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Deutsches Schlachtschiff Tirpitz (1/350, Revell) von Marco Berger Drucken
Donnerstag, 03. September 2015 um 05:00

Das Original

Das Schlachtschiff Tirpitz wurde am 02.11.1936 in der Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven auf Kiel gelegt, der Stapellauf folgte am 01.04.1939, wobei die Taufe durch die Tochter von Alfred Tirpitz erfolgte. Die Tirpitz wurde am 25.02.1941 in Dienst gestellt und war ab August 1941 einsatzbereit. Im September wurde sie Flaggschiff der Ostseeflotte.

Ende 1941 wurden noch einige Umbauten/Neuausr√ľstungen in der Werft durchgef√ľhrt, bevor sie im Januar 1942 nach Norwegen verlegt wurde. Ab M√§rz unternahm sie gr√∂√ütenteils erfolglose Eins√§tze gegen britische Geleitz√ľge. Im Juli 1942 folgte das ‚ÄěUnternehmen R√∂sselsprung‚Äú, ein Einsatz mit weiteren Schiffen gegen den Geleitzug PQ17, ein deutscher Erfolg, da sich die britische Sicherung aus Furcht vor deutschen schweren √úberwasserstreitkr√§ften aufl√∂ste und der Geleitzug letztendlich Opfer deutscher Flieger und U-Boote wurde. Die Tirpitz hatte aber nur indirekten Anteil am Erfolg.

Im September 1943 beschoss die Tirpitz zusammen mit der Scharnhorst und einigen Zerst√∂rern eine Wetterstation auf Spitzbergen (‚ÄěUnternehmen Sizilien‚Äú). Ende September wurde sie im Altafjord von britischen Kleinst-U-Booten angegriffen und dabei erheblich besch√§digt. Die Fahrt√ľchtigkeit wurde erst im M√§rz 1944 wieder hergestellt. Ab April griffen wiederholt britische Bomber an, dabei wurde sie am 15.09.44 schwer besch√§digt und war nicht mehr fahrbereit. Mitte Oktober verlegte sie nach Tr√∂ms√∂ als schwimmende Batterie. Dort wurde die Tirpitz am 12.11.44 durch 32 Lancaster-Bomber mit Spezialbomben vernichtet. Sie kenterte nach zwei Volltreffern, wobei 1204 Mann der Besatzung starben.

Technische Daten

Länge/Breite/Tiefgang 251,0/36,0/10,8 m
Wasserverdrängung max. 53.000 t
Antrieb 12 Dampfkessel auf 3 Satz Getriebeturbinen, 3 Propeller
Leistung 138.000 PS (projektiert), 163.026 PS (maximal erreicht)
Höchstgeschwindigkeit 30,8 kn (57 km/h)
Besatzung maximal 2.608, zuletzt 2.178 Mann
Panzerung 20 bis 360 mm

Ausr√ľstung
4 Bordaufkl√§rer Ar 196 A-4, 5-7 Scheinwerfer, 6 Leitger√§te f√ľr schwere Artillerie, 2 zus√§tzliche Leitger√§te f√ľr mittlere Artillerie, 4 Flak-Leitst√§nde, 10-12 gr√∂√üere Beiboote, 4 Anker, Radaranlagen (FuMO, FuMB) unterschiedlicher Zahl und Art, Unterwasserhorchger√§te, MES-Kabelschleife, Minenr√§umger√§te ‚ÄěOtter‚Äú

Bewaffnung (Juli 1942)
8 x 38 cm (L/47-SK) in 4 Zwillingst√ľrmen
12 x 15 cm (L/55-SK) in 6 Zwillingst√ľrmen
16 x 10,5 cm (L/65) in 8 Doppellafetten
16 x 3,7 cm (L/83) in 8 Doppellafetten
46 x 2 cm (L/65) in 14 Einzel- und 8 Vierlingslafetten
8 x 53,3 cm Torpedorohre in 2 Vierlingssätzen

Das Modell

Ich wurde 1973 in Sachsen geboren und interessiere mich seit fr√ľher Kindheit f√ľr Modellbau, was aber zu DDR-Zeiten ziemlich beschr√§nkt war, denn es gab haupts√§chlich nur Flugzeug-Plastikbaus√§tze. Mir gefielen vor allem auch Schiffe und Panzer. Da wurde dann so manches improvisiert. Wieder voll eingestiegen in den Modellbau bin ich dann erst 2010; damals baute ich als erstes die U.S.S. Fletcher DD-445 im Ma√üstab 1/144 von Revell. Es folgten diverse Dioramen mit Panzern und Figuren im Ma√üstab 1/35, wobei ich mir immer weitere Techniken und Fertigkeiten aneignete. 2014 hatte ich dann wiedermal Lust auf ein detailliertes Schiff. Da ich schon immer eine Schw√§che f√ľr die Tirpitz hatte, sollte es diese sein und ich legte mir den Bausatz 05096 von Revell zu. Ich recherchierte im Vorfeld und nahm mir vor, mich m√∂glichst genau ans Original zu halten. Es sollte der Ausr√ľstungsstand vom Juli 1942 werden (Operation R√∂sselsprung). Als weiteres Zubeh√∂r zum Bausatz besorgte ich mir zun√§chst die beiden Foto√§tzteils√§tze 53042 und 53043 von Eduard sowie gedrehte Metallgesch√ľtzrohre von Aber und Master.

Eines der ersten Probleme war die Farbgebung. Das Tarnschema Sommer 1942 ist ja ziemlich genau historisch √ľberliefert, stark umstritten sind jedoch die Farbt√∂ne. Verschiedenste Grau-/Blau- oder sogar Gr√ľnt√∂ne ‚Äď selbst jahrelang recherchierende Experten sind sich nicht einig und ich kam zu keinem Ergebnis. So entschied ich mich kurze Hand, die von Revell vorgeschlagenen Farbt√∂ne zu √ľbernehmen. Daher ist bei mir die eine Tarnfarbe auf der Backbordseite Dunkelblau. Immerhin wird dieser Farbton auch im Buch "Die Anstriche und Tarnanstriche der Kriegsmarine" erw√§hnt. Da es sich um ein Standmodell handelt, wollte ich das Thema Alterung auf ein Minimum beschr√§nken.

Als Vorlage dienten mir haupts√§chlich die polnischen Hefte Encyklopedia Okrńôt√≥w Wojennych No. 15-19. Diese enthalten sehr viele Details als Risszeichnungen sowie einen Takelplan. Schon vor Baubeginn stellte ich einige Abweichungen im Revell-Bausatz fest. Hier seien nur mal die auff√§lligsten genannt:

  1. Der Ruderstandsanzeiger am Großmast (der Plastik-Klotz in der Mitte) war 1942 nicht mehr vorhanden (Ende 1941 bereits ausgebaut, somit bei beiden Varianten 1942/1943 im Revell-Bausatz grundsätzlich falsch).
  2. Das äußere backbordseitige Beiboot vorn ist falsch, es muss ein sogenanntes Fliegerboot sein.
  3. Die beiden Barbettenl√ľfter an Turm Bruno fehlen.
  4. Die Kr√ľmmung der Admiralit√§tsbr√ľcke und deren Frontfenstergr√∂√üe sind nicht ganz korrekt.
  5. Die Stevenkr√ľmmung ist nicht korrekt, Bismarck und Tirpitz hatten hier unterschiedliche Bugpartien, Revell bietet hier nur die Bismarck-Bugkr√ľmmung an.
  6. Die Aufstellung der 2 cm-Einzelflak ist nicht korrekt, dies betrifft das achtere Hauptdeck, den achteren Leitstand sowie den vorderen Br√ľckenbereich.
  7. Die Holzbeplankung im Bereich Hauptdeck/Ankerketten vorn fehlt, hier sieht Revell grauen Stahl vor. Dies ist nicht korrekt.
  8. Die Flaggenmasten vorn und achtern waren 1942 nicht mehr an Bord.
  9. Seekutter und Davits waren 1942 nicht mehr an Bord.

Im Zusammenhang mit den Eduard-Foto√§tzteils√§tzen gibt es noch das Problem, dass die Funkmessortungsger√§te (kurz FuMO) nicht stimmen, zumindest nicht f√ľr Sommer 1942. Hier musste ich letztendlich komplett auf andere Foto√§tzteils√§tze von Flyhawk und Tom‚Äôs Modelworks ausweichen.

Mir liegt es aber fern, den Revell-Bausatz hier schlecht reden zu wollen, trotz der genannten Schwächen ist er meiner Meinung nach der beste Tirpitz-Bausatz in 1/350 auf dem Markt. Er ist sehr detailliert und passgenau.

Im Laufe des Baues, der sich fast genau ein Jahr hinzog (500 Arbeitsstunden), wurden noch viele andere Sachen korrigiert, teilweise auch Details, die nicht so offensichtlich sind wie die oben genannten.

Manche Sachen sind auch aus optischen Gr√ľnden von mir ge√§ndert worden, beispielsweise entsprachen die starren Plastikankerketten im Bausatz nicht meiner Vorstellung. Hier wurde auf Trumpeter 06624 zur√ľckgegriffen, obgleich es da Ketten ohne Zwischenstege sind. Um die Aufbauten weiter zu detaillieren, legte ich mir noch die Foto√§tzteils√§tze Tom‚Äôs Modelworks 3571, 3574 und 3575 zu. So konnten dann noch zus√§tzliche Kleinteile wie Seeschlagblenden, L√ľfter, T√ľren und Klappen realisiert werden.

Nicht zufriedenstellend war die Ausf√ľhrung des Gro√ümastes. Der unter Punkt 1 aufgef√ľhrte Plastikklotz sollte nach der Eduardschen Anleitung entfernt werden. Dies ist aber kaum m√∂glich, da der Klotz innen hohl ist. So kam ich zu dem Entschluss, die Masten komplett neu zu fertigen. Dazu dienten mir Messingrohre von Trumpeter (09945) sowie Kupferdraht und Foto√§tzteile von Eduard.

Ein kompletter Baubericht findet sich hier.

Insgesamt hat mir der Bau sehr viel Freude gemacht und bei meinen Recherchen ist mir aufgefallen, dass es doch zum Teil sehr wesentliche bauliche Unterschiede zwischen Tirpitz und Bismarck gab.

Marco Berger