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Geleitträger USS Gambier Bay (1/350, Hasegawa) von Sven Schönyan Drucken
Samstag, 25. Oktober 2014 um 05:00

 

23.10.1944 - 70 Jahre Schlacht von Leyte

 

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Heute vor 70 Jahren, am 25. Oktober 1944, ist der Geleitflugzeugträger USS Gambier Bay durch Geschützfeuer einer japanischen Kampfgruppe unter Kurita, bestehend aus den Schlachtschiffen Yamato, Nagato, Kongo und Haruna, den schweren Kreuzern Chokai, Chikuma, Tone, Kumano, Suzuya und Haguro sowie zwei leichten Kreuzern und elf Zerstörern in der Schlacht von Samar versenkt worden (siehe Jahrestage auf Modellmarine).

Das Modell

Die von der US Navy hauptsächlich 1944 verwendeten Tarnmuster des sogenannten „Dazzle Pattern“ in seinen unterschiedlichsten Ausführungen übten schon immer ihre Faszination auf mich aus. An Hasegawas „USS Gambier Bay“ konnte ich dieses aufwändige Tarnkleid in Verbindung mit einem verwitterten, wenig gepflegten Erscheinungsbild im Modell umsetzen. Dies bedeutete zwar ein Maximum an Abklebearbeiten, jedoch wollte ich mich dieser Herausforderung stellen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Dabei stand für mich bereits zu Anfang fest Oberdecksmarkierungen aufzulackieren, anstatt Decals für diese zu verwenden.

Der Rumpf ist durch die eingesetzten Spanten sehr stabil. Bis auf wenige kleine Stellen am Heckspiegel bzw. an der Bugspitze konnte ich auf Spachtelmasse verzichten.

Vermutlich wegen der verwendeten Größe der Spritzform, welche lange Bauteile anscheinend nicht zulässt, ist das Flugdeck zweigeteilt. Dies ist zwar im ersten Moment ärgerlich, beim genaueren Hinsehen stellt man jedoch fest, dass die Konstrukteure bei Hasegawa mitgedacht haben und die Trennung an eine Stelle legten, an der im Original eine Stoßkante zwischen Metall und Holz war. Damit die beiden Decksteile beim Verkleben eine perfekte Flucht bilden, legte ich sie an ein Werkstattlineal an. An die Unterseite des Flugdecks mussten noch mehrere Seiten- und Bodenteile geklebt werden. Diese werden ähnlich dem Rumpf mit Hilfsspanten zueinander in Position gebracht.

Nun stand einer der schwierigsten Schritte während des gesamten Baus an. WEM stellt in seinem Set alle Catwalks bereit. Die Krux hierbei ist allerdings, dass nicht das komplette Spritzgussteil gegen ein geätztes Pendant ausgetauscht wird, sondern die Flakwannen in Kunststoff beibehalten und die Verbindungwege dazwischen fotogeätzt dargestellt werden. Mir war klar, dass wenn ich einmal damit angefangen habe, es kein Zurück mehr gäbe, egal wie gut oder schlecht das Ergebnis sein sollte. Nachdem ich aber schon die ca. 50,- € für den WEM-Satz ausgegeben hatte und eben diese Teile einen Großteil des Sets ausmachten, wäre es ganz schön verschwenderisch gewesen sie nicht zu benutzen.
Gesagt, getan: als erstes musste das Catwalk-Bauteil gleich hinter der Insel dran glauben. Wider erwarten ließ sich alles durch relativ wenig Anpassarbeit zu einem sehr guten Ergebnis zusammenfügen. Also konnte ich mit den übrigen Laufwegen weitermachen, auch wenn diese Arbeitsschritte äußert zeitraubend waren, da zusätzlich nach außen geneigte Gitter zugeordnet und angebaut werden mussten. Irgendwann kam dann der Tag an dem dieses Werk vollbracht war und ich konnte endlich mit dem weiteren Zusammenbau zuwenden.

Die Unterzüge und Stützkonstruktion unter dem vorderen und achteren Ende des Flugdecks entstanden ebenfalls aus PE-Messing. Das Ergebnis der ineinander verschachtelten Unterzüge sieht deutlich besser als die gespritzten Kunststoffteile aus. Leider sieht man davon am fertigen Modell nur noch sehr wenig.

Wesentlich filigraner als das original Bausatzteil stellt sich der Gittermast auf der Insel dar. An diesen müssen nicht nur weitere geätzte Plattformen sondern auch Kunststoffausleger befestigt werden. Im Falle des Mastgestenges hatte ich die Anleitung falsch verstanden und konnte die vorgesehene Stange wegen deren Fußes nicht mehr nachträglich einkleben. Ein abgelängter Messingrundstab schuf hier Abhilfe und hat gleichzeitig noch den Vorteil, dass er wesentlich stabiler ist.

Bis auf die Scheinwerfer befestigte ich alle Anbauteile des Mastes. Der erste Versuch die große Radar-Matratze zusammenzubauen wanderte in die Tonne. Glücklicherweise hatte ich noch Ersatz aus einem übriggebliebenen Ätzsatz, so dass ich nicht noch zusätzlich Zubehör einkaufen musste.

Hasegawa hat dem Bausatz sechs FM-2 Wildcat und drei TBM-1 Avenger zur Belebung des Flugdecks beigelegt. Diese Bausätze sind kleine Meisterwerke. Wie bei Modellen in weit größeren Maßstäben verfügen sie über Gravuren. Im Gegensatz zu neueren Trumpeter oder Dragon Flugzeugen sind diese hier in grauem Kunststoff gespritzt. Nur die Kanzelverglasung liegt in transparentem Material vor. White Ensign hat für die Bordflieger ebenfalls eine kleine Platine im Programm, welche natürlich nicht fehlen durfte.

In der gezeigten Szene stehen am vorderen Ende des Flugdecks bereits gelandete Maschinen. Meiner Meinung nach ist für ein lebendigeres Aussehen eines Dioramas eine ungerade Anzahl an Flugzeugen, Personen, Sachen, etc. besser. Also baute ich nur fünf der Jagdmaschinen zusammen. Diese sollen alle bereits in ihrer Parkposition mit gefalteten Flügeln stehen. WEM sieht für das Fahrwerk der Wildcats Ätzteile vor. Diese ließen sich problemlos anbauen. Zum besseren Lackieren der Winzlinge klebte ich die Tragflächen noch nicht an.

Von den Avengers baute ich alle drei Modelle. Jedoch ist eine bereits mit eingeklappten Flügeln abgestellt, die zweite wird gleich nach der Landung auf ihre Parkposition geschoben und währenddessen die Flügel gefaltet werden während die dritte sich im Landeanflug befindet. Letztere ist die einzige, die ausgefahrene Landeklappen hat (bei geparkten Avengers sind diese immer eingefahren). Zusätzlich bekam diese einen Fanghaken aus einem Stück 0,3mm Federstahldraht.

Die Bemalungsvorschläge von Hasegawa zeigen die Jagdflugzeuge sowohl in einer dunkelblauen Lackierung über alles als auch in dem 1944 weit verbreiteten Dreifarbton-Schema. Nach etwas Recherche fand ich heraus, dass dieser Mix bei der Gambier Bay-Jagdgruppe tatsächlich der Fall war. Mir war das nur Recht, da so zusätzliche Abwechslung ins Diorama gebracht wird. Die Flugzeugrümpfe nahm ich einzeln in Wäscheklammern auf, während ich die Flügel der Wildcats nach Tarnschemen sortiert, zwei sollten den dunkelblauen (Gunze H55 über alles) die anderen drei den dreifarbigen (bestehend aus Gunze H338, H54 und H56) Anstrich erhalten, auf einer Leiste befestigte. Nach ausreichendem Trocknen maskierte ich die Unterseiten. Den dunkleren Ton H54 lackierte ich noch mit der Airbrush auf. Die Seiten, welche die leicht hellere Farbe H56 erhalten sollten, bemalte ich anschließend mit dem Pinsel.

Nun stand endlich die Farbgebung des Modells an. Ich hatte mir ein paar Punkte vorgenommen , wie ich das Flugdeck farblich gestalten wollte. Dazu begann ich als erstes mit diesem und lackierte die horizontalen Flächen in Gunze H54. Anschließend mussten diese Flächen maskiert werden. Ich versuche immer, soweit möglich, Oberdecksmarkierungen aufzulackieren, da ich kein Freund von großformatigen Decals bin bzw. speziell bei einem anderen Hasegawa-Modell keine guten Erfahrungen damit gemacht hatte. Dank der hervorragenden in 1/350 gehaltenen Bemalungsanleitung, die in mehreren Ansichten alle Winkel der Decks und Aufbauten zeigt, maß ich mir die Positionen und Größen der Mittel- und Seitenstreifen sowie der Markierungen im vorderen Aufzugsbereich heraus und übertrug sie mittels Tamiya Maskingtape auf das Deck.

Den eigentlich weißen Mittelstreifen lackierte ich in Hellgrau H338. Die seitlichen Streifen des Flugdecks sowie alle vertikalen Flächen, die Unterseiten sämtlicher seitlicher Anbauten sowie die der Flugdecküberhänge vorn und achtern lackierte ich in Grau H307.

Die Tarnung des Schiffsrumpfes setzt sich an einigen Stellen über die Wandungen der Catwalks fort. Dazu maskierte ich partiell die grauen Flächen. Beim Aufbringen der Farbe habe ich darauf geachtet, dass sie auch die Innenseiten der Schanzkleider überzieht. Das Ergebnis ist ein korrekter Verlauf des Dazzle-Pattern bis zur Oberkante.

Für die großen taktischen Nummern stellte ich mir selbst mit geringem Aufwand Maskierungen her. Auf meine Schneidunterlage klebte ich zunächst zwei längere Streifen 40 mm breites Maskingtape direkt nebeneinander. Die Trennlinie stellt gleichzeitig die Längsachse des Schiffes dar. Von dieser Linie ausgehend schnitt ich die Enden des Tapes im rechten Winkel ab. Diese winkligen Kanten dienten mir als Bezug für das vordere und achtere Ende des Flugdecks. Die Abstände der Nummern zu den Kanten sowie zur Mittellinie maß ich mir wiederum aus der Anleitung heraus und übertrug sie mit Bleistift auf das Tape. Anschließend brachte ich die Decals den Strichen entsprechend auf. Nach etwas Trocknungszeit zog ich mit Stahllineal und einer scharfen Skalpellklinge bewaffnet vorsichtig die Ränder der Decals nach und entfernte das überflüssige Klebeband.

Diese Schablonen übertrug ich nun auf die Modelloberfläche, wobei ich die Kanten an den zuvor festgelegten Referenzen ausrichtete.

Im Anschluss daran konnte ich mit dem weit weniger aufwändigen Altern beginnen – dachte ich. Der erste Schritt ist das obligatorische Washing. Von vorne beginnend ließ ich eine braunschwarze Eigenmischung aus Ölfarben in die Vertiefungen fließen. Dies wiederholte ich mehrmals und in unterschiedlichen Intensitäten, gefolgt von einem Trockenbürsten in verschiedenen Nuancen.

Parallel zum Flugdeck maskierte ich die Decks des Rumpfes. Dies ging hier wesentlich schneller vonstatten. Wie eingangs erwähnt sollte die Farbgebung meines Modells einen lange nicht mehr erneuerten Anstrich darstellen. Dazu gehört es die vielen Strukturen an den Schiffsseiten zuerst mit einem Preshading zu versehen. Die inneren Bereiche der einzelnen Platten lackierte ich mit Tamiya XF-2 weiß, wobei ich darauf achtete, dass die in dünnen Schichten aufgetragene Farbe zum Rand hin weniger Deckkraft hatte. Die erhabenen Stöße zog ich mit H77 nach. Das Preshading lackierte ich immer nur in den Bereichen der jeweiligen Tarnfarbe bzw. etwas darüber hinaus. Dadurch wusste ich, wie weit ich im nächsten Schritt die eigentliche Farbe auftragen musste.

Nach meiner Lackierstrategie arbeite ich mich vom Hellen ins Dunkle vor. Bei der Gambier Bay begann ich mit dem Pale Gray und benutzte dazu Gunze H338, gefolgt von H307 für das Light Gray. Als Drittes verwendete ich H56. Hier verfuhr ich ebenso wie bei den ersten beiden Farbaufträgen. Jedoch zeigte das Shading hier keine Wirkung mehr. Als letzte Tarnfarbe benutzte ich Schwarzgrau H401. Abschließend musste ich jetzt noch ein letztes Mal alle noch nicht bedeckten Flächen entlang der Wasserlinie rumpfaufwärts maskieren, damit ich einen Streifen des Unterwasserschiffes mit Revell 37 lackieren konnte.

Wie immer bildet eine Schicht glänzenden Klarlacks von Tamiya die Grundlage der weiteren Alterung. Als erstes brachte ich auf jeweils nicht allzu langen Rumpfabschnitten schwarze und weiße Filter auf.

Anschließend erzeugte ich Rostnasen. An besonders dem Seewasser ausgesetzten Stellen, z.B. die Ankerklüsen, Durchbrüche in der Schiffswand oder den Enden von hervorstehenden Strukturen, setzte ich einen winzigen Punkt Ölfarbe Umbra gebrannt. Diesen verstrich ich senkrecht nach unten mit einem Pinsel.

Ein letztes Mal musste ich nochmal meine Airbrush bemühen und versiegelte das Modell mit mattem Klarlack XF-86 der Firma Tamiya.

Dann war endlich der Tag der Hochzeit gekommen: das Aufsetzen und Verkleben des Decks mit dem Rumpf! Nun konnte ich auch die letzten Kleinteile und die Baugruppe der Insel anbauen.

Das fertige Modell des Schiffs setzte ich zunächst in seine vorbereitete Wasserplatte ein. Meine Gambier Bay befindet mitten im Landemanöver der von einem Einsatz zurückkehrenden Bordfliegergruppe. Die Maschinen, welche als erste ihren Sprit verbraucht hatten, mussten auch als erste landen. Die fünf Wildcat Jäger sowie eine bereits geparkte Avenger positionierte ich nach diversen Stellproben am Vorderende des Flugdecks. Dabei vermischte ich nicht nur die Flugzeugtypen, sondern auch die verschieden lackierten Jäger. Eine zweite Avenger ist soeben gelandet und die Crash-Barrier sind wieder aufgestellt. Das Flugdeckpersonal schiebt mit vereinten Kräften die Avenger auf die Parkposition während gleichzeitig die Flügel manuell eingeklappt werden. Einige der bereits abgestellten Maschinen werden noch von Seeleuten gesichert. Die Piloten der gelandeten Flieger haben sich zu einem ersten Debriefing nahe der Insel versammelt.

Die anfliegende Avenger wird vom LSO eingewiesen. Um dieses Flugzeug in der Luft darzustellen ist es auf 0,3 mm Federstahldraht aufgesetzt. Auf dem Steuerbord Catwalk gleich hinter der Insel stehen zwei Mann in silbernen feuerfesten Anzügen bereit, um im Havariefall einer landenden Maschine eventuelle Feuer zu löschen. Von der Insel aus beobachtet der Kommandant die Landungen während die Fahrwache Ausguck hält. An den Flaggleinen ist Ball-Rhombus-Ball für „Ich bin manövrierbehindert“ sowie die Flagge „F“ für Flugbetrieb gesetzt. Der Träger bewegt sich mit seiner Höchstgeschwindigkeit an einem sonnigen Oktobertag 1944 gegen den Wind durch die See östlich der Philippinen. 

Sven