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Seenotrettungskreuzer Hermann Marwede 1/72 von Michael Keller Drucken
Freitag, 31. MĂ€rz 2006 um 17:31
Der neueste Seenotrettungskreuzer der DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung SchiffbrĂŒchiger), die "Hermann Marwede", wurde von Revell als Bausatz schon vor lĂ€ngerer Zeit angekĂŒndigt und die Modellbaugemeinde fieberte dem Erscheinungstermin entgegen. Da ich die "Arkona" schon im gleichen Maßstab 1:72 (ebenfalls von Revell) gebaut hatte, konnte auch ich mich der Faszination dieses Modells nicht entziehen. Als Revell den Bausatz dann im Herbst 2005 auf den Markt brachte, gehörte eines der ersten Modelle mir.


Ein paar kurze Worte zum Vorbild: Bei der "Hermann Marwede" handelt es sich um den derzeit grĂ¶ĂŸten und modernsten Seenotrettungskreuzer der DGzRS. Bei 46m LĂ€nge, einer Breite von 10,6m und einem Tiefgang von 2,8m erreicht das 404 t verdrĂ€ngende Schiff eine Geschwindigkeit von 25 Knoten (ca. 46 km/h). Eine Mittelmaschine sowie zwei Seitenmaschinen liefern eine Gesamt-Motorleistung von 6800 kW entsprechend 9250 PS. Das in der Heckwanne mitgefĂŒhrte Tochterboot VERENA basiert auf dem 9,5 m-Seenotrettungsboot. Es lĂ€uft bei 9,4m LĂ€nge, einer Breite von 3,6m und einer Motorleistung von 243 kW/330 PS eine Höchstgeschwindigkeit von 18 Knoten (ca. 33 km/h). Dank des geringen Tiefgangs von 0,96 m kann das Tochterboot auch in flachen GewĂ€ssern, beispielsweise um SandbĂ€nke und Untiefen herum, eingesetzt werden. Die "Hermann Marwede" ist auf Helgoland stationiert.
Kommen wir zum Modell: der sehr voluminöse Karton enthĂ€lt die gigantischen, in weiß eingefĂ€rbten Spritzlinge sauber in PlastiktĂŒten verpackt, sowie einen großen Spritzling mit Klarsichtteilen. Der einteilige, ĂŒber 60cm lange Rumpf liegt separat in einer Bettung aus Karton und kann so nicht beschĂ€digt werden. Die revelltypische Bauanleitung mit Baustufenzeichnungen, ein kleiner Satz Decals und eine BroschĂŒre ĂŒber die DGzRS vervollstĂ€ndigen den Inhalt. Der Aufbau des Modells, und vor allem der einteilige Rumpf, lassen es durchaus zu, das Schiff auch als RC-Fahrmodell zu bauen. Ich jedoch habe mich fĂŒr ein reines Standmodell entschieden. Die QualitĂ€t des Bausatzes macht auf Anhieb einen sehr guten Eindruck. Revell hat mit seinen Modellen aus neuen Bausatzformen qualitativ einen Riesensprung nach vorne gemacht - das sollte sich auch bei diesem Modell bestĂ€tigen.
Beim Bau meines Modells war mir saubere Arbeit, feine Lackierung und elegantes Erscheinungsbild wichtiger als genaue Vorbildtreue. D.h. dass Details in Lackierung und Detaillierung nicht unbedingt dem Vorbild entsprechen, sondern meine eigene Interpretation des Themas darstellen.
Als Eingewöhnung und sozusagen Einstieg habe ich zuerst das Tochterboot "Verena" gebaut. Dieses ist ein kleines SchmuckstĂŒck fĂŒr sich.

Interessanterweise ist "Verena" baugleich mit den DGzRS-Einheiten der 9,5 Meter Klasse. Da Revell das Tochterboot auf einem eigenen Spritzling realisiert hat, öffnen sich dem Dioramenbauer hier ganz eigene Möglichkeiten, da das Boot problemlos nachbestellt werden kann. Schwierigkeiten gab es beim Bau von "Verena" nicht, lediglich das Deck steht etwas unter Spannung, das kann aber durch ein paar Gummiringe wĂ€hrend der Trockenzeit des Klebers problemlos gemeistert werden. Ein paar Details an Bergungspforte, Positionslaternen und Mast hat Revell vereinfacht dargestellt, meiner Meinung nach kann das aber vernachlĂ€ssigt werden. Apropos Mast: dieser lĂ€sst sich gemĂ€ĂŸ Bauanleitung nur in aufgerichteter oder geklappter Version darstellen. Das hat mir nicht gefallen, weshalb ich den Mast klappbar gestaltet habe. Mit einer SchlĂŒsselfeile und den Cutter habe ich die Scharnierstelle vertieft und vorsichtig per Hand mit einem 0,5mm Bohrer durchbohrt. Die (Steck-)Achse habe ich aus einer 0,8mm Stecknadel gefertigt. Die dadurch entstehende Reibung genĂŒgt, um den Mast aufrecht zu halten.

Beeindruckend hier die PrÀzision des Bausatzes. Beim Tochterboot musste trotz einiger komplexer Strukturen nicht gespachtelt werden!
Kurz ein Wort zum Kunststoff: der hier verwendete ist von einer viel besseren QualitĂ€t als der des "Arkona" Bausatzes. Er ist relativ flexibel, lĂ€sst sich erhitzt wunderbar ziehen, bricht nicht beim Feilen und schneiden und wird von FlĂŒssigkleber geradezu verschweißt! Also besser gehtÂŽs kaum!
Kommen wir nun zur "Hermann Marwede" selbst. Das Modell ist so groß, dass es schon fast unhandlich wirkt... Man sollte beim Bau etwas mehr Platz haben als ĂŒblich. Ich hatte damit nĂ€mlich so meine Probleme. Auch die Spritzlinge sind in einem sehr unhandlichen Format gehalten, was den Bausatz aber keinesfalls abwerten soll. Die Bauanleitung sollte man nur als "Leitfaden" ansehen und sich seine Schritte selber planen. Ich halte es z.B. fĂŒr etwas vermessen, die sehr filigranen Relings direkt am Anfang aufzukleben... Der Bau selbst bereitet erstaunlich wenige Probleme. Ein paar Fußangeln gibt es dennoch. Das rĂŒckwĂ€rtige Schott der Tochterbootwanne (B211) hat unten einen zu dicken Steg. Hier ist den Formenbauern schlichtweg ein Fehler unterlaufen. Dieser Steg muss dĂŒnner gefeilt werden, sonst passt die ganze Wanne nicht. Die Decks selber weisen fast keine KrĂŒmmung (Decksprung) auf, das Querschott (E70) jedoch wohl. Daher mĂŒssen die beiden Teile wĂ€hrend der Trockenzeit gut mit Klebeband fixiert werden, da sonst ein unschöner Spalt entsteht. Bei den Rumpfseitenteilen (B7/B8) lĂ€sst sich ganz vorne am Bug ein Spalt kaum vermeiden. Hier muss tatsĂ€chlich zur Spachtelmasse o. Ä. gegriffen werden. Bei den unteren Aufbauten (G91/G92/G93) wollte das Vorderteil nicht so recht passen... Es stand extrem unter Spannung. Am besten man schleift die FĂŒhrungsnasen auf dem Deck weg, dann lĂ€sst es sich individueller anpassen. Außerdem macht man das besser VOR dem Lackieren des Decks. Bei mir warÂŽs zu spĂ€t und ich musste schauen, wie ich den Fehler wieder ausmerzte... Beim BrĂŒckenaufbau oben gab es das gleiche Problem noch einmal, allerdings nicht in so ausgeprĂ€gter Form - außerdem war ich dieses Mal vorgewarnt. Der Rest lĂ€sst sich problemlos zusammenbauen. Die Relings sind diesmal im Gegensatz zur "Arkona" alle vorgebogen, so dass man sie sofort ankleben kann. Sie bestechen außer der perfekten Passform auch durch ihr filigranes Aussehen, was bei einem Modellschiff leider nicht selbstverstĂ€ndlich ist. Das Innere der Decksaufbauten habe ich dunkel ausgemalt, um beim Blick durch die Bullaugen eine bessere Tiefenwirkung zu bekommen. Im BrĂŒckenaufbau habe ich ein paar Pulte scratch gebaut, sie sind aber im Nachhinein kaum noch zu erahnen, so dass man sie auch eigentlich weglassen kann. Das Schlauchboot ist stark vereinfacht dargestellt, so dass ich eigentlich vorhatte es unter einer Plane zu verstecken. Dann habe ich es aber mit einem Außenbordmotor (von einem Schuco-Feuerwehrzug mit Boot) und einem Lenkrad (ein Rad von einem 1:144 MilitĂ€rjet, dĂŒnner gefeilt und gebohrt) aufgepeppt.

So kann es sich sehen lassen. Der Kran ist ebenfalls stark vereinfacht dargestellt, hier sah ich allerdings keinen Handlungsbedarf. Schlichtweg vergessen haben die Formenbauer die Nischen der Positionslaternen samt Laternen selber. Die Nischen hab ich mir erspart, aber die Laternen waren schnell aus gehĂ€lfteten StĂŒckchen Gußast gefertigt und aufgeklebt. In den richtigen Farben lackiert fĂ€llt das Fehlen der Nischen kaum auf!


Einen grĂ¶ĂŸeren Umbau bescherte mir die Hubschrauberarbeitsplattform. Diese ist bei Revell als geprĂ€gte Platte dargestellt. Eigentlich kein Problem, aber im Original besteht sie aus Gitterrosten, die einen Blick auf das darunter liegende Tochterboot zulassen. Das wollte ich bei meinem Modell auch realisieren. Entsprechende Ätzteile waren mir zu teuer, weshalb ich eine andere Lösung gewĂ€hlt habe. Zuerst wurde das Originalteil ausgefrĂ€st, damit nur die "DĂ€cher" der seitlichen Stores und ein umlaufender Steg ĂŒbrig blieben. Dann habe ich aus Holzleisten das StahltrĂ€gergerĂŒst nachgebaut, auf dem im Original die Gitterroste liegen.

Da absolute Vorbildtreue nicht mein Ziel war, habe ich die Anordnung der Streben etwas freier ausgewĂ€hlt. Nach dem Lackieren konnte der Rost angepasst werden, das bei mir aus Fliegengitter aus dem Baumarkt besteht. Und zwar von der Sorte, die NICHT geflochten ist (ich fand das sah sonderbar aus), sondern aus miteinander verschweißten KunststofffĂ€den besteht. Dieses wurde zurechtgeschnitten, lackiert und sparsam mit UHU-Kraft aufgeklebt. Das Resultat empfinde ich als sehr zufrieden stellend. Man kann durch den Gitterrost hindurch die StahltrĂ€gerkonstruktion und das Tochterboot sehen - genau wie beim Original.

Das große, weiße "H" auf dem Hubschrauberarbeitsdeck wurde von der DGzRS ĂŒbrigens schon nach kurzer Zeit wieder entfernt, da es sich als zu rutschig im Alltagsbetrieb erwiesen hatte.
Zum Schluss fertigte ich den Mast. Die Flaggenleinen stellte ich aus 0,5mm Silberdraht aus dem Elektronikbedarf her. Er wurde gezogen, so dass er absolut gerade ist. Im Mast bohrte ich an den entsprechenden Stellen 0,5mm Löcher und klebte den Draht mit Sekundenkleber ein. Schon hatte ich recht brauchbare Flaggenleinen. Die Flaggen selber habe ich auf Alufolie gezogen und randfrei ausgeschnitten. Mit etwas UHU konnte ich sie dann an den Draht kleben. Nach dem AushÀrten konnte man die Flaggen so biegen, als wenn sie im Wind flattern - eine einfache und geniale Lösung!

Den kleinen Flaggenmast am Bug (fĂŒr die so genannte "Bremer Speckflagge" muss man aus gezogenem Gußast herstellen, denn er ist im Bausatz nicht vorgesehen. Zum Schluss wurden die Decals aufgebracht. Sie sind hauchdĂŒnn und sehr anschmiegsam. Mit etwas Essigwasser aufgebracht kann man völlig auf die Benutzung von Weichmachern verzichten.
Die "www.dgzrs.de" SchriftzĂŒge an den Relings des Hubschrauberarbeitsdecks habe ich am PC auf Transparentfolie gelasert. Leider haftet die Folie nicht richtig, so dass ich mir hier noch etwas Anderes ĂŒberlegen muss.

Mein Fazit fĂ€llt sehr positiv aus! Ein Bausatz aus neuen Formen, sehr passgenau und fĂŒr Revell richtungweisend! Einige Vereinfachungen trĂŒben nicht den Gesamteindruck und lassen Raum fĂŒr eigene kreative Umbauten oder den Gebrauch von ZurĂŒstteilen. Es hat wirklich Spaß gemacht dieses Modell zu bauen und das Resultat spricht fĂŒr sich! Alleine die StĂŒtzen sind nicht allzu dekorativ...


... aber auch hier findet man bei Fremdherstellern sicher eine schöne Lösung.
Mike "Dannebrog" B. Keller im MĂ€rz 2006