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Der Schiffsgeistliche der HMS Victory, Alexander Scott (1/100) von Daniel Fischer Drucken
Mittwoch, 21. Oktober 2015 um 05:00

 

21.10.1805 - 210 Jahre Schlacht von Trafalgar

 

Heute jĂ€hrt sich zum 210 ten Mal der Jahrestag der Schlacht von Trafalgar (siehe Jahrestage auf Modellmarine) und somit auch Nelsons Todestag, hier eingefangen im GemĂ€lde „Death of Nelson" von William Davis. Doch neben Nelson sind auf dem Bild sowie auf dem Schiff viele andere sehr interessante Personen, die eine eigene Geschichte haben. Am bekanntesten ist natĂŒrlich Captain Hardy, der rechts hinter Nelson steht und sich an der Bordwand abstĂŒtzt. Auf eine weitere außergewöhnliche Person möchte ich hier tiefer eingehen, direkt links von Nelson und eine der ihm am nahestehendsten Personen: Reverent Alexander Scott.

Geboren 1768 als Sohn eines Marineleutnants heuerte er 1793 als Chaplain auf der HMS Berwick an. Er sprach fließend Französisch, Spanisch und Italienisch. Im Mittelmeer traf er den Captain der Agamemnon, einen gewissen Nelson, wies dessen Anfrage auf sein Schiff zu kommen ab, da er seinem aktuellem Schiff damals die Treue halten wollte. Dann diente er auf der HMS St. George und der HMS Britannia unter Sir Hyde Parker. Er war vor Kopenhagen an Bord der HMS London und entwarf fĂŒr Nelson die „Friedens“vertrĂ€ge, worauf ihn dieser – und wieder vergeblich – bei sich selber anmustern lassen wollte.

Danach war er mit der Fregatte Topaz in des West-Indies als Foreign Secretary. Zusammen mit Admiral Duckworth war er auf „Spionage“fahrt, um die politischen und militĂ€rischen Gegebenheiten der Region auszukundschaften, vor allem im lockeren KonversationsgesprĂ€ch mit den lokalen Granden. Einmal traf er auch den französischen General Leclerc und versuchte von ihm Details ĂŒber Frankreichs Engagement in der Karibik zu erfahren.

1803 hatte er er ein wahrlich erschĂŒtterndes Erlebnis: Die Topaz wurde von einem Blitz getroffen, der durch seine Kabine fuhr, und Pulver, welches ĂŒber ihm lagerte, zur Explosion brachte. Durch Blitz und Explosion verlor er mehrere ZĂ€hne, der Kiefer wurde maltrĂ€tiert und er verlor einen Teil der Sehkraft und des Gehörs. Auch wenn er sich zum Großteil erholte, blieben doch einige Nachwirkungen zurĂŒck.

Die Chance nutzte der vorher schon zweimal abgeblitzte Nelson und holte ihn 1804 endlich als Foreign Secretary an Bord seiner Victory. Dort ĂŒbersetze er fĂŒr Nelson auslĂ€ndische Zeitungen und Briefe. Damit es keine Verwechslungen mit seinem PrivatsekretĂ€r John Scott gab, nannte Nelson den Reverend einfach Doctor Scott, auch wenn dieser keinen klassischen Doktortitel hatte.

Was Scott vor Trafalgar nicht ahnte: Er wĂŒrde Nelson in dessen letzen Stunden begleiten und betreuen. Auch nach der offiziellen Todesfeststellung soll er nicht aufgehört haben, dessen Brust zu reiben. Er war bei der ÜberfĂŒhrung und der Trauerfeier in St. Pauls anwesend.

Danach fĂŒhrte er noch ein ruhiges Leben, 1807 heiratete er eine bedeutend jĂŒngere Frau und hatte zwei Töchter. Seine Frau starb durch die Totgeburt eines Sohnes. Er selbst starb 1840 im Alter von 72 Jahren.

Seine Tochter Margaret Getty wurde eine erfolgreiche Autorin, die auch seine Erlebnisse literarisch verarbeitete.

Bislang sind mir zwei Portraits von ihm bekannt:
Das auf William Devis „Death of Nelson“, er zu sehen, wie er in der Mitte Nelsons Brust reibt um ihm das Atmen zu erleichtern. Hier soll Devis vorher ein aktuelles Portrait von ihm als Grundlage gezeichnet haben.

Quelle: Wikimedia Commons

Und eines in seinen alten Jahren – wahrscheinlich posthum erstellt – im Bildhintergrund ein Bild mit dem Blitzeinschlag auf der Topaz:

Quelle: Wikimedia Commons

Da ich schon lĂ€nger an einem Modell der HMS Victory zur Zeit kurz vor Trafalgar arbeite, war dies fĂŒr mich eine schöne Zwischenaufgabe, hier Mr. Scott mit etwas vom damaligen Leben wiederauferstehen zu lassen.

Zu den Aufgaben der Schiffsgeistlichen und SekretĂ€re gehörte auch die Ausbildung der Midshipman, der angehenden Jungoffiziere. HierfĂŒr gab es im Gunroom meist einen Schultisch - Schooltable genannt.
Der Gunroom - quasi Unteroffizierskasino der Navy-Angehörigen die dort essen und schlafen mussten - wurde aber auch von den Offizieren der Marines verwendet, erkennbar an den langen RockschĂ¶ĂŸen. Hier beobachten amĂŒsiert zwei 2nd Marineleutnants - Mr Lewis Rotely and Mr Lewis Reeves - die Ausbildung, die Reverend Scott gerade betreut.

Der Gunroom war benannt nach dem Gunner (HauptgeschĂŒtzmeister), der hier sein Quartier hatte. Traditionell war die hinterste Kabine steuerbords von ihm belegt. Zur Zeit von Trafalgar war der Gunner der 50-jĂ€hrige William Rivers, der immerhin von 1790 bis 1812 in dieser Ecke lebte und von dort aus arbeitete. Seinen Hut trĂ€gt er wegen der niedrigen Deckenhöhe in der Hand.

Der Gunroom war auf Zwei- und Dreiecken dieser Zeit der hintere Bereich des unteren Batteriedecks, dort wo auch die Pinne der Ruderanlage knapp unterhalb der Deckbalken und ĂŒber den Köpfen schwang. Dieser Bereich war durch eine leichte Latten- und Segeltuchkonstruktion vom restlichen Batteriedeck abgetrennt. Außer dem Gunner hatten noch einige andere Privilegierte dort kleine Kabinen, welche aber so gebaut waren, dass sie fĂŒr Gefechtsbereitschaft genauso wie die große Trennwand schnell entfernt werden konnten.

Vor der Trennwand standen in der Regel zwei Marines, die den Zugang kontrollierten

Die Mannschaften lebten ja in den Bereichen zwischen den GeschĂŒtzen. Vor dem Gunroom hatten die Mannschaften der Marines - erkennbar an den kurzen RockstĂ¶ĂŸen - ihre HĂ€ngematten, quasi als Puffer zwischen Seeleuten und Unteroffizieren.

Hier haben wir gerade eine gelöste Stimmung da endlich das Essen serviert wird, lecker im Holzbottich frisch vom Herd ein Deck höher abgeholt und stilsicher mit dem großen Holzlöffel serviert.

Aber tĂ€uschen wir uns nicht dieser glĂŒcklichen Szene, das Job war hart und gefĂ€hrlich und am Nachmittag des 21.10.1805 war knapp die HĂ€lfte dieser freudig tafelnden Gesellen nicht mehr am Leben.

Auch das verbirgt sich hinter einem Tag wie Trafalgar - auch ihnen und den ganzen anderen Gefallenen der verschiedensten NationalitÀten sollte unser Gedenken gelten.

Modellbau

Die Szenen sind in ein Modell der HMS Victory (Heller-Bausatz) Maßstab 1/100 eingebaut.

Die Figuren sind von Preiser und ebenfalls im Maßstab 1/100, die rechten sieben Marines der oberen Reihe und die unteren sechs von links sind alle jeweils aus der gleichen Grundfigur modifiziert, wie an den Beinhaltungen unschwer zu erkennen ist.

mehr unter RE: ... to Victory and beyond!

Daniel