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Revell: Englische Galeone Revenge (1/350) Drucken
Dienstag, 10. Dezember 2019 um 06:00

Modell: HMS Revenge
Hersteller: Revell
Maßstab: 1/350
Material: Plastik (Spritzguss), Abziehbilder, Aufkleber
Art.Nr.: 05661
Preis: 17,99 € (UVP)

Das Original

Die Revenge von 1577 war eine englische Galeone. Sie wurde im Royal Dockyard von Deptford unter der Leitung von Master Shipwright Mathew Baker gebaut. Der auf hohe Geschwindigkeit ausgerichtete Entwurf leitete einen neuen Baustil ein, der die Seekriegsführung revolutionieren sollte. Als relativ kleines Schiff von etwa 400 Tonnen, etwa halb so groß wie Henri Grâce à Dieu, wurde Revenge als Galeone klassifiziert. Die Bewaffnung bestand – im Gegensatz zur bisherigen Praxis – aus standardisierten Kanonen mit einheitlichen Kalibern. Die Anzahl der Kanonen variierte jedoch immer wieder. An zeitgenössischen Darstellungen gibt es eine Zeichnung, die Mathew Baker zugeschrieben wird und Revenge zeigen soll (was aber nicht unumstritten ist).

Quelle: www.sailsofglory.org

1587 segelte Sir Francis Drake zur spanischen Küste und zerstörte in Cadiz Material, das der spanische König Philipp II zur Vorbereitung eines Angriffs auf England gesammelt hatte. Als Folge hiervon musste Spanien seine Pläne auf das folgende Jahr verschieben. Anfang 1588 wechselte Drake dann seine Flagge von Elizabeth Bonaventure auf Revenge, die er für das beste der neuen Schiffe hielt. Während der Kämpfe zur Abwehr der spanischen Armada sollte Drake nach dem ersten Tag die englische Flotte nachts an die spanische heranführen. Er löschte jedoch die Laterne am Heck, die den nachfolgenden Schiffen als Signal dienen sollte, um auf eigene Faust - und vor allem auf eigene Rechnung - ein spanisches Schiff zu kapern. Erst danach führte er die englische Flotte in das als Battle of Gravelines bezeichnete Gefecht, bei dem die Engländer die Spanier, deren Schlachtordnung durch den Einsatz von Brandern in Unordnung geraten war, bis zur Erschöpfung der Munitionsvorräte beschossen und auseinandertrieben. Die Spanier zogen sich schließlich in die Nordsee zurück, und eine Landung in England war damit abgewendet. 1589 diente Revenge als Flaggschiff für Sir Martin Forbisher bei einer erfolglosen Expedition entlang der spanischen Küste, um eine aus Amerika kommende Schatzflotte abzufangen.

1591 fand Revenge schließlich ein zur Legende gewordenes Ende. Um einen erneuten Angriff der Armada zu verhindern, schlug Sir John Hawkins Patrouillen zum Abfangen der spanischen Schatzschiffe vor. Unter dem Kommando von Sir Richard Grenville nahm Revenge im Sommer 1591 an einer dieser Patrouillen teil. Die Spanier schickten eine Flotte von 53 Schiffen unter Alonso de Bazán aus, um ihrerseits die Engländer abzufangen. Sie überraschten die Engländer bei Flores in den nördlichen Azoren, als diese Reparaturen durchführten und viele Männer mit fiebrigen Erkrankungen an Land waren. Während die meisten englischen Schiffe entkommen konnten, wartete Grenville zunächst, bis seine Mannschaft an Bord war. Anstatt nach Westen auszuweichen, lief er jedoch nach Osten, direkt auf die Spanier zu. Das Gefecht begann gegen Abend des 31. August. Eine Zeit lang gelang es Revenge durch geschicktes Taktieren, dem gegnerischen Feuer auszuweichen, und sie leistete tapfer Widerstand. Schließlich siegte jedoch die Überzahl. Nach der erfolgreichen Abwehr mehrerer Enterversuche, gerammt und zusammengeschossen, wollte Grenville das Schiff versenken. Seine Offiziere weigerten sich jedoch, und am nächsten Morgenwurde eine Kapitulation ausgehandelt, bei der den 16 Überlebenden (von einer Besatzung von 250 Mann) gute Behandlung zugesichert wurde. Die Spanier hatten jedoch letztlich nichts von dem erbeuteten Schiff. Es sank vielmehr mit der gesamten Besatzung (aus Spaniern und Engländern) zusammen mit einer großen Anzahl weiterer spanischer Schiffe bei einem heftigen Sturm vor den Azoren. (Nach www.wikipedia.org)

Der Bausatz

Die Formen für diesen Bausatz hat Revell von Zvezda (siehe Bausatzbesprechung) übernommen. Dort wurde das Modell im Rahmen eines „Game-System“ zusammen mit anderen Segelschiffen herausgebracht. Seit 2019 ist es bei Revell im Programm. Es ist für Kinder ab 10 Jahren eingestuft. Ich habe mich deshalb dafür entschieden, das Modell aus der Schachtel zu bauen, um es auf seine „Kindertauglichkeit“ zu testen.

Der Bausatz besteht aus fünf farbigen Spritzrahmen, zwei gelb-braune für die Teile des Rumpfes und die Masten, zwei schwarze für die Geschütze und die Wanten und ein weißer für die Segel.

Außerdem ist ein Ständer für das Vollrumpf-Modell vorhanden und eine Platte für die Wasserlinie-Version, die auch als Wargame-Spielstein verwendet werden kann.

Die einzelnen Bauteile sind erstaunlich gut detailliert. Die Maßstabsgenauigkeit ist schwer zu beurteilen, da es unterschiedliche Angaben zu den Abmessungen gibt. Der Gesamteindruck passt aber zum Maßstab 1/350.

Die Bauanleitung zeigt den Zusammenbau anschaulich in 16 Bauschritten mit Bemalungshinweisen.

Wegen des Stecksystems und den aufeinander abgestimmten Montageschritten muss man beim Rumpf die vorgegebene Reihenfolge einhalten. Die Masten sollte man aber erst anbringen, wenn der Rumpf zusammengesetzt ist, weil sie sonst eher im Wege sind.

Zuerst habe ich die Rumpfhälften bemalt. Wie das Original wirklich bemalt war, ist heute nicht mehr feststellbar. Bei der Recherche bin ich auf einige hochqualitative Modelle gestoßen, von denen aber jedes eine andere Variante der für die Zeit typischen farbenfrohen Dekoration der Schiffsseiten zeigt. Das kommt natürlich dem jungen Modellbauer entgegen, der hier seiner Fantasie folgen und ein individuelles Modell schaffen kann. Auch ich bin nicht der Bemalungsanleitung von Revell gefolgt.

An den Decks kann man Details durch die Verwendung verschiedener Brauntöne je nach Geschmack hervorheben.

Wer über ausreichendes Geschick und genügend Geduld verfügt, sollte auch die feine Detaillierung der Vorder- und Rückseiten der Aufbauten, die selbst die Beschläge der Türen zeigt, farblich betonen.

Ebenso lässt sich das Beiboot farblich interessanter gestalten.

Das „Easy-Klick-System“ erlaubt den Zusammenbau ohne Klebstoff. Bei einem ersten probeweisen Zusammenstecken zeigt sich eine befriedigende Passgenauigkeit.

Ich habe dennoch gelegentlich mit etwas Klebstoff nachgeholfen, und zwar mit UHU Bastelkleber, einem wasserlöslichen Weißleim, der farblos austrocknet.

Für die Dekorierung der Schiffsseiten stehen wahlweise Abziehbilder oder Aufkleber zur Verfügung.

Ich habe mich für die von Kindern sicher leichter zu handhabenden Sticker entschieden. Wegen der in Längsrichtung am Rumpf verlaufenden Leisten habe ich sie allerdings so zerschnitten, dass sie nicht über diese Leisten geklebt werden mussten. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen, und die Farben sind so wahrscheinlich kräftiger, als dies bei der Verwendung der Abziehbilder der Fall wäre.

Komplett zusammengebaut sieht das Modell schon ganz ordentlich aus.

Ich habe mich dann aber doch entschlossen, die Takelage wenigstens anzudeuten. Auch einem jungen Modellbauer wird es, wenn er einmal soweit gekommen ist, wohl möglich sein - ggf. mit etwas Hilfe - die wesentlichen Taue des stehenden Gutes mit Nähgarn darzustellen.

So, nämlich ohne Segel, würde ich das Modell auch als Standmodell bevorzugen. Man sieht dann die Details besser.

Aber auch mit Segeln wirkt das Standmodell nicht schlecht.

Mit Segeln wirkt es aber als Wasserlinie-Modell doch irgendwie realistischer.

Fazit

Dieser Bausatz ist interessanter als es auf den ersten Blick scheinen mag. Mir hat schon der einfache Zusammenbau richtig Spaß gemacht. Wegen der feinen Detaillierung bietet der Bausatz aber auch eine gute Grundlage für den „ernsthaften“ Modellbauer. Er lässt sich mit Wanten aus Ätzteilen verfeinern, und bei der Takelage kann man sich nach Belieben austoben. Vor allem ist dieser Bausatz jedoch hervorragend geeignet, Nachwuchs an den Modellbau heranzuführen. Man kann das Modell an einem Abend zusammenstecken und mit den Stickern bekleben und erhält auch ohne Bemalung schon ein nettes Modell. Mit Bemalung und Trockenzeiten ist der Bau an einem Wochenende zu schaffen, und das Modell ist dann schon richtig ansehnlich. Wer also etwas dafür tun möchte, dass unser Hobby nicht ausstirbt, sollte sich überlegen, ob es in der Verwandtschaft jemanden gibt, für den dies ein geeignetes Geschenk wäre (um ihn/sie mit dem Modellbau-Virus zu infizieren). In dieser Hinsicht - aber nicht nur in dieser - ist der Bausatz durchaus

alt empfehlenswert

Falk Pletscher

Wir danken Revell für das Bausatzmuster