die Masten und Rahen werden aus jew. zwei Hälften zusammengebaut. Dieses bietet dem Modellbauer die Möglichkeit diese von innen durch ein Messing- oder Holzprofil auszusteifen, um ein Durchbiegen beim Takeln zu verhindern.



weitere Bauteile
Die beiden n√§chsten Spritzlinge sind jeweils zwei Mal vorhanden. Sie enthalten die Bauteile f√ľr die Ruderb√§nke, die Bl√∂cke, einige Gesch√ľtze usw.



Die Qualit√§t der Bauteile ist sehr unterschiedlich. W√§hrend die Holzgravur der Bretter sehr sch√∂n ist, sind die Gabel und die Gesch√ľtzrohre massiv ausgef√ľhrt worden.
Die Blöcke sind meiner Meinung nach nicht zu gebrauchen. Anstelle einer Scheibe, weisen sie nur ein großes Loch auf.



Die Segel
Die gro√üen und markanten Lateinsegel wurden tiefgezogen. Diese wirken in meinen Augen sehr k√ľnstlich und sollten gegen Stoffsegel ausgetauscht werden.



Die Flaggen
Die zahlreichen Flaggen liegen als gro√üer Papierbogen bei. Der Druck der Goldornamente ist sehr sch√∂n. Leider wei√üt der Bogen einige Knicke auf. Hier w√§re eine bessere Verpackung w√ľnschenswert.



Sonstiges
Vervollständigt wird der Bausatz durch den Ständer, eine Messingkette und drei Rollen Takelgarn in unterschiedlichen Stärken. Ob das Garn ausreicht, muss der Bau zeigen.



Die Bauanleitung


Die Bauanleitung umfasst 17 Seiten; w√§hrend die allgemeinen Angaben zum Vorbild in 8 Sprachen abgedruckt worden sind, werden die Hinweise in den √ľbersichtlichen Zeichnungen in franz√∂sisch wiedergegeben. Die Zeichnungen erkl√§ren den Bau des Modells in 24 Schritten und gehen auch auf die Takelung des Modells ausf√ľhrlich ein.







Ergänzt wird diese durch eine einseitige englische und eine vier Seiten umfassende deutsche Übersetzung.

Fazit


Aus dem Bausatz l√§sst sich ein wundersch√∂nes Modell einer Gal√®re extraordinaire bauen. Die Form des Rumpfes wurde mit Ausnahme der fehlenden Deckskr√ľmmung, die nach Aufbau der Ruderb√§nke kaum sichtbar ist sehr gut wiedergegeben. Besonders gelungen finde ich die Wiedergabe der Schnitzereien von Puget. Die Holzmaserung ist mit Ausnahme des Decks sehr fein ausgef√ľhrt worden.
Wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten: einige Sinkstellen und etliche Auswurfmarken, besonders an den Bauteilen der Ausleger, die auch am Alter der Formen liegen, tr√ľben den Eindruck. Die Bl√∂cke k√∂nnen nicht √ľberzeugen und sollten ausgetauscht werden.
Ob man die tiefgzeogenen Segel gegen Stoffsegel und die Masten gegen solche aus Holz austauscht, muss jeder f√ľr sich entscheiden.
empfehlenswert