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Japanisches Schlachtschiff Chin Yen (1/700, Modelkrak) von Reiner Vögel Drucken
Mittwoch, 24. April 2019 um 05:00

Besondere Schiffe haben ihren eigenen Reiz, speziell wenn sie als Bausatz erhältlich sind. Bei einem Sonderverkauf der 1/700 Modellbausätze des polnischen Herstellers Modelkrak ergatterte ich bei NNT das gepanzerte Turmschiff Chin Yen.

Das Original

Die gepanzerten Turmschiffe Dingyuan (定遠, 1881) und Zhenyuan (鎮遠, 1882) wurden in Deutschland bei der Bauwerft AG Vulcan, Stettin für China gebaut. Ab 3. Juli 1885 erfolgte die Überführung der Schiffe durch das Mittelmeer und den Suezkanal nach China. Am 29. Oktober 1885 trafen beide Schiffe in China (Tianjin) ein und bildeten den Kern der Nordflotte.

Die Dingyuan ging im Japanisch-Chinesischen Krieg verloren. Das Schwesterschiff Zhenyuan, auch Chen Yüan transkribiert, wurde von Japan nach der Kapitulation von Weihaiwei am 17. Februar 1895 erbeutet, in den nächsten zwei Jahren in Japan repariert und umgebaut und als Chin Yen in Dienst gestellt. Bis zum Eintreffen der Fuji war sie das größte Schiff der japanischen Flotte.

Während des Boxeraufstandes sicherte sie die japanischen Truppentransporte. Im Jahr 1901 wurde das Schiff modernisiert und Schnellfeuerkanonen ergänzt. Während des Russisch-Japanischen Krieges blieb sie als Linienschiff 2. Klasse in Dienst. In der Seeschlacht bei Tsushima beschoss sie noch die schwerbeschädigte Knias Suworow und das Werkstattschiff Kamtschatka.

Ab 11. Dezember 1905 war sie nur noch Küstenschutzschiff und ab 1. Mai 1908 Schulschiff. Am 1. April 1911 schied sie aus dem aktiven Dienst aus und wurde als Zielschiff genutzt und am 6. April 1912 in Yokohama abgebrochen.

Technische Daten
Chin Yen ex Chen Yüan

Bauwerft: AG Vulcan, Stettin
Typ: Zentral-Zitadell-Schlachtschiff
Name: chinesisch: Chen Yüan (定遠, Zhenyuan, Chen Yuen)
japanisch: Chin Yen (定遠, Chin'en)
Kiellegung: März 1882
Stapellauf: 28.11.1882
Fertigstellung: 1885
Übernahme: am 17.02.1895 als Kriegsbeute an Japan
Verbleib: 6.04.1912 abgebrochen

Wasserverdrängung
Konstruktionsverdr.: 7.220 ts
max. Einsatzverdr.: 7.670 t

Abmessungen
Länge über alles: 93,88 m
Länge in KWL: 91,00 m
Breite: 17,98 m
Tiefgang: ca. 6,10 m

Maschinenanlage 2 liegende 3 Zylinder Verbundmaschinen
Antrieb: 2 Propeller
Maschinenleistung: 6200 PSi
Geschwindigkeit: 14,5 kn
Brennstoff: 650 t Kohle, max 1000 t
Reichweite: 4500 sm bei 10 kn

Panzerung: Eisenpanzerung
Gürtelpanzer 254 - 356 mm, Türme 305 mm
Bugturm 51 mm, Deck 76 mm,
Kasematte 203 mm

Bewaffnung:
4 304,8 mm /L35 Krupp-Kanonen
(nach Umbau 1895/6) 4 152,4 mm Elswick-Kanonen
2 57 mm Schnellfeuerkanonen
8 47 mm Schnellfeuerkanonen

Besatzung: 250 Mann 

Das Modell

Mein Modell stellt den Bauzustand in voller Flaggengala um 1898 auf Reede dar, nach dem Umbau und im Dienste Japans.

Der Bausatz enthält den Rumpf und die wichtigsten Teile in Resin, bei ordentlicher Gussqualität. Masten, Rahen und Stengen sowie Ätzteile sind nicht enthalten. Es ist tatsächlich noch ein Bausatz für Modellbauer, einschließlich Recherche. Viele Teile können der Grabbelkiste entnommen oder neu angefertigt werden.

Auffallend ist bei diesem Schifftyp die große Anzahl Panzerblenden über den Bullaugen und Fenstern, die meist geöffnet für Durchzug sorgen. Hier kommen Plättchen 0,13 mm x 0,9 mm x 0,9 mm von Evergreen zum Einsatz.

Beim Umbau wurden im Aufbau die achteren Fenster durch große Ventilatoren ersetzt, hier durch Messingrohrabschnitte dargestellt. Aus Platzgründen wird die Scheuerleiste am Rumpf nicht angebracht, dafür jedoch der Gunwale am Aufbaudeck aus 0,25 mm x 0,25 mm Polystyrol-Streifen.

Die 4 x 30,5 cm und 4 x 15 cm Rohre werden durch Metallrohre ersetzt. Die Türme bestanden damals aus einer Stahlglocke mit einem ausgestülpten Rand als Abdichtung der Barbette. Eine Scheibe mit etwas größerem Durchmesser (11,5 mm) und ca. 0,5 mm Stärke bildet diesen Rand. Für die richtige Zentrierung wird ein Stift mittig in den Turm mit Scheibe und der Barbette vorgesehen. Masten, Rahen, Ladebäume und Stengen aus Messingdraht sind hier sehr sinnvoll, ebenso die Abdampfrohre an den Schornsteinen achtern. Für die 47 mm Schnellfeuerkanonen mit Schutzschild passen die 20 mm Oerlikons aus Weißmetall von Paper Lab bestens.

Die Wanten sind aus dem Ätzteilsatz der SMS Emden in 1/350‚ Teil 66 da dieses Messingblech die nötige Stabilität beim Heraustrennen der benötigten Wantenabschnitte hat. Alle anderen Versuche mit Wanten in 1/700 sind zum Scheitern verurteilt, weil sie sich nach dem Heraustrennen einrollen oder sonst irreparabel verbiegen.

Die Reling von Flyhawk, ebenso die Niedergänge aus alten Flyhawk-Bausätzen bieten die richtige Ergänzung. Die Beflaggung besteht aus Abziehbildern von Lion Roar, welche vor dem Wässern mit dem Skalpell mittig durchgeschnitten werden (nur das Decal! nicht das Papier), damit sie beim Aufeinanderschieben sauber passen, die vorgesehene Metallfolie wird nicht benötigt.

Farbgebung

Auch die Kaiserlich Japanische Marine war vor und um die Jahrhundertwende (1900) noch in der Findungsphase für die Anstriche ihrer Marineschiffe. Für den Zeitraum meines Modells (1898) lässt sich ein Anstrich mit Mausgrau hell über alles aus den Unterlagen entnehmen.

Wasserpaß Schwarz Filzstift Schwarz
Rumpf und Aufbau ü. a. Mausgrau hell R 371 + 5 Tropfen R374 / Dose
Beiboote außen Mausgrau hell R 371 + 5 Tropfen R374 / Dose
Holzdecks Hellbraun Air Color 71.027
Stahldeck und Anker Dunkelgrau Air Color 71.048
Lüfter innen Rot Model Color 70.947
Gunwale Rot Filzstift Rot
Schornsteinhauben Schwarz Model Color 70.950
Wanten Schwarz R 302
Beiboote innen Hellbraun Air Color 71.077
Dollbord Mahagoni Model Color 70.846
Wasser Seegrün H 30

Verwendete Zurüstteile

  • Flyhawk Railing FH 700019
  • Master Yardarms set #1 SM-700-045
  • Lion Roar IJN Flags and Pennants LE700154
  • NNT Metallrohre WWI B02 15 cm, B04 30,5 cm
  • PE GMM 1/350 Emden/Dresden
  • Paper Lab 20 mm Oerlikon mit Schild

Quellenverzeichnis

  1. Warships of of the Imperial Japanese Navy 1869 – 1945 von H. Jentschura, D. Jung, P. Mickel, Arms & Armour Press, London, Großbritannien 1977
  2. Kriegsschiffe der Welt 1860 bis 1905, Band 2, USA, Japan; Rußland, Herausgeber Roger Chesneau und Eugene M. Kolesnik, Bernard und Graefe Verlag, Koblenz 1984
  3. Japanese Naval Vessels Illustrated, 1869 – 1945, Vol.1, Battleships & Battle Cruisers von Shizuo Fukui Japan 1974
  4. Ships of the World 1984, Kaijinsha Co. Ltd. Tokyo, Japan 1984
  5. Warship International 1/1974, Herausgeber Christopher C. Wright, The International Naval Research Organisation, Inc. (INRO), Toledo, Ohio, USA 1973
  6. Wikipedia

Reiner Vögel