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Kombrig: britischer Leichter Kreuzer Glasgow (1/350) Drucken
Montag, 06. Januar 2014 um 06:00

Deckelbild

Modell: HMS Glasgow, Light Cruiser, 1909
Hersteller: Kombrig
Maßstab: 1/350
Material: Resin, Fotoätzteile
Art.Nr.: 3545WL (Wasserlinienmodell), 3545FH (Vollrumpfmodell)
Preis: 142,90 € (Wasserlinienmodell), 196,50 € (Vollrumpfmodell)  (bei NNT)

Das Original

HMS Glasgow gehörte zu der 21 Einheiten umfassenden Town-Klasse, einer Klasse Leichter Kreuzer, die zwischen 1909 und 1918 in Dienst gestellt wurde. Aufgrund von teilweise erheblichen Unterschieden, die sich im Laufe der Jahre in der Entwicklung ergaben, wurde eine Unterklassifizierung vorgenommen. Glasgow bildete dabei mit ihren Schwestern Bristol, Gloucester, Liverpool und Newcastle die Bristol-Klasse. Die leichten Kreuzer waren sowohl für die Aufklärung im Rahmen der Flotte, als auch für den Handelsschutz der Überseegebiete geeignet.

HMS Glasgow wurde bei der Fairfield Shipbuilding and Engineering Company, Limited in Govan, Schottland am 25. März 1909 auf Kiel gelegt. Der Stapellauf erfolgte im gleichen Jahr am 30. September. Die Indienststellung nur ein Jahr später im September 1910. Es gab mehrere Entwürfe für den Typ, letztendlich hat sich die Admiralität für einen ca. 4.800 ts schweren und 138 m langen Kreuzer mit einer Bewaffnung von zwei 6" (15,2 cm) und zehn 4" (10,2 cm) Geschützen entschieden, wobei die 4" Geschütze sehr exponiert an Steuer- und Backbord recht dicht an der Wasserlinie standen. Die Panzerung der Decks betrug zwischen 1" und 2" (2,54 - 5,08 cm), wobei nur wesentliche Segmente geschützt waren. Der Kommandostand wies eine 6" (15,2 cm) Panzerung auf. Einen Gürtelpanzer hatte der Entwurf nicht. Es wurde sehr viel Wert auf Seeausdauer gelegt, wobei die Geschwindigkeit zurück stehen musste. Mit ihrer Antriebsanlage von vier Parsons Turbinen und 22.000 WPS erreichten die Schiffe eine Geschwindigkeit von 25 kn und eine Seeausdauer von 5.380 nm bei 10 kn. Der Entwurf war gelungen und wies gute Seeeigenschaften auf, wenn auch die 4“ Geschütze extrem nass und bei schlechtem Wetter kaum zu gebrauchen waren. Die uneinheitliche Bewaffnung erschwerte die Aufschlagbeobachtung im Gefecht, ansonsten erwies sich der Entwurf allen Anforderungen gewachsen.

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurden auf allen fünf Einheiten die Schornsteine erhöht, um die Raucheinwirkung auf Brücke und Fleckerstand zu reduzieren, sowie die Scheinwerferanordnung geändert. HMS Glasgow war zu Beginn des Ersten Weltkrieges im Auslandsdienst vor Südamerika stationiert. Glasgow war gleich an den ersten großen Kampfhandlungen in Übersee beteiligt. Bereits im August konnte ein deutscher Dampfer aufgebracht und gekapert werden. Als Teil des Kreuzergeschwaders unter Admiral Christopher Craddock erlebte sie den Untergang dieses Geschwaders vor Coronel und konnte als einziges aktiv beteiligtes Schiff dem deutschen Geschwader unter Admiral Graf Spee entkommen. Bereits einen Monat später war der Kreuzer an der Seeschlacht bei den Falkland Inseln beteiligt und nahm aktiv an der Versenkung des deutschen Ostasien Geschwaders teil. Glasgow war hierbei an der Versenkung der SMS Leipzig beteiligt. Im März 1915 konnte HMS Glasgow zusammen mit HMS Kent den Geschützten Kreuzer SMS Dresden vor der chilenischen Insel Màs a Tierra stellen und versenken.

Zwischen 1915 und 1917 diente der Kreuzer im Mittelmeer und ab 1917 wiederum vor der südamerikanischen Küste. Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges wurde der Kreuzer als Ausbildungsschiff für Heizer verwendet, bevor er außer Dienst gestellt und 1927 abgewrackt wurde. 

Der Bausatz

Beim Öffnen des Kartons stellt sich sogleich eine positive Überraschung ein, der gesamte Kartoninhalt ist durch Styrochips gesichert! Alle Kleinteile sind in Tüten und zusätzlich in kleinen Umverpackungen verpackt. Kombrig bietet den Bausatz in einer Wasserlinien- und Vollrumpfversion an. Bei der Vollrumpfversion befinden sich zusätzlich das separat abgeformte Unterwasserschiff mit Propellern, Ruder und Wellenhalterungen in der Schachtel. Ein Umstand, den der Käufer gern sieht, sollten so doch Beschädigungen der filigranen Bauteile ausbleiben. Der aus 160 Resinbauteilen sowie einer Fotoätzplatine bestehende Bausatz zeigt den Kreuzer in seinem Aussehen bei der Indienststellung 1910. Alle Bauteile sind in dem von Kombrig gewohnten, grüngrauen, etwas sprödem Resin gegossen. Der Guss sowie die Detaillierung der Bauteile und Baugruppen sind tadellos. Die Kleinteile befinden sich fein säuberlich aufgereiht auf mehreren Angussblöcken. Aufgrund des spröden Materials ist bei dem Abtrennen äußerste Vorsicht geboten, um die Teile nicht zu beschädigen!

Der Rumpf ist in einem Stück und nicht hohl gegossen wie bei den größeren Bausätzen. Der Rumpf liegt dabei absolut plan auf und zeigt keinerlei Verzug. Die Struktur der Holzdecks ist extrem fein. Leider fehlen die Querfugen der einzelnen Planken, dafür sind die Kohlenluken wiedergegeben.

An größeren Bauteilen finden sich der vordere Schornsteinunterbau und die Schornsteine selbst. Alle weiteren Bauteile sind kleinere Teile für Brückenaufbau, Geschütze, Schilde, Lüfter, Winden, Anker etc., die separat am Modell oder an Baugruppen anzubringen sind.

Vollrumpfvariante

Leider hat sich der Hersteller bei der Vollrumpfversion für ein separat beigefügtes Unterwasserschiff entschieden. Bedingt durch die Abformtechnik weisen Resinbauteile, je größer sie sind, immer unterschiedliche Materialschrumpfungsgrade abhängig von der Umgebungstemperatur auf. So passt das Unterwasserschiff nicht perfekt zum restlichen Rumpf. Bei der vorliegenden Version des Bausatzes ist das Unterwasserschiff ca. 2% zu groß, was im Modell ca. 1 mm Überhang entspricht. Hier wird man nicht um mühseliges Spachteln und Schleifen herum kommen. Ein einteiliger Rumpf, der nur der Vollrumpfversion beiliegen würde, hätte hier viel Mühe erspart.

Fotoätzteile

Die kleine Fotoätzplatine enthält Lukendeckel, Schotten, Leitern, Schornsteinaufsätze, Bootsaufleger, Verstrebungen und Unterzüge. Alle Schotten sind hier nicht in Resin mit angegossen, sondern in Form des Fotoätzteiles selber anzubringen. Die Qualität der Fotoätzteile reicht nicht an die Qualität der Resinteile heran. Außerdem lässt die Platine jegliche Reling und vor allem die sehr prominenten Wanten vermissen! Auch liegen dem Bausatz keine Messingrundstäbe für die Masten bei. Diese müssen zugekauft und gemäß der Skizze in der Bauanleitung zugeschnitten werden. 

Die Anleitung

Die Bauanleitung zeigt sich in typischer Kombrig-Manier. Es gibt eine Übersicht in Form eines Deck- und Seitenrisses, eine 3D Übersicht über alle Bauteile, sowie eine 2D Skizze der Fotoätzteile. Der Zusammenbau des Modells ist auf vier Seiten bebildert dargestellt, wobei auf einzelne Baugruppen sowie auf die Montage der Fotoätzteile im Detail eigegangen wird. Für die selbst anzufertigenden Masten ist eine Skizze mit Durchmesser und Längenangaben sowie Skizzen des Zusammenbaus der beiden Masten enthalten. Auf den ersten Blick bleiben hier keine Fragen offen, wenngleich Vorbildfotos für die genaue Positionierung z.B. der Schotten zurate gezogen werden sollten. Referenzmaterial ist auch für die Farbgebung erforderlich, da diese nicht vermerkt ist.

Fazit

Der im Aufbau gut durchdachte Bausatz weist nach meinen Recherchen lediglich einige kleine Unstimmigkeiten auf. Der Unterbau des achteren Scheinwerferstandes besaß eine Rahmenstruktur mit einer umlaufenden Gitterverkleidung. Am Modell ist der Unterbau als komplett umschlossener Stand wiedergegeben. Dem Bausatz fehlt eine Dampfpinasse. Diese sollte sich eigentlich am dritten David an Steuerbord befinden. Ansonsten ist der Bausatz recht stimmig im Vergleich zu dem, in der ehemaligen Schiffsabteilung des Science Museum in London ausgestellt gewesenen Werftmodell des Kreuzers (siehe diese Galerie). Ein weiterer Umstand der wenig stimmig ist, sind die geschlossen dargestellten Schanzkleider an den Brücken-Bauteilen. Hier war am Original kein Schanzkleid, sondern lediglich eine Reling. Diese war mit Segeltuch bespannt. Die Darstellung, wie im Bausatz gewählt, kommt dem leider nicht sehr nahe. Außerdem ist es ratsam, die Davids aus Resinmaterial gegen solche aus Messing Rundmaterial auszutauschen.

Direkt aus dem Bausatz gebaut und um die Messing Bauteile und Reling ergänzt, lässt sich somit ein durchaus stimmiges Modell eines typischen Vertreters der leichten Kreuzer aus der Zeit des Ersten Weltkrieges bauen, wenngleich in einigen Bereichen optimiert werden sollte!

Leider versäumt es der Hersteller wirklich vollwertige und in allen Bereichen hoch detaillierte Bausätze anzubieten. Die Ausführung und Qualität der Resinteile steht hier außer Frage! In meinen Augen zeigen diese Teile derzeit die beste, am Markt angebotene Qualität. Gleiches gilt leider nicht für die Fotoätzteile und für den Umstand, dass Masten und Reling fehlen. Hier bieten andere Anbieter einfach komplettere Bausätze an. Genügend Lieferanten und Anbieter sind vorhanden. Es wäre wünschenswert, wenn man hier Kooperationen eingehen würde! Trotzdem liegt hier ein guter Bausatz eines interessanten Schiffes vor, der mit einigem zusätzlichen Aufwand ein attraktives Modell ergibt.

alt empfehlenswert

Christian Bruer und Torben Keitel

Wir danken Kombrig für das Bausatzmuster