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Marinekampfflugzeug Blackburn Buccaneer S.2C (1/72, Airfix) von Frank Spahr Drucken
Freitag, 17. April 2020 um 05:00

Das Original

Die Blackburn Buccaneer wurde in den 1950ern als maritimes Tiefangriffsflugzeug gegen die Bedrohung durch die wachsende sowjetische Seemacht entwickelt. Sie war atomwaffenfähig und möglichst stabil gebaut, um den starken Belastungen in ihrem Einsatzprofil möglichst gut stand zu halten. Die Triebwerke der ersten Bauserie erwiesen sich als zu schwach, ein Wechsel auf Rolls Royce Spey-Triebwerke verbesserte Leistung und Flugsicherheit deutlich. Die Buccaneers der Royal Navy wurden sowohl von Landbasen als auch von den britischen Flugzeugträgern eingesetzt. Zur besseren Unterbringung hatte das Flugzeug neben klappbaren Tragflächen eine beidseits aufklappende Luftbremse am Heck. Diese verkürzte die Gesamtlänge und ermöglichte die Unterbringung auf den Flugzeugaufzügen. Der Bombenschacht der Buccaneer hatte keine Abdeckklappen, sondern rotierte insgesamt in die offene Position.

Nachdem weder die britische TSR.2 noch deren geplanter amerikanische Ersatz F-111 für die RAF zur Verfügung stand, erhielt auch die britische Luftwaffe ab 1972 Buccaneers. Nach der Außerdienststellung des letzten britischen Flugzeugträgers HMS Ark Royal IV 1978 wurden die verbleibenden Buccaneers der Royal Navy an die Luftwaffe abgegeben. Auftretende Ermüdungsrisse führten ab 1980 zu einer Verkleinerung der Flotte. Vor der endgültigen Ausmusterung 1994 nahmen Buccaneers jedoch 1991 noch am Ersten Golfkrieg aktiv teil.

Die Buccaneer wurde nur nach Südafrika exportiert; die Bundesrepublik Deutschland hatte das Muster zwar für die Marineflieger im Auge, entschied sich jedoch letztendlich für die F-104 Starfighter.

Das Modell

Bausatz: Airfix 1:72 Blackburn Buccaneer S.2C (A06021), erschienen 2019, Preis ca. 25-30 €
Zurüstteile: Ätzteilsatz von Eduard, Best. Nr. 73694, ca. 18 €
                  Maskierbogen von Eduard, Best. Nr. CX 556, ca. 8 €

Dieser neue Bausatz wurde in Zusammenarbeit mit Buccaneer-Enthusiasten entwickelt und nutzt 3D-Daten, die von einem erhaltenen Exemplar gewonnen wurden. Deutlich Berufenere als ich haben den Bausatz bewertet und für gut, sogar für definitiv befunden. Ich verweise auf Artikel auf Britmodeller, Modeling Madness und Hyperscale. Er enthält Teile für ausgeklappte und gefaltete Tragflächen, geöffnete und geschlossene Luftbremse, umfassende Außenlasten, und der typische rotierende Bombenschacht lässt sich offen und geschlossen darstellen. Eine Beladung für den Bombenschacht ist nicht enthalten. Die sehr sauberen Klarsichtteile ermöglichen, die Kanzel offen und geschlossen darzustellen.

Der Decalbogen ist nicht so einschüchternd groß wie bei der Phantom des gleichen Herstellers, enthält aber komplette Wartungshinweise. Die Anleitung ist vorbildlich klar und sinnvoll gegliedert, es gibt einen großen Farbprofilbogen, der die Bemalung und Markierung der zwei möglichen Einsatzmaschinen der Royal Navy klar zeigt. Die Farbhinweise beziehen sich auf Humbrolfarben und müssen in andere Farbsysteme übertragen werden. Zusätzlich gibt es einen sehr willkommenen zweiten Bogen, der die Platzierung der Wartungshinweise deutlich zeigt.

Alles in allem ein vorbildlicher Bausatz hinsichtlich Verpackung, Produktion und Anleitung.

Der Bau

Als ich letztes Jahr erfuhr, dass Airfix nach der hervorragenden Phantom auch eine Buccaneer herausbringen würde, war ich Feuer und Flamme. Dass die Markierungen auch eine Maschine von der Ark Royal umfassen würden, war mir umso lieber, da ich derzeit versuche, ein Modell von jedem der Muster zu bauen, die auf dem Schiff nach dem letzten großen Umbau geflogen sind. Ich bekam den Bausatz im November 2019, wartete jedoch mit dem Bau noch, bis Eduard einen neuen farbig bedruckten Ätzteilsatz und die sehr nützlichen Abklebemasken herausbrachte.

Ab da war es ein erfreulich geradliniger und schneller Weg zum fertigen Modell.

Ich versuche immer, Baugruppen, die aus mehreren Einzelteilen bestehen, frühzeitig vorzumontieren, und gleich zu Anfang möglichst viele Ätzteile zu verarbeiten. Das gelang mir hier gut, und da alles sehr nett passte, ging es auch flott voran. Natürlich musste auch das eine oder andere frühzeitig bemalt werden, gerade das Innenleben der Lufteinläufe, Triebwerke und Fahrwerkschächte sowie die Teile für das Cockpit. Ich schrieb mir eine Liste der Klarnamen der diversen Humbrolfarbnummern und versuchte, möglichst gut passende Äquivalente zu finden.

So hatte ich bald mein Cockpit bemalt und detailliert und baute parallel am Rumpf, der Rumpfnase sowie am Heck sowie der Luftbremse.

In die Rumpfnase mussten neben dem Cockpit noch 18 Gramm Ballast eingebracht werden, was ich mit Muttern und Eisenschrot, das ich in Sekundenkleber eingoss, bewerkstelligte. Wichtig war nur, dass die Hälften der Nase noch zusammenpassten. Insgesamt passte alles recht gut, lediglich an den Hinterkanten der Flügelwurzeln hatte ich es mit Spalten zu tun. Ich dachte zuerst, ich könnte diese durch die Landeklappen kaschieren. Als ich jedoch mitbekam, dass diese am Boden meist nach unten absackten, deckte ich die Bereiche mit dünnem Plastikmaterial ab. Ansonsten musste ich praktisch nicht spachteln, Sekundenkleber reichte an den wenigen Spalten aus. Nacharbeiten gab es an den Übergängen der Lufteinläufe zum Rumpf, aber es war alles machbar.

Wichtig war es auch, die Löcher zur Befestigung der gewünschten Außenlasten rechtzeitig in die Tragflächenunterseiten zu bohren, und die Tragflächen sauber zu zertrennen. Leider übersah ich einige Löcher und musste später improvisieren. Wer lesen kann, ist tatsächlich klar im Vorteil.

Die Außenlasten wurden ebenfalls vorbereitet, genau wie die Fahrwerke. Hier wich ich von der Bauanleitung ab und trimmte etwas von den Fahrwerkteilen weg, um die Räder nach dem Vormontieren der Fahrwerke einkleben zu können. So ließen sich die Räder erheblich leichter maskieren und lackieren.

Die Bemalung

Alle Bauteile wurden vor Baubeginn mit warmem Seifenwasser abgewaschen. Das Modell wurde mit Stynylrez Primer grundiert, für mich das Mittel der Wahl. Die metallischen Bereiche wurden mit den neueren Metallicfarben von Vallejo lackiert, ich bin voll und ganz mit ihnen zufrieden. Die Metallicbereiche wurden nach dem Lackieren vor dem Auftragen des endgültigen Anstrichs abgeklebt. Die Cockpitkanzel wurde mit den Masken von Eduard und mit Humbrol Maskol abgeklebt. Der vordere, feste Teil wurde mit Weißleim am Rumpf befestigt, die Schiebekanzel temporär mit Maskol.

Nach der gesamten Grundierung des Modells mit grauem Primer lackierte ich die Fahrwerkschächte in einem hellen Graublau und deckte sie mit Küchenkrepp ab. Nun brachte ich ein Preshading mit Vallejo ModelAir Extra Dark Sea Grey (EDSG) auf. Das wäre eigentlich die Rumpffarbe, kam mir aber zu dunkel vor. Deshalb fuhr ich mit einem nicht komplett deckenden Auftrag von Dark Sea Grey (DSG) fort, um etwas Abwechslung in der Oberfläche zu behalten und einen für mich stimmigen Grauton zu erreichen. Ich schaute fleißig meine DVD der BBC-Serie Sailor, die die Buccaneers auf der Ark Royal im Einsatz zeigte, und versuchte, dem dort zu sehenden Eindruck nahe zu kommen.

Nachdem ich hier zufrieden war, entfernte ich die Abklebungen über den Metallicbereichen und sprühte das Modell mit Future ein, um eine glänzende Oberfläche für das Aufbringen der Decals zu haben.

Endmontage

Die Decals ließen sich recht gut verarbeiten. Ich begann mit den spezifischen Markierungen und freute mich über Schneidmarken an den Kennungen für die Unterseiten der Tragflächen. So ließen sie sich bei geklappten Flügeln recht einfach aufbringen. Nachdem die spezifischen Markierungen angebracht waren, hieß es, die Wartungshinweise anzugehen. Wie bereits erwähnt, es sind weniger als bei einer Phantom, aber immer noch ein paar. Ich schnitt mir die Decals im Vorfeld aus und sortierte sie nach dem späteren Anbringungsort in mehrere Gruppen. Von da an war es hauptsächlich eine Geduldsfrage, bis auf die sehr feinen gelben gestrichelten Markierungen an den Kanzeln. Das war haarig in der Verarbeitung. Aber irgendwann war es erledigt.

Nun gab ich noch eine dünne Schicht Future über alles, um die Oberfläche zu homogenisieren. Dann wurden die diversen verbliebenen Anbauteile hinzugefügt und die Bemalung wo erforderlich leicht korrigiert. Nachdem das Modell komplett zusammen gebaut war, ging ich unregelmäßig und nicht deckend mit mattem Klarlack über alles, um einen einigermaßen vorbildgetreuen Glanzgrad zu erreichen. Die Maschinen wurden seinerzeit mit glänzender Farbe lackiert, unter den rauhen Bedingungen auf See ging der Glanz jedoch zusehends verloren.

Ganz zum Schluss entfernte ich die Abklebungen von den Kanzeln und befestigte die Schiebekanzel mit einem Tröpfchen Weißleim in der geöffneten Position

Quellen

Bausatzbesprechungen:

Fazit

So kann Modellbau Spaß machen. Ein sehr gut durchdachter und passender Bausatz, eine sehr gute Bauanleitung, sinnvolle und gut passende Zurüstteile, und am Ende steht ein ansprechendes Modell des letzten rein britischen Bombers. Sehr empfehlenswert.

Frank Spahr