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Britischer Schwerer Kreuzer HMS Sussex (1/700, WEM) von Frank Spahr Drucken
Montag, 24. Februar 2020 um 06:00

Das Original

HMS Sussex (96) gehörte zur County-Klasse von schweren britischen „Vertragskreuzern“, die den Begrenzungen des Washingtoner Flottenvertrags von 1922 entsprachen. Damit war besonders das Kaliber der Hauptbewaffnung von 20,3 cm und die Standardverdrängung von 10.000 t gemeint. Insgesamt wurden 13 Schiffe in drei Untergruppen gebaut, die sich leicht in Rumpfform und Panzerung unterschieden. Sussex gehörte zur zweiten Untergruppe, der London-Klasse. Diese hatte im Gegensatz zur vorigen Kent-Klasse keine Torpedowülste und einen etwas längeren Rumpf.

Sussex wurde bei Hawthorn, Leslie and Co. in Hebburn-on-Tyne gebaut. Ihr Kiel wurde am 1. Februar 1927 gelegt, der Stapellauf war am 22. Februar 1928, die Fertigstellung erfolgte am 19. März 1929.

Sie hatte eine lange und erfüllte Dienstzeit und wurde rund um die Welt eingesetzt, in Friedenszeiten, im Spanischen Bürgerkrieg und im Zweiten Weltkrieg. Zu Anfang des Zweiten Weltkrieges war sie an der Jagd auf die Admiral Graf Spee beteiligt. Nach Einsatz im gescheiterten Norwegenunternehmen und Patrouillendienst von Scapa Flow aus musste sie zu Reparaturen nach Glasgow. Dort erlitt sie bei einem deutschen Luftangriff schwere Bombenschäden, deren Reparatur zwei Jahre dauerte. Nach weiterem Patrouillendienst von Scapa Flow aus wurde sie zuerst in den Indischen Ozean und dann in den Pazifik verlegt. Die japanische Kapitulation in Singapur wurde an Bord der Sussex unterzeichnet. 1949 wurde sie außer Dienst gestellt und 1950 abgewrackt.

Das Modell

Dieser Resinbausatz wurde zuerst 1998 produziert. Er zeigt Sussex im Bauzustand von 1942, nach der Wiederindienststellung nach der großen Reparatur, mit veränderter Bewaffnung und Sensoren. Es ist ein typischer WEM-Bausatz mit meist guten Resinteilen, einem umfassenden Ätzteilsatz sowie Messingdraht für die Masten. Die Bauanleitung ist komplett und gut gemacht, sie enthält ein Farbprofil des Tarnanstrichs mit Verweis auf WEM-Colourcoats. Die Resinteile brauchen etwas Nacharbeit, diese hält sich aber in Grenzen.

Ich erstand den Bausatz direkt bevor WEM in Großbritannien die Tore schloss, zusammen mit einigen anderen nützlichen Artikeln, und hatte ihn einige Jahre in meinem Fundus. Als nun Trumpeter 2019 begann, Spritzgussbausätze der County-Klasse im Maßstab 1/350 zu produzieren, begann ich, über das Thema nachzudenken. Am Ende beschloss ich, aus Platzgründen auf die 350er-Versionen zu verzichten und nur zwei kleinere Counties zu bauen: Diesen 700er, und zwar weitgehend aus dem Kasten und vor Anker in ruhiger See, und die alte 600er Suffolk von Airfix, diese aber mit Zurüstteilen aufgewertet.

Der Bau des Modells

Ich begann mit der Vorbereitung des Rumpfes. Ich versuchte, den Bug etwas schärfer zu schleifen, und bohrte einen Teil der Bullaugen gemäß Vorbildfotos aus. Sie waren zum Teil dicht gesetzt worden. Ich benutzte Vorbildfotos aus den diversen Büchern in meiner Sammlung, aber meine wichtigste Referenz waren die Fotos eines von Richard Price gebauten Modells aus dem Buch aus der Shipcraft-Serie. Er hatte den Bausatz auf einem Niveau verfeinert, das deutlich über dem meinigen lag, und ich versuchte dem nahe zu kommen, wo ich konnte.

Ich suchte mir dann eine passende Displaybox von Trumpeter aus, in die das Schiff leicht schräg hinein passte. In den Rumpf vorn und achtern und durch den Boden der Box wurden Befestigungslöcher gebohrt. Gewindeschrauben wurden in den Rumpf sicher eingeklebt, so dass sie durch die Löcher passten. Zwei zusätzliche Löcher weiter mittig im Rumpf nahmen Schrauben auf, an denen der Rumpf während des Baus an meinem Schraubstock befestigt werden konnte.

Nun markierte ich mir, wo die Gangway und die Bootsspieren am Schiff lagen. Ich wollte dort Boote im Wasser zeigen. An den entsprechenden Stellen fräste ich vorsichtig Mulden in die Basis, in die die Boote später eingelassen werden konnten.

Mit den Booten aus dem Bausatz war ich dann doch nicht sonderlich glücklich. Daher bestellte ich über Shapeways 3D-gedruckte Boote des Designers Micro Master. Ich hatte schon mit seinen Produkten gearbeitet, und sie sind durchweg herausragend. Er bietet diverse Bootsets in verschiedenen Maßstäben an, da aber meine gewünschte Bestückung nicht in einem Set enthalten war, musste ich aus mehreren Sets kombinieren. Trotz der Mehrkosten war das eine gute Investition in zukünftige Projekte. Die Boote wurden gleich auf Bootsstützen geliefert, das kam mir sehr entgegen. Nach der Lieferung wurden sie zuerst zum Nachhärten starkem UV-Licht ausgesetzt, dann gewaschen und separiert. Wegen Druckartefakten benötigten sie leichte Nacharbeit, die aber mit einem X-Acto-Messer schnell von der Hand ging. Die Mulden in der Basis, die ich ursprünglich für die Boote aus dem Bausatz angelegt hatte, mussten etwas modifiziert werden.

Die Basis stellt eine ganz ruhige Wasserfläche dar, wie sie tatsächlich manchmal vorkommt. Um diese zu simulieren, klebte ich den Rand meiner Basis ab und stippelte dann weiße feste Wandfarbe mit einem Heizkörperpinsel auf die Fläche. Ich verzichtete auf jegliche Welleneffekte. Die Basis wurde vom Schiff ausgehend grün und dann blau gespritzt, so dass die Übergänge eine gewisse Illusion von Tiefe geben. Hierzu benutze ich normale Modellbau-Acrylfarbe, meist Vallejo ModelAir.

Nach wirklich ausreichender Trockenzeit von gut zwei Wochen sprühte ich klaren lösungsmittelbasierten Hochglanzlack aus einer Spraydose aus dem Baumarkt auf die Basis, um ihr den Glanz und die Reflektion einer Wasserfläche zu geben. Die Trockenzeit der vorher verwendeten wasserlöslichen Farben muss unbedingt eingehalten werden; sind diese beim Glänzen noch nicht richtig trocken, bilden sich Bläschen im Glanzlack. Der Glanzlack ist auch nach dem vermeintlichen Trocknen noch längere Zeit klebrig. Modelle sollten vor der Fertigstellung nicht für längere Zeit auf der Basis befestigt werden, wenn man sie noch davon lösen können will.

Während diese Arbeitsschritte abliefen, kümmerte ich mich um die zahlreichen Baugruppen des Schiffes. An den Aufbauten fügte ich aus meinem Ätzteilfundus einige wasserdichte Türen hinzu, Wind- und Regenabweiser an der offenen Brücke sowie „hölzerne“ Grätings.

Ich gehe gern die schwierigsten Baugruppen eines Projekts zuerst an, mit der Überlegung, dass ich es ganz sein lassen kann, wenn ich eine davon nicht schaffe. In diesem Fall waren das die achtläufigen Pom-Poms sowie die Radarantennen an den Mastspitzen vom Typ 281 und auf den Entfernungsmessern vom Typ 282. Ich konnte die fotogeätzten Pom-Poms aus dem Bausatz nicht hinbekommen. Ein Teil hatte sich entmaterialisiert, und sowieso passten die Magazine nicht durch die Aussparungen in den Seitenteilen des Geschützes. Also wich ich auf Ersatz von Lion Roar aus meinem Fundus aus. Der war noch erheblich filigraner gestaltet, aber ich bekam ihn irgendwie hin. Ähnlich war es mit dem Typ 282, aber ich musste die Typ 281 aus dem Bausatz benutzen, weil ich keinen Ersatz von Lion Roar mehr hatte. Schmerzlich war nur, dass die Typ 281-Antennen von WEM eindeutig zu groß waren. Prominent auf den Masten platziert, waren sie auch schmerzlich sichtbar. Ich konnte keinen Händler finden, der noch einen Ätzteilsatz von Lion Roar mit britischen Radars gehabt hätte. Glücklicherweise habe ich einen Modellbaufreund mit einem ebenso guten Herzen wie einem ergiebigen Fundus, so dass ich doch noch passenden Ersatz bekam. Danke, Guido! Andere anspruchsvolle Teile waren die Gangway, der Kranausleger und die 20-mm-Oerlikons, aber es war machbar. Am Modell musste ich die Geschützstellungen für die Oerlikons vorsichtig ausfräsen, um die Splitterschutzschilde einigermaßen vorbildgerecht dünn zu bekommen.

Die Rohre der Acht- und Vier-Zoll-Geschütze ersetzte ich durch gedrehte Rohre von Master, wobei ich einigermaßen passenden Ersatz für die Achtzöller finden musste – sie sind (noch) nicht im Lieferprogramm.

Wie üblich sammelte ich meine Baugruppen auf Styrodurblöcken und breitete sie zum Grundieren und Bemalen vor.

Die Bemalung

Das Tarnmuster der Sussex geht schön aus der Bauanleitung hervor. Ich wählte aus meinem Fundus an Acrylfarben Entsprechungen für die Colourcoats aus. Die Grundierung erfolgte mit Stynylrez Primer, ein Produkt, das sich für mich voll und ganz bewährt hat. Die Tarnung wurde mithilfe von selbst zurechtgeschnittenen Masken abgeklebt und mit der Airbrush lackiert. Die Holzdecks wurden sandfarben gespritzt und erhielten einen braunen Wash mit Ölfarbe. Die Decksfittings habe ich mit dem Pinsel bemalt. Aufgrund der komplexen Form konnte ich die Aufbauten nur teilweise abkleben, so dass ich hier die Tarnung teils gepinselt habe.

Die Endausrüstung

Nun ging es an die Masten, eine knifflige Aufgabe. Ich habe noch Restbestände konisch gedrehter Messingstäbe in einigen Durchmessern. Diese wurden zusammen mit gedrehten Rahen von Master sowie Messingdraht benutzt. Die Fleckerstände (im Englischen „Starfishes“) sind Ätzteile aus dem Bausatz. Ich folgte den Maßangaben und Zeichnungen aus der Anleitung, und das funktionierte weitgehend gut, bis auf Probleme mit der Platzierung der Masten. Es ließ sich aber lösen. Zu dieser Zeit wagte ich mich an das Walrus-Wasserflugzeug; ich baute es fast aus dem Kasten, bis auf die Aufhängung des Motors, den ich auf geätzte Stützen stellte. Das Flugzeug wurde mit dem Pinsel bemalt, die Decals entstammen einem Bogen von Starfighter Decals. Das bisschen an Verspannung ist 0,1-mm-Nickelsilberdraht von Albion Alloys. Dieser wurde später auch für die Schornstein- und Maststage sowie das Rigging der Bootsspiere benutzt.

Vorher hatte ich meine diversen vorbereiteten Baugruppen immer von der Mitte nach außen am Modell angebracht und Schritt für Schritt mit vorher passend gebogenen und bemalten Relings versehen. Die Besatzungsfiguren wurden auch schrittweise angebracht. Die übrige Takelung besteht aus Caenis Monofilament. Sie ist mit Sekundenkleber verklebt und wurde angebracht, bevor die letzten Relings außenbords angebracht wurden.

Nun konnte ich die Bootspiere, die Gangway, den Kran und das Flugzeug anbringen. Dann war es Zeit für einen Mattlacküberzug und etwas Weathering mit Künstlerölfarben. Ich versuchte, die Tarnflächen etwas abwechslungsreicher zu gestalten, und brachte Ablaufspuren und etwas Rost an.

Nun kam der letzte Mattlacküberzug des Vergessens, der alles homogenisieren und möglichst viele Macken verstecken sollte. Jetzt konnte ich die Linsen der Suchscheinwerfer mit kleinen Tröpfchen Weißleim glänzend machen, und das Modell auf der Basis verschrauben. Verbleibende Spalten zwischen Rumpf und Basis wurden mit hochglänzendem klarem Acrylgel verschlossen. Mit dem gleichen Material wurden die Boote an der Basis befestigt.

Quellen

  • County-class cruiser (Wikipedia)
  • Alan Raven / John Roberts: British Cruisers of World War Two. Annapolis 1980.
  • Les Brown: County Class Cruisers (Shipcraft Series). Barnsley 2011. 

Fazit

Es fällt mir zusehends schwerer, in 1/700 zu arbeiten. Manche der Baugruppen waren sehr grenzwertig für mich. Ich bin froh, es geschafft zu haben. Aber ich habe jetzt ein attraktives Modell einer wichtigen britischen Kriegsschiffklasse, und das zählt!

Frank Spahr