Modellsuche

Suchen


Die Queens, Teil 4: Queen Elizabeth 2 von Revell (1/1200) und Airfix (1/600) Drucken
Mittwoch, 08. Juli 2020 um 05:00

 

Die Queens

 

Quelle: Wikimedia Commons

Queen Elizabeth 2 - Das Original

Wer hätte gedacht, dass der Cunard-Neubau Queen Elizabeth 2, der am 2. Mai 1969 zu seiner Jungfernfahrt nach New York aufbrach, dreizehn Jahr später wie seine berühmten Vorgängerinnen als schneller Truppentransporter eingesetzt werden würde? Die Queen Elizabeth 2 war 1982 Teil der Flotte, welche über den Südatlantik dampfte, um die von Argentinien annektierten Falklandinseln zurückzuerobern.

Das Schiff zeigte ein ganz neues Profil. Schnittig elegant mit weit ausfallendem Bug und markantem, neu gestaltetem Abluftkamin bot die Queen Elizabeth 2 ein unverwechselbares und für das Design zukünftiger Passagierschiffe wegweisendes Erscheinungsbild. Konzipiert als Kombination von Transatlantikliner und luxuriösem Kreuzfahrschiff bot sie 1900 Passagieren in 978 Kabinen Platz. Hinzu kamen rund 1000 Besatzungsmitglieder. Damit sowohl der Suez- als auch der Panamakanal passiert werden konnte, wurde die Queen Elizabeth 2 möglichst leicht gebaut. Sie wies bei 293 m Länge und 32 m Breite einen Tiefgang von 10 m auf. Mit ihren 70.000 BRT war die Queen Elizabeth 2 etwas kleiner als die Vorgängerin gleichen Namens. Angetrieben wurde das Schiff zuerst von Turbinen, die auf zwei Antriebswellen wirkten. 1967 wurden sie gegen zwei Dieselmotoren von MAN ausgewechselt.

Als 2004 die Queen Mary 2 in Fahrt kam, wurde der „Dampfer“ bis zu seiner Ausmusterung 2008 hauptsächlich als Kreuzfahrschiff rund um den Globus eingesetzt.

In ihrer aktiven Zeit als Flaggschiff der Cunard Line legte die Queen Elizabeth 2 fast sechs Millionen Seemeilen zurück, transportierte etwa 2,5 Millionen Passagiere und überquerte über 800 Mal den Atlantik.

2008 wurde der Luxusliner für 100 Millionen Dollar nach Dubai verkauft, wo er nach einem Umbau seither als Hotelschiff im Hafen verankert liegt.

Queen Elizabeth 2 – das Model im Maßstab 1/1200 von Revell

Im Vergleich zu den ur-uralten Kriegsschiffsbausätzen der bekannten Miniserie von Revell sind die zivilen Schiffe als Bausätze neueren Datums wesentlich genauer und detaillierter modelliert. Natürlich weisen sie weniger Teile auf als ihre größeren Modellschwestern. Mit Vereinfachungen und Weglassungen ist zu rechnen. Einige wenige, ergänzende Zurüstteile sind bei Shapeways erhältlich. Tom's Modellwork bietet sogar eine Relingplatine an, die ich aber nicht verwenden würde, da die Relings trotz ihrer Feinheit am Modell immer noch wie Gartenzäune wirken und die Schiffslinien beeinträchtigen.

Innerhalb der zivilen Miniflotte in 1/1200 sticht die Miniatur der Queen Elizabeth 2 durch ihre hohe Genauigkeit mit sehr feinen und scharfkantigen Strukturen ganz besonders heraus. Ich würde sogar meinen, dass der Formenbau aus dem Jahre 2002 den Vergleich mit vielen 700er-Bausätzen keineswegs zu scheuen braucht.

Da nur 36 Teile zu verbauen sind, geht der Baufortschritt gemäß Bauplan in elf Etappen flott voran. Aufwendiger wird es dann mit der Bemalung. Es will gut überlegen sein, in welcher Reihenfolge man die Teile bemalen und verkleben will. Beispielsweise würde ich die Rettungsbootreihen erst nach dem Lackieren einsetzen.

Da dieses Modell sehr fein gearbeitet ist, rate ich zur Spritzpistole, mit einem Pinselauftrag läuft man in Gefahr, die Konturen und Fensterreihen zuzupappen. Grundsätzlich bemale ich immer zuerst die Decks, die maskiert werden, bevor die weißen Teile der Passagierdecks und Aufbauten und eine eventuell vorhandene weiße Wasserlinie gespritzt werden. Alsdann klebe ich mit Masking Tapes die Bordwände ab, male mit Anthrazit (nie mit Schwarz!) die Bordwände und zum Schluss das rostrote Unterwasserteil. Kleine Details werden mit entsprechender Farbe pinsellackiert. Baugruppen, die horizontal auf die Decks geklebt werden, bemale ich immer vor deren Montage, das ist einfacher und es ergeben sich so saubere Trennlinien zum jeweiligen Deck.

Dem Bausatz liegen sehr feine, mit großer Vorsicht zu verarbeitende Nassschiebebilder bei.

Hinweis

Hier zeigt uns Martin Kohring ein gebautes Exemplar des vorgestellten Bausatzes.

Fazit

Ein in seiner Genauigkeit aus der Miniship Serie herausragender Bausatz. Modellbauerfahrung ist von Vorteil.

alt sehr empfehlenswert

 

Queen Elizabeth 2 – das Model im Maßstab 1/600 von Airfix

Der Bausatz besteht aus gut 150 Teilen, angegossen an dicke Gussrahmen. Die Teile sind mit Vorsicht abzulösen, weil die Angüsse nicht immer an der besten Stelle angebracht sind. Immerhin gibt es keine Sinkstellen und die Auswurfmarken befinden sich auf der nicht sichtbaren Rückseite der Teile.

Als ich den Bausatz für diesen Beitrag begutachtete, wurde mir auch wieder bewusst, warum das Schiff seit Jahren ungebaut in meinem Arsenal lagert. Die langen Fensterreihen sind aus unerfindlichen Gründen erhaben dargestellt. Im Gegensatz etwa zum Bausatz der Queen Elizabeth von Airfix (siehe Bausatzvorstellung), deren Fenster versenkt geprägt sind und mit einem Fineliner ausgefüllt werden können, wartet bei der Queen Elizabeth 2 eine langwierige Maskierung mit sehr schmal geschnittenen Masking Tapes auf den willigen Modellbauer.

Der knapp gehaltene, ungewohnt querformatige Bauplan führt in zehn Abschnitten zum fertigen Modell. Für die Bemalung sind grundsätzlich sechs Farben notwendig. Eine Alterung ist nicht notwendig, da sich Passagierschiffe in der Regel immer in einem sehr gepflegten Äußeren präsentierten. Wer wollte denn schon mit einem Gammeldampfer reisen! Selbst beim Falklandeinsatz der Queen Elizabeth 2 sind kaum Einsatzspuren feststellbar. Die Abluftummantelung war damals weiß, wie auf dem Deckelbild erkennbar, und nicht im Cunardrot bemalt.

Ein kleiner Abziehbilderbogen mit Decksmarkierungen für Shuffleboard und Tennis vervollständigen zusammen mit einem Flaggenset den Bausatzinhalt.

Fazit

Sicher würde ein heutiger Bausatz noch einige Details mehr bieten, doch im Großen und Ganzen entsteht eine sehr gute Abbildung des realen Schiffes. Die Bemalung wird sich allerdings als ziemlich aufwendig erweisen.

alt empfehlenswert

 

Anmerkung: Wer sich die mühsame Fensterbemalung sparen will, dem sei - wenn der Maßstab keine zwingende Rolle spielt - der Otaki-Bausatz in 1/450 mit durchbrochenen Fenstern empfohlen. Dieser ist auch bei Anmark, Revell und Gunze Sangyo erschienen. Weil ich den Bausatz von AFV Club, der 2019 als "new tool" herausgekommen ist, noch nicht zu Gesicht bekommen habe, kann ich nicht sagen, ob er durchbrochene oder versenkt dargestellte Fensterreihen hat. Das wäre vor einem Kauf zu prüfen. Ein sehr schönes Beispiel des alten Otaki-Modells in 1/450 von Steffen Franke ist hier zu sehen.

Hinweis: Für eine spezielle Bemalungsvariante könnten die beiden folgenden Bilder der Queen Elizabeth 2 als Truppentransporter im Falklandkrieg stehen und den einen oder anderen dazu motivieren, dieses eher unbekannte Erscheinungsbild für sein Modell zu wählen.

Quelle: Wikimedia Commons hier und hier.

Wilfred Grab