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Atlantic Models: britische Fregatte HMS Arrow (1/350) Drucken
Dienstag, 06. September 2016 um 05:00

HMS Arrow Deckelbild

Modell: HMS Arrow Type 21 'Amazon' Class Frigate 1980
Hersteller: Atlantic Models
Maßstab: 1/350
Material: 21 Resinteile, 17 Weißmetallteile, Ätzteile, Messingdraht, Abziehbilder
Art.Nr.: ATK 35011
Preis: 123,95 Britische Pfund (aktuell c. 148 €)

Das Original

Die Fregatte vom Typ 21 war seit langem die erste Schiffsklasse der Royal Navy, die von einer privaten Werft entworfen wurde. Die Marine schrieb ein Mehrzweckschiff als Ersatz für die Fregatten der Leopard- und Salisbury-Klassen aus. Diese waren durch ihre Dieselantriebe nicht gut für Geleitschutzaufgaben geeignet. Vosper Thornycroft bot eine moderne Fregatte an, die deutlich billiger als die im Dienst befindlichen Schiffe der Leander-Klasse sein sollte. Das neue Schiff sollte einen reinen Gasturbinenantrieb haben und von daher schneller einsatzfähig sein als Schiffe mit Dampfantrieb.

Die Admiralität gab acht Schiffe der Klasse in Auftrag, beginnend mit dem Typschiff HMS Amazon. Alle erhielten Namen mit A und wurden zwischen Juli 1974 und April 1978 in Dienst gestellt. Die Klasse war bei den Besatzungen beliebt, aufgrund ihrer geringen Größe und Fehlen eines Radars mit großer Reichweite fehlte ihr das Potential für Modernisierungen, da sie von Anfang nahe an der zulässigen Topplastigkeit war.

Alle Schiffe der Klasse wurden 1982 vor den Falklands eingesetzt, wobei Amazon als einzige mit der zweiten Gruppe von Schiffen nach der argentinischen Kapitulation eintraf. Zwei Schiffe der Klasse gingen durch Feindeinwirkung verloren. Ardent wurde am 23. Mai wiederholt von feindlichen Flugzeugen mit Bordwaffen beschossen und bombardiert und versenkt. Antelope erhielt Bombentreffer, aber die Bomben detonierten nicht. Eine der Bomben explodierte beim Versuch der Entschärfung. Der dadurch entstandene Brand führte zur Explosion des Munitionsmagazins, wodurch das Schiff zerbrach und sank.

HMS Arrow wurde bei der Yarrow-Werft in Glasgow gebaut. Sie wurde am 5. Februar 1974 von Lady Raper, Frau von Vizeadmiral Sir George Raper, vom Stapel gelassen. Sie war die fünfte Fregatte des Typs 21 und die erste, die mit Exocet-Flugkörpern ausgerüstet wurde. Sie wurde am 29. Juli 1976 in Sunderland in Dienst gestellt, der Stadt, die eine Patenschaft für sie übernahm. HMS Arrow diente mit ihren Schwesterschiffen im 4. Fregattengeschwader; während der Falklands-Kampagne 1982 gehörte sie zur ersten Welle der britischen Kampfgruppe. Sie zeichnete sich dabei als erstes Schiff aus, das argentinische Landstellungen beschoss, und als das erste Schiff, das von einem Düsenflugzeug mit Bordwaffen beschossen wurde. Nachdem HMS Sheffield durch einen Lenkwaffenangriff außer Gefecht gesetzt wurde, ging HMS Arrow längsseits und half bei der Bergung der Überlebenden. Zusammen mit dem Schwesterschiff HMS Alacrity operierte sie in und um den Falkland-Sund, hielt die Wasserstraße offen und unterstützte die Truppen an Land mit Geschützfeuer.

Nach ihrer Rückkehr in die Heimat wurde sie bis zum September 1983 überholt; danach kehrte sie zu den Falklands als Wachschiff zurück. Sie verbrachte auch Zeit als Wachschiff und zum Schutz vor Piraterie in der Karibik. HMS Arrow diente bis 1994 in der Flotte; nach ihrer Außerdienststellung wurde sie wie ihre Schwesterschiffe an die pakistanische Marine verkauft, die sie in PNS Khaibar umbenannte. Sie tut bis heute zusammen mit den verbleibenden fünf Schiffen des Typs 21 Dienst.

(Quelle: Bauanleitung)

Der Bausatz

Atlantic Models erweitert mit diesem Bausatz das Angebot der Firma an Bausätzen von Schiffen aus der Zeit des Kalten Krieges und bietet den ersten Bausatz dieses Schiffstyps im Maßstab 1/350 an. Bislang war der Typ 21 nur in Spritzguss durch den Airfix-Bausatz in 1/600 und den von Dragon in 1/700 (oder eher doch 1/600) vertreten.

Es ist ein typischer Bausatz von Peter Hall, der lange Jahre Ätzteilsätze für WEM entwickelt hat und nun mit seiner eigenen Firma Bausätze und Ätzteilsätze anbietet. Der Bausatz ist gut und sicher in einem Karton mit Luftpolsterfolie und Styroporchips verpackt und kam unbeschädigt bei mir an.

Die Teile aus Resin sind sauber gegossen und sehen sehr brauchbar aus. Der Rumpf ist an der Wasserlinie geteilt; die Teile passen schon vor dem Versäubern recht gut und sollten sich gut anpassen lassen. Ein Teil der Aufbauten ist mit angegossen, so dass noch vier größere Resinteile (Brücke, Mast, Mittelaufbau und Hangar) den Großteil des Schiffes komplettieren. Der Hangar hat eine schöne Innenstruktur, falls das Rolltor offen gezeigt werden soll.

Die übrigen Resinteile umfassen u.a. die Exocet-Kanister, deren Unterbauten, die Abweiser um die Täuschkörperwerfer, den Hauptmast, den Geschützturm, die Schiffsboote und die beiden verschiedenen Helikoptertypen Westland Wasp und Sea Lynx, die von Schiffen der Klasse mitgeführt wurden. Sie sind durchweg sauber hergestellt, das Versäubern sollte sich in Grenzen halten.

Die Weißmetallteile sind unterschiedlich fein und brauchbar ausgefallen. Weniger schön sind die Wellenböcke und die Drillingstorpedosätze. Hier gibt es heute bessere Möglichkeiten, solche Teile zu produzieren. Das Geschützrohr wäre ebenfalls als Drehteil deutlich schärfer konturiert. Grundsätzlich sind Weißmetallteile aufgrund ihrer Stabilität für bestimmte Einsatzgebiete Resin natürlich überlegen, ihre Oberflächenstruktur und Kantenschärfe ist jedoch nicht gleichwertig.

Die Fotoätzteile

Wie stets bei Peter Hall ist der Ätzteilsatz eine Stärke des Bausatzes. Die Masse an feinen Teilen ist sauber produziert und sollte sich gut aus der Platine lösen und verarbeiten lassen.

Ich habe bei meiner Durchsicht keine Teile gefunden, bei denen ich an ihrer Verarbeitbarkeit zweifeln würde. Die Rohre für die 20 mm Oerlikon-Flak würde ich in diesem Maßstab heute nicht als flache Ätzteile, sondern als Drehteile einsetzen. Ebenso fragt sich, wie gut die Seacat-Flugkörper als Ätzteile wirken werden. Das gleiche gilt für die Schiffsschrauben, da fehlt mir als Wasserlinienbauer allerdings auch die Erfahrung.

Die Relings sind sehr fein detailliert und liegen als maßgeschneiderte Teile vor. Es sind Namensplatten und Schornsteinnummern für alle Einheiten der Klasse vorhanden.

Abziehbilder

Der Abziehbilderbogen sieht recht sauber gedruckt aus. Er enthält Rumpfnummern, Tiefgangsmarkierungen und Namen für alle gebauten Einheiten, den Warnkreis für das Geschütz, Flugdeckmarkierungen sowie Abzeichen für die Bordhubschrauber. Damit sind alle benötigten Markierungen enthalten.

Die Anleitung

Die Bauanleitung ist wie gewohnt umfassend in der Beschreibung und sinnvoll in der Beschreibung der Abläufe, anders als bei manchen Spritzgussmodellen. Alle Teile sind aufgeführt und benannt, und die Baustufen klar beschrieben und gegliedert. Alternative Bauzustände werden angesprochen. Die Farbprofile für Schiff und Bordhubschrauber sind klar und deutlich, die Kennungen für die diversen Einheiten sind aufgeführt. Die Namen der benötigten Farben sind aufgeführt und in Humbrol-Farbtönen benannt.

Die Anleitung ist als PDF-Datei hier erhältlich.

Dieser Bausatz enthält alles, was zum Bau eines hochdetaillierten Modells eines Typ 21 in britischen Diensten erforderlich ist. Zurüstteile würden höchstens für die Rohrwaffen in Frage kommen.

Eigene Recherche ist dann gefragt, wenn eine der anderen Einheiten als HMS Arrow im Jahr 1985 (das enthaltene Farbprofil) gebaut werden soll. Auch wenn während der Einsatzzeit keine großen Umbauten durchgeführt wurden, so wurden doch:

  • Nach und nach die Schiffe mit Exocet ausgerüstet
  • Drillings-Torpedosätze nachgerüstet
  • 20 mm Oerlikon-Flak nachgerüstet
  • Der Hauptmast umgebaut
  • Die Bootsbestückung verändert
  • Nach strukturellen Problemen Verstärkungsplatten am Rumpf auf Hauptdeckhöhe angebracht

Fazit

Für mich ist dieser Bausatz eine sehr solide Basis zum Bau eines dieser eleganten Schiffe und sehr empfehlenswert!

alt sehr empfehlenswert

Frank Spahr