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Modelkrak: Geschützter Kreuzer Naniwa (1/700) Drucken
Montag, 24. Oktober 2005 um 23:08

Deckelbild

Modell: Japanese cruiser Naniwa
Hersteller: Modelkrak
Maßstab: 1/700
Art. Nr.: Mks- J 018
Material: Resin
Preis: 20 Euro

Original

Die Naniwa und ihr Schwesterschiff Takachiho waren Weiterentwicklungen der chilenischen Esmaralda (der späteren japanischen Idzumi), die der Prototyp der Elswick-Kreuzer war. Sie gehörten damit zu den frühen Geschützten Kreuzern. Einzelne Fachleute gingen damals davon aus, dass diese Kreuzer Schlachtschiffen überlegen seien, weil sie billiger (größere Stückzahl) und schneller waren, dabei aber auch sehr stark bewaffnet waren. Tatsächlich waren sie aber überbewaffnet, wenig seetüchtig und veralteten sehr schnell. Trotz dieser Mängel wurde Naniwa aber sehr erfolgreich im Chinesisch-Japanischen und Japanisch-Russischen Krieg eingesetzt.

Naniwa wurde von 1884-85 in Low Walker bei Newcastle gebaut. Sie war 97,5 m über alles lang (91,4 m pp), 14 m breit, hatte einen Tiefgang von 5,6 m und eine Verdrängung 3727 ts. Mit 7120 PS erreichte sie 18,8 kn.

Bewaffnung Naniwa 1885
2 x 26 cm L/32 Krupp BL
6 x 15 cm L/35 Krupp BL
2 x 5,7 cm Nordenfelt (6 Pdr)
10 x 2,5 cm Nordenfelt
2 x 1,1 cm Gatling MGs
4 x 35,6 cm Torpedorohre (über Wasser)

Bewaffnung Naniwa 1902
8 x 15,2 cm L/45 Armstrong QF
10 x 4,7 cm Yamauchi (3 Pdr)
2 x 4,7 cm Yamauchi (2,5 Pdr)
4 x 35,6 cm Torpedorohre (über Wasser)

Bewaffnung Takachiho 1911 als Minenleger
1 x 15,2 cm L/45 Armstrong QF (Buggeschütz)
10 x 7,62 cm L/40 Armstrong QF (auf dem Oberdeck)
2 x 4,7 cm Yamauchi (2,5 Pdr)
200 Minen

Naniwa unter dem Kommando des späteren Admirals Togo war an dem ersten Gefecht des Chinesisch-Japanischen Kriegs am 25.7. bei Asan beteiligt, wo sie gemeinsam mit den Geschützten Kreuzern Yoshino und Akitsushima den Geschützten Kreuzer Chi Yuan schwer beschädigte und das Torpedokanonenboot Kuang Yi versenkte. Am gleichen Tag versenkte Naniwa den britischen Frachter Kowshing mit chinesischen Truppen an Bord und war an der Eroberung des Kanonenboots Ts’ao Chiang beteiligt. Naniwa war ebenfalls an der entscheidenden Seeschlacht vor der Yalumündung am 17.9.1894 beteiligt, in der die chinesischen Kreuzer Chao Yung, Yang Wei, Kuang Chia, King Yuan und Chih Yuan versenkt wurden und die japanische Marine die Seeherrschaft errang. Naniwa wurde in der Schlacht nur leicht beschädigt und hatte nur zwei Verwundete. Naniwa war auch Teil der Flotte bei der Belagerung der restlichen chinesischen Flotte in Wei-hai-wei Anfang 1895 und der Eroberung der Pescadores-Inseln. Als Konsequenz aus den Erfahrungen in diesem Krieg erfolgte 1896 der Austausch der langsam feuernden 15 cm Krupp-Geschütze gegen 15,2 cm Armstrong-Schnellfeuergeschütze. 1900 wurden auch die 26 cm Geschütze gegen 15,2 cm Schnellfeuergeschütze ausgetauscht.

In diesem Zustand war Naniwa gemeinsam mit dem Panzerkreuzer Asama und Chiyoda und den Geschützten Kreuzern Akashi und Niitaka an einem der ersten Gefechte des Russisch-Japanischen Kriegs am 9.2.1904 in Tschemulpo gegen den russischen Geschützen Kreuzer Variag beteiligt, der schwer beschädigt selbst versenkt wurde. Neben der Beteiligung an Angriffen auf Port Arthur versenkte Naniwa am 14.8.1904 bei Ulsan gemeinsam mit dem Schwesterschiff Takachiho den von japanischen Panzerkreuzern Idzumo, Azuma, Tokiwa und Iwate bereits schwer beschädigten russischen Panzerkreuzer Rurik. Auch an der Schlacht von Tsushima am 27.-28.5.1905 war Naniwa – inzwischen total veraltet – beteiligt und wurde leicht beschädigt. Sie selbst beschädigte den alten russischen Panzerkreuzer Dimitrij Donskoj und den Geschützten Kreuzer Aurora.

1909 wurde sie Reserve und 1912 Fischereischutzschiff im Nord-Pazifik, wo sie 26.6.1912 im dichten Nebel auf die Kurillen-Insel Drotona auflief. Sie konnte nicht geborgen werden und sank am 18.7.1912. Das Wrack wurde am 26.6.1913 zum Verschrotten verkauft.

Bausatz

Modelkrak stellt diesen für die Entwicklung der Kreuzer und historisch bedeutenden Kreuzer etwa im Zustand von 1902 da: also nach der Umrüstung auf acht 15,2 cm Geschütze, Veränderung der leichten Artillerie und der Entfernung der Mastkörbe, aber bevor der Großmast für die Funkantennen stark erhöht wurde.

Hier Photos der Naniwa 1886, 1902 und 1905 (von links nach rechts):

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Der Bausatz ist in der üblichen Machart von Modelkrak. Die Teile sind an dicke Gießäste angegossen, was insbesondere beim Rumpf und dem Brückendeck eine Menge Schleifarbeit (Naßschleifen um giftigen Staub zu vermeiden!) erfordert. Die Qualität ist insgesamt nicht auf dem Standard wie z.B. von WSW.
Der Rumpf ist gut detailliert und die Decksbeplankung fein dargestellt. Die Anker sind angegossen, die Ankerketten fehlen aber und müssen ergänzt werden. Die Leiter seitlich am Rumpf sind überdimensioniert, während die Fallreeps ok sind.

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Achtern ist eine seitlich geschlossene Brücke und eine davor liegende Scheinwerferplattform vorgesehen. Dies entspricht dem Zustand vor 1900, wobei achtern nur eine einfache Plattform ohne Seitenwände war. Nach 1900 gab es allerdings nur noch zwei seitliche Scheinwerferplattformen, die denen auf den Brückenflügeln entsprachen (siehe Originalphoto). Die geschlossene Brücke muss weggeschliffen und die davor liegenden Plattform kann weggelassen werden. Der Kommandoturm erscheint mir auch etwas zu groß. Auf ihm war auch kein Scheinwerfer montiert, sondern ein Entfernungsmesser. Die beiden seitlichen Scheinwerferplattformen fehlen. Die notwendigen vier Scheinwerfer (zwei auf den Brückenflügeln, zwei achtern) und den Entfernungsmesser muss man selbst herstellen. Wie bei den achteren Plattformen ist es wichtig Originalphotos eines definierten Bauzustandes als Vorbild zu nutzen und sich nicht auf im Internet kursierende Zeichnungen zu verlassen.
Von den beiliegenden drei großen und acht kleinen Lüftern braucht man vier kleine, die um den Schornstein standen und zwei große, die dahinter auf dem Oberdeck montiert waren. Leider haben viele Lüfter eingegossene Luftblasen.

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Masten, Mastkörbe und Rahe liegen nicht bei und es sind auch keine Größenangaben vorhanden. Man muss diese mittels Photos und vorhandener Zeichnungen selbst herstellen.

Problematisch wird es, wenn man zur Bewaffnung kommt. Bei den beilegenden 15,2 cm Geschützen fehlen die Lafetten. Die vorhandenen Rohre erscheinen mir zu dick, während die Schutzschilde u.a. wegen der eingegossenen Luftblasen kaum gebrauchbar sind. Man wird diese Geschütze wohl neu herstellen müssen.

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Auch die 4,7 cm Hotchkiss und deren Schutzschilder (s. Originalphoto) fehlen ebenfalls. Diese waren wohl auf folgenden Positionen aufgestellt: je eine auf den beiden vorderen seitlichen Deckshäusern; zwei auf dem Brückendeck unter den Scheinwerferplattformen, zwei achtern unter den Scheinwerferplattformen und vier jeweils unter den achteren vier Beibooten auf dem Hauptdeck.
Boot sind vorhanden, wobei diese teilweise auch eingegossene Luftblasen aufweisen. Davits fehlen und müssen selbst hergestellt werden.

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Anleitung

Die Anleitung besteht nur aus einer recht vagen Explosionszeichnung, einem Profil, einer Aufsicht (beides Mischungen diverser Bauzustände) und einer polnisch-sprachigen Farbangaben. Wegen der wenigen Bauteile wird man nicht für unlösbare Probleme gestellt, aber ein genaues Studium der beiliegenden Zeichnungen und ein Vergleich mit Originalphotos ist notwendig – wobei, wie oben beschrieben, noch diverse Veränderungen notwendig sind.

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1902 war Naniwa in einem sehr hellen Grau gestrichen, wobei es entlang der Oberdeckskante einen abgesetzten Zierstreifen (braun?) gab. Der Schornstein hatte oben ein schwarzes Schornsteinband. Die Decks waren holzfarben. 1904/05 war der Anstrich dunkelgrau, während die Decks holzfarben blieben.

Quellen

  • Naniwa and Takachiho: Elswick-built Protected Cruisers of the Imperial Japanese Navy von Kathrin Milanovich in Warship 2004, Conway Maritime Press, London, 2004
  • Warships for Export. Armstrong Warships 1867-1927 von Peter Brook, World Ship Society, Gravesend, 1999
  • Conway’s All the world’s fighting ships 1860-1905 von Robert Gardiner (Herausgeber), Conway Maritime Press, London, 1979

Fazit

Diesen Bausatz kann man nur für die fortgeschrittenen Modellbauer und Liebhaber des Eigenbaus zu empfehlen, da viele Kleinteile ersetzt, d.h. selbst hergestellt oder beschafft werden müssen. Dazu kommen die Ungenauigkeiten bei den Plattformen. Für den Bausatz spricht im wesentlichen der günstige Preis, der gute Rumpf und die Vorbildwahl. Obwohl inzwischen Seals Models einige japanische Schiffe aus der Zeit zwischen 1880 und 1905 anbietet, sind die meisten Schiffe nur von Modelkrak erhältlich. Die Naniwa von Modelkrak ist

NUR EINGESCHRÄNKT EMPFEHLENSWERT

Lars