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Kombrig: russischer Panzerkreuzer Rurik II (1/700) Drucken
Montag, 13. Februar 2012 um 07:00

Deckelbild

Modell: Ryurik-II Armoured Cruiser. Russia. 1909
Hersteller: Kombrig
Maßstab: 1/700
Material: Resin, Fotoätzteile
Art.Nr.: 70213
Preis: 60,80 € (bei NNT)

Das Original

Der Panzerkreuzer Rurik II war nach dem Russisch-Japanischen Krieg bei der britischen Werft Vickers als Ersatz für die erlittenen Verluste bestellt worden. Das Schiff gehörte zu der letzten Generation von Panzerkreuzern.

Im Falle von Rurik bestand die Hauptbewaffnung aus zwei unterschiedlichen Kalibern, 25,6 cm und 20,3 cm, die in Türmen angeordnet waren. Im Gegensatz zu den zeitgenössischen britischen Panzerkreuzern hatte sie zur Torpedobootabwehr nicht leichte, gegen die damaligen Torpedoboote/Zerstörer unwirksame Geschütze (4,7 cm oder 7,62 cm), sondern 12 cm-Geschütze in Kassmatten. Auch die Panzerung war im Vergleich gut. Obwohl sie etwas langsamer als andere zeitgenössische Panzerkreuzer war, wird sie als einer der besten je gebauten Schiffe dieses Typs angesehen. Allerdings wurde sie erst mit den ersten Schlachtkreuzern fertig, d.h. sie war praktisch bei Fertigstellung schon veraltet.

Rurik war 161,2 m lang, 22,9 m breit und verdrängte voll beladen 16933 bis 17670 ts (je nach Quelle). Der Antrieb erfolgte durch zwei Dreifachexpansionsdampfmaschinen mit insgesamt 20 675 PS, womit bei den Probefahrten 21,6 kn erreicht wurden.

Bewaffnung (1908-1916)
4 x 25,6 cm L/50 (zwei Zwillingstürme)
8 x 20,3 cm L/50 (vier Zwillingstürme)
20 x 12 cm L/50
4 x 4,7 cm
8 x 7,62 mm MGs
2 x 45,7 cm Torpedorohre

Rurik wurde 1905-07 bei Vickers in Barrow-in-Furness gebaut, konnte aber wegen notwendiger Nachbesserungen erst 1908 in Dienst der russischen Ostseeflotte gestellt werden. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs war sie an eine Reihe von Offensivaktionen beteiligt, so im 1.-2. September 1914 gegen die deutschen Vorpostenlinie, am 14.-15. Dezember – ausgerüstet als Minenleger – in der Bucht von Danzig und am 12.-14 Februar 1915 erneut als Minenleger in die Bucht von Danzig. Bei letzterer Operation lief sie im Nebel am 13. Februar auf Farö auf und musste beschädigt umkehren.

Nach abgeschlossenen Reparaturen war sie am 2. Juli 1915 an der Schlacht von Gotland beteiligt, wobei sie den Kontakt zur Hauptgruppe verloren hatte und deshalb nicht an der Zerstörung des Minenkreuzers Albatross beteiligt war. Sie stieß aber auf den deutschen Geschützten Kreuzer Lübeck und den Panzerkreuzer Roon, verlor aber bei einem falschen U-Boot-Alarm den Kontakt. Rurik selbst wurde leicht beschädigt. Am 1. November 1915 kam es in Helsingfors (heute Helsinki) zu einer Meuterei, die aber niedergeschlagen wurde. Am 11. November wurde Rurik erneut als Minenleger, dieses Mal südlich von Gotland, eingesetzt, am 13. Juni 1916 wurde sie erfolglos auf einen deutschen Konvoi mit Eisen aus Schweden angesetzt. Bei einer weiteren Minenlegaktion lief Rurik bei der Insel Gogland (Hochland) auf eine Mine des deutschen U-Boots UC 27 und wurde am Bug stark beschädigt.

Im April 1918 war sie am Eismarsch der russischen Flotte von Helsingfors nach Kronstadt beteiligt, um die russische Flotte vor den vorrückenden deutschen Truppen in Sicherheit zu bringen. Sie selbst war bei dem ersten Geschwader dabei, sicherte aber auch die Eisbrecher des zweiten Geschwaders. Während des Russischen Bürgerkriegs wurde Rurik im Oktober 1918 außer Dienst gestellt. Sie wurde nach Ende des Bürgerkriegs und der alliierten Invasionen nicht wieder repariert, sondern wegen des schlechten Zustands 1923 abgewrackt.

Der Bausatz

Kombrig hat nach dem 1/350-Bausatz der Rurik II auch einen neuen Bausatz im Maßstab 1/700 herausgebracht, um den alten, in die Tage gekommenen 1/700-Formen zu ersetzen (siehe Bausatzbesprechung des alten Bausatzes). Der neue Bausatz deckt die Bauzustände zwischen 1907 und 1916 ab (was aber aus der Anleitung nicht klar ersichtlich ist, siehe unten). Baubar ist nur eine Wasserlinienversion.

Schon am Rumpf sieht man, wie dramatisch die Verbesserungen gegenüber dem alten Bausatz sind. Die Teile, z.B. der Decksbelag, ist deutlich detaillierter und auch richtig als Holzbeplankung dargestellt. Die Form und die Abmessungen des Rumpfs sind korrekt wieder gegeben.

Die Aufbauten der Rurik waren nicht sehr umfangreich, bestehen also auch beim Bausatz aus nur wenigen Teilen, die aber gut gemacht sind. Allerdings fehlen die Schotten, die ergänzt werden müssen. Beim Original hatten die Brückendecks Relings, die mit Persenning behängt werden konnte, d.h. man kann die vorhandenen geschlossenen Relings durch eine Kombination aus geätzten Relings mit Weißleim zur Simulation des Persennings ersetzen.

Auch die Schornsteine sind gut gemacht:

Links sind die Zwillingstürme für die 25,6 cm- und 20,6 cm-Geschütze zu sehen, rechts deren Rohre sowie die 12 cm-Rohre und 4,7 cm-Geschütze. Eines der letzteren ist beschädigt, was trotz der unsicher wirkenden Verpackung, bei Kombrig selten vorkommt. Die Rohre der größeren Geschütze kann man durch Messingrohre wahrscheinlich besser darstellen.

Die zahlreichen Kleinteile sind gut detailliert, auch die Davits sind sehr schön dünn ausgeführt. Die Resinmasten sollten besser durch Metallteile ersetzt werden.

Auch die Beiboote der Rurik sind sehr schön gemacht:

Die Fotoätzteile

Die Platine mit Fotoätzteilen enthält u.a. Bootslagerungen, Niedergänge, Ankerketten, Schornsteingitter etc. Relings liegen nicht bei.

Die Anleitung

Die Anleitung ist im Vergleich zu älteren Kombrig-Bausätzen sehr ausführlich. Die Geschichte, technischen Daten und die Bemalangaben sind beim vorliegenden Exemplar nur auf Russisch enthalten. Der Zusammenbau wird in vier Schritten erklärt, wozu noch fünf Unterschritte kommen. Die Resin- und Fotoätzteile werden aufgelistet, aber nur zu einem Teil nummeriert. Bei der oberen Brücke und dem Fockmast sind zwei Versionen baubar, die aber nicht genauer beschrieben sind. Die Version ohne oberes Steuerhaus und ohne Fockmast ist die Variante bei Indienststellung. Die erhöhte Plattform auf dem gepanzerten Kommandoturm hatte sie nur im ursprünglichen Zustand (die Anleitung erweckt den Eindruck, dass sie immer vorhanden war). Das obere Steuerhaus wurde aber sehr bald errichtet, 1910 erhielt sie auch einen Fockmast. Dieser wurde 1917 durch einen Dreibeinmast ersetzt. Für die einzelnen Bauzustände sollte man unbedingt Fotos zu Rate ziehen. Dies empfiehlt sich auch bei der Positionierung der Beiboote, von denen ein Teil entweder mittschiffs gestaut oder an Davits gehängt dargestellt werden kann.

Auch für den Anstrich sollte man Fotos berücksichtigen. Der graue Anstrich bei Indienststellung dürfte deutlich dunkler als z.B. der während des Ersten Weltkriegs gewesen sein.

Quellen

Fazit

Der neue Bausatz der Rurik II von Kombrig stellt einen massiven Fortschritt gegenüber dem alten Bausatz es gleichen Herstellers dar. Die Detaillierung ist sehr gut, dürfte aber nur von Fortgeschrittenen umgesetzt werden können. Der Bausatz ist

alt uneingeschränkt empfehlenswert

Lars