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Atlantic Models: Flugzeugträger HMS Ark Royal IV 1970-78 (1/700) Drucken
Dienstag, 22. Mai 2018 um 05:00

Flugzeugträger HMS Ark Royal Deckelbild

Modell: H.M.S. Ark Royal IV Royal Navy aircraft carrier 1970-78
Hersteller: Atlantic Models
Maßstab: 1/700
Material: Resin, Ätzteile, Abziehbilder
Art.Nr.: ATK 27
Preis: ca. 85 € (75 GBP bei Starling Models)

Das Original

Die Tradition des Namens Ark Royal in der Royal Navy reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. 1586 gab Sir Walter Raleigh eine Viermastgaleone in Auftrag, die dann nach dem Stapellauf von der Krone (Königin Elizabeth I) gekauft und von Ark Raleigh in Ark Royal umbenannt wurde.

Die nächste Ark Royal war im November 1913 als Kohlendampfer auf Kiel gelegt worden. 1914 übernahm die Royal Navy den Rumpf und baute ihn zu einem Flugzeugmutterschiff um, das dann am 10.12.1914 als Ark Royal in Dienst gestellt wurde. Im Dezember 1934 wurde dieses Schiff jedoch in Pegasus umbenannt, um den Namen für einen neuen Flugzeugträger frei zu machen. Als drittes Schiff dieses Namens lief am 13.4.1937 der erste moderne Flugzeugträger der Royal Navy von Stapel. Er wurde am 14.11.1941 in Dienst gestellt und sank am 16.11.1938 vor Gibraltar. Die fünfte Ark Royal war ein Schiff der Invincible-Klasse und sollte ursprünglich Indomitable heißen. Am 2.6.1981 lief sie dann jedoch unter dem Namen Ark Royal von Stapel. Am 1.11.1985 in Dienst gestellt, wurde sie am 11.3.2011 wieder ausgemustert.

Die vierte Ark Royal wurde am 3.5.1943 als erstes Schiff der Audacious-Klasse auf Kiel gelegt und sollte ursprünglich Irrestible heißen. Im Januar 1946 wurde sie aber umbenannt. Nach einem Baustopp von 1946 bis 1949 lief sie am 3.5.1950 von Stapel und wurde am 25.2.1955 in Dienst gestellt. Zwischenzeitlich war der ursprüngliche Entwurf zum ersten Flugzeugträger, der mit Winkeldeck in Dienst gestellt wurde, umkonstruiert worden. Sie hatte ein teilweise um 5,5° abgewinkeltes Flugdeck und, erstmals bei einem britischen Schiff, einen Aufzug an der Backbordseite des Flugdecks. Außerdem war sie mit einem neuen Landespiegel ausgerüstet und hatte zwei Dampfkatapulte.

Bereits September/Oktober 1956 erfolgte eine Überholung, bei der die beiden vorderen Geschütztürme an der Backbordseite entfernt wurden und das Schiff eine Operationszentrale erhielt. Bei einer weiteren Werftliegezeit von Juli 1958 bis Dezember 1959 wurde der Aufzug an der Flugdeckseite wieder entfernt, ebenso die beiden vorderen Geschütztürme an Steuerbord. Außerdem wurde die Bestückung mit 40 mm Bofors reduziert. Bei einer Werftüberholung von Februar bis November 1964 wurde die leichte Flak weiter reduziert.

Von Oktober 1966 bis März 1970 erfolgte eine umfangreiche Überholung mit Umbauarbeiten. Dabei wurden die gesamte verbliebene Bewaffnung sowie die Geschütz-Kanzeln ausgebaut. Das Flugdeck wurde im achteren Teil vergrößert und erhielt ein vollständiges 8,5° Winkeldeck. Zwei lange Dampfkatapulte wurden eingebaut und eine neue Fangseil-Anlage. Dies war notwendig, um die Phantom einsetzen zu könne. Das Type 984 Radar wurde durch zwei Type 965 Radar-Sets ersetzt. Das Schiff soll auch für die Aufnahme von vier Seacat Raketenstartern eingerichtet worden sein, die jedoch nie installiert wurden. Von Ende Oktober 1976 bis Juni 1977 fand nochmals eine planmäßige Werftliegezeit statt, die aber hauptsächlich der Instandhaltung diente. Die Einsatzfähigkeit konnte jetzt nur noch durch die Kanibalisierung des Schwesterschiffs Eagle aufrechterhalten werden.

Während ihrer Einsatzzeit nahm Ark Royal an vielen Manövern teil, jedoch an keinen Kampfhandlungen. Dennoch demonstrierte sie, was Seemacht bedeutet. So war sie im März und Mai 1965 bei der Beira-Patrol zur Durchsetzung der Blockade Rhodesiens aktiv. Am 9.11.1970 kollidierte sie bei einem Manöver im Mittelmeer mit dem sowjetischen Zerstörer Bravyy der bei der Beschattung und Beobachtung unvorsichtig manövrierte und zu wenig Abstand einhielt.

Am 26.1.1972 vollführten zwei ihrer Buccaneer Bomber eine eindrucksvolle Machtdemonstration. Guatemala, welches Gebietsansprüche auf die selbstregierte Kolonie Britisch Honduras erhob, hatte an der Grenze Truppen zusammengezogen. Zwei Buccaneer Bomber der Ark Royal unternahmen daher einen knapp 6-stündigen Rundflug von 2600 Meilen, auf dem sie von anderen Buccaneers des Bordgeschwaders zweimal in der Luft betankt wurden. Zwei Runden über Belize City waren ausreichend, Guatemala von dem Gedanken an eine Invasion abzubringen. Die Royal Navy sah in diesem Einsatz einen Beweis dafür, dass sie, anders als die Royal Air Force, in der Lage war, die Kolonien des Empire zu beschützen.

Während eines Einsatzes im Westatlantik von Februar bis Juli 1976 drehte die BBC eine Dokumentation über Ark Royal und das Leben an Bord, die ein großer Fernseherfolg wurde und erheblich zur Beliebtheit dieses Schiffes beitrug. Abschließender Höhepunkt ihrer Einsatzzeit war die Teilnahme als Flaggschiff an der Silver Jubilee Review zum 25-jährigen Thronjubiläum von Königin Elizabeth II am 28.6. 1977. Am 13.2.1979 wurde schließlich die Flagge endgültig niedergeholt, und am 14.2.1979 wurde Ark Royal IV außer Dienst gestellt.

Die Kennung der Ark Royal IV lautete R 09 und wurde an den Seiten der Insel geführt. Die Fliegerkennung auf dem Flugdeck war zunächst der Buchstabe O, ab Anfang 1958 war es ein R. Auf Bildern ab 1974/75 ist jedoch keine Deckskennung mehr zu sehen.

Technische Daten (ab 1970, wenn nicht anders angegeben)

Verdrängung voll beladen: 50 786 tons
Standard-Verdrängung: 43 060 tons
Länge ü.a.: 845 ft (257,73 m)
Breite (Rumpf): 112.8 ft (34,4 m)
Breite ü.a.: 166 ft (50,63 m)
Überwachungsradar: 2 x Type 965 und 1 x Type 993
Flugzeugleitradar: 1x Type 982 und 1 x Type 983
Annäherungskontrolle: AN-SPN 35 (US-Produktion)

Bewaffnung:
1955
8 x 4.5 inch Zwillingstürme
5 x 6-fach 40 mm Bofors
2 x 40 mm Bofors Zwillingslafetten
7 x 40 mm Bofors Einzellafetten
4 x 3-Pfünder (Salutgeschütze)

1959
4 x 4.5 inch Zwillingstürme
4 x 6-fach 40 mm Bofors
4 x 40 mm Bofors Zwillingslafetten
4 x 3-Pfünder (Salutgeschütze)

1964
2 x 4.5 inch Zwillingstürme
2 x 4-fach 40 mm Bofors
3 x 40 mm Bofors Zwillingslafetten
2 x 2-Pfünder (Salutgeschütze)

1970
Keine Rohrwaffen mehr
4 x Seacat 4-Fachstarter vorbereitet, aber nicht mehr installiert

Bordstaffel: 14 Bussaneer S.2
12 Phantom FG.1
1 Gannet COD (1976 nicht mehr an Bord)
4 Gannet AEW.3
7 Seaking HAS.1 (später 6 Seaking HAS.2)
2 Wessx HAS.1

Der Bausatz

… zeigt die vierte Ark Royal in ihrem letzten Bauzustand. Der Rumpf ist massiv aus Resin gegossen und muss an der Unterseite noch versäubert werden.

Sehr erfreulich ist, dass das Achterdeck als gesondertes Bauteil konzipiert ist.

Dadurch kann dieser Teil des Rumpfes „offen“ dargestellt werden. Weniger schön finde ich die relativ flachen Vertiefungen an den Rumpföffnungen. Hier stößt eben nun mal die Technik des Resin-Gusses an ihre Grenzen. Die Brückenaufbauten bestehen aus der an einem Stück gegossenen Insel.

Der separat gegossene Schornstein sowie zwei kleinere Decks und der Katapultausleger vervollständigen den eigentlichen Schiffskörper

Ca. 20 weitere Resinteile liefern Anbauten und Ausrüstungsgegenstände,

sowie die Boote und Rettungsinseln.

Dazu kommen noch Resinteile für die Rümpfe der Flugzeuge und Helikopter.

Sie ermöglichen den Bau von vier Phantom, vier Buccaneer, zwei Gannet, zwei Seaking und zwei Wessex. Für das Bordgeschwader liegen auch fünf kleine Ätzteilplatinen bei, je eine pro Typ.

Eine weitere große Platine enthält die Ätzteile für Masten, Radaranlagen, Kräne, Relings u.a.

Die Bauanleitung besteht aus einem 8-seitigen Heft.

Der Zusammenbau für die einzelnen Baugruppen ist sehr anschaulich dargestellt. Für die Platzierung der einzelnen Resinteile und Baugruppen sind je ein Foto der Steuerbord-und Backbordseite vorhanden. Man muss zwar etwas suchen, um die Position eines bestimmten Teils zu finden. Insgesamt ist die Bauanleitung jedoch gut gelungen. Sie enthält außerdem sehr ausführliche Bemalungshinweise. Abgerundet wird der Inhalt des Bausatzes durch einen kleinen Bogen mit Abziehbildern für die Markierungen der Flugzeuge und Helikopter und einen großen Bogen mit den Decksmarkierungen.

Kritikpunkte

Der Rumpf basiert auf demjenigen des alten Fujimi-Bausatzes. Dieser scheint mir hinsichtlich der Position und der Länge einiger Rumpföffnungen nicht ganz korrekt zu sein. Jedenfalls entsteht dieser Eindruck bei der Auswertung von Fotos. Es handelt sich dabei aber jeweils nur um einige wenige Millimeter. Dies fällt jedenfalls beim letzten Bauzustand fast nicht auf und beeinträchtig das Gesamtbild keinesfalls. Die Baugruppen aus Ätzteilen stellen eine echte Herausforderung dar. Die beiden Type 965 Radarantennen bestehen z.B. aus je 19 Einzelteilen. Das erfordert Nerven wie Drahtseile. Andererseits lässt sich eine solche Antenne in hoher Qualität aber auch kaum anders als durch Ätzteile darstellen. Dies soll daher weniger eine Kritik sein, als eine Warnung, dass man hier an seine eigenen Grenzen stoßen kann. 

Ein gravierenderes Problem, auf das ich erst durch einen anderen Modellbauer aufmerksam wurde, ergibt sich aber bei dem Backbord-Katapult. Dieses war länger als das andere, und sollte etwa bis auf Höhe der Rückseite der Insel reichen. Dafür fehlen etwa 17 bis 18 mm. Dies ließe sich leicht beheben. Dann passen aber die Aussparungen in der Decksmarkierung nicht mehr. Da hilft dann wohl nur noch „selbstmachen“. Bei der Länge dieser Markierungen würde ich aber ohnehin dazu tendieren, sie zu malen oder zu sprayen.

Die Quellen

  • Paul Beaver: Ark Royal
  • Denis J. Calvet, Gary Madgwick: HMS Ark Royal
  • Roger Chesneau: Aircraft Carriers of the World, 1914 to the Present
  • Norman Friedman: British Carrier Aviation
  • David Hobbs: British Aircraft Carriers
  • Richard Johnstone-Bryden: HMS Ark Royal IV
  • Leo Marriott: British Aircraft Carriers 1945-1990
  • Neil McCard: Three Ark Royals 1938-1999
  • Rowland White: Phoenix Squadron
  • Wikipedia.org

Fazit

Der Bausatz ist nur für Modellbauer mit ausreichend Erfahrung im Umgang mit Ätzteilen geeignet. Mit ruhiger Hand und genügend Geduld lässt sich daraus aber sicher ein Spitzenmodell bauen. Trotz gewisser Schwächen durchaus

alt empfehlenswert

Flak Pletscher