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Baubericht Schlachtschiff Bismarck 1/350 - Teil 1 Drucken
Sonntag, 01. Januar 2006 um 19:38

Das Original


Den meisten dĂŒrfte die Geschichte der Bismarck in groben Umrissen bekannt sein, daher möchte ich nur kurz auf einige Eckdaten eingehen.
Auf Kiel gelegt wurde die Bismarck am 1. Juli 1936 bei Blohm und Voss in Hamburg mit der Baunummer 509 - mit der Bezeichnung Schlachtschiff "F". Am 14. Februar 1939 lief das Schlachtschiff vom Stapel - wobei ich hier anmerken möchte, das ein Stapellauf nicht die Beendigung der Bauarbeiten darstellt, sondern lediglich die "Schiffstaufe" vollzogen wurde und der Rumpf zum ersten Mal im Wasser schwamm. Sofort nach dem Stapellauf wurde der Rumpf zum AusrĂŒstungskai geschleppt wo erst sĂ€mtlich Aufbauten, Waffen und technische Hilfsmittel eingebaut wurden.
Die Indienststellung fand am 24. August 1940 unter K.z.S. Lindemann statt, um nach der ersten Erprobungsfahrt am 9. Dezember 1940 nochmal in Hamburg festzumachen, um notwendige Restarbeiten durchzufĂŒhren. Am 6. MĂ€rz 1941 (ein frĂŒheres Auslaufen verhinderte unter anderem ein im Kaiser-Wilhelm Kanal gesunker Frachter) begann die Ausbildungsphase, am 26. April 1941 meldete K.z.S. Lindemann die Bismarck als einsatzbereit, doch wegen einem defekten Bordkran musste die Einsatzbereitschaft nochmals auf 14. Mai 1941 verlegt werden.
Die erste (und zugleich letzte) Feindfahrt begann am 19. Mai 1941 mit der (1946 im Bikini-Atoll nach einem Atombombentest gesunkenen) Prinz Eugen. WĂ€hrend dem Aufenthalt in Bergen/Norwegen wurde die Kampfgruppe zum ersten Mal von britischen AufklĂ€rungsflugzeugen gesichtet, und damit begann die Jagd auf diese grosse Bedrohung. Am 21. Mai 1941 brachen beide Schiffe zum Unternehmen "RheinĂŒbung" auf, Flottenadmiral LĂŒtjens, welcher an Bord der Bismarck war, befahl den Durchbruch in den Atlantik durch die DĂ€nemarkstrasse. Was die Kampfgruppe noch nicht ahnen konnte - die EnglĂ€nder ĂŒberwachten alle Durchbruchsmöglichkeiten in den Atlantik, um ein erfolgreiches Eingreifen in den Atlantikkrieg zu verhindern.
Am 24. Mai 1941 kam es zum Gefecht mit der "Hood" und der "Prince of Wales", wobei die Hood nach der 5. Vollsalve durch die Bismarck versenkt wurde. Die Prince of Wales wurde schwer beschĂ€digt und drehte ab, um einer Vernichtung zu entgehen. Doch auch die Bismarck hatte 3 Treffer einstecken mĂŒssen, einen davon in den Treibölbunker, und so wurde das Unternehmen abgebrochen, die Prinz Eugen entlassen und die Bismarck steuerte auf St. Nazaire zu. Die britische AdmiralitĂ€t indes zog alle nur verfĂŒgbaren Einheiten zusammen um die Bismarck zu stellen. Am 26. Mai 1941 gegen 18 Uhr griff ein alter Swordfish-Doppeldecker die Bismarck an und erzielte einen (nach englischen Berichten) Jahrhunderttreffer - der Torpedo des Flugzeuges zerschellte nicht am gigantischen GĂŒrtelpanzer sondern traf in die ungeschĂŒtzte Ruderanlage. Dadurch wurde ein Ruder verklemmt und die Bismarck war zwar voll kampffĂ€hig aber nicht mehr zu manövrieren - am 27. Mai wurde die Bismarck wieder entdeckt und von den Schlachtschiffen "Rodney", "King George V" und den schweren Kreuzern "Dorsetshire" und "Norfolk" zum Endkampf gestellt.
WĂ€hrend die Bismarck zwar verbissen kĂ€mpfte aber keine Treffer verbuchen konnte, wurde sie von den Angreifern zum schwimmenden Wrack geschossen. Zwar war das Schiff noch schwimmfĂ€hig und der innere Panzer vollstĂ€ndig intakt - doch von den Aufbauten war nichts mehr außer brennenden Überresten ĂŒbrig. Um 10 Uhr 36 sank die Bismarck nach der DurchfĂŒhrung der Selbstversenkungsmaßnahmen zu den KlĂ€ngen von "Komm zurĂŒck" (ĂŒber Bordlautsprecher) und wehender Fahne.
Von 2252 Besatzungsmitgliedern konnten nur 116 gerettet werden (die Angaben variieren allerdings), die Rettungsmaßnahmen mussten nach einem U-Boot Alarm abgebrochen werden. Einige Tage spĂ€ter wurde die Schiffskatze Oscar gerettet, welche heute noch einen Ehrenplatz als GemĂ€lde in einem englischen Museum findet.

Die Idee


Eigentlich komme ich von den Panzerbauern - doch irgendwie fand ich darin nicht mehr meine ErfĂŒllung. Ich suchte also nach einem neuen Gebiet um mein Hobby auszuĂŒben, und, daß war das Wichtigste, welches mich auch abseits des Modellbaus interessiert. Über den Umweg "U-Boote" bin ich dann bei den Dickschiffen gelandet, da ich im Laufe der Jahre doch viele BĂŒcher darĂŒber gelesen hatte und mich dieses Thema immer wieder interessierte. Beginnen wollte ich dann eigentlich mit der Tirpitz - doch aller Anfang ist schwer und auch vor so manchen UnfĂ€llen ist man nicht gefeit - kurzum - dieses Projekt wurde schon nach wenigen Baustunden unfreiwillig beendet. Nun hatte ich also noch die Restteile der Tirpitz und einen Tamiya Bausatz von der Bismarck - warum also nicht das bekannteste Schlachtschiff der Welt bauen.

Der Einkauf


Schließlich sammelten sich folgende Dinge auf meinem Basteltisch an:
Von Gold Medal Models wurde der Ätzteilsatz "Bismarck", "Watertight Hatches & Doors" sowie "Extra Ladders" geordert.
Von Eduard ebenfalls der Ätzteilsatz "Bismarck", "Kriegsmarine Reling" und "German AA Weapons".
Von White Ensign Models "Walkways" und "Fairleads".
Von Aber 2x "HandrĂ€der" und 1 x "VentilrĂ€der" sowie "LĂŒftergitter".
Von Evergreen die verschiedensten Strips und Platten und zum Schluß noch Messingdraht in den StĂ€rken 0,10mm bis 0,8 mm.

Die Referenzen


AusdrĂŒcklich empfehlen möchte ich das Buch von Josef Kaiser "Die Bismarck - Das Original". Herr Kaiser hat ein unglaubliches Buch herausgebracht, in dem wirklich jede Schraube der Bismarck in gestochen scharfen Bildern zu sehen ist - ohne diesem Buch kann ich mir einen originalgetreuen Bau der Bismarck nicht vorstellen. Zum Teil sind Fotos enthalten, die bisher beim deutschen Bundesarchiv lagen und der Öffentlichkeit vorenthalten blieben. ErhĂ€ltlich ist dieses Werk bei www.museumsschiffe.de - der Preis ist, wenn man das Buch mal hat, wirklich gerechtfertigt!
Weiters hab ich ein Warship Pictorial ĂŒber "German Warships" welches aber unter den Begriff "entbehrlich" fĂ€llt. Die Fotos darin sind fĂŒr den Modellbauer eher ungeeignet.
Auch das Internet bietet einige interessante Seiten, hinweisen möchte ich auf www.schlachtschiff.com oder www.kbismarck.com.
Literatur zur Bismarck

Werkzeug


Gute Pinzetten sind bei so einem Maßstab das A und O. Ebenfalls möchte ich die "Sanding Sticks" von Squadron empfehlen, welche bei den diversen Umbaumaßnahmen hervoragende Dienste tun. Auch ein Handbohrer mit 0,3mm bis 1,2mm Bits werden zum Öffnen von Bullaugen oder den Rohren der SA benötigt. Da ich schon öfters gefragt wurde, welchen Superkleber ich verwende - es ist stinknormaler Loctite, den es in jedem Supermarkt gibt. Aufgetragen mit 0,3 mm Federstahldraht kann man damit auch kleinste Teile hervorragend bearbeiten. Als Klebstoff fĂŒr die Kunststoffteile ziehe ich den Tamiya Extra Thin Cement anderen Produkten vor - aber wie ĂŒberall hat hier jeder seine eigenen Vorlieben.

Der Baubeginn


Der Bausatz von Tamiya ist schon etwas in die Tage gekommen, doch fĂŒr den ambitionierten Modellbauer gibt es keine grösseren Beanstandungen. Lediglich das dreigeteilte Deck bereitet mir etwas Kopfweh, da dies doch rech unhĂŒbsche Kanten geben kann. Bewerten wĂŒrde ich die QualitĂ€t und Ausstattung mit einer soliden 2 - wenn man das Alter des Bausatzes bedenkt. FĂŒr heutige AnsprĂŒche sind viele Details natĂŒrlich sehr plump dargestellt, doch dafĂŒr hat die Zubehörfraktion ja allerlei auf den Markt gebracht.
Begonnen habe ich mit dem Rumpf - einige Angussreste des sonst tadellosen Teils mussten entfernt werden und bei den Bullaugen kann etwas schleifen nicht schaden - sind doch hier leichte Wulste rund um diese zu erkennen. Im Anschluss folgte das Aufbohren der "Bulleys" - spĂ€ter werden diese mit "Crystal Clear" gefĂŒllt was (hoffentlich) einen authentischen Eindruck hinterlĂ€sst. Danach ging ich ĂŒber, 0,15mm Draht zurecht zu schneiden und als Regenrinnen ĂŒber den Bullaugen anzubringen. Damit ist schon der erste Schritt getan, sein Modell etwas von der "Masse" abzheben und etwas mehr dem Original zu entsprechen. Da dies aber eine sehr eintönige Arbeit ist, hab ich nach Abschluss der Arbeiten am Heck einmal mit dem Schornstein der Bismarck begonnen - Abwechslung muss schließlich sein.

Der Schornstein


Der Schornstein hat in der von Tamiya gebotenen AusfĂŒhrungen keine wirklichen Details zu bieten - dem Original entspricht das Teil nur oberflĂ€chlich. Der erste Moment ist gekommen, um sich mal so richtig "auszutoben". Ich habe also die angedeuten HandlĂ€ufe rund um den Schornstein abgeschliffen, um diese mit 0,15mm Draht neu herzustellen - so kann man die korrekte Anzahl von HandlĂ€ufen darstellen (Tamiya hat nur 3 angedeutet). Im nĂ€chsten Schritt wurde der LĂŒfter herausgesĂ€gt und durch ein GMM Ätzeil ersetzt. Schließlich wandte ich mich der Arbeitsplattform zu - welche sich unter der Scheinwerferplattform befindet. Hier waren beim Original die FĂŒhrerstĂ€nde mit den Kardanantrieben, mit denen man die beidseitigen FlugzeugversetzkrĂ€ne hĂ€ndisch bedienen konnte - diese wurden einfach durch etwas Plastikkarte dargestellt, ein StĂŒck Draht bildet die KardangestĂ€nge.
Baubericht Bismarck 1/350 von Rene Bachmann
Die BausatzkrĂ€ne wanderten gleich in die Tonne, um sie durch die filigranen Ätzteile von GMM zu ersetzen. Am Schornsteinfuss befindet sich der FĂŒhrerstand fĂŒr das Flugzeugkatapult sowie ein LĂŒfter - hier wurde die Sache schon etwas interessanter. Die Lamellen mussten aus Evergreen selbst hergestellt werden und dann alle im gleichen Winkel angeklebt werden - eine Arbeit, bei der ein Abend fast zu wenig ist. Schließlich konnte ich hier mit viel Geduld ein fĂŒr mich akzeptables Ergebnis zu Stande bringen. Abgerundet wird der Schornsteinfuss durch das Anbringen der beiden Leitern zum Katapultstand und dem Anbringen der HandrĂ€der fĂŒr die RauchschĂ€chte im Schornstein. Weiter ging es mit den Leitern und der RegenwasserschĂ€chte, welche neben der Leiter sind, ein StĂŒck Evergreen leistet hier hervorragende Dienste. Eine Wissenschaft fĂŒr sich war das Anbringen der Reling an der Scheinwerferplattform. Über die ganzen Rundungen und Ecken ein hauchdĂŒnnes StĂŒck Reling zu kleben kann spannender als so mancher Krimi sein. Nach BewĂ€ltigung dieser Aufgabe brachte ich noch die beiden TĂŒren an, welche in das Innere der "Schwalbennester" fĂŒhrten. Damit wurden die beiden Kalotten bezeichnet in denen die Scheinwerfer untergebracht waren. In meinem Fall stellte ich diese geschlossen dar, da ich mich außer Stande sah, das Innenleben der Kalotten nachzubauen - und auch die MaterialstĂ€rke bringt hier einige Probleme mit sich, möchte man die Kalotten öffnen. Unter den Kalotten wurde noch der Wartungsgang angebracht. Ganz fertig bin ich mit dem Schornstein noch nicht - es fehlt noch die Schornsteinkrone und der Übergang zur AdmiralsbrĂŒcke.

Die grosse Flugzeughalle


Der Bismarck standen insgesamt 4 Arado 196 zur SeeaufklĂ€rung zur VerfĂŒgung, welche (teileweise zerlegt) in den beiden Flughallen neben dem Schornstein gelagert waren, sowie in der achteren Flugzeughalle. Das Teil war leider etwas passungenau, und so musste ich erstmal spachteln. Im Anschluss sollte gemĂ€ĂŸ GMM Anleitung das Rolltor angebracht werden - ich wollte aber wieder ein klein wenig aus der Reihe tanzen. Also sĂ€gte ich das Tor vom Tamiya Teil ab, und klebte das GMM Tor leicht versetzt auf, um so (hoffe ich) spĂ€ter den Eindruck beim Betrachter zu erwecken, das Tor wird gerade geöffnet. Soweit - so gut.
Baubericht Bismarck 1/350 von Rene Bachmann
Jetzt kam ein schwierigeres Problem auf mich zu. Auf der achteren Flugzeughalle sind die 4 Verkehrsboote gelagert, Tamiya hat die Lagerungen dafĂŒr mit angegossen - doch leider falsch. Auf dem Bauteil waren alle Boote gerade gelagert, das bedeutet der Bug der Boote hĂ€tte nach vorne gezeigt - nach der Betrachtung der Bilder in meinem Buch stellte ich aber fest, das die beiden oberen Boote leicht schrĂ€g nach außen zeigen, da sich dazwischen eine Winde befindet (vermutlich zum Bedienen der Schienen, auf welchen die Boote gelagert waren). Also musste ich die Bausatzlagerung abschleifen und mit Evergreen Profilen neu herstellen. Hier muss man sehr genau arbeiten, da sonst entweder die Boote nicht richtig aufliegen, oder das Signaldeck nich mehr auf die Flughalle montiert werden kann. Nach einem Fehlversuch auf einem ausrangierten Tirpitz-Teil ist mir beim zweiten Anlauf Gott sei Dank alles gelungen - die Trockenprobe mit Booten und Signaldeck wurde zufriedenstellend durchgefĂŒhrt. Jetzt ist die Flughalle soweit gebaut, um die Schiffsglocke und die Winde anzubringen.
RENE BACHMANN