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09.05.1864 - 150 Jahre Seegefecht bei Helgoland Drucken
Freitag, 09. Mai 2014 um 05:00

 

09.05.1864 - 150 Jahre Seegefecht bei Helgoland

 

Schlacht bei Helgoland

Quelle: Wikimedia Commons (Gemälde von Carl Dahl: Slaget ved Helgoland, 1864)

Heute vor 150 Jahren trafen im Deutsch-Dänischen Krieg ein dänisches Geschwader unter Edouard Suenson und ein österreichisch/preußisches Geschwader unter Wilhelm von Tegetthoff bei Helgoland aufeinander (siehe Jahrestage bei Modellmarine).

Der Krieg wurde 1864 zwischen dem Deutschen Bund, genauer Österreich und Preußen, und Dänemark um die Kontrolle von Holstein und insbesondere Schleswig geführt, die damals im Besitz der dänischen Krone waren. Die dänische Marine war deutlich stärker als die preußische und konnte deshalb eine Blockade der Häfen in Nord- und Ostsee durchsetzen. Um die Blockade zu durchbrechen, wurden zwei Geschwader der österreichischen Marine von der Adria in die Nordsee verlegt. Das erste unter Tegethoff erreichte nur mit den beiden Schraubenfregatten Schwarzenberg und Radetzky die Nordsee - die Korvette Dandalo war wegen schlechten Zustands der Antriebsanlage mit einer Prise zurück in die Adria geschickt worden und das Kanonenboot Seehund war bei Einlaufen in einen britischen Hafen stark beschädigt worden. Bei Texel schlossen sich drei preußische Kriegsschiffe an, die auf der Heimfahrt aus dem Mittelmeer waren. Das Geschwader erreichte am 4. Mai 1864 Cuxhaven. Das dänische Blockadegeschwader war inzwischen durch die Schraubenfregatte Jylland verstärkt worden, die die Schraubenkorvette Dagmar ersetzte.

Am 9. Mai trafen die beiden Geschwader bei Helgoland aufeinander. Die drei preußischen Schiffe spielten in der Schlacht keine Rolle, im wesentlich stand die Schwarzenberg der Niels Juel gegenüber, während Radetzky von Jylland und Hejmdal beschossen wurde. Die stärkere dänische Artillerie setzte sich durch und Tegetthof musste nach etwas mehr als zwei Stunden den Kampf abbrechen, als der Fockmast der Schwarzenberg in Brand geraten war. Die österreichischen und preußischen Schiffe zogen sich in neutrale Gewässer bei der damals britischen Insel Helgoland zurück. Die britische Schraubenfregatte Aurora unter dem Kommando des bekannten Polarforschers Leopold McClintock verhinderte die Fortsetzung der Schlacht. Nachts gelang es den Schiffen Tegetthofs nach Cuxhaven zu entkommen.

Beide Seiten beanspruchten gesiegt zu haben. Tatsächlich konnte die dänische Marine die Blockade aufrecht erhalten. Das war allerdings für den Krieg bedeutungslos, der durch die Kämpfe an Land entschieden wurde. Am 12. Mai wurde ein vorläufiger Waffenstillstand ausgehandelt, der aber nur bis zum 26. Juni hiellt. Danach wurde fast die gesamte Halbinsel Jylland von Truppen des Deutschen Bundes besetzt, worauf Dänemark am 2. Juli erneut einem Waffenstillstand zustimmen musste. Das Eintreffen des zweiten, stärkeren österreichischen Geschwaders unter Wüllerdorf Ende Juni hatte keinen Einfluss mehr. Der Krieg endete offiziell am 30. Oktober 1864 mit dem Frieden von Wien, der das Ergebnis hatte, dass die Herzogtümer Holstein und Sachsen-Lauenburg (im heutigen Südosten von Schleswig-Holstein) an Österreich fielen, während Schleswig preußisch wurde. 1866 besetzte Preußen Holstein, was zum Deutsch-Deutschen Krieg führte.

Beteiligte Schiffe

Auf dänischer Seite waren folgende Schiffe beteiligt:

  • Schraubenfregatte Niels Juel der gleichnamigen Klasse. Sie wurde 1856 fertig gestellt, war 58 m lang und 13 m breit, verdrängte 1934 t und war 1864 mit 30 30-Pfündern, acht 18-Pfündern und vier 12-Pfündern bewaffnet. Sie wurde 1879 außer Dienst gestellt und noch bis 1910 als Wohnschiff genutzt.
  • Schraubenfregatte Jylland der gleichen Klasse. Sie wurde 1862 fertig gestellt, war 71 m lang und 13,5 m breit, verdrängte 2450 t und war 1864 mit 32 30-Pfündern, acht 18-Pfündern und vier 12-Pfündern bewaffnet. Sie wurde 1887 außer Dienst gestellt, aber noch bis 1908 als Wohnschiff genutzt. Sie konnte vor dem Abwracken gerettet werden und existiert noch heute in Ebeltoft als Museumsschiff.
  • Schraubenkorvette Hejmdal wurde 1857 fertig gestellt, war 51,8 m lang und 9,2 m breit, verdrängte 868 t und war mit 14 30-Pfündern und zwei 18-Pfündern bewaffnet. Sie wurde 1886 außer Dienst gestellt.

Das Geschwader unter Tegetthof bestand aus diesen Schiffen:

  • Österreichische Schraubenfregatte Schwarzenberg. 1854 als Segelfregatte fertig gestellt wurde sie von 1861-63 zur Schraubenfregatte umgebaut. Sie war 64,4 m lang und 14,4 m breit, verdrängte 2656 t und war 1864 mit 40 30-Pfündern, sechs 60-Pfündern und vier 24-Pfündern bewaffnet. Sie wurde 1869 außer Dienst gestellt, wurde bis 1890 noch als stationäres Schulschiff verwendet und danach abgewrackt.
  • Österreichische Schraubenfregatte Radetzky der gleichnamigen Klasse. Sie wurde 1854 fertig gestellt, war 58,5 m lang, 12,5 m breit und verdrängte 2198 t. 1864 war sie mit 24 30-Pfündern, vier 60-Pfündern und drei 24-Pfündern bewaffnet. 1869 ist sie nach einer Explosion der Pulverkammer gesunken.
  • Preußischer Schaufelradaviso Preußischer Adler. Sie wurde 1847 als Postdampfer fertig gestellt und 1862 von der preußischen Marine übernommen. Sie war 62,7 m lang, 16,2 m breit und verdrängte 1430 t. Die Bewaffnung bestand aus vier kurzen 36-Pfündern und zwei langen 25-Pfündern. 1868-1877 fuhr sie als Yacht und wurde 1879 bei Sprengversuchen zerstört.
  • Preußisches Kanonenboot 1. Klasse Blitz der Chamäleon-Klasse. Sie wurde 1863 fertig gestellt und war 43,3 m lang, 7,0 m breit und verdrängte 422 t. Die Bewaffnung bestand aus einem 24-Pfünder und zwei 12-Pfündern. Sie wurde 1874 zum letzten Mal außer Dienst gestellt, 1876 gestrichen und noch einige Zeit als Kohlenhulk genutzt.
  • Preußisches Kanonenboot 1. Klasse Basilisk der gleichen Klasse. Sie wurde 1863 fertig gestellt und war 43,3 m lang, 7,0 m breit und verdrängte 422 t. Die Bewaffnung bestand aus einem 24-Pfünder und zwei 12-Pfündern. Auch sie wurde 1874 zum letzten Mal außer Dienst gestellt, 1876 gestrichen und danach noch einige Zeit als Minenprahm genutzt.

Quellen für den Modellbau

Leider sieht es mit Bausätzen von Schiffen dieser Epoche bisher schlecht aus. Von der Jylland gibt (gab?) es einen Bausatz im Maßstab 1/100 von Billing Boats, dessen Anleitung (siehe hier) auch in anderen Maßstäben hilfreich sein könnte. Eventuell gibt es im Maßstab 1/1250 mehrere der beteiligten Schiffe. Einige der Modelle von Rudolf Ermer, die auf der Go-Modelling 2014 in Wien ausgestellt wurden, waren Fertigmodelle in diesem Maßstab:

Schlacht bei Helgoland

Will man allerdings ein Modell in einem anderen Maßstab, bleibt bisher nur der Eigenbau. Hier ein paar mögliche Quellen für dafür notwendige Unterlagen:

Archive

Kopien der Originalpläne der drei dänischen Schiffe dürfte man vom dänischen Rigsarkivet (Statens Arkiver) und/oder dem Orlogsmuseet in Kopenhagen erhalten können (ich habe noch nicht versucht, dort Pläne zu bestellen). Bei dem Onlinedienst dieser Archive, der Orlogsbasen, findet man leider nur ein Foto eines Modells der Galiongsfigur der Jylland (hier auf den Namen des Schiffs klicken und dann das jüngste dieses Namens auswählen). Fotos der Schiffe findet man hier.

Von den österreichischen Schraubenfregatten sind Pläne im Kriegsarchiv (Österreichischen Staatsarchiv) vorhanden. Mir wurde empfohlen, sich die Pläne zur Ansicht vorlegen zu lassen und erst dann Kopien in Auftrag zu geben, d.h. man müsste erst eine Anfrage stellen, dann nach Wien fahren etc. Vielleicht im Rahmen der nächsten GoModelling?

Ob Pläne der drei preußischen Schiffe in einem Archiv erhältlich sind, ist mir nicht bekannt. Kandidaten wären z.B. das Bundesarchiv in Freiburg, das Deutsche Museum in München, das Deutsche Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven, das Deutsche Technikmuseum in Berlin und das Internationale Maritime Museum Hamburg.

Bücher

Neben Originalplänen sind natürlich zeitgenössische Bilder und Fotos hilfreich. Über die Schraubenfregatte Jylland sind auf Dänisch einige Bücher erschienen, die sowohl Pläne als auch Bilder und Fotos enthalten. Das Buch Fregatten Jylland. Fra orlogsværft til museumsdok von Fin Askgaard (Herausgeber), Næstved, 1996 beschreibt die Geschichte der Fregatte vom Bau bis zur Restaurierung zum Museumsschiff. Neben Bildern und Fotos, die den gesamten Lebenslauf der Fregatte dokumentieren und auch viele Detailfotos bis hin zu Handwaffen umfassen, sind folgende Pläne enthalten: Schnitt durch den Hauptspant, Ansichten des Oberdecks (Spardecks), Batteriedecks, Orlopdecks und des Schiffsbodens, Seitenansicht der Galionsfigur, Heckansicht zur Darstellung der Heckzier, Querschnitt durch die Hebevorrichtung der Schraube, Seitenansicht eines 30-Pfünders sowie einige perspektivische Zeichnungen, z.B. der Deckbalken sowie des Übergangs des Decks zum Schanzkleid enthalten. Es fehlt eine Seitenansicht, Längsschnitt, Rumpflinien sowie Ansichten der Masten und Takelage.

Ein zweites dänisch-sprachiges Buch über die Jylland ist Historien om fregatten Jylland von Bernt Kure, Kopenhagen, 1995. Es ist ähnlich aufgebaut wie das Buch von Fin Askgaard, es sind aber weniger historische Abbildungen enthalten, dafür aber mehr von der Restaurierung. Es finden sich auch mehr Pläne (zum Teil identische Originalpläne wie in dem oben beschriebenen Buch): Seitenanicht inklusive Ansicht der Masten und Takelage, Längsschnitt im Bereich der Kessel, Seitenansicht des Rumpfs (vorne Längsschnitt und Innenansicht der Spanten, mittschiffs Außenansicht der Spanten und achtern die seitliche Beplankung), Längsschnitt durch den gesamten Rumpf plus halbe Ansicht des Oberdecks, Ansicht des Ober-, Batterie- und Orlopdecks sowie des Schiffbodens, Aufbau der Rahe, Seitenansicht eines 30-Pfündern plus Mehrseitenansicht der Lafette, Querschnitt durch den Hauptspant und Längsschnitt durch den Bug inklusive Toiletten sowie perspektivische Zeichnung des Schanzkleids plus Decksknie sowie der Decksbalken des Ober-, Batterie- und Orlopdecks. Insgesamt sind die Pläne hier vollständiger als im zuerst vorgestellten Buch von Fin Askgaard, es fehlen aber Ansichten der Verzierung.

Über die dänische Marine der Epoche ist mir nur das dänisch-sprachige Buch Danske orlogsskibe 1690-1860: Konstruktion og dekoration von Hans Christian Bjerg und John Erichsen, Kopenhagen, 1980 bekannt. Das großformatige Werk enthält einen Band mit Beschreibung der Schiffskonstruktionen und der Dekoration sowie einen zweiten Band mit Plänen der Dekorationen. Es ist ein schönes Buch, bietet aber keine komplette Übersicht über die dänische Flotte von 1690-1860, wie es der Titel verspricht. Allerdings enthält es einige Zeichnungen, die in Bezug auf Modelle von dänischen Schiffe, die an der Schlacht von Helgoland 1864 beteiligt waren, nützlich sind: eine Seitenansicht sowie Rumpflinien (von der Seite, Querschnitt und von oben) der Jylland sowie die Bug- und Heckdekoration von Niels Juel, Jylland und Hejmdal.

Wer Historien om fregatten Jylland und Danske orlogsskibe 1690-1860: Konstruktion og dekoration besitzt, verfügt über vollständige Pläne der Jylland - ich würde aber darauf tippen, dass sie billiger vom dänischen Staatsarchiv zu haben sind (und dann auch mit klaren Maßstabsangaben).

Von der Schlacht selbst handelt das Buch Tegetthof und das Seegefecht vor Helgoland von Georg Pawlik, Wien, 2000. Pawlik beschreibt die historischen Hintergründe zum Deutsch-Dänischen Krieg, die beteiligten Flotten, die Schlacht selbst und die Ereignisse bis Kriegsende. Neben zahlreichen zeitgenössischen Fotos werden auch Denkmäler, Bilder, die Jylland und diverse Artefakte in Museen beschrieben, die heute noch existieren. Leider sind keine vollständigen Pläne enthalten: neben Plänen eines 30-Pfünders der Jylland (von Olaf Rahardt), findet man eine Seitenansicht mit Takelage der Radetzky und eine Seitenansicht (allerdings als Segelfregatte!)  plus Detailansichten der Bug- und Heckzier der Schwarzenberg. Dazu sind Skizzen der Jylland und Schwarzenberg enthalten, die die erlittenen Teffer markieren.

Eine Übersicht über alle Schiffe der österreichischen/österreichisch-ungarischen Marine ist in Register der k.(u.)k. Kriegsschiffe. Von Abbondanza bis Zrinyi von Wladimir Aicherburg, Wien, Graz, 2002 enthalten. Von jedem Schiff finden sich technische und biographische Daten sowie Angaben über Quellen (Pläne, Modelle, Abbildungen, Artikel). Teilweise, wie im Falle der Schwarzenberg und Radetzky, sind auch Fotos bzw. Bilder enthalten.

Einige Fotos der beiden Schraubenfregatten im Zustand von 1864 sind in K.u.K. Segelschiffe in alten Photographien von Wladmir Aichelburg, Wien, 1981, enthalten, insbesondere Fotos, die an Bord aufgenommen wurden (plus Fotos von 1866 im Zustand der Schlacht von Lissa).

Über die Schwarzenberg gibt es auch das Buch Die k.k. Segelfregatte Fürst Felix Schwarzenberg und ihre Zeit 1853-1861 von Peter Hübner, das aber, wie der Titel schon besagt, nur Informationen über sie vor dem Umbau zur Schraubenfregatte enthält. Pläne der Schwarzenberg als Segelfregatte sind in einem relativ kleinen Format enthalten. Ein Buch, das komplette Pläne der beiden österreichisch Schraubenfregatten enthält, ist mir bisher nicht bekannt.

Das gilt auch für die drei preußischen Schiffe. Skizzen, technische und biographische Angaben findet man in Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945 von Groener. Der Lebenslauf der Schiffe ist in Die Deutschen Kriegsschiffe. Biographien - ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart von Hans H. Hildebrand, Albert Röhr und Hans-Otto-Steinmetz enthalten. Wenige, für den Modellbau nicht sehr hilfreiche Abbildungen der preußischen Schiffe findet man in Die Deutsche Flotte 1848-1945 von Günter Kroschel und August-Ludwig Evers, Wilhelmshaven, 1973 und The Ships of the German Fleets 1848-1945 von Hans Jürgen Hansen, Annapolis, 1988 (auch in Deutsch als Die Schiffe der deutschen Flotten 1848 - 1945) (beide Bücher lohnen sich insgesamt durchaus, aber nicht in Bezug auf die hier behandelten Schiffe).

Museumsschiffe

Die besten Vorraussetzungen für den Bau eines Modell bietet natürlich die Jylland, die heute noch in Ebeltoft zu besichtigen ist (siehe hier).

Jylland

Museumsmodelle

Von den dänischen Schiffen, die 1864 bei Helgoland kämpften, ist im Orlogsmuseet in Kopenhagen ein Modell der Niels Juel zu sehen (siehe hier).

Niels Juel

Im Marinemuseum Pola ist ein Modell der Schwarzenberg ausgestellt. Im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien ist zwar kein Modell eines der bei Helgoland beteiligten Schiffe ausgestellt, aber ein Modell der Schraubenfregatte Novara aus der gleichen Epoche (siehe hier).

Von den beteiligten preußischen Schiffen habe ich noch kein Museumsmodell gesehen.

Internet

Viel Spaß beim Bauen - bis zum 200. Jahrestag sollte doch was gehen! ;)

Lars