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Tamiya: British Batlleship King George V in 1/350 Drucken
Dienstag, 04. September 2012 um 06:00

Seitentitel

Modell: British Battleship King George V
Hersteller: Tamiya
Maßstab: 1/350
Material: Polystyrol
Art.Nr.: Item 78010
Preis: ca. 60,- €

Das Original

1934 begannen die Briten ein neues Schlachtschiff zu entwerfen, dessen Bau 1936 mit dem Auslaufen des Washingtoner/Londoner Flottenabkommen begonnen werden sollte. Dieses Projekt sollte den Anforderungen der Abkommen im Hinblick auf Verdrängung und Größe der Hauptartillerie Rechnung tragen. Eine zweite Londoner Flottenkonferenz wurde 1935 abgehalten, um die bisherigen Verträge zu überprüfen und um die Größe der Hauptartillerie von 381 mm auf 356 mm zu beschränken. Ein weiterer Vertrag wurde schließlich 1936 von den USA, England und Frankreich unter der Bedingung unterzeichnet, falls Japan nicht bis April 1937 zustimmte, die Vertragspartner den Bau von Schlachtschiffen ausweiten und das Kaliber auf 406 mm erhöhen dürften.

England hatte bereits zu Beginn der 30er Jahre ein 356 mm Geschütz in Auftrag gegeben. Wegen dem Vorhandensein dieses ausgereiften Geschützes und dem „Zwang“ der anstehenden Schlachtschiffneubauten, in England rechnete man zu dieser Zeit mir einer bewaffneten Konfrontation mit Deutschland für spätestens 1940, sah man von der Verwendung dieser Waffen nicht ab und realisierte dies in der neuen King George V-Klasse. Allerdings wurde von einer ursprünglichen Aufstellung von drei Vierlingstürmen zu Gunsten einer zu befürchtenden Topplastigkeit und stärkerer Panzerung abgesehen.

Am 02.01.1937 wurde KGV auf Kiel gelegt und schließlich am 11.12.1940 in Dienst gestellt. Trotz Auslaufen der Flottenverträge wurde der Entwurf nicht mehr nachträglich geändert und die anderen vier baugleichen Schiffe der Klasse wurden ebenfalls 1937 auf Kiel gelegt und bis 1942 in Dienst gestellt.
Während des Krieges nahm KGV als Teil der Home Fleet im Mai 1941 an der Verfolgung der Bismarck teil. 1942 rammte sie im Nebel beim Geleit eines Murmansk-Konvois den Zerstörer HMS Punjabi, was Schäden am Bug zur Folge hatte. Bis Februar 1944 wurde sie in nordeuropäischen Gewässern und dem Mittelmeer zum Schutz von Konvois und Landungsunternehmen sowie dem Küstenbeschuss eingesetzt.

Daran schloss sich ein bis Juli deselben Jahres dauernder Werftaufenthalt an. Ab Oktober wurde sie wieder ins Mittelmeer und ab Dezember 1944 in den Pazifik beordert. Dort nahm sie an Operationen gegen Sumatra, den Ryukyu-Inseln und dem japanischen Festland teil. Während der Kapitulation Japans lag sie zusammen mit den amerikanischen Streitkräften in der Bucht von Tokyo vor Anker.

Von 1946 bis 1949 diente sie wieder in der Home Fleet als Flaggschiff. 1957 wurde sie schließlich aus dem Flottenregister gestrichen und zum Abbruch verkauft.

Technische Daten:

Länge:                227,1 m
Breite:                31,4 m
Tiefgang:            9,7 m
Verdrängung:      35.000 ts Standart
                         44.460 ts voll beladen
Geschwindigkeit:  29,2 kn
Antriebsleistung:  125.000 WPS
Fahrtstrecke:       5.400 sm bei 18 kn
Besatzung:         1631 Mann
Bewaffnung:       10 x 356 mm
                         16 x 133 mm
                         64 x 2 Pfünder PomPom in acht Achterlafetten
                         8 x 40 mm Bofors in zwei Vierlingalafetten
                         4 Bordflugzeuge

Quellen: Tamiya; wikipedia.de; Siegfried Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1905-1970 ISBN 3-86070-044-8

Der Bausatz

Trotz der ständig wachsenden Zahl an Bausätzen in 1/350 und dem sich gegenseitigem in Konkurrenztreten (Doppelerscheinungen deselben Schiffs durch verschiedene Hersteller) und der großen Auswahl an Resin-Bausätzen ist der laut Prägung 1985 datierte Bausatz von Tamiya der bislang einzige der HMS King George V. Das Datum der Formerstellung macht aber auch klar, dass das Modell nicht an das derzeit gebotene in Sachen Spritzgusstechnik herankommen kann. Insgesamt ist der Inhalt der schlanken Schachtel recht überschaubar.

Der Bausatz stellt das Schiff in seinem letzten Kriegsaussehen von 1945 dar. Am einteiligen Rumpf sind keine Nuten zum Abtrennen des Unterwasserschiffes vorgesehen. Der Wasserlinienpass ist durch zwei erhabene Linien angedeutet. Die Bullaugen sind als halbrunde Vertiefungen geformt. Der Gürtelpanzer ist angeformt, die Übergänge in die übrige Rumpfform, vor Allem zum Bug und zum Heck hin, sind allerdings sehr weich.

Das Hauptdeck ist dreiteilig und an später sichtbaren Stellen ausgeführt. Daran sind bereits Kisten, Wellenbrecher, Seiltrommeln und Poller sowie die Barbetten und Ankerketten angeformt. Auf der Unterseite der Deckelemente finden sich diverse vom Modellbauer aufzubohrende Markierungen. Da einige Spritzteile für den Prince of Wales-Bausatz Verwendung finden, sind die Bohrungen mit „K“ bzw. „P“ markiert. Die Stöße der endlosen Decksplanken sind ebenfalls erhaben.

Ein mehrteilig ausgeführter Modellständer erlaubt die Präsentation der Vollrumpfversion, allerdings in einer ungewöhnlich großen Höhe von knapp 55 mm.

Die „großen“ Spritzling des Bausatzes messen alle ca. 330 x 110 mm, so dass darauf eine überschaubare Anzahl an Bauteilen vorhanden ist. So sind die Türme der Hauptartillerie, die einteiligen Unterbauten der überhöhten Mittelartillerie, die Schornsteine, Lüfter und die Wellenanlage auf Gießast „B“ zusammengefasst.

Bei den Unterbauten der Sekundärbewaffnung, welche nach dem heutigen Stand der Herstellung und der daraus folgenden Detaillierung mehrteilig ausgeführt wären, und bei allen anderen einteiligen Aufbautenteilen ist hervorzuheben, dass diese keine Formschräge aufweisen! Derartige Bauteile werden in modernen Formverfahren mit sogenannten Schiebern geformt und benötigen eine aufwändiger konstruierte Spritzform.

Meist ist die Detaillierung erhaben ausgeführt. So z.B. an den großen Geschütztürmen. Dort sind Nietenreihen erkennbar und angeformte Leitern.

Die Aufbauten der KGV werden aus wenigen großen Elementen zusammengesetzt. Diese sind im Inneren durch Stützstreben verstärkt. Die Details an den Außenwänden beschränken sich auf Schotten, Leitern und hier und da erhabenen Strukturen. Auch sind teilweise einzelne Stände und Plattformen mitsamt den dort platzierten Feuerleitgeräten geformt. Speziell im Brückenbereich ist teilweise die Oberkante des Schanzkleides leicht nach außen geneigt, was bei den Bauteilen berücksichtigt wurde.

Die Unterzüge an den verschiedenen Plattformen und Überhängen sind dargestellt, allerdings, ebenfalls wegen des Formalters, kräftiger als das heute der Fall wäre.

Doppelt vorhanden ist Spritzling „D“. Dort sind allgemeine Ausrüstungsgegenstände (z.B. Beiboote, Klampen, Rettungsflöße) und Teile der Bewaffnung (Mittelartillerie, schwere Flak, Feuerleitgeräte) zu finden. Die Geschützrohre sind dem Alter gemäß ohne aufgebohrte Mündungen gespritzt. Bei den offenen Ruderbooten sind Auswerfermarken zu erkennen. Gleiches gilt für die Plattformen der Pom-Pom-Flak. An letzteren sind diese Stellen schwer zu entfernen. An den Seiten der Mittelartillerie finden sich wegen der Entformbarkeit keinerlei Details. Die Rohre der Pom-Poms sind sehr filigran gespritzt. Hier ist es zu überlegen, ob diese, an heutigen Maßstäben gemessen, ersetzenswert sind oder nicht.

Den Abschluss bilden die beiden Gießäste „G“. Mit diesen wird hauptsächlich die Bewaffnung ergänzt. Daneben sind Namensschilder und weitere Kutter vorhanden. Die wiedergegebenen 20 mm Oerlikon Flaks machen hierbei einen sehr guten Eindruck. Verglichen mit aktuellen Produkten, wie beispielsweise den Flaks des Academy HMS Warspite-Bausatzes, sind diese geringfügig dicker bzw. einfacher detailliert.

Die runden, einzeln auf das Deck zu klebenden Geschützstellungen der Oerlikons haben eine sich nach oben verjüngende Wandung, welche am oberen Rand noch 0,5 mm stark ist.

Die 40 mm Bofors-Vierlinge hingegen können nicht überzeugen. An die Plattfromen sind sehr massive Wände als Schutzschilde angeformt. Entgegen dem guten Beispiel der Pom-Pom-Rohre sind jene der Bofors einfach als gerade Stäbe ausgeführt. 

Decals

Auf einem kleinen Decalbogen sind jeweils in gerader und in wehender Form ein großer und kleiner White Ensign sowie Union Jack vorhanden. Außerdem finden sich drei verschiedene Admiralsflaggen und ein Kommandantenwimpel, ebenfalls gerade und wehend.

Da dieses Bausatzexemplar bereits älter ist, ist das Weiß der Flaggen vergilbt. Ungewollt kommt dies aber einem bereits länger in See stehendem Schiff zu Gute, da auch die Flaggen im Original durch Witterungseinflüsse oder schlicht der Abgase verschmutzen. Bei allen Flaggen ist der transparente Trägerfilm umlaufend ca. 1 mm größer als das Decal selbst.

Die Anleitung

Die im ca. DIN A4 Querformat gedruckte dreifarbige (schwarz, weiß, blau), 20seitige Bauanleitung führt den Modellbauer nach einer kurzen Einführung über die Entwicklungs- und Einsatzgeschichte der KGV in 26 Bauschritten zum fertigen Modell. Jeder mit einer zweisprachigen Überschrift versehene Abschnitt ist sehr übersichtlich gestaltet und es wird immer nur eine begrenzte Anzahl an Teilen fürs Verbauen aufgezeigt. Allerdings sollte man besser die englischen Über- bzw. Bildunterschriften zu Rate ziehen, da diese oft schlecht ins Deutsche übersetzt sind. Auf jeder Seite wird in nebenstehenden Kästchen entweder der Zusammenbau kleinerer Baugruppen wie z.B. der Boote oder auch nützliche Hinweise wie die Reihenfolge beim Einkleben des Hauptdecks gezeigt. Hin und wieder wird ein Ausschnitt eines fertigen Modells in einem s/w-Foto bezogen auf den Bauschritt gezeigt.

Hervorzuheben ist der in perspektivischen Ansichten gezeigte Takelplan. Andere Hersteller heutiger Bausätze vernachlässigen dieses Thema teils komplett. Ebenfalls wird hierbei auf die Anbringung der Flaggen im Hafen, auf See, im Gefecht oder als Flaggschiff hingewiesen. Im Anschluss an die Bauschritte ist eine Seiten- und Draufsicht abgedruckt, anhand derer das Tarnschema des Schiffes im Jahr 1945 aufgezeigt wird. Zusätzlich dazu wird in jedem Bauabschnitt und auf der auf den letzten beiden Seiten zu findende Inhaltsübersicht des Bausatzes auf die Farbgebung einzelner Teile eingegangen. Die Farbangaben beziehen sich ausschließlich auf das Sortiment von Tamiya und müssen teilweise gemischt werden. Leider werden nicht zusätzlich Farbcodes der Royal Navy erwähnt.

Fazit

Es ist und bleibt ein Tamiya. Es verhält sich hier wie bei einem gut gebauten Haus: die Grundsubstanz ist weiterhin hervorragend, wie die genaue Ausarbeitung der Ausstattung und Details ausfällt bleibt jedem selbst überlassen. Die für ihre äußert gute Passgenauigkeit bekannten Modelle von Tamiya eigenen sich hervorragend für Anfänger/Einsteiger, da sie über eine überschaubare und durchschnittlich detaillierte Teilezahl verfügen und somit relativ schnell ein ansehnliches Modell imposanter Größe entstehen kann.
Fortgeschrittene und Enthusiasten haben hier eine sehr gute Grundlage, welche mit den immer zahlreicher werdenden generischen oder auch speziell zugeschnittenen Ätzteilen, gedrehten Geschützrohren oder Resin-Detailsets sehr ausbaufähig ist.

Verglichen mit dem heutigen Standard in Sachen Plastikbausätzen ist dieses Modell immer noch 

alt guter Durchschnitt

Sven