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Niko Model: Deutsches Nachtjagdleitschiff NJL Togo 1943 (1/700) Drucken
Dienstag, 28. Juni 2016 um 05:00
Deckelbild Togo

Modell: German night fighter guide ship NJL TOGO 1943
Hersteller: Niko Model
Ma├čstab:┬á1/700
Material:┬áResin, Foto├Ątzteile, Draht
Art.Nr.: 7095
Preis: 55,60 E (NNT Modell)

Das Original

Im Jahre 1943 nahm die Luft├╝berlegenheit der Alliierten st├Ąndig zu und in dieser Kriegsphase kam es zu einer ernsthaften Zusammenarbeit zwischen Marine und Luftwaffe. Ziel war es, eine Fr├╝herkennung der feindlichen Bomberstr├Âme zu schaffen, um die anfliegenden feindlichen Bomber m├Âglichst schon ├╝ber See erfassen zu k├Ânnen, was zu einer besseren Koordination der Nachtjagdabwehr f├╝hren sollte.

F├╝r die Nachtjagd war eine bewegliche Beobachtungsstation erforderlich geworden, die schon weit vor der K├╝ste die Anflugroute ├╝ber der Nordsee und dem d├Ąnischen Luftraum abdecken sollte. Es sollte ein Schiff sein, mit dem man entsprechend agieren konnte. Die Seekriegsf├╝hrung schlug deshalb den Umbau des HSK Coronel vor. Unter der Geheimbezeichnung ÔÇ×NachtjagdleitschiffÔÇť bekam der ehemalige Hilfskreuzer seinen urspr├╝nglichen Namen Togo zur├╝ck. F├╝r die n├Âtigen und langwierigen Umbauten wurde der Hilfskreuzer in die Kriegsmarinewerft Kiel gebracht. Dort erhielt die Togo, die danach zu den merkw├╝rdigsten Schiffen der Marine z├Ąhlte, jedoch der Luftwaffe unterstellt war, seine charakteristische Silhouette.

Die Masten wurden demontiert, daf├╝r wurden an Deck zwei schornsteindicke, mast├Ąhnliche T├╝rme aufgesetzt, die einen kugelf├Ârmigen Aufbau trugen. Diese enthielten in einer Kombination zwei Y-Linien- und Richtfunkantennen f├╝r sogenannte Michael-Ger├Ąte, die durch Sprachfrequenzverzerrung Befehle f├╝r den Feind unkenntlich machten und diese erst mit einem Gegenger├Ąt entschl├╝sselt werden konnten. Die Kugelkuppeln waren drehbar gelagert und durch ein Kreiselger├Ąt vollstabilisiert. So konnte unabh├Ąngig von der Schiffsbewegung eine bestimmte Nullrichtung zur Funkmessung eingehalten werden. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die auf Kriegsschiffen verwendeten Kuppelbauten nur f├╝r die Gefechtsst├Ąnde optischer Flak-, Artillerie-, Richt- und Leitger├Ąte konstruiert worden. Das Y-Ger├Ąt in den Kuppelt├╝rmen bestand aus sechs paarweise angeordneten Dipolantennen, die sich oben auf den Kuppeln befanden. Ein FuG 16 diente der Schiff-Flugzeugverbindung, ein sogenannter Ehrenmal-Sender diente f├╝r Landverbindungen zu den Flakleitstellen der K├╝stenzone.

Zus├Ątzlich erhielt die Togo zwei unterschiedliche Radarsysteme. Auf der Back stand ein FREYA-Ger├Ąt mit dem charakteristischen in Querformat senktrecht stehenden, drehbaren Antennenrahmen mit der Tarnbezeichnung Matratze.

Das Achterschiff war mit dem gr├Â├čten deutschen Radarger├Ąt aus jener Zeit, einem W├ťRZBURG-Riesen ausger├╝stet, ein Antennenger├Ąt, das in der Horizontalen wie auch Vertikalen bewegt werden konnte. Die Anmessweite des FREYA-Ger├Ątes lag beim Anpeilen feindlicher Flugzeuge in rund 120 km Entfernung, die des W├ťRZBURG-Riesen bei 90 km. FREYA stellte sozusagen ein Vorwarnger├Ąt f├╝r den W├ťRZBURG-Riesen dar.

Der Kontrollraum dieser Funkmessger├Ąte befand sich im Laderaum mittschiffs. Das ├╝ber das Deck hinausragende Oberteil wurde mit einer leichten Panzerung versehen.

Um Luftangriffe auf das Schiff abzuwehren erhielt es eine starke Flak-Bewaffnung, unter anderem die Marineflak mit drei Gesch├╝tzen 10,5 cm L/45, dazu 30 automatische Fla-Maschinenwaffen 3,7 cm und 2 cm, die Einzel-, Zwillings- und Vierlingslafetten montiert wurden.

Am 18. August wurde die Togo in Dienst gestellt. Schon am 16. Dezember 1943 wurde das Schiff im Kieler Hafen von insgesamt zw├Âlf Brandbomben getroffen, jedoch nur leicht besch├Ądigt. Am 5. M├Ąrz 1944 wurde die Togo in den Finnischen Meerbusen beordert, nachdem drei sowjetische Gro├čbombardements Helsinki getroffen hatten. Dort sollte sie bis zum 4. Mai 1944 die Luftverteidigung unterst├╝tzen. Ab 1. Juli 1944 verlegte die Togo als Teil der 1. Luftflotte nach N├Ât├Â, wo sie den Funkmessschutz der dort liegenden Marineeinheiten wie der Schweren Kreuzer L├╝tzow, Admiral Scheer und Prinz Eugen ├╝bernahm. Ab dem 21. Dezember unterstand die Togo der Luftflotte Reich. Eine Umr├╝stung zur Ortung von Tieffliegern erfolgte vom 1. bis 4. Januar 1945 in Kiel. Nach einem Luftangriff auf Kiel am 4. April wurde das Schiff besch├Ądigt, um danach am 4. Mai 1945 von den Briten ├╝bernommen zu werden. Am 15. Januar 1946 wurde die Togo den Vereinigten Staaten ├╝bergeben, um zur ├ťberf├╝hrungen ehemaliger polnischer Kriegsgefangener eingesetzt zu werden. Unter dem Namen Topeka fuhr die Togo noch bis zum 21. November 1984 unter der Regie von Panama, als sie schlie├člich in einem Sturm vor der mexikanischen K├╝ste strandete. Zwei Mann der Besatzung kamen dabei ums Leben.

Togo war 134 m lang, 17,9 m breit, hatte eine Verdr├Ąngung von 12.700 t. Ein MAN 7-Zyl.-Diesel erm├Âglichte mit 5.100 PS ├╝ber einen einzelnen Propeller eine Geschwindigkeit von 17 kn.

Bewaffnung 1943:

3 ├Ś Flak 10,5 cm L/45
8 ├Ś Flak 3,7 cm L/57
16 ├Ś Flak 2 cm L/65 (Vierling)
3 ├Ś Flak 2 cm L/65 (Einzellafette)
4 ├Ś 8,6-cm-Raketenwerfer
2 Wabo-Arbrollgestelle achtern, 4 Wabo-Werfer
 

Der Bausatz

Niko Model bringt nach dem deutschen Katapultschiff Bussard in 1/700 nun auch einen Bausatz des Nachtjagdleitschiffs Togo von 1943 im gleichen Ma├čstab heraus. Eines der auff├Ąlligsten deutschen Kriegsschiffe jener Zeit.

Der Bausatz erm├Âglicht auch hier den Bau eines Wasserlinienmodells. Die Form, Proportionen und Abmessungen des Rumpfes sind nach einer Skizze und Originalma├čen korrekt wiedergegeben, das Teil ist plan, ohne sichtbare Blaseneinschl├╝sse. Auf dem Rumpf sind Bullaugen und einige Aufbauten- und Decksteile bereits mitangegossen. Der Guss ist insgesamt sehr gut, an der Wasserlinie ist jedoch ein Material├╝berstand, der verschliffen werden muss.

Rumpfteil Rumpfteil Rumpfteil
Rumpfteil Rumpfteil Rumpfteil

Die Teile f├╝r den Br├╝ckenaufbau mittschiffs mit dem oberen Artillerieleitstand haben einige dicke, ung├╝nstig liegende Angussnocken, die vorsichtig abgetrennt und verschliffen werden m├╝ssen. Bei meinen Teilen habe ich das bereits vorgenommen. Zwischen dem oberen und unteren Teil des Aufbaus sind an den Seitenw├Ąnden Spachtel- und Schleifarbeiten erforderlich. Das achtere Deck ├╝ber der Unteroffiziersmesse f├╝r die Wanne der 10,5-cm-Flak ist verzogen und muss gerichtet, einige Luftblaseneinschl├╝sse dort m├╝ssen verspachtelt werden. Bei diesem Teil rechts im Bild sind die Angussnocken und die Fischhaut noch gut sichtbar.

Im Bild in der Mitte sind der Schornstein mit Scheinwerferplattform, die Laderaumluke, Teile f├╝r die Masten und Kuppeln der Y-Antennen, Plattformen, Scheinwerfer. An den Kuppel f├╝r die Y-Antennen sind kleine Schraubenk├Âpfe f├╝r die Verbindung angedeutet. Sehr filigran. Alle Gussbl├Âcke des Bausatzes haben reichlich Fischhaut, die sich jedoch leicht entfernen l├Ąsst. Rechts im Bild die Basis f├╝r den W├ťRZBURG-Riesen und das FREYA-Ger├Ąt, die Flakwannen f├╝r die Back, L├╝fter, Teile f├╝r die Y-Antennen.

Nachtjagdleitschiff Togo Nachtjagdleitschiff Togo Nachtjagdleitschiff Togo

Das erste Foto zeigt Teile f├╝r die Poller, die Ladeb├Ąume, Seilrollen, L├╝fter. In der Mitte Beiboote, Rettungsfl├Â├če, fotoge├Ątze Ruderbl├Ątter, Schlauchboote. Rechts im Bild die Bewaffnung bestehend aus den Schutzschilden der 10,5-cm-Flak, Einzel-, Doppel-, und Vierlingsflak. Sehr filigran gegossen. Die Rohre der 2-cm-Vierlingsflak sind fast haarfein (!) abgeformt. Die 10,5-cm-Flak besteht aus insgesamt vier Teilen.

Nachtjagdleitschiff Togo Nachtjagdleitschiff Togo Nachtjagdleitschiff Togo

Die Foto├Ątzteile

Die Foto├Ątzeilplatine ist sehr umfangreich, qualitativ hochwertig und beinhaltet u.a. die sehr filigranenTeile f├╝r das FREYA- und W├ťRZBURG-Ger├Ąt, teilweise bereits abgel├Ąngte Relings, Plattformen mit sch├Ân ge├Ątzten Holzgr├Ątings, Niederg├Ąnge, Davits, Gestelle f├╝r die Wasserbomben, Leitern, Funkantennen, Anker, Bootswiegen, Leitern und weitere Relings.

Foto├Ątzteile

Die Anleitung

Die Bauanleitung im DIN-A-4-Format besteht aus einer Teile├╝bersicht und einer Bauanleitung, die in 36 Baustufen gegliedert ist. Jedes einzelne Teil ist nummeriert. An einem 3D-Modell wird die genaue Positionierung der Teile gezeigt. Die Monatage des FREYA-Ger├Ątes und des W├ťRZBURG-Riesen ist gut dargestellt. Dieses Mal sind auch die Ma├čangaben des dem Bausatz beiliegenden Messing- und Stahldrahtes angegeben.

Bauplan Bauplan

Die Bemalungsanweisung bezieht sich auf das Farbsortiment von Humbrol, ist aber keineswegs korrekt. F├╝r die genaue Farbrecherche bietet das Buch Anstriche und Tarnanstriche der deutschen Kriegsmarine von Jung, Abendroth und Kelling eine gute Grundlage, da es auch die entsprechenden RAL-Farbtabellen enth├Ąlt.

 
Bauplan Bauplan

Quellen

Fazit

Niko Model bietet mit dem brandneuen Bausatz der Togo eines der auff├Ąlligsten Kriegsschiffe der deutschen Kriegsmarine im beliebten Sammlerma├čstab 1/700. Der Komplettbausatz aus Resin- und Foto├Ątzteilen ist qualitativ hochwertig, sehr gut detailliert, bietet allerdings auch einiges an Nacharbeit in Form von Spachtel- und Schleifarbeiten. Viele ung├╝nstig liegende Angussnocken m├╝ssen vorsichtig abgetrennt werden. Zudem ist an allen Guss├Ąsten reichlich Fischhaut vorhanden, die ebenso sehr vorsichtig entfernt werden muss, um die vielen filigranen Teile nicht zu besch├Ądigen. Aus diesen Gr├╝nden einen Stern Abzug.

alt empfehlenswert

J├Ârg