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Amerikanisches Landungsschiff New York (1/350, Revell) von Wolfgang Kring Drucken
Montag, 19. Mai 2014 um 05:00

Die Terroranschl├Ąge im September 2001 haben die Welt ver├Ąndert. Die Auswirkungen sind bis heute sp├╝rbar - von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan, bis hin zu den Abh├Ârskandalen amerikanischer Geheimdienste. Scheinbar k├Ânnen nur wir Modellbauer der politischen Gro├čwetterlage auch etwas Erfreuliches abgewinnen, wie es mit dem Bau von Revells USS New York und dem dazugeh├Ârigen ├ätzteilsatz von Pontos geschehen ist.

Das Original

Das Konzept amphibischer Transport und Dock Schiffe (LPD) gibt es seit den 1960er Jahren in den USA, Gro├čbritannien, Frankreich und anderen L├Ąndern. Die Schiffe der San Antonio-Klasse der USA, zu der auch die USS New York (LPD-21) geh├Ârt, sind die modernsten Einheiten dieses Schiffstyps. Die New York ist ausgelegt, um bis zu 700 Marines samt ihrer Ausr├╝stung (inklusive Panzer) an fremden K├╝sten zu landen, Luftunterst├╝tzung f├╝r Milit├Ąroperationen zu gew├Ąhrleisten und eigene Truppen mit Nachschub zu versorgen.

Nach den Anschl├Ągen vom September 2001 bat Gouverneur George Pataki darum, entgegen den Regeln der Namensgebung innerhalb der US-Marine ein ├ťberwasserschiff zu Ehren der Opfer "New York" zu taufen. Au├čerdem wurden beim Bau der New York ca. 7 Tonnen Stahl aus den Tr├╝mmern des World Trade Centers f├╝r den Vordersteven verwendet.

Die Besatzung des 2009 in Dienst gestellten Schiffes ist 360 Mann stark. Bei einer L├Ąnge von 208,5 Metern und einer Verdr├Ąngung von 24 000 Tonnen ist es bis zu 22 Knoten schnell.

Das Modell

Revells USS New York ist nach der USS Iwo Jima und deren Schwesterschiff, der USS Wasp ein weiteres Kooperationsmodell mit Gallery Models, von denen auch dieses Mal die Gussformen stammen. Auf der diesj├Ąhrigen Spielwarenmesse im Februar in N├╝rnberg wurde der New York von der Modellfanredaktion die Auszeichnung "Modell des Jahres" verliehen - und so viel sei vorab schon mal verraten: zu Recht!

Der Rumpf der New York besteht aus einem gro├čen Bauteil, dem lediglich die Heckplatte und die "Nase" am Bug fehlen. Drei Streben im Vorschiff und die hinteren Einbauten, bestehend aus Well- und Ladedeck stabilisieren das Ganze. Allerdings ist bei diesem Konzept ein Wasserlinienmodell nur schwer umzusetzen, alleine schon, weil das Welldeck mit all seinen Booten knapp unterhalb der Wasserlinie liegt.

Zuerst kommen die bereits erw├Ąhnten Einbauten des Rumpfes an die Reihe. Diese bestehen aus gut einem Dutzend Teile, von denen aber am fertigen Modell nicht mehr viel zu sehen sein wird, wie ein Test-Trockenbau zeigte. Auch bei ge├Âffneter Heckklappe ist die Einsicht in das tief in den Rumpf reichende Welldeck nur eingeschr├Ąnkt m├Âglich.

Dank dieser Erkenntnis reifte die Idee, die New York nicht voll ausger├╝stet im Einsatz darzustellen, sondern sie in ihren namensgebenden Hafen einlaufen zu lassen, vorbei an der Freiheitsstatue. Schlie├člich haben Stadt und Schiff eine besondere Beziehung zueinander, wurden doch ca. sieben Tonnen Stahl aus den Tr├╝mmern des bei den Terroranschl├Ągen 2001 zerst├Ârten World Trade Centers zum Bau der New York verwendet. Die f├╝r die Szene ben├Âtigte Freiheitsstatue stammt von Lindberg und der kleine Hafenschlepper der Woban-Klasse ist eine Zugabe von Alliance modelworks.

Der von Pontosmodels f├╝r April angek├╝ndigte ├ätzteilsatz f├╝r die New York verz├Âgerte sich immer weiter nach hinten. Gerade noch rechtzeitig ÔÇô und noch vor Ver├Âffentlichung - erhielt ich die ersten Testplatinen des Sets, allerdings ohne Bauanleitung und sonstigem Zubeh├Âr. Besonders spannend wurde das Projekt dadurch, dass ich mich beim Einbau von ├╝ber 500 ├ätzteilen nur auf einige mitgeschickte Fotos st├╝tzen konnte. "Trial and error" hie├č ab sofort die Devise (inzwischen ist das komplette Set mit gedrehten Messingteilen, Abziehbildern und Bauanleitung auf dem Markt).

Immer wieder erstaunte es mich, wie viele Details und Kleinkram sich hinter den gro├čen glatten Oberfl├Ąchen dieses Schiffs versteckten.

Der Bausatz selbst ist absolut sauber gegossen. Die Teile passen nahtlos aneinander, was Spachteln unn├Âtig macht und Schleifen nur an ganz wenigen Stellen bedarf. Bei Revells New York handelt es sich um einen "Sch├╝ttelbausatz", noch dazu einen, auf sehr hohem Niveau. Besonders die Passung des Unterwasserschiffes mit seinem "Deckel" ist sagenhaft. Die W├Ąnde der Aufbauten sowie die beiden "Masten" sind auf G├Ąrung zu verkleben, so dass keinerlei ├╝ble N├Ąhte oder sichtbare St├Â├če bleiben. Der Bau des Modells macht einfach nur Spa├č!

Eine Problemstelle gibt es allerdings! Am ├ťbergang zwischen Flugdeck und Hangar (einem Teil der hinteren Einbauten) kann ein h├Ąsslicher Spalt bleiben. Nach ein wenig Hin und Her kam ich mit Hilfe des ├ätzteilsets auf die L├Âsung. Zum Pontos-Set geh├Ârt eine gro├če Wei├čblechplatte, die das gesamte Flugdeck ÔÇô im wahrsten Sinne- abdeckt. Eine kleinere Blechplatte liegt f├╝r den Hangar bei und sollte eigentlich gleich bei dessen Bau mit eingeklebt werden. Ich trimmte dieses Blech passend auf die Breite des Hangars, so dass es sich in den Hangar einschieben lie├č, ohne es darin zu verkleben. Beim Parkett w├╝rde man von schwimmender Verlegung sprechen. Damit blieb die M├Âglichkeit, den Hangarboden zu einem sp├Ąteren Zeitpunkt auszurichten, so den Spalt zu schlie├čen und dann zu fixieren. Problem gel├Âst und es ging weiter.

Doch bei all dem Lob f├╝r das Modell zeigt der Zur├╝stsatz von Pontosmodel auch die Grenzen des Spritzgussverfahrens. Beispielsweise werden die einteiligen Bootsaufleger bei Revell durch je neun ├ätzteile ersetzt, der gro├če Kran besteht aus ├╝ber 30 Teilen. Und auch die Zahl der ben├Âtigten Minibleche f├╝r die Catwalks entlang des Flugdecks sowie der Beiboote sind beachtlich; ÔÇŽzumindest soweit ich alle ÔÇô auch ohne Bauanleitung - gefunden habe. Deren Fehlen erschwerte gelegentlich den Zusammenbau einzelner Bereiche. Manche Teile konnte ich beim besten Willen nicht identifizieren, weshalb sie auch heute noch an ihrer Platine h├Ąngen. Zum Gl├╝ck hatte ich jeweils zwei Platinen, so dass sich auch gelegentliche Fehler ausgleichen lie├čen.

Bemalt und gealtert habe ich ausschlie├člich mit Pinsel. Dank einer feinen Grundierung aus der Spr├╝hdose war dies auch bei den gro├čen glatten Fl├Ąchen der New York streifenfrei m├Âglich, indem ich die Farbe stark verd├╝nnt, eher lasierend als deckend, in mehreren Durchg├Ąngen auftrug. Au├čerdem lie├čen sich so ├Ąhnliche Effekte wie beim Preshading mit dem Airbrush einarbeiten.

Anschlie├čend bettete ich die New York in eine Styroporplatte. Da der Hudson River nicht gerade wegen seines sauberen Wassers bekannt ist, erhielt die Wasserfl├Ąche eine gr├╝n-braune Farbe. Die leichten Wellen stellte ich mit Acrylgel dar, das auch gleich zum Aufkleben des kleinen Hafenschlepper diente.

Die angetretene Besatzung besteht im Kern aus deutschen Marinesoldaten von Northstar Models, aber auch einige andere Figuren sind darunter zu finden. Bei dieser Gr├Â├če fallen die Unterschiede der Uniformen nicht wirklich auf. Leider! Denn besonders die Northstarfiguren sind unglaublich fein modelliert und ich kann sie nur jedem Dioramenbauer empfehlen.

Die ├╝bergro├če Flagge ist ebenfalls ein bausatzfremdes Detail. Die habe ich mir von einer anderen New York geliehen; und zwar aus dem Bausatz von Bronco. Bronco hat zeitgleich zu Revell/Gallery Model eine New York aus eigenen Formen auf den Markt gebracht, die aber im direkten Vergleich nicht mithalten kann. Doch das ist eine andere Geschichte.

Auf Grund der gew├Ąhlten Szene habe ich alles fliegende Ger├Ąt sowie das schwimmende Inventar der New York au├čen vor gelassen. Die bereichern nun meine Restebox, wo sie gleich neben den ├╝brig gebliebenen Pontos ├ätzteilen liegen.

13 Jahre sind seit den Anschl├Ągen vergangen. Die Welt dreht sich noch immer und keiner wei├č wie es weiter gehen wird. Zum Gl├╝ck haben wir die M├Âglichkeit, uns ein wenig aus der Weltpolitik auszuklinken, wenn wir die ruhigen Stunden am Basteltisch genie├čen.

Wolfgang