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FlyHawk: deutscher Schlachtkreuzer Derfflinger (1/700) Drucken
Mittwoch, 26. Februar 2014 um 06:00

Derfflinger

Modell: SMS Derfflinger 1916
Hersteller: FlyHawk
Ma├čstab: 1/700
Material: Polystyrol, Resin, Foto├Ątzteile, Abziehbilder
Art.Nr.: FH 1300
Preis: 37,95 ÔéČ bei z.B. Modellbau K├Ânig

Das Original

Hier ein kurzer "Lebenslauf" des Gro├čen Kreuzers (Schlachtkreuzers) SMS Derfflinger :

  • Januar 1912 Kiellegung bei Blohm & Voss in Hamburg, somit ein echter ÔÇ×Hamburger JungÔÇť
  • 12. Juli 1913 Stapellauf (nachdem er beim urspr├╝nglich angesetzten Stapellauf am 14.Juni 1913 auf der Helling stecken geblieben war). Benannt nach Georg Reichsfreiherr von Derfflinger (10.03.1601 - 04.02.1695), Generalfeldmarschall und Kommandeur der brandenburgischen Kavallerie
  • 16. Dezember 1914 Teilnahme an ÔÇ×Vorsto├č J2ÔÇť, der Beschie├čung von Scarborough, S├╝d-England
  • 24. Januar 1915 Teilnahme am Gefecht an der Doggerbank
  • 5.-6. M├Ąrz 1916 Vorsto├č in de Hoofden, Bezeichnung f├╝r den s├╝dlichsten Teil der Nordsee, das Seegebiet n├Ârdlich der Stra├če von Dover zwischen Belgien und den Niederlanden im Osten und der Ostk├╝ste Englands im Westen
  • 24. April 1916 Beschie├čung von Yarmouth/Lowestoft, S├╝d-England
  • 3. Mai 1916 Teilnahme an der Seeschlacht am Skagerrak, beteiligt an der Versenkung vom HMS Queen Mary und HMS Invincible. Dabei wurde SMS Derfflinger durch siebzehn schwere und vier mittlere Treffer stark besch├Ądigt. Reparatur und teilweise Umbauten bei Howaldtswerke Kiel, ab 15. Oktober wieder einsatzbereit.
  • 23. April 1918 Vorsto├č in die n├Ârdliche Nordsee
  • Seit 24. November 1918 in Scapa Flow interniert
  • 21. Juni 1919 Scapa Flow durch Besatzung selbst versenkt
  • 1934 geborgen
  • 1935-1936 in Rosyth abgewrackt, letzte Teile bis 1948
  • Am 30. August 1965 wurden dem deutschen Marieneattach├ę in Gro├čbritannien die geborgene Schiffsglocke und das Dienstsiegel der Derfflinger zum Zeichen der V├Âlkervers├Âhnung ├╝berreicht.

Quelle: Breyer Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1905-1970

Der Bausatz

Ich bin eigentlich kein Freund von Superlativen, aber dieses Modell ist der Hammer! Sehr lange mussten wir auf einen Plastikbausatz eines Schiffs der Kaiserlichen Marine im Ma├čstab 1:700 warten, doch das Warten hat sich gelohnt. Das dieser Bausatz ausgerechnet von einer chinesischen Firma auf den Markt gebracht wird, wirft ein schr├Ąges Licht auf die f├╝hrenden europ├Ąischen Hersteller, von denen zum 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkrieges so gar nichts kommt. Aber, man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben.

Nach dem ├ľffnen der prall gef├╝llten Schachtel findet man f├╝nf, einzeln in Plastikt├╝ten verpackte, hellgraue Spritzgussrahmen. Wasserlinienplatte, Hauptdeck sowie weitere Aufbauten und Teile f├╝r die L├╝ftung sind ebenfalls separat gepackt. Eine Foto├Ątzplatine mit Reling, Auf- bzw. Niederg├Ąngen, Kr├Ąnen und Ankerketten, eine kleine T├╝te mit Abziehbilder f├╝r Flaggen, Fliegersichtzeichen, Wappen und Namensschildern. Ein Metallgewicht f├╝r die Wasserlinienplatte und ein auf Holzfolie gelasertes Pr├Ąsentationsschild kommen als n├Ąchstes ans Tageslicht. Nat├╝rlich ist auch ein Bauplan mit Farbangaben dabei, der ├╝bersichtlich und einfach gestaltet ist. Zu guter Letzt folgt eine kleine Schachtel, die aus Metall gedrehte Gesch├╝tzrohre f├╝r die 305 mm Hauptartillerie des Schiffes enth├Ąlt sowie ein aus Resin gegossenes Modell eines deutschen Seeaufkl├Ąrers vom Typ Friedrichshafen FF.33 H. Dieses ÔÇ×Modell im ModellÔÇť besteht aus feinst detaillierten Resinteilen (Rumpf mit angegossener unterer Tragfl├Ąche, obere Tragfl├Ąche und zwei Schwimmern) und einer ├ätzplatine mit winzigsten, hauchd├╝nnen Teilen f├╝r die Verstrebung und Verspannung der Tragfl├Ąchen und zur Detaillierung des Motors! H├Âhen- und Seitenleitwerk sind ebenfalls auf der kleinen Platine angesiedelt.

Gussast A enth├Ąlt beide Bordw├Ąnde sowie ÔÇ×zusammengerollteÔÇť Torpedoschutznetze. Eine gute Idee in diesem Ma├čstab.

Gussast B ist zweimal vorhanden. Hier finden sich die Gesch├╝tzt├╝rme der Haupt- und Mittelartillerie samt Rohren aus Plastik. Wohlgemerkt, die Rohre f├╝r die 15 cm SKL/45 sind separat vorhanden, die Kasematt├╝rme haben tats├Ąchlich Sehschlitze! Die 8,8 cm SKL/45 Schilde sind hohl, die Gesch├╝tzrohre auf Lafette k├Ânnen eingeklebt werden. Die Gefechtsbr├╝cke (auch hier nat├╝rlich Sehschlitze), Beiboote und Kutter, Rettungsfl├Âsse, Anker, Scheinwerfer und Artilleriemessger├Ąte sind ebenfalls an diesem Spritzling.

Gussast C enth├Ąlt die Schwenkarme f├╝r die Torpedoschutznetze.

Gussast E besteht aus dem Zwischendeck, dem Panzerdeck der Br├╝cke, Masten, Scheinwerferplattformen und den beiden Schornsteinen. Diese sind aus einem Guss, Hohl und haben ein Schornsteingitter aus Plastik. Die Masten stellen die Version vor und w├Ąhrend der Skagerrak Schlacht dar, der Umbau des Hauptmastes wurde erst w├Ąhrend der Reparaturen nach Skagerrak durchgef├╝hrt.

Bauteil F liegt einzeln bei und stellt das Deck f├╝r die Kasemattgesch├╝tze dar.

Bauteil G ist das Br├╝ckendeck, hier fallen die sehr d├╝nn gehaltenen Schanzkleider zwischen den Gesch├╝tzpositionen, die sch├Ân detaillierten Oberlichter und vor allem die, in diesem Ma├čstab bei einem Plastikmodell noch nicht gesehene, verzahnte Plankenstruktur ins Auge.

Allerdings wirft dieses Teil auch eine Frage auf! Im vorderen Bereich, direkt unter der Br├╝cke sind auf jeder Seite zwei ├ľffnungen f├╝r Gesch├╝tze vorhanden. Dort sollten beim Derfflinger vier 8,8 cm SK eingebaut werden, die jedoch laut Breyer und anderer Quellen nie eingebaut wurden. Ich habe bei der Recherche bei Osprey German Battlecruisers of WW 1 ein Foto gefunden, das den Derfflinger tats├Ąchlich mit den Gesch├╝tzen in den Kasematten zeigt, bei anderen Fotos sieht man nur die vorhandenen ├ľffnungen oder eine plane Bordwand. Hier muss der Modellbauer ein intensives Quellenstudium betreiben, damit er das Modell korrekt darstellen kann!

Die Teile H und L sind die L├╝fteranlagen unter den Schornsteinen, die sehr sch├Âne Hinterschneidungen in der Lamellenstruktur aufweisen. Die Filigranit├Ąt ist eigentlich kaum noch zu ├╝berbieten. Teil J ist die Wasserlinienplatte.

Teil K ist das Hauptdeck mit aufgesetzten Pollern, Bekohlungsluken und den schon erw├Ąhnten verzahnten Decksplanken. Sch├Ân, das man bei FlyHawk an die Schutzringe aus Stahl rund um Plattformen f├╝r die Hauptgesch├╝tzt├╝rme gedacht hat. Sie sollten den Aufprall der aus den T├╝rmen hinten ausgeworfenen H├╝lsen d├Ąmpfen. Die Auswurfluken liegen als fotoge├Ątzte Teile bei.

Die Foto├Ątzteile

Auf der Foto├Ątzplatine befinden sich Relingteile, die schon die erforderlichen L├Ąngen zum Einbau haben, das Abmessen entf├Ąllt. Weiterhin sind sechzehn Auf- bzw. Niederg├Ąnge, diverse Leitern, Kr├Ąne, Ankerketten, Flaggenst├Âcke f├╝r Bug und Heck, die H├╝lsenauswurft├╝ren f├╝r die Hauptgesch├╝tzt├╝rme vorhanden sowie zwei winzige Teile f├╝r den Bug des Schiffes, die ich beim besten Willen nicht zuordnen kann.

Gedrehte Rohre und weiteres Zubeh├Âr

Die gedrehten 305 mm Gesch├╝tzrohre sind von sehr guter Qualit├Ąt. Wer m├Âchte, kann die 150 mm SK ebenfalls durch solche aus Metall ersetzen, der Zubeh├Ârhandel bietet da einiges an.

Das beiliegende Modell des Seeaufkl├Ąrers vom Typ Friedrichshafen FF.33 H ist in diesem Ma├čstab schon eine Offenbarung. Der Resingu├č ben├Âtigt nur ein leichtes (vorsichtiges!) Vers├Ąubern, die Details sind beeindruckend. Beim Biegen der daf├╝r vorgesehenen ├ätzteile sollte man einen ruhigen Tag w├Ąhlen und, wenn m├Âglich versuchen, die Frequenz seines Herzschlags zu senken! Das Bearbeiten wird garantiert eine Herausforderung!

Auf dem dazu geh├Ârenden Abziehbilderbogen finden sich zwei Markierungsm├Âglichkeiten f├╝r Flugzeuge der deutschen Seeaufk├Ąrung, eines davon mit einer winzigen Reichskriegsflagge. D├╝nner Tr├Ągerfilm und versatzfreier Druck machen das Arbeiten leicht.

Die Gesch├╝tzrohre aus Metall und das Flugzeugmodell sind, wie man einem Schachtelaufdruck entnehmen kann, nur in der ersten Edition dieses Modells enthalten.

Abziehbilder

Der Abziehbilderbogen enth├Ąlt die Kriegsflagge in zwei Ausf├╝hrungen, einmal vom Winde bewegt, einmal glatt und eine kleinere Ausgabe f├╝r das Heck. Die G├Âsch ist ebenfalls zweimal vorhanden, bewegt und glatt. Dazu findet man zwei Wappenschilder, zwei Namenschilder und zwei kleine Embleme, die wahrscheinlich die Heckzier darstellen sollen.

Die Fliegersichtkennung besteht aus den bekannten wei├čen Kreisen. Ob diese auf dem Derfflinger schon w├Ąhrend der Skagerrak Schlacht getragen wurde, ist umstritten. Genauso umstritten ist der rote Schornstein, der im Bauplan und auf der Schachtelabbildung zu sehen ist.

Die Anleitung

Die Baupl├Ąne, sowohl f├╝r das Schiff als auch f├╝r das Flugzeug sind einfach, ├╝bersichtlich und verst├Ąndlich. Die Positionen der aufzubringenden Plastik- und Foto├Ątzteile sind teilweise durch verschiedene Farben markiert, was das Zuordnen erleichtert.

Fazit

Das Modell des Gro├čen Kreuzers SMS Derfflinger ist f├╝r mich ein Meilenstein im Bereich des 1:700 Plastikmodellbaus. Ma├čhaltung, Detaillierung, Gussqualit├Ąt und Zubeh├Âr suchen z.Zt. Ihresgleichen. Dieses Modell aufgrund seines Umfangs und der vorhandenen Kleinteile eher nicht die erste Wahl f├╝r den Hobbyeinsteiger. Der erfahrenere Modellbauer wird aus diesem Bausatz ein Prachtst├╝ck seiner Sammlung machen.

Bleibt zu hoffen, dass FlyHawk den auf der Schachtel schon angek├╝ndigten Bausatz der SMS L├╝tzow auch verwirklicht und vielleicht noch andere Schiffsklassen der Kaiserlichen Marine auf den Markt bringt!

alt uneingeschr├Ąnkt empfehlenswert

Thomas Schmidt

Wir danken FlyHawk f├╝r das Bausatzmuster