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Germania Figuren: Wikinger Knarr (1/72) Drucken
Donnerstag, 25. September 2014 um 05:00

Deckelbild

Modell: Wikinger Knarr
Hersteller: Germania Figuren
Maßstab: 1/72
Material: 32 Resinteile, 1 StĂŒck Stoff fĂŒr die Segeldarstellung und Takelgarn
Art.Nr.: GF 72-DIO 01
Preis: € 65,- zzgl Porto & Verp.

Das Original

Zum Vorbild habe ich bereits in einer frĂŒheren Besprechung etwas geschrieben, daher siehe hier.

Der Bausatz

Endlich! Nach dem "schwachen" als Knarr bezeichneten Modell von Medievalmodelships und den bislang ungehört gebliebenen Rufen nach einem Spritzgussbausatz gibt es nun endlich einen Resinbausatz dieses bedeutsamen, frĂŒhmittelalterlichen Schiffstyps, der sehr viel Gutes in sich vereinigt.

Michael Cremerius startet mit diesem Wasserlinienmodell einer Knarr, Knorr oder Knorre eine Serie von Wasserfahrzeugen, die speziell fĂŒr den Dioramenbau gedacht sind. Weitere Modelle von frĂŒh- bzw. hochmittelalterlichen Booten sind bereits in Planung oder sogar schon in der Entwicklung. Das vorliegende Modell Ă€hnelt stark einer segelfĂ€higen Rekonstruktion, die in Roskilde zu Hause ist.

Das Modell besteht im Wesentlichen aus einem in einem StĂŒck gegossenen Rumpf, dessen Frachtraum aufgrund der Machart als Wasserlinienmodell natĂŒrlich nicht die korrekte Tiefe aufweisen kann. Ein Teil dieses Frachtraumes ist bereits generell mit ordentlich aufgereihten "Paketen" beladen, auf denen noch zwei einzelne "Pakete" sowie ein hingeworfenes Netz liegen. Der grĂ¶ĂŸere Frachtbereich weist keinerlei Planken- oder Spantenstrukturen auf (geht ja nicht wegen Wasserlinie!) und kann mit mitgelieferten FĂ€ssern beladen werden, die diesen glatten Boden komplett abdecken, so dass man hier auch keine Plankenstrukturen vermisst.

Die 19 FĂ€sser sind in fĂŒnf Reihen zu je drei FĂ€ssern und in vier EinzelfĂ€sser aufgeteilt. Wer andersartiges Ladegut einladen möchte, hat hier freie Hand. Ein einzelner Rundschild sowie ein Anker mit Kette gehört auch noch zum Lieferumfang.

In das Bootsinnere wird ein Rahmen eingesetzt, der die BordwandverstĂ€rkung sowie die Querverstrebung des Rumpfes darstellt. Wie bei Kleinserienmodellen nicht zu vermeiden, ist hier ein wenig Feinjustierung notwendig, was aber keine HĂŒrde darstellt. Der Mast und die segellose Rah sind mit einem eingegossenen Draht verstĂ€rkt. Super! Die Rah mit dem angegossenen, teilgerefften Segel benötigt diese StrukturverstĂ€rkung nicht.

Das zweiteilige Ruder vervollstÀndigt die Konstruktion des Rumpfes. Wer will kann hier noch den "Knopf" der Ruderbefestigung ergÀnzen.

Der Bausatz beinhaltet eine Rah ohne Segel, an der man dann ein eigenes Segel anschlagen kann sowie eine Rah mit einem anmodellierten, locker gepackten Segel. Manch einer wird dies nicht mögen, andere werden sicher froh sein, nicht selber Hand anlegen zu mĂŒssen, zumal die Darstellung des gerefften Segels wirklich ganz gut aussieht. Wer ein Stoffsegel bevorzugt, muss jedenfalls nicht loslaufen und nach einem passenden Stoff suchen, denn das beiliegende StoffstĂŒck ist fĂŒr diesen Zweck gut geeignet.

Wenn es was zu kritisieren gibt, dann betrifft dies salopp gesprochen "alles was man zum Segeln braucht". Dieser Bereich hĂ€tte etwas besser recherchiert werden können. GrundsĂ€tzlich erwarteten den Modellbauer aber auch hier keine unĂŒberwindbaren Hindernisse, wenn er sich ein wenig mit dem Thema beschĂ€ftigt. Dem Mast fehlt eine Bohrung zur DurchfĂŒhrung des Rahfalls. Diese anzubringen könnte etwas problematisch werden, da ja ein Draht mit eingegossen wurde um den Mast zu stabilisieren. Desweiteren fehlt ihm eine Aufdickung oder alternativ eine starke VerjĂŒngung bzw. Stufe kurz unterhalb der Mastspitze, die benötigt wurde, damit die Schlaufen der Stage und Wanten nicht nach unten abglitten. So eine Aufdickung kann aber schnell mit etwas Modelliermasse ergĂ€nzt werden. Man kann aber auch einen neuen Mast aus Holz basteln. Wie die Rah am Mast befestigt werden soll, darĂŒber schweigt sich der Bauplan leider ebenso aus, wie ĂŒber die Befestigung der Wanten. Die richtige Art und Weise kann aber relativ leicht in FachbĂŒchern oder im Internet recherchiert werden. FĂŒr das Rahfall werden zwei kleine Blöcke mitgeliefert. Die wikingertypischen Jungfern fehlen aber leider ebenso, wie einige weitere Blöcke fĂŒr das laufende Gut. DafĂŒr gibt es aber die "Hörner", die als Wantenspanner dienten. Diese konnten beim Original aus Holz oder auch tatsĂ€chlich aus Hirschhorn gefertigt sein.

Des Weiteren fehlt der so genannte Beitass und die beiden Holzklötze, die im Rumpf als Widerlager fĂŒr den Beitass dienten. Der Beitass war eine Stange, mit der das Segel versteift werden konnte, um höher am Wind segeln zu können und gehörte wohl zur grundsĂ€tzlichen Ausstattung jedes grösseren Wikingerschiffes. Das Modell des Gokstad-Schiffes von Emhar weist die beiden Holzklötze mit ihren zwei Mulden ĂŒbrigens auch auf!

Leider fehlen auch einige Riemen, die benötigt wurden, um die Knarr bei Flaute oder beim An- und Ablegen zu rudern. Diese sollen aber, aufgrund meines Hinweises, in einer weiteren Produktionsserie ergÀnzt werden. Ansonsten kann man sicher auch leicht ein paar Riemen selber herstellen oder aus einem anderen Bausatz "entleihen".

Fazit

Die Knarr von Germania ist einwandfrei gegossen, gut detailliert und der Bau sollte keinen Modellbauer vor irgendwelche unlösbaren Probleme stellen. NatĂŒrlich macht der Bau einige Nacharbeit an den Resinteilen erforderlich, aber das ist ja bei nahezu jedem Kleinserienmodell so. Das Fehlen der Riemen und die Defizite bei der Takelage sind, bei dem ansonsten einwandfreien Bausatz, etwas schade, aber auch kein echtes Problem. Etwas Raum fĂŒr Eigenleistung gibt es ja schliesslich an jedem Modell und freiverfĂŒgbare Quellen zur Takelung von Wikingerschiffen gibt es reichlich, nicht zuletzt Dank der diversen Rekonstruktionen, von denen es ja genĂŒgend Fotos gibt. Die Einsatzmöglichkeiten des Modells im Dioramenbau sind vielfĂ€ltig. Ob segelnd auf hoher See, gerudert beim An- oder Ablegen oder am Anleger beim Be- oder Entladen: die Knarr wird immer eine gute Figur machen! Der Preis ist absolut angemessen und trotz einiger Kritikpunkte halte ich das Modell fĂŒr

alt uneingeschrÀnkt empfehlenswert

Olaf Krabbenhöft

Wir danken Germania-Figuren fĂŒr das Bausatzmuster