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Deutscher Leichter Kreuzer Breslau (1/700, Eigenbau) von Reiner Vögel Drucken
Mittwoch, 06. August 2014 um 05:00

 

06.08.1914 - 100 Jahre Durchbruch zu den Dardanellen

 

Heute vor 100 Jahren verließen die Schiffe SMS Breslau und SMS Goeben der kaiserlichen Mittelmeerdivision die Reede von Messina auf Sizilien zum Durchbruch zu den Dardanellen und Konstantinopel (siehe Jahrestage bei Modellmarine).

Ab November 1912 gab es die Mittelmeerdivision bestehend aus dem Leichten Kreuzer SMS Breslau und dem Schlachtkreuzer SMS Goeben. Zum Zeitpunkt der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 28. Juli 1914 befand sich das Geschwader in der Adria. Um dort nicht eingeschlossen zu werden, marschierten die Schiffe sofort ins westliche Mittelmeer. Nach dem Kriegsausbruch zwischen Frankreich und Deutschland am 3. August 1914 ließ Konteradmiral Souchon die Hafenanlagen von Bône und Philippeville in Algerien beschießen. Die britische Mittelmeerflotte hatte jedoch schon seit 1. August den Befehl die deutschen Schiffe zu beschatten. Auf dem Rückweg nach Osten gab es eine Begegnung mit den Schlachtkreuzern HMS Indefatigable und HMS Indomitable, später auch mit dem Leichten Kreuzer HMS Dublin, aber die deutschen Schiffe konnten durch ihre höhere Geschwindigkeit nach Messina entkommen und hier am 5. August Kohle bunkern. Inzwischen war auch der Krieg mit Großbritannien ausgebrochen und aus Deutschland der Befehl eingetroffen, Konstantinopel (Istanbul) anzulaufen.

SMS Breslau und SMS Goeben stellten die volle Gefechtsbereitschaft her und verließen am 6. August 1914 gegen 17 Uhr die Reeden von Messina. Vorbei am Leuchtturm Torre San Rainieri fuhren die Schiffe in Richtung kalabrische Küste, nach Süden und dann zur Täuschung Kurs Adria, gefolgt vom Fühlungshalter HMS Gloucester, der 24 Stunden später abgeschüttelt wurde.

Die Anker fielen am 10. August um 19.30 Uhr in Canakkala / Dardanellen, am 16. August 1914 wurden die SMS Goeben und die SMS Breslau von der Türkei übernommen und erhielten die Namen Yavuz Sultan Selim (Goeben) und Midilli (Breslau). KAdm Souchon wurde türkischer Flottenchef, die deutsche Besatzungen verblieben an Bord und erhielten als äußeres Kennzeichen den traditionellen Fes.

SMS Breslau - das Original

SMS Breslau war ein Kleiner Kreuzer der Magdeburg-Klasse der deutschen Kaiserlichen Marine. Bekannt wurde er als Begleitschiff der Kaiseryacht SMY Hohenzollern, durch Fahrten mit der SMS Goeben in der Mittelmeerdivision und nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges bei Operationen vor Algerien, dem Durchbruch von Messina zu den Dardanellen und später unter türkischer Flagge als Midilli im Schwarzen Meer und den Dardanellen. Am 20.1.1918 ereilte Midilli ihr Schicksal als sie an der Südküste der Insel Imbros in ein britisches Minenfeld geriet und um 9.10 Uhr nach fünf Minentreffern sank. 330 Mann der Besatzung einschließlich Kommandant ertranken dabei, 133 Mann gerieten in britische Gefangenschaft.

Das Diorama – ein umfangreiches Projekt

Die Idee zu diesem Diorama entstand im Kreise der IG Waterline bei der Besprechung der Jahrestage 2014. Sofort erinnerte ich mich an das Titelbild des Buches: Auf den Spuren der Goeben, das einen Ausschnitt eines Gemäldes mit der Darstellung der SMS Goeben beim Auslaufen aus Messina zeigt. Bei der Recherche fanden sich zwei alte Postkarten, die dieses Ereignis von damals darstellten. Nun konnten die Komponenten gesammelt werden. Der Bausatz von SMS Goeben/SMS Moltke in 1/700 gab es bei NNT jedoch erst wieder nach der Nachproduktion. Leider war die SMS Breslau letztes Jahr von HP und Kombrig nur angekündigt bzw. geplant. Kurz entschlossen wurde der leichte Kreuzer selbst gebaut. Im Buch Halbmond und Kaiseradler 1914 – 1918 fand sich eine sehr gute Zeichnung der SMS Breslau von Dirk Nottelmann. Auch die Festung mit dem Leuchtturm Torre San Rainieri musste selbst hergestellt werden. Hier half eine Luftaufnahme von Google Maps erheblich weiter. Also ran ans Werk.

Als Basis wählte ich eine 12 mm Sperrholzplatte mit unten angeleimten Leisten mit einer Größe von 65 cm x 20 cm. Für die Seiten- und Rückwand sah ich 1,5 mm ABS-Platten vor. Nach der unumgänglichen Spachtel- und Schleifarbeit kam die erste Stellprobe mit Pappschablonen, Resinrumpf, Polystyroleigenbauten und Zeichenstiften.

Die Festung mit Leuchtturm

Nach der Auswertung von Fotos und Satellitenbild fertigte ich eine Skizze in 1/700 an, nach der die Festung und der Leuchtturm maßlich festgelegt waren. Nach dem Zurechtsägen der ABS- und Polystyrol-Platten wurden diese mit Nitroverdünnung geklebt und im Schraubstock durch Druck verschweißt. Nun erhielten die Teile spanabhebend ihre spätere Form.

Die Halbinsel wurde aus einer PS-Schaum-Platte modelliert, wobei es hierfür geeigneteres Material gibt. Versuche und Ideen waren für die stufenförmigen Fenster des Turmes, dessen Struktur und die Schießscharten der Festung notwendig. Viel Aufwand bedeuteten die Steine des Mauerwerkes vom Torre San Rainieri, aber es sieht einfach klasse aus. Treppen und Aufstiege mit Rundbögen komplettierten die Anlage. Palmen gehören natürlich ebenfalls in das sizilianische Klima. Die Bilder zeigen Bauschritte und Vorgehensweisen.

Das Wasser wurde mit Deckenfarbe vorgestrichen und die Wellen der Schiffe später mit Acrylgel gestaltet, ebenso wie die Einbettung der Modelle in die See. Die blaue Farbe des Meeres entspricht tatsächlich der Wirklichkeit, siehe Google Maps. Hier wurde Revell 52 verwendet.

Für die Optik (Tiefenwirkung) war es notwendig die Häuser von Messina als Relief zu gestalten. Auch die Felsen, Wiesen und Wälder wurden mit verschiedenen Abstufungen und Größen aufgebracht. Figuren belebten die Szenen ebenso wie die kleinen Boote.

Für das ganze Diorama war die Reihenfolge des Zusammenbaus entscheidend: Zuerst musste der Hintergrund gestaltet werden, danach waren die Halbinsel mit der Festung und dem Leuchturm an der Reihe und erst jetzt wurden die SMS Breslau komplett fertig eingesetzt. Als letzte Einheiten kamen SMS Goeben und die Boote der Schaulustigen.

SMS Goeben und SMS Breslau laufen gefechtsbereit zu ihrer Mission aus. Noch stehen Matrosen an Deck und winken zurück, ebenso wie die Schaulustigen auf der Festung und am Strand - es gibt allerdings kein Wiedersehen.

SMS Breslau - das Modell

Für mein Diorama Messina 1914 wurde auch die SMS Breslau benötigt, doch Ankündigungen und Planungen von HP und Kombrig ließen eine lange Wartezeit erwarten. Was tun? Kurz entschlossen wurde das Modell selbst gebaut.

Mit entsprechenden Fotos und Planunterlagen konnte die Planung beginnen, hier nochmals besten Dank Herrn Dirk Nottelmann für die Unterstützung. Mit vielen Skizzen, Notizen und Maßen ging es an den Bau des Modells.

Beschreibung des Eigenbaus (zur Nachahmung empfohlen)

Ich entschied mich für die Massivbauweise, da es ein schmaler Rumpf war, von welchem ich keinen Spantenriß besaß. Für den Rohling wurden mehrere Schichten Polystyrol in Platten aufeinander geklebt. Die Zuschnitte wurden mit ca. 2 mm Übermaß für etwaige Verschiebungen mit Nitroverdünnung verklebt und im Schraubstock gepreßt. Es ergab einen massiven Block, der mit dem Schleifer oder der Fräse in der Breite auf das Fertigmaß + 0,2 mm und in der Länge auf + 0,5 mm gebracht werden konnte. Jetzt wurde die Mittellinie mit den Spantabständen in 10 m-Schritten oben und unten angezeichnet werden. Die Spantbreiten wurden den Decksaufsichten entnommen. Da es in diesem Fall keinen Spantenriß gab wurden oben und unten dieselben Maße abgetragen, ansonsten hätte man die Maße in der Wasserlinie dem Spantenriß entnehmen können.

Mit einem rechtwinkligen Schleifklotz erhielt der Rohbau nun die Form der Deckslinien. Für die Gestaltung des Rumpfes in der Wasserlinie bedurfte es guter Fotos und Erfahrung, nach denen die schnittige Rumpfform mit Feilen, Skalpell und Schleifpapier herausgearbeitet wurde. Knickspanten mit ihren scharfen Kanten bedeuten die größte Herausforderung für Modellbauer – rund kann es ja jeder.

Nun stand die Bearbeitung der Aufbauten, Schornsteine, Kleinteile und Geschütze bevor. Für die 10,5 cm Geschütze gab es keine fertigen Teile, also fertigte ich mir aus einem Profilstab von Evergreen einen Stempel mit dem asymmetrieschen Schutzschild und den Schrägen oben dran. Dieser Stempel wurde ca. 20 mal senkrecht in die Formmasse (Plastilin o. ä.) mit ca. 1,5 facher Tiefe eingedrückt und die Vertiefungen mit einem Zahnstocher und Epoxid-Gießharz ausgefüllt. Nach dem Herauspuhlen wurde Überflüssiges entfernt und unten im Drehpunkt ein 0,5 mm Stift als Halter sowie die Bohrung für das Geschützrohr platziert. Als Geschützrohr kam ein gedrehtes Messing-Rohr (Aber # L 20) in die vorgesehene Bohrung. Der Verschluß ist ein Evergreen-Stückchen 0,5 mm x 0,5 mm x 1 mm.

Die Lüfterkästen machten beim Bauen viel Spaß. Anhand einer Liste konnten die Plättchen und Zwischenstücke en gros gefertigt und mit einer Hilfsvorrichtung aus Winkeln geklebt werden. Die Schornsteine wurden ebenfalls aus selbstgefertigten Profilen gebaut, wobei es viele Abmessungen zu beachten gab. Decksfittings, Aufbauten und Geschütze wurden in ihrer Lage aus dem Plan übernommen, am Rumpf angezeichnet und mit Bohrungen für die Stifte auf beiden Seiten versehen. Aus der Grabbelkiste kamen Scheinwerfer, kleine Davits und Beiboote. Ätzteile wie Klüsen, Türen, Anker, Ankerketten, Leitern, große Davits und Niedergänge vervollständigten die Ausrüstung. Obligatorisch wurden die Masten aus Messingdraht gelötet, wobei beim achteren Mast auf die Neigung zu achten war. Besondere Aufmerksamkeit gehörte noch der Brücke mit den Plattformen und Häuschen. Dieser Komplex war in der gebauten dünnen Version sehr instabil und dadurch anfällig auf den Verzug durch den Kleber, aber dick kann es jeder! Der weitere Bau des Modelles mit Relings, Lackierung und Zusammenbau war wieder reine Routinesache.

Das wichtigste beim Scratch-Modellbau ist, ein gutes Auge, eine gute Planung und eine ruhige Hand. Doch selbst damit lässt es sich nicht vermeiden, dass sich – upps – ein Fehler eingeschlichen hat. Einiges lässt sich ausbessern, vieles entfernen und neu gestalten, mit manchem Fehler muss man einfach leben. Nobody is perfect!

Es ist hier natürlich nur ein kleinen Einblick in die Thematik Scratch- bzw. Urmodellbau möglich. Bei größerem Interesse bitte an die Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. wenden. Nichts ist unmöglich, nicht nur bei Toyota!

Quellen

  • Halbmond und Kaiseradler 1914 – 1918, Langensiepen, Nottelmann, Krüsmann, Verlag E.S. Mittler & Sohn, Hamburg 1999
  • Auf den Spuren der Goeben Matti E. Mäkelä, Bernard & Graefe Verlag, München 1979
  • Kleine Kreuzer 1903 – 1918 Bremen- bis Cöln-Klasse Gerhard Koop / Klaus-Peter Schmolke, Bernard & Graefe Verlag, Bonn 2004
  • www.wikipedia.de
  • Postkarten und Fotos, Sammlung Autor und Dirk Nottelmann
  • Die Kaiserliche Flotte historische Postkarten Jürgen Eichler / Egon Friedrich Krenz
    Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1991
  • Marine-Album 1913 Hrsg. Neuauflage Uwe Greve, Verlag H. M. Hauschild, Bremen 1999
  • www.google.de/maps

Reiner Vögel