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Französisches Schlachtschiff Richelieu (1/350, Trumpeter) von Peter Schäfer Drucken
Freitag, 29. Januar 2016 um 06:00

Das Original

Die Richelieu war das Typschiff einer Klasse von französischen Schlachtschiffen, die als Reaktion auf die italienische Littorio-Klasse gebaut wurde. Das auffallendste Merkmal war die ungewöhnliche Anordnung der acht 38 cm-Geschütze in zwei Vierlingstürmen auf dem Vorschiff. Durch diese konnte die gepanzerte Zitadelle mit Munitionskammern und Antrieb kurz gehalten werden, so dass eine relativ schwere Panzerung möglich war. Von der Auslegung ähnelten sie damit der vorangehenden Dunkerque-Klasse, die Bewaffnung und Panzerung fiel aber wesentlich schwerer aus.

Die Richelieu erhielt eine schwere Mittelartillerie, die aus aus 15,2 cm-Geschützen bestand. Diese konnte sowohl zur Bekämpfung von Schiffszielen als auch zur Flugabwehr verwendet werden. Wegen der zu geringen Feuergeschwindigkeit kamen trotzdem zusätzliche 10 cm-Geschütze als schwere Flak an Bord. Die Richelieu-Klasse gehörte insgesamt zu den am besten konstruiertesten Schlachtschiffen, die zwischen den Weltkriegen entworfen worden waren.

Die Richelieu war 247,9 m lang, 33 m breit und verdrängte voll beladen 47.548 t. Der Antrieb bestand aus sechs Kesseln und vier Dampfturbinensätzen, die zusammen 150.000 PS leisteten. Damit wurden 30 kn erreicht. Die Besatzung setzt sich 1943 aus 1670 Mann zusammen.

Bewaffnung Februar 1945
8 x 38 cm L/45 Mod 35 (zwei Vierlingstürme)
9 x 15,2 cm L/55 Mod 36 (drei Drillingstürme)
12 x 10 cm L/45 Mod 31 (sechs Zwillingslafetten)
56 x 4 cm L/56 Bofors (14 Vierlingslafetten)
50 x 2 cm L/70 Oerlikon (Einzellafetten)

Die ab 1935 auf der Marinewerft Brest gebaute Richelieu war bei der französischen Kapitulation 1940 noch nicht voll einsatzbereit, wurde aber trotzdem nach Dakar, einer Kolonie Vichy-Frankreichs, verlegt. Dort versuchte die Royal Navy sie auszuschalten. Am 8. Juli wurde nachts von einem Motorboot eine Ladung Wasserbomben unter das Heck der Richelieu geworfen, die aber nicht explodierten. Am frühen Morgen danach griffen Swordfish-Torpedobomber der Hermes an, die einen Treffer achtern erzielten, der schwere Schäden verursachte. Die provisorische Reparatur der Schäden war noch in Arbeit, als am 23. September 1940 britische und freie französische Einheiten Dakar angriffen (Operation Menace). Sie wurde leicht durch Nahtreffer der Schlachtschiffe Barham und Resolution und des Flugzeugträgers Ark Royal beschädigt, eröffnete aber selbst zum ersten Mal das Feuer mit den schweren Türmen. Dabei wurden teilweise Treibladungen für 33 cm-Geschütze genutzt, die nur provisorisch auf die 38 cm-Geschütze angepasst wurden. Dabei wurden drei Rohre des zweiten Turm zerstört. Die Reparaturen wurden danach abgeschlossen, sie erhielt auch drei Loire 130-Bordflugzeuge, Radar und die leichte Flak wurde verstärkt. Es fehlten aber immer noch Ausrüstungsgegenstände, z.B. die Flugabwehrmunition für die 15,2 cm-Geschütze, die beschädigten Rohre des Turms 2 konnten nicht ersetzt werden und nur drei von vier Maschinen funktionierten.

Im November 1942 lief Richelieu zu den Alliierten über und wurde bis November 1943 in New York vollständig repariert und dazu modernisiert. Die Katapulte wurden entfernt, sie erhielt eine komplett neue leichte Flak und neue Radaranlagen, aber keinen Feuerleitradar. Sie wurde mit in den USA produzierter Munition ausgerüstet, erhielt aber immer noch keine Flugabwehrmunition für die 15,2 cm-Geschütze und auch keine zum Landzielbeschuss geeignete 38 cm-Munition. Nach diesem Werftaufenthalt wurde sie erst Teil der britischen Mittelmeerflotte und dann der Home Fleet. Anfang 1944 erhielt sie einen britischen Feuerleitradar und wurde dann zur britischen Fernostflotte verlegt. Im Oktober 1944 war sie zurück im Mittelmeer und zum ersten Mal wieder in Frankreich. Es folgte einer Überholung und Modernisierung in Casablanca, wo weitere Radaranlagen installiert wurde und sie 38 cm-Munition erhielt, die gegen Landziele verwendet werden konnte. Bis Kriegsende war sie überwiegend im Indischen Ozean mit der britischen Fernostflotte im Einsatz, Ende 1945 folgten Einsätze im Indochinakrieg. 1952 wurde sie Artillerieschulschiff, 1958 wurde sie außer Dienst gestellt und diente noch bis 1965 als stationäres Schulschiff. 1968 wurde sie in La Spezia abgewrackt.

Das Modell

Mein Modell des Schlachtschiffes Richelieu stellt den Rüstzustand vom Februar 1945 dar. Ich entschied mich für diesen Zustand, weil Andreas und ich die Richelieu zeitgleich bauen wollten. Er entschied sich für ein Modell im Zustand von 1943, während ich den von 1945 wählte. Also gesagt und getan: nach längeren Recherchen mit Hilfe von Büchern und Internet stellten wir fest, dass das Modell im großen ganzen nicht so schlecht ist wie sein Ruf. Das größte Manko war, dass der Hersteller das Hauptdeck spiegelverkehrt hergestellt hat, was aber leicht zu ändern ist.

Für das Modell verwendete ich folgendes Zubehör:

  • Trumpeter-Bausatz der Richelieu im Zustand von 1943
  • Flyhawk Ätzteilsatz
  • Detailset von L'Arsenal
  • Pontos Holzdeck
  • diverse Kleinteile, z.B. Scheinwerfer, Munitionskisten usw. teils aus Eigenfertigung

Als Literatur nam ich das Kagero 3D und das Okrety Wojenne Buch der Richelieu als Referenzmaterial. Die Farben von Life Color wurden teils aus dem US Navy Set und teil aus British Navy Set genutzt.

Fazit

Mit den nötigen Abänderungen ergibt der Bausatz ein schönes Modell der Richelieu. Die Bauzeit betrug ca. 200 Stunden.

Peter Schäfer

(Text über Original von Lars)