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Britisches Schlachtschiff HMS Hood (1/700, Kombrig) von Jim Baumann Drucken
Montag, 04. Februar 2019 um 06:00

Das Original

Das britische Schlachtschiff HMS Hood von 1891 ist weniger bekannt als sein ungl├╝cklicher Namensnachfolger von 1918, dennoch nimmt es einen wichtige Platz in der Geschichte ein. Die Hood war das letzte Schiff der Royal Sovereign-Klasse. Sie unterschied sich aber deutlich von ihren Halbschwestern, da sie Gesch├╝tzt├╝rme hatte ÔÇô im urspr├╝nglichen Sinn auf das Deck aufgesetzte T├╝rme. Die anderen Schiffe der Royal Sovereign-Klasse hatten offene Gesch├╝tzbarbetten. Die Hood ├Ąhnelte in den meisten Gesichtspunkten ihren Halbschwestern, hatte aber als Ausgleich f├╝r die schweren T├╝rme ein ganzes Deck weniger Freibord.

Im Vergleich zu den Halbschwestern war sie wegen der niedrigen metazentrischen H├Âhe eine stabile Gesch├╝tzplattform. Dies geschah aber auf Kosten der Seet├╝chtigkeit, insbesondere im raueren Gew├Ąssern wie im Kanal und Atlantik. Dazu war sie bei ruhigem Wetter einen halben Knoten langsamer ÔÇô und deutlich langsamer bei h├Âheren Wellen, da sie vorne wegen des niedrigen Freibords viel Wasser ├╝bernahm.

Dies wurde von der Admiralit├Ąt bemerkt, die sie entsprechend in die ruhigeren Gew├Ąsser des Mittelmeers schickte, wo sie vom Grand Harbour in Valetta auf Malta aus operierte. 1900 kehrte sie nach Gro├čbritannien zur├╝ck und wurde in die Reserve verlegt, aber fast sofort wieder als Wachschiff f├╝r Pembroke wieder in Dienst gestellt. 1901 kehrte sie ins Mittelmeer zur├╝ck. 1909-11 diente sie als Wohn- und Flaggschiff in Queenstown, Irland. Durch die neuen Dreadnought war sie veraltet und war deshalb zum Verschrotten vorgesehen. Am 4. November 1914 wurde sie als Blockschiff in der s├╝dlichen Einfahrt von Portland (Weymouth) versenkt, um so einen potentiellen Zugangsweg f├╝r U-Boote oder von au├čerhalb des Hafens abgefeuerte Torpedos zu sperren. Sie sollte auf ebenen Kiel versenkt und so leicht wieder gehoben werden k├Ânnen. So eigensinnig wie das Schiff bis zu seinem Ende war, kenterte es bei der Versenkung. So liegt HMS Hood heute Kiel oben in der s├╝dlichen Einfahrt von Portland und was bis vor Kurzem ein popul├Ąres Tauchziel. Ihr Wrack wurde unter dem Namen ÔÇ×Old Hole in the WallÔÇť bekannt.

Das Modell

Der Bausatz der Hood von Kombrig verspricht auf den ersten Blick einiges. Leider gibt es einige geringf├╝gige, aber nicht ├╝berwindliche Probleme mit der Originaltreue. F├╝r die meisten brauchte es erhebliche Zeit, um sie zu korrigieren bzw. die Teile zu ersetzen. Ein Kompromiss, den der Bausatz, denke ich, mit den meisten Baus├Ątzen britischer Schiffe dieser Epoche gemeinsam hat, ist, dass die Aufbauten an beiden Enden der Kuhl geschlossen dargestellt sind. Tats├Ąchlich waren diese auf den echten Schiffen zur Kuhl hin offen. Diesen Bereich auszuh├Âhlen und die Decks sowie die Aufbauten neu zu machen, erforderte einige Zeit. Allerdings kann man, wenn man die Boote in der Kuhl positioniert hat, davon kaum noch etwas sehen. Aber ich finde, man sieht genug, um den Aufwand zu rechtfertigen.

Das Aush├Âhlen der gro├čen Resinbl├Âcke und das Neuanfertigen der Decks und von allem dar├╝ber, das hatte ich bereits beim Bau der HMS Magnificient gemacht. Das hei├čt, ich war bereits einge├╝bt und bereit es wieder zu machen! F├╝r die Beschreibung dieser Schritte verweise ich auf den Baubericht auf Modelwarships.

Der Gro├čteil der Aufbauten ist selbst gebaut, genauso die kleineren Gesch├╝tze, die Ablagen f├╝r die Torpedoschutznetze, die Lagerungen f├╝r die Beiboote in der Kuhl, das Steuerhaus, Bootsdecks, die oberen Decks und die gesamte Takelage. Getakelt habe ich das Schiff - inklusive der Fu├čpeerde an den Rahen - mit gezogenem Gussast. Der unterhaltsamste Teil des Baus war die Herstellung der Bugverzierung aus Messingdraht und Resten von Foto├Ątzteilplatinen und das Ausschneiden von einzelnen, winzigen Buchstaben aus einem alten Foto├Ątzteilsatz f├╝r die japanische Marine von GMM, die auf die Namensschilde achtern geklebt wurden.

Fazit

Der Bau des Modells war gleichzeitig frustrierend und erfreulich, da das Modell so ein schrulliges und eigenartiges Schiff in Bezug auf die Gestaltung und das Aussehen war. Das Original ist gut durch Fotos dokumentiert, wenn es auch nicht viele Ansichten der Decks oder von oben gibt. Viele Informationen findet man in einigen bekannten B├╝chern, insbesondere in der Neuauflage von British Battleships 1889-1904 von RA Burt. Diese enth├Ąlt eine hervorragende Aufnahme in hoher Aufl├Âsung, die ├╝ber zwei Seiten gedruckt ist. Allerdings sind die Zeichnungen darin in mehrerer Hinsicht nicht komplett richtig, was eventuell die Fehler des Bausatzes von Kombrig etwas entschuldigt. Im Internet findet man nur die gleichen, bereits zuvor ver├Âffentlichten Fotos in verschiedener Aufl├Âsung. Die verf├╝gbaren Fotos und Pl├Ąne der Halbschwestern der Royal Sovereign-Klasse waren nicht sehr hilfreich. Abgesehen davon, dass die nebeneinander angeordneten Schornsteine der Hood weiter auseinander stehen, ist die Auslegung der Decks im Detail sehr unterschiedlich. Es gibt praktisch keine ├ähnlichkeiten bei der Form der L├╝fter und der Gr├Â├če und Position der Luken. Der Durchbruch war, als ich das neue Buch von Norman Friedman, British Battleships of the Victorian Era, erhielt. Dieses enth├Ąlt die Pl├Ąne der Admiralit├Ąt der Hood im Zustand der Fertigstellung, die sehr viel erkl├Ąrten.

Nachdem das Modell die Reise nach Telford, die Ausstellung dort (siehe hier) und die R├╝ckreise ├╝berlebt hatte, ist die HMS Hood jetzt permanent zu Hause sicher in ihrer Vitrine untergebracht.

Jim Baumann

(├╝bersetzt aus dem Englischen von Lars)