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Japanisches Landungsträger Akitsu Maru (1/700, Aoshima) von Hendrik Schütte Drucken
Donnerstag, 02. März 2017 um 06:00

 

01.03.1942 - 75 Jahre Japanische Landung auf Java

 

Vor 75 Jahren landete die Kaiserliche Japanischen Armee ihre Truppen auf Java, dies war gleichzeitig der erste Einsatz der neuen, sehr innovativen Akitsu Maru (あきつ丸) – einem Mehrzweckschiff mit wegweisenden Ansätzen.

Das Original

Am 17. September 1939 bei Harima als Passagierfrachter für die Nippon Kaiun KK Linie auf Kiel gelegt, wurden die unfertige Akitsu Maru und ihr Schwesterschiff Nigitsu Maru im Juni 1941 von der Kaiserlichen Armee beschlagnahmt und zu „Amphibischen Angriffsschiffen Typ C“ (Mutterschiffe für Landungsboote) umgebaut. Hierfür wurden ein Gleissystem im Inneren des Rumpfes sowie eine Heckrampe installiert, über die die mitgeführten 27 Landungsboote vom Daihatsu-Typ (für 70 Mann oder einen leichten Panzer) schnell und einfach abgesetzt werden konnten. Im Gegensatz zum Schwesterschiff erhielt die Akitsu Maru außerdem ein schmales Flugdeck inklusive Aufzug, welches sie zum ersten Flugzeugträger der Armee machte – in dieser Rolle wurde sie zunächst aber wohl nicht genutzt. Geplant war eigentlich, mit leichten Flugzeugen die mitgeführten Landungstruppen zu unterstützen und dann auf dem Festland – im Idealfall einem gerade durch die Infanterie eingenommenen Flugfeld – zu landen. Ein Katapult oder Landeeinrichtungen besaß das Schiff genau so wenig wie einen echten Hangar, allerdings konnten unterhalb des Flugdecks etwa acht Flugzeuge verstaut werden. Die japanische Armee verfügte zu dieser Zeit jedoch weder über geschulte Piloten noch über geeignete Flugzeuge, um die vorgesehenen Aufgaben zu erfüllen, so wurden auf dem eigentlichen Flugdeck eine Vielzahl Artillerie- und Flugabwehrgeschütze und die damit verbundenen Mannschafts- und Lagerräume verteilt.

Die Akitsu Maru (143,7 m Länge über alles / 11.800 t Standard / 20 kn) lief am 24. September 1941 vom Stapel und wurde am 30. Januar 1942 in Dienst gestellt. Sie wurde umgehend nach Indochina entsandt und dort für die „Operation J“, die Invasion auf Java, eingeteilt. Am 18. Februar verließ sie in einem Konvoi aus 56 Truppentransportern Camrahn Bay in Richtung niederländische Kolonien. Akitsu Maru und 14 weitere Schiffe, die die 2. Japanische Infanteriedivision an Bord hatten, landeten die Truppen am 1. März 1942 erfolgreich bei Merak, ganz am westlichen Ende von Java. Der Rest des Konvois steuerte Punkte weiter östlich an, um die eingeschifften Soldaten anzulanden und die große Insel aus mehreren Richtungen einzunehmen (siehe Karte hier).

Nach diesem Einsatz war die Akitsu Maru bis Ende 1943 hauptsächlich als (Flugzeug-)Fähre im Einsatz, sie transportierte aber neben Fliegern auch Infanterie, Landungsboote, Panzer und Munition zu Stützpunkten im gesamten japanischen Einflussgebiet. Im November 1943 wurde sie von Torpedos der USS Crevalle (SS-291) getroffen, die sich aber allesamt als Blindgänger erwiesen und keine Schäden verursachten. Zum Jahreswechsel 1943/44 dürften dann die ersten Start- und Landeversuche mit Kayaba Ka-2 Tragschraubern (Autogyros) vorgenommen worden sein (siehe Video hier). Von Mitte April bis Ende Juni 1944 wurde Akitsu Maru daraufhin bei Harima zum „echten“ Geleitflugzeugträger umgebaut: das Deck wurde verbreitert und erhielt Fangseile; die Insel, der Schornstein und der Mast am Heck wurden versetzt um zusätzlichen Platz für landende Maschinen zu schaffen.

Die Kokusai Ki-76 „Stella", ab Ende 1942 an der Front verfügbar, war ein leichtes Verbindungs- und Artilleriebeobachtungsflugzeug basierend auf dem Fieseler Storch. Ende 1943 wurden einige dieser Flugzeuge für den Trägereinsatz vorbereitet und mit Fanghaken versehen. Der Kayaba Ka-1/Ka-2 Autogyro basierte auf einem 1939 aus den USA importierten Kellett KD-1 und sollte ursprünglich dieselben Rollen wie die Ki-76 erfüllen. Beide Typen besaßen nützliche STOL-Eigenschaften, waren auch von weniger gut ausgebildeten Piloten zu beherrschen und konnten jeweils zwei 60 kg-Wasserbomben mitführen. Nach dem Umbau zum Flugzeugträger wurden der Akitsu Maru sieben „Stellas“ und zwei Tragschrauber zugeteilt, welche zur U-Boot-Jagd eingesetzt wurden, jedoch keine Erfolge verbuchen konnten.

Im Konvoi HI-81 von Japan nach Singapur, voll beladen mit 2.500+ Soldaten, 500 Pferden, 104 Kamikaze-Sprengbooten und Flugzeugen für die Philippinen, wurde die Akitsu Maru am Mittag des 15. November 1944 im Ostchinesischen Meer von Torpedos der USS Queenfish (SS-393) getroffen. Trotz des umfangreichen Geleitschutzes durch acht Eskorten, landgestützte Flugzeuge und den Träger Shinyo war es dem U-Boot gelungen, vier Torpedos abzufeuern von denen zwei das Schiff trafen. Die Explosion des Wasserbombenmagazins achtern setzten auf dem Armee-Träger eine Kettenreaktion in Gang und er sank innerhalb weniger Minuten. Nur 310 Überlebende wurden von den Eskorten aufgesammelt, 2.300 Menschen starben. Konvoi HI-81 wurde zwei Tage später von weiteren U-Booten attackiert, welche auch das Landungsboot-Mutterschiff Mayasan Maru (3.400+ Tote) und den Geleitträger Shinyo (1.100+ Tote) versenkten.

Das Modell

Mit Aoshimas neuer Akitsu Maru (ITEM 012284), die in zwei Bauzuständen (1942 / 1944) erhältlich ist, schließt sich wieder eine Lücke in Sammlungen japanischer Träger. Es scheint eigentlich verwunderlich, dass dieses wirklich interessante Schiff nicht schon früher von einem der großen Hersteller aufgegriffen wurde – so war es bisher lediglich in der Trägerversion als kostspieliger Resin-Bausatz von Fairy Kikaku und Frogfoot zu haben.

Der Bausatz selbst ist recht gut detailliert, hervorragend verarbeitet und überzeugt generell durch gute Passform. Nur einige kleine Lüfter kommen dem „Hangardeck“ in die Quere und sollten gekürzt oder gleich weggelassen werden. Die 20+ Stützen, die das Flugdeck halten, sind ein bisschen knifflig – das liegt aber am Design des Schiffs und ist beim Bausatz eigentlich gut gelöst worden. Den Aufzug sollte man entgegen der Anleitung erst nach Installation des Flugdecks einbauen, mit dem habe ich mich ein bisschen rumgeärgert.

Die vierteilige Luke der Heckrampe kann nach Wunsch offen dargestellt werden – im Inneren des Modells sind die Gleise für die Landungsboote angedeutet, sechs Daihatsus liegen dem Bausatz bei. Eine nette Möglichkeit für ein Diorama! Außerdem sind je zwei Ki-27 „Nate“ Jäger, Ki-76 „Stella“ und Ka-2 Autogyros enthalten – allerdings passen die letzteren beiden nicht zum frühen Bauzustand des Modells und die Ki-27 wurde höchstens transportiert. Ebenfalls im Set inkludiert sind zwei leichte Panzer, Typ 95 „Ha-Go“ – die „Landversion“ des bekannten Schwimmpanzers aus dem Tamiya „IJN Transport Set“. Hier scheint beim Maßstab jedoch ein Missgeschick passiert zu sein: die eigentlich winzigen Panzer (deutlich kleiner als ein M3 Stuart) sind völlig überdimensioniert und entsprechen eher der Größe eines „Königstigers“… hier wurde wohl aus Versehen ein 1/350 Modell in die Spritzform eingearbeitet.

Ich habe die hinteren beiden Geschütze gegen Flak von den Fujimi S-Klasse Frachtern ausgetauscht, da im Bausatz nur Artilleriegeschütze beiliegen, das Schiff aber über mindestens zwei 75 mm-Flak verfügte. Außerdem habe ich die hintere Mastspitze mit Plastikstäben nachgebaut, weil das Original viel zu filigran gespritzt und für mich nicht zu verarbeiten war. Ein bisschen schade finde ich auch, dass zwar die Winden und Mini-Lüfter unter Deck separate Einzelteile sind, die Positionen der Geschütze auf dem Flugdeck aber bereits fix angegossen sind. So lässt sich das Schiff leider nicht so einfach im Bauzustand Winter 1943/1944, als die Autogyros erstmals auf dem „bereinigten“ Deck getestet wurden, darstellen.

Bei den Decals im Bausatz (hauptsächlich kleine Hinomarus für die Flieger) gibt es eigentlich nichts zu beanstanden. Allerdings liegen unnötigerweise vier große dunkle Flächen bei, die für die Decktarnung verwendet werden sollen, diese entsprechen aber nur ansatzweise dem fotografisch dokumentierten Anstrich. Da für die anderen Farben des Tarnmusters sowieso vor dem Bemalen abgeklebt werden muss, fragt sich, warum nicht eine Sprühschablone statt dieser Decals beigefügt wurde. Die japanischen Zeichen am Heck, die es beim 1944er Bausatz gibt, wurden hier übrigens auch weggelassen. Falls das Schiff aus Geheimhaltungsgründen (vergleiche Shinshu Maru) ohne Kennung unterwegs war, sei dies natürlich verziehen.

Die wichtigsten Unterschiede beim 1944er-Bausatz

Kürzeres und breiteres Deck mit Fangseilen, weniger Bewaffnung, veränderte und nach außen versetzte Aufbauten, zum Schornstein versetzter Mast/Kran, um Landungen zu vereinfachen. Außerdem war Akitsu Maru in diesem Bauzustand Grün/Dunkelgrün angestrichen – hier passen dann auch die Ka-2 und Ki-76 als Bordflugzeuge aufs Deck! Die 1/350 Panzer und Ki-27 sind in diesem Bausatz nicht enthalten, jedenfalls nicht in der Kancolle-Version, die ich gebaut habe.

Quellen

Fazit

Trotz kleinerer, vernachlässigbarer Mängel ein durchaus empfehlenswerter Bausatz eines einzigartigen und oft übersehenen Schiffes, das eine tolle Ergänzung für jede Sammlung darstellt und unterschiedlichste Diorama-Möglichkeiten bietet. Die mitgelieferten Fahrzeuge sind zwar nett, passen bis auf die Landungsboote aber eigentlich nicht dazu. Bei ca. 30-35 Euro Kaufpreis ist das aber Jammern auf hohem Niveau. Den Bausatz gibt es auch als „Super Detail“ Version mit Ätzteilbogen sowie als „Kankolle Edition“ mit Sammelkarte und Zubehör.

Hendrik