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Niederländische 38-Kanonenfregatte Wapen van Edam (1/160, Eigenbau) von Holger Bäthies Drucken
Samstag, 13. Juni 2015 um 05:00

 

13.06.1665 - 350 Jahre Schlacht bei Lowestoft

 

Heute vor 350 Jahren fand am 13. Juni 1665 bei Lowestoft vor der englischen Küste die erste Seeschlacht des zweiten Englisch-Niederländischen Seekrieges (1665-1667) statt (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Eines der auf der niederländischen Seite beteiligten Schiffe war die Wapen van Edam.

Notizen zur englischen und niederländischen Flotte bei Lowestoft

Die Niederlande erlebten im 17. Jhd. eine Blütezeit und unterhielten die größte Handelsmarine ihrer Zeit. England war zu dieser Zeit eine aufstrebende Macht und versuchte unter anderem das niederländische Monopol im Seehandel zu brechen. Insgesamt führten die beiden Nationen zwischen 1652 und 1674 drei Seekriege gegeneinander. Mehr zu den vielschichtigen Hintergründen erfährt man beispielsweise bei Robert Rebisch Die englisch-niederländischen Seekriege, Böhlau 2014.

Schon im Ersten Seekrieg zeigte sich die Überlegenheit der englischen über die niederländische Flotte. Um die Schiffsartillerie optimal einzusetzen, hatte man die Linientaktik entwickelt. Hierfür versuchte man die Schiffe anhand ihrer Artillerie in sechs Ränge zu unterteilen und entsprechend einzusetzen. Die Gesamtflotten der damaligen Zeit konnten über 100 einzelne Schiffe zählen, die Koordination war also ein ernste Herausforderung. Hierzu hatte man die Flotte in drei Geschwader, weiß, rot und blau, unterteilt. Jedes Geschwader bestand wiederum aus drei Untereinheiten, die durch Konter-, Vieze- und Admiral befehligt wurden. Die Kommunikation lief über Flaggensignale, ein grundlegendes Regelwerk war ebenfalls entwickelt worden.

Die Vereinheitlichung der Geschützkaliber pro Batteriedeck war noch nicht abgeschlossen, ebenso bestand noch ein erheblicher Teil der Kriegsflotte aus gecharterten und entsprechend ausgerüsteten Handelsschiffen.

Die niederländische Flotte favorisierte eher die Entertaktik, mit dem Kampf Schiff gegen Schiff und den Einsatz von Brandern. Auf den konzentrierten Artilleriebeschuss aus der Distanz der englischen Flotte konnte man zunächst nur reagieren. Den beiden ersten Rängen der englischen Schiffsklassen konnte man nichts Vergleichbares entgegensetzen, im dritten Rang war man zahlenmäßig unterlegen, das Gros der niederländischen Flotte entsprach etwa dem 4. und 5. Rang der englischen Widersacher. Auch in der Anzahl schwerer Geschütze war man im Nachteil.

Vor Lowestoft umfasste die niederländische Flotte 107 Schiffe mit rund 4500 Geschützen und einer Besatzung von rund 21500 Mann. England führte 100 Schiffe mit geschätzt 4800 Geschützen und 24000 Mann Besatzung aufbieten. Bedenkt man aber, dass die Royal Navy 27 Schiffe mit einem Gesamtgeschoßgewicht beider Breitseiten von über 1000 englischen Pfund (453 kg) aufbieten konnten, die Niederländer dagegen nur ein einziges, verschiebt sich das Kräfteverhältnis deutlich.

Anfang der 1660er Jahre gab es in den Niederlanden ein Flottenbauprogramm, um die Defizite zu beseitigen, diese Schiffe waren aber bei Lowestoft noch nicht einsatzbereit. Die niederländische Flotte ähnelte daher noch sehr den Flotten des 1. Englisch-Niederländichen oder des Schwedisch-Niederländischen Seekrieges der 1650er Jahre.

Kurzer Abriss der Seeschlacht

Die beiden Flotten sichteten sich bereits am 11. Juni, aber erst am Morgen des 13. Juni kam es gegen 4 Uhr zum Gefecht. Der niederländische Oberkommandierende Baron van Wassenaer Obdam ließ zuvor die Chance sich den Luvvorteil zu sichern ungenutzt verstreichen, warum ist aus heutiger Sicht unklar. Für Segelschiffe ist die Luvposition ein taktischer Vorteil, da man das Gefecht dirigieren kann. Der Gegner muss gegen den Wind ankreuzen, um einen zu erreichen. Aus der Leeposition bestand für die Niederländer also kaum eine Möglichkeit die Engländer zu entern oder Brander gegen sie einzusetzen.

In den ersten Stunden kam es zu einer Reihe von Passagen der beiden feindlichen Flotten. Durch Probleme bei der Befehlsübermittlung geriet die Kiellinie der Engländer durcheinander, ein Durchbrechen der Niederländer nach Luv konnte aber vereitelt werden. Gegen 8 Uhr gelang auf englischer Seite das schwierige Manöver die gesamte Flotte gleichzeitig wenden zu lassen, dadurch lagen nun beide Flotten auf Parallelkurs, mit der englischen Flotte in Luv. Über die nächsten acht Stunden entwickelte sich nun ein heftiger Artilleriebeschuss.

Am frühen Nachmittag explodierte das niederländische Flaggschiff Eendracht, von den 409 Besatzungsmitgliedern überlebten lediglich fünf. Die Ursache der Explosion ist unklar, wahrscheinlich kam es durch einen Unfall zur Explosion des Pulverkammer.

Im Anschluß brach die Ordnung der Niederländer zusammen, verfolgt durch die Engländer traten die Schiffe den Rückzug an. Ein Teil der englischen Flotte wurde durch den seeländischen Indienfahrer Oranje gebunden und konnte so den fliehenden Niederländern nicht nachsetzen. Die Oranje attackierte das englische Flaggschiff Royal Charles heftig und brachte es in arge Bedrängnis. Etliche englische Schiffe blieben zur Rettung zurück. Erst nachdem die Oranje überwunden war, kam es zur allgemeinen Verfolgung, die sich bis zum 14. Juni hinzog.

Abb. 1: Der Moment der Explosion der Eendracht (A) ist hier festgehalten. (B) das englische Flaggschiff Royal Charles mit der königlichen Standarte am Großmast und der roten Angriffsflagge am Fockmast. Bei (C) überlagern sich zwei Schiffe, die Royal Oak mit der Flagge eine Vizeadmirals am Fockmast und die Swifture mit der Konteradmiralsflagge am Besan. (D) die Oranje, die kurz darauf die Royal Charles attackieren wird. Bei (E) ein niederländisches Admiralsschiff, an der Gösch wie bei der Oranje die Vlissinger Fahne. Es handelt sich um das seeländische Admiralsschiff Hof van Zeeland. Quelle: National Maritime Museum.

Die Eendracht von 1654 war das stärkste niederländische Kriegsschiff ihrer Epoche, erst mit dem Bauprogramm der 1660er Jahre wurde deutlich aufgerüstet.

Abb. 2: die Eendracht, das niederländische Flaggschiff bei Lowestoft. Quelle: modelships.de.

Das Gegenstück auf englischer Seite war die Royal Charles, die unter dem Namen Naseby 1655 gebaut wurde. Das Schiff wurde 1667 durch die Niederländer beim Überfall auf die englischen Ankerplätze im Medway erbeutet.

Abb. 3: Die Royal Charles ex-Naseby, das englische Flaggschiff bei Lowestoft Quelle: Willem van der Velde drawings in the Boymans-van Beuningen Museum Rotterdam

Das englische Staatswappen der Royal Charles existiert noch heute und ist im Rijksmuseum Amsterdam ausgestellt (siehe hier und hier).

Von der Oranje gibt es ein Modell in der Reede van Texel. Hier ist das Schiff als Heimkehrer einer Asienreise dargestellt (siehe auch hier). Eine zeitgenössische Zeichnung der Oranje scheint auch zu existieren, die Identifizierung ist aber nicht gesichert.

Abb. 4: Oranje (?) Quelle: National Maritime Museum PY1792A

Für die Niederlande endete die Seeschlacht von Lowestoft als desaströse Niederlage. 17 Schiffe gingen verloren, neun davon wurden durch die Engländer aufgebracht, acht zerstört. 5000 Seeleute kamen schätzungsweise ums Leben. Auf englischer Seite waren rund 800 Tote und Verwundete zu beklagen, ein Schiff wurde durch die Niederländer erbeutet, sechs Schiffe waren erheblich beschädigt. In der britischen Royal Navy wurde der Name Lowestoft zwischen 1697 und 1960 an acht Schiffe vergeben.

Die Wapen van Edam - eines der an der Seeschlacht beteiligten Schiffe

Ein holländisches Schiff, das am 14. Juni aufgebracht wurde war die mit 38 Kanonen bestückte Wapen van Edam. Es gehörte der Admiralität von Amsterdam und war im Geschwader des Admirals Cornelis Tromp an der Schlacht beteiligt. Das Schiff wurde unter heftiger Gegenwehr der Holländer durch die englischen Schiffe Anne, 3. Rang mit 58 Geschützen, und Ruby, 4. Rang mit 46 Geschützen erobert. Die Ruby trug dabei erhebliche Schäden davon.

Über Baujahr und Abmessungen der Wapen van Edam gibt es widersprüchliche Angaben. Ein Eintrag im Nationalarchiv Den Haag vom 07.07.1653 Inventarnummer 5556; Registratur 1.01.02 nennt für die Länge 124 Fuß und Breite 28 Fuß. Kapitän war E. Cramer, mit 82 Mann Besatzung war das Schiff zu dieser Zeit 20 Mann unter Sollstärke. Das Schiff war mit sechs 12-Pfündern, 14x 8-Pfündern und zehn 6-Pfündern bestückt. Pro Geschütz waren 30 Kugeln und insgesamt 4000 Pfund Pulver an Bord. Der Proviant reichte für vier, das Wasser für zwei Monate.

Ein anderer Eintrag vom April 1655 Inventarnummer 5563; Registratur 1.01.02 nennt 1644 als Baujahr und gibt 120 Fuß Länge, 28 Fuß Weite sowie 11 Fuß Raumtiefe an. Zu diesem Zeitpunkt führte das Schiff 28 Kanonen, als da wären jeweils vier bronzene 12- und 6-Pfünder, 14 eiserne 8-Pfünder, vier eiserne 6-Pfünder und zwei Draken.

Eine andere Stelle nennt auch 1641 als Baujahr. Mit Länge ist hier der Abstand zwischen Vorderkante Vorsteven und Achterkante Achtersteven gemeint, die Weite bezieht sich auf die größte Breite ohne die Außenplanken und die Raumtiefe wird an der Stelle der größten Weite von der Oberkante Kiel bis zur Oberkante der Decksbalken des unteren Batteriedecks gemessen, die Wölbung des Balkens wird nicht mitgemessen. Das Fußmaß meint den Amsterdamer Fuß zu 283 mm.

In der englischsprachigen Literatur finden sich ebenfalls Angaben zur Abmessung des Schiffes, die wohl nach der Eroberung aufgenommen wurden. Diese passen nicht zu den niederländischen Angaben und können nicht stimmen. Eventuell liegt hier eine Verwechslung mit einer anderen Prise vor.

1651 operierte das Schiff in einem Geschwader von Admiral Tromp gegen Kaperschiffe im Ärmelkanal. Im 1. Englisch-Niederländischen Seekrieg war die Wapen van Edam eventuell 1653 an der Seeschlacht bei Scheveningen beteiligt. Im September bis November des gleichen Jahres war das Schiff Teil von de Withs Flotte, die einen Konvoy aus Norwegen in die Niederlande geleiten sollte, vor Texel in einen schweren Sturm geriet und erhebliche Verluste zu beklagen hatte.

1665 wurde die Wapen van Edam dann durch die Engländer weggenommen und unter dem Namen Black Bull als Schiff 4. Ranges in die Royal Navy übernommen. 1666 wurde die Black Bull am letzten Tag der Viertageschlacht durch das niederländische 72 Kanonenschiff Prins Hendrik Casimir aufgebracht, nachdem sie zuvor mit einem anderen englischen Schiff, der Essex kollidiert war. Der englischen Besatzung gelang es allerdings die Prisenbesatzung zu überwältigen und das Schiff zurückzuerobern. Allerdings wurde es wenig später durch das 46 Kanonenschiff Stavoren erneut geentert. Die Black Bull / Wapen van Edam wurde wohl so stark beschädigt, dass sie kurz nach dem erneuten Aufbringen noch während der Schlacht versank.

Abb. 5: das englische Schiff 3. Ranges Essex, mit dem die Black Bull während der Viertageschlacht kollidierte. Quelle: National Maritime Museum PY3836

Von der Wapen van Edam gibt es einige bildliche Darstellungen der Maler Willem van der Velde Vater und Sohn. Zwei Federzeichnungen sind im Besitz des Boymans van Beuningen Museum Rotterdam. Sie zeigen das Schiff mit Blick seitlich von achtern, einmal nur der Rumpf und einmal mit skizzierter Bemastung. Ab ca. 1640 wird bei niederländischen Schiffen, von Seeland abgesehen, der Schiffsname im Heck bildlich dargestellt. Folglich ist im Falle der Wapen van Edam das Edamer Stadtwappen zu sehen. Ein von grünem Blätterkranz umgebener schwarzer Bulle, darüber drei goldene Sterne, alles auf rotem Grund.

Abb. 6 und 7: Wapen van Edam mit skizzierter rudimentärer Bemastung. Willem van der Velde drawings in the Boymans-van Beuningen Museum Rotterdam

Im Amsterdamer Schifffahrtsmuseum befindet sich eine Grisaille, bei der die Wapen van Edam im Hintergrund zu sehen ist.

Abb. 8: Wapen van Edam im Bildhintergrund einer großen Grisaille mit holländischen Kriegsschiffen 1650-1660. Quelle: Schifffahrtsmuseum Amsterdam, eigene Aufnahme

In der Literatur findet man auch eine Ansicht mit Blick seitlich von vorn auf das Schiff. Niederländische Schiffe ähneln sich bei der Ansicht von vorn. Worauf die Identifizierung basiert, ist mir unbekannt, bei dem abgebildeten Schiff scheint der Heckspiegel aber mit einer Figurengruppe abzuschließen, dem Aussehen nach Delphine. Bei der Wapen van Edam schließt das Heck aber mit einer Leiste ab, daher ist für mich die Zuordnung der Frontalansicht nicht gesichert. Der Schiffstyp stimmt allerdings und gibt tatsächlich einen guten Eindruck davon, wie man sich die Wapen van Edam aus diesem Blickwinkel vorstellen sollte.

Abb. 9: diese Zeichnung soll ebenfalls die Wapen van Edam darstellen. Quelle: Dutch Warships in the age of sail 1600-1714

Für das Schiff sind mehrere Synonyme möglich, neben der Verkürzung Edam auch Zwarte Bull (Schwarzer Bulle). Insofern wurde das Schiff in der Royal Navy im Grunde gar nicht umbenannt, als es dort den Namen Black Bull erhielt.

Das Modell der Wapen van Edam

Ursprünglich wollte ich ein Diorama im Kontext der Seeschlacht bei Lowestoft mit mehreren Schiffen bauen. Daraus verselbständigte sich dann die Rekonstruktion und der Bau eines Wasserlinienmodells der Wapen van Edam als eigenes Projekt. Die ersten Recherchen begannen 2007, das Modell ist inzwischen recht weit gediehen, abgeschlossen sind die Arbeiten aber noch nicht. Der aktuelle Stand ist unten zu sehen.

Das Modell entsteht im Maßstab 1/160, für ein Diorama hat dies den großen Vorteil, dass man für die Besatzung auf Figuren aus dem Eisenbahnsortiment zurückgreifen kann. Entsprechend umgebaut werden müssen sie natürlich.

Der Rumpf ist aus Sperrholzbrettchen aufgebaut und mit Ahornfurnier beplankt. Holzdübel wurden imitiert indem Löcher mit passendem Durchmesser gebohrt und mittels einer Kanüle Farbe eingespritzt wurde. Bolzen sind durch Kamillesamen simuliert.

Sämtlicher Zierrat ist aus einer Zweikomponenten-Knetmasse hergestellt. Knechte, die Stützen der "Fighting Clothes", Grätings und Teile der Zierleisten sind aus Polystyrolprofilen zusammengesetzt.

Die Blöcke der Takelage sind aus Papier hergestellt, das Tauwerk wurde aus Bindegarnen vom Fliegenfischen selbst geschlagen. Sämtliche Segel sind aus Papiertaschentüchern angefertigt.

Das Modell soll das Schiff während eines Manövers zeigen, daher ist die Fock back gestellt. Am Vorgeschirr sind Gefechtsschäden vorhanden, an Backbord wurden mit Bohrern Einschüsse in die Bordwand gemacht. Weitere Gefechtsschäden in Rumpf und Takelage folgen.

Bemalt wurde mit Holzbeizen, Acryl- und Ölfarben.

Quellen

Links zum Baubericht:

Holger Bäthies