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Japanischer Schwerer Kreuzer Nachi (1/350, Aoshima) von Sven Schönyan Drucken
Donnerstag, 23. Oktober 2014 um 05:00

 

23.10.1944 - 70 Jahre Schlacht von Leyte

 

Nachi

Heute vor 70 Jahren, am 23. Oktober 1944, begann die Seeschlacht um Leyte (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Die japanische Marine versuchte die allierten Landungsflotte vor Leyte zu vernichten. Ein Trägerverband unter Ozawa sollte die amerikanischen Träger ablenken, so dass sie aus Schlachtschiffen, Kreuzern und Zerstörern bestehende Verbände Kuritas, Shimas und Nishimuras den Weg frei zu den Landungsschiffen von Leyte haben sollten. Der Schwere Kreuzer Nachi gehörte zu dem Verband Shimas, der zusammen mit den Schiffen unter Nishimura durch die Surigao-Straße angreifen sollte.

Das Modell

In den Heften der Warship Pictorial Serie fiel mir in dem Band über die Myoko-Klasse ein Bild auf, welches ein Schiff dieser Klasse vor Anker liegend mit über dem Vorschiff aufgespannten Sonnensegel zeigt. Von da ab stand für mich fest die Nachi in so einer Szene darzustellen.

Da sich im Laufe der Zeit in meinem Fundus so einige generische Ätzteilplatinen angesammelt haben und ich für diese bislang keine Verwendung hatte, entschied ich mich diese an diesem Modell zu verbauen.
Ich begann in eine der Rumpfhälften die Verstärkungsspanten einzusetzen. Anschließend wurde die andere Rumpfseite aufgesetzt. Da mir in solchen Fällen das Verkleben mit normalem Plastikkleber zu lange dauert und der Rumpf dafür aufwändig in Position gehalten werden muss (es kommt oft vor, dass solch große Bauteile leicht unter Spannung stehen), verwende ich hierfür Aceton. Dieses löst den Kunststoff an, verdunstet aber auch sehr schnell. So kann ich die Hälften ausgerichtet zusammenhalten, mit einer Spritze einen großen Tropfen angeben (dieser fließt dank der Kapillarwirkung in den Spalt) und binnen weniger Sekunden sind die Bauteile verschmolzen. Da so ein Tropfen jeweils für eine Klebung von ca. 5 cm reicht, muss dieser Vorgang ein paar Mal wiederholt werden. Um die Klebung zu erhöhen gab ich auf der Innenseite über die ganze Länge nochmal herkömmlichen Plastikkleber an.

Als nächstes wurden die mehrteiligen Oberdecks eingeklebt. Hier hat Aoshima dazugelernt. Die Teilung der Decks ist nunmehr an später nicht mehr sichtbaren Stellen. Anschließend beute ich in Gruppen unterteilt die Aufbauten zusammen. Besonders wichtig wird das Trockenpassen bei den Masten. Diese meist aus mehreren filigranen Teilen bestehenden Baugruppen sollen an mehreren Punkten der Aufbauten und teilweise noch auf verschiedenen Ebenen befestigt werden. Also baute ich diese „am Modell“ zusammen, verbinde sie aber nicht mit dem Rest.

Gerade im Mittschiffbereich gibt es eine größere Anzahl an E-Messern, Waffenplattformen und Laufbrücken, welche noch dazu in unterschiedlichen Ebenen und teils gestaffelt angeordnet sind. Auch hier ist ein Trockenpassen unerlässlich und eine Aufteilung in mehrere Baugruppen von Vorteil.

Sobald dies einmal aufgebaut war, konnte ich mit dem Lackieren beginnen. Zuerst bekamen kleine Bereiche, die sich später leichte maskieren lassen als größere, ihre entsprechenden Farbgebungen.

Parallel zu den Kleinteile lackierte ich das Linoleum des Hauptdecks. Der verwendete Gunze-Farbton H37 ist von vorn herein glänzend, so dass hier kein Klarlacküberzug aufgebracht werden muss. Es folgte ein leichtes Washing und Trockenbürsten mit ModelMaster 1754 Light Earth.

Mit H17 Kakaobraun lackierte ich das Unterwasserschiff. Da das Modell später im Diorama im Wasser liegt und nur ein minimaler Bereich des Rot sichtbar sein wird, reicht ein schmaler Streifen unter der Wasserlinie vollkommen aus.

Auf dem Hauptdeck kamen nun noch ein paar geätzte Ergänzungen hinzu. Auf der Back und der Schanz stellte ich mit dem WEM-Set IJN Doors & Hatches einige geöffnete Luken dar. Diese werden später abmaskiert und wie die angeformten Kisten und andere Details grau lackiert.

In der Palette von Alliance Model Works findet sich auch ein Set japanischer Degaussing Cable. Dieses kam mir wie gerufen, da es zwar nicht das einzige auf dem Markt erhältliche Set ist, aber sofort verfügbar war. Da zwischenzeitlich auch das Diorama in meinem Kopf mehr und mehr Gestalt annahm und ich dafür noch Fallreeps brauchte, welche sich ebenfalls nicht in meinem Fundus befanden, orderte ich außerdem von Alliance die Platinen für die Accommodation Ladders.

Bevor nun der Rumpf lackiert werden konnte stand die zeitraubende Arbeit des Maskierens an. Kann man um Kisten und Niedergängen oder entlang der Seitenbegrenzungen noch recht schnell mit mehr oder weniger langen Stücken Maskiertape (ich verwende dazu ausschließlich des Tamiya Masking Tape) die Farbe abdecken, gestaltet sich das Ganze gerade im Bereich der Schienen des Flugdecks doch etwas komplizierter.

Im noch maskierten Zustand altere ich das Grau des Rumpfes. Als Grundlage ist eine Schicht Glanzlack erforderlich. Back und Schanz bekamen ein Washing mit verdünnter Ölfarbe. Anschließend trockenbürstete ich in mehreren Gängen mit ModelMaster 1741.

Da ich getreu dem Motto „weniger ist mehr“ meist sehr vorsichtig mit den Alterungsmethoden bin habe ich immer noch Spielraum weitere Akzente zu setzen. Dies sind Rostnasen und andere Verschmutzungen durch herablaufendes Wasser. An passenden Stellen, z.B. Speigats, Poller, Augenbrauen der Bullaugen, bringe ich unterhalb dessen einen winzigen Punkt unverdünnter Ölfarbe , Paynesgrau für einfache Verfärbung und Umbra gebrannt für Rost, auf und verstreiche sie mit einem flachen Pinsel mehrmals nach unter weg. In einem letzten Schritt betone ich die Bullaugen. In diese lasse ich leicht verdünnte schwarze Farbe laufen. Ebenso verfahre ich bei den geöffneten Schotten und Luken.

Nach dem Entfernen der Maskierung konnte ich auf den Decks die verschiedenen Kleinteile befestigen. Die Messingstreifen, mit denen das Linoleum auf dem Deck gehalten wird, deutete ich mit Hilfe eines goldfarbenen Buntstift an. Ein Versiegeln der Baugruppen mit mattem Klarlack von ModelMaster schloss weitestgehend die Lackierarbeiten ab.

Jetzt konnte der große Zusammenbau beginnen. Der Anleitung folgend befestigte ich Stück für Stück mit den achteren Aufbauten beginnend die einzelnen Baugruppen. Den in kleinere Untergruppen zerlegte Brückenaufbau setzte ich zunächst zusammen bevor er auf dem Rumpf montiert wurde. Japanische sog. Pagoden-Brücken bestehen aus verschiedenen Plattformen auf denen eine Vielzahl unterschiedlicher Beobachtungsgläser, E-Mess-, Feuerleit- und Signaleinrichtungen untergebracht sind. Hier muss man genau aufpassen, um die Teile nicht falsch zu positionieren. Glücklicherweise ist die Bauanleitung sehr in diesem Bereich genau gehalten.

Parallel zu den Bau- und Lackarbeiten am Schiff entstanden die vielen Anbauteile. Diese wurden in puncto Farbgebung jeweils genauso behandelt wie der Rumpf und die Aufbauten. Die fünf Türme der Hauptartillerie müssen in drei verschiedenen Ausführungen zusammengesetzt werden.

In allen mir bekannten Quellen wird darüber berichtet, dass die weißen Blastbags der schweren Geschütze nach Beginn des Krieges aus Tarnungsgründen gegen graue ausgetauscht wurden. Seltsamerweise scheint dies von den wenigsten Modellbauern und von keinem der japanischen Hersteller berücksichtigt zu werden. So sind beispielsweise die Blastbags des Messemodells der neuen Tamiya Yamato in weiß oder beige dargestellt. Dummerweise lässt sich die Farbe auf den wenigen schwarz-weiß-Fotos die im Krieg entstanden nicht genau definieren.
Da mir grundsätzlich die helle Farbe auch ganz gut gefällt und sie etwas Kontrast zu dem recht dunklen IJN Grau bietet, entschied ich mich, wenn vielleicht auch historisch nicht ganz korrekt, die Persenning der Türme in H51 Light Gull Gray zu gestalten.

Manche Entfernungs-Messgeräte der japanischen Marine weisen auf dem Zentrum des Daches ein Rohr auf, welches mehrfach abgewinkelt mit den Aufbauten verbunden ist. Ein 0,25mm dicker Basteldraht schien mir dafür die richtigen Proportionen zu haben. Ein paar Biegeversuche später lagen die vier benötigten Drahtstücke auf der Werkbank. In das Dach des E-Messers bohrte ich mit einem 0,5mm Bohrer ein Loch, in welches ich anschließend das Drahtstück mit klebte.

Die Katapulte boten eine weitere Möglichkeit einen der sich angesammelten Ätzsätze zu verarbeiten. Die beiden Katapulte und die passenden Wagen waren schnell gebogen.

Langsam aber sicher war es Zeit mich der Grundplatte zu widmen. In einem Stadium, als noch nicht zu viele Aufbauten- und Ätzteile am Rumpf angebracht waren, passte ich das Modell in seine spätere Umgebung ein. Nach mehreren Stellproben hatte ich das benötigte Maß für die Wasserfläche ermittelt und ich schnitt eine 20mm starke Styroporplatte entsprechend zurecht.

Meine Szene stellt die Nachi vor Anker liegend bei gutem Wetter dar. Die See ist durch eine sanfte Dünung leicht gewellt. Um den leicht bewegten Untergrund zu erreichen, drückte ich mit den Daumen unregelmäßig Dullen in die Platte ein.

Nachdem ich die Aussparung für den Rumpf geschnitten hatte, strich ich das Styropor mit verdünntem Acrylgel mehrmals ein, um die Poren zu verschließen. Nun erfolgte sie Farbgebung des Wassers. Ich lackierte die Fläche mit Tamiya XF-4. Anschließend brachte ich weitere Schichten verdünntem Acrylgels auf, wobei ich gleichzeitig viele kleine Wellenkämme modellierte.

Jetzt konnte ich mich wieder dem Zusammenbau des Modells zuwenden. Aus einem IJN Railing Set trennte ich passende Relingstücke heraus, bog und klebte sie an die vorgesehenen Stellen. Den zuvor schon zusammengesetzten Brückenaufbau setzte ich an seine vorgesehene Position. Ich ergänzte Beiboote und Davits und Niedergänge.

Nun stand mir das schwierigste Vorhaben beim gesamten Bau bevor. Ich wollte ja die Back mit einem aufgespanntem Sonnensegel versehen. Zugegeben hatte ich das vorher noch nicht in dieser Größe ausprobiert. Das notwendige Gerüst entstand aus Evergreen-Profil in der Abmessung 0,25 x 0,5 mm. In regelmäßigem Abstand brachte ich Streben an der Reling an. Entlang der Längsachse des Schiffes kamen weitere hinzu. Als nächstes verband ich die Streben mit Profilen 0,25 x 0,5 mm, welche als Auflage für das Sonnensegel dienten.

Zuerst knüllte ich Alufolie zusammen, entfaltete und glättete sie, um danach passende Stücke auszuschneiden. Die mit etwas Übermaß ausgeschnittenen Folienstücke klebte ich mit Sekundenkleber auf die Unterkonstruktion. Den Überstand trennte ich vorsichtig mit einer scharfen Skalpellklinge ab. Als Segeltuchfarbe verwendete ich H85.

 

Die Bordfliegergruppen der japanischen schweren Kreuzer setzten sich aus je einer F1M2 „Pete“ und zwei E13A1 Jake zusammen. Nachdem die Flieger zusammengebaut waren, lackierte ich die Oberseiten mit XF-70. Die später kaum sichtbare Unterseite bemalte ich mit dem Pinsel in XF-19. Die gelben Flügelvorderkanten (H24), die roten Streifen auf den Schwimmern (XF-7), die Cowling der „Jake“ in H77 und deren Spinner in XF-64. Nach dem Anbringen der Hinomarus wurden die Flieger mit mattem Klarlack von ModelMaster versiegelt. Für die Cockpitverglasung verwendete ich abschließend X-19.

Nun war der große Moment gekommen, an dem die Nachi ihrem Element übergeben werden konnte. Ich setzte das Modell in die fertige Wasserplatte. Den Spalt zwischen Rumpf und Grundplatte füllte ich mit Acrylgel auf.

Jetzt ging es daran die letzten noch ausstehenden Details anzubringen. Für das Fallreep entfernte ich aus der Steuerbordreling der Back an der korrekten Position die Durchzüge und befestigte es an der Bordwand. Die Verspannung der Masten und die Flaggleinen stellte ich mittels gezogenem Gussast dar. Ich richtete mich hierbei an die Vorlage von Aoshima, da auf den mir vorliegenden Bildern diese kaum oder schlecht zu erkennen ist. Auf die beiden Katapulten setzte ich je ein Bordflugzeug. Das dritte ruht auf seiner Dolly zwischen diesen. Um Platz zu sparen hat dieses die Flügeln eingeklappt.

Aus dem entsprechenden Bausatz von SSN Modellbau entstand die Fischerdschunke, welche vom Fang heimkehrend die Nachi passiert.

Einige Beiboote sind in Bereitschaft und dazu an den Festmacherleinen vertäut. Damit diese nicht direkt auf dem Wasser obenauf schwimmen, sondern etwas Tiefgang aufweisen, schliff ich die Unterseiten etwas ab und befestigte die Boote dann erst in ihrer Position.
Eines der Verkehrsboote läuft soeben von steuerbord achtern an und bringt Landurlauber zurück zum Schiff. Ein Gast steht auf der kleinen Back des Bootes, ein anderer am unteren Ende des Fallreeps bereit zum Festmachen der Barkasse.

Sven