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Resin Shipyard: Fregatte HMCS Halifax (1/700) Drucken
Mittwoch, 15. Juni 2011 um 07:00

Deckelbild

Modell: HMCS Halifax - 2006. CDN Halifax class frigate
Hersteller: Resin Shipyard
Maßstab: 1/700
Material: Resin, Ätzteile, Abziehbilder
Art.Nr.: C-7001
Preis: 79 kanadische Dollar (ca. 55 €)

Das Original

Die kanadischen Fregatten der Halifax-Klasse wurden in den spĂ€ten 1970er Jahren als Ersatz fĂŒr die U-Jagd- und Geleitschiffe der St. Laurent-, Restigouche-, Mackenzie- und Annapolis-Klasse aus den 1950er und frĂŒhen 1960er Jahren geplant. UrsprĂŒnglich sollte diese Schiffe im Rahmen des NFR-90-Projekts der NATO ersetzt werden, da aber dieses Projekt scheiterte, wurde stattdessen das Canadian Patrol Frigate Project entwickelt, eben die Halifax-Klasse. Die Klasse war primĂ€r fĂŒr die U-Jagd und Geleitschutz entwickelt, d.h. im Rahmen der Aufgaben der kanadischen Marine im Kalten Krieg.

FĂŒr die U-Jagd können sie mit der Sea King einen relativ schweren Hubschrauber mitfĂŒhren, der Hangar ist so konzipiert, dass er auch heutige große Maschinen wie die CH-148 Cyclon oder die EH-101 Merlin mitfĂŒhren kann. Viel Wert wurde beim Entwurf darauf gelegt, dass die Schiffe leise ausfallen und eine geringe Radar- und Infrarot-Signatur aufweist. Nach anfĂ€nglichen Schwierigkeiten mit der GerĂ€uschentwicklung konnte dies auch umgesetzt werden. Als SekundĂ€rbewaffnung verfĂŒgt die Klasse ĂŒber ein relativ leichtes, fĂŒr den Landzielbeschuss nur eingeschrĂ€nkt nĂŒtzliches BordgeschĂŒtz, Antischiffs-Raketen sowie Sea Sparrow-Nahbereichsabwehr-Raketen. Letztere werden aus Senkrechtstartern verschossen, die auf dem Oberdeck neben dem Schornstein stehen - eine relativ seltene Anordnung.

Die Halifax-Klasse ist 134,1 m lang und 16,4 m breit, die VerdrĂ€ngung betrĂ€gt 4770 t. Der Antrieb erfolgt ĂŒber einen 8800 PS starken Pielstick-Diesel und zwei General Electric LM2500-Gasturbinen, die 47500 PS leisten. Hiermit wird eine Höchstgeschwindigkeit von 29 kn erreicht.

Bewaffnung
1 x 5,7 cm L/70 Mk 2 Bofors
1 x 2 cm Phalanx Mk 15 Mod 1
6 x 1,27 cm Browning MG
8 x Harpoon Block 1C-Antischiffsraketen (zwei Vierfachstarter)
16 x Sea Sparrow-Flugabwehrraketen (zwei Mk 48 VLS-Achtfach-Starter, heute mit ESSM bestĂŒckt)
4 x 32,4 cm Mk 32 Mod 9-Torpedorohre (zwei fest eingebaut Zwillingsrohre, 24 Mk 46-Torpedos)
1 x Sikorsky CH-124 Sea King-Bordhubschrauber (soll durch Sikorsky CH-148 Cyclone ersetzt werden)

Inzwischen werden die Sea Sparrow durch ESSM ersetzt, das 5,7 cm-GeschĂŒtz und die Phalanx sollen modernisiert werden. Dazu soll die Radarausstattung, das Kommandosystem, Feuerleitung sowie elektronische Gegenmassnahmen modernisiert werden.

Von 1987-1996 wurden bei Saint John Shipbuilding in Saint John und bei MIL Davie Shipbuilding in Lauzon (Lévis) insgesamt zwölf Schiffe der Klasse gebaut: Halifax, Vancouver, Ville de Québec, Toronto, Regina, Calgary, Montréal, Fredericton, Winnipeg, Charlottetown, St. John's und Ottowa (FFH-330 bis -341). Alle Schiffe sind nach kanadischen StÀdten benannt, weshalb die Klasse auch City-Klasse genannt wird.

Halifax, Ville de Québec, Toronto, Montréal, Fredericton, Charlottetown und St. John's sind im Atlantik in Halifax und Vancouver, Regina, Calgary, Winnipeg und Ottowa sind im Pazifik in Esquimalt stationiert. Die Schiffe wurden u.a. zur Seeblockade Jugoslawiens 1993-95, zur Durchsetzung des Embargos gegen den Irak in den 1990ern, im Afghanistan-Krieg, den Kampf gegen Piraten im Indischen Ozean und im Libyen-Krieg eingesetzt.

Der Bausatz

Der neue Bausatz von Resin Shipyard, einem kanadischen Hersteller, der bisher hauptsĂ€chlich BausĂ€tze im Maßstab 1/350 herausgebracht hat, stellt laut Deckelbeschriftung die Halifax im Bauzustand von 2006 dar, die Darstellung aller Schiffe der Klasse von ihrer Indienststellung bis heute dĂŒrfte aber möglich sein.

Die einzelnen Teile sind sehr gut verpackt. Der Rumpf ist mit BrĂŒckenaufbau und Hangar gegossen und ĂŒberwiegend gut detailliert. Die Abmessungen und Form sind richtig wieder gegeben. Der Knick im Rumpf unterhalb der BrĂŒcke scheint mir etwas zu hoch angebracht zu sein und der Wellenbrecher vor und um das 5,7 cm-GeschĂŒtz fallen recht dick aus.

Der Schornstein ist massiv gegossen, der obere Abschluss ist extra gegossen. Die Gitter auf der Vorderseite des Schornsteins sollen durch Abziehbilder dargestellt werden - es bleibt abzuwarten, wie dies wirkt, da man beim Original hier durchsehen kann. Allerdings dĂŒrften die Gitter mit Ätzteilen in Maßstab 1/700 nicht darstellbar sein, da sie selbst fĂŒr Ätzteile zu fein sind. Die AbzĂŒge oben am Schornstein kann man eventuell noch aufbohren. Rechts auf dem Bild sieht man das einzige weitere Teil der Aufbauten, was noch angeklebt werden muss: der Unterbau fĂŒr das achtere AN/SPG 503-FeuerleitgerĂ€t fĂŒr das 5,7 cm-GeschĂŒtz und die Sea Sparrow.

Hier dann Satellitenantennen, Rettungsinseln, Beiboote, Fahrwerk der Sea King etc. Die Teile sind gut detailliert, lediglich die Rohre des Phalanx-GeschĂŒtzes wirken recht massiv (ein Problem, was man bei so gut wie jedem Bausatz sieht).

Die Harpoon-Starter, die VLS Mk. 48 (fĂŒr Sea Sparrow/ESSM), das 5,7 cm-GeschĂŒtz und die AN/SPG 503-FeuerleitgerĂ€te:

Bei den Harpoon-Startern fehlt die Gitterkonstruktion, die man so aus anderen Quellen ergÀnzen muss. Die StartbehÀlter des VLS Mk. 48 sind etwas massiv, auch hier fehlt die Gitterkonstruktion, die den Starter und dessen Schild am Aufbau befestigt.

Die FotoÀtzteile

Die Platine enthĂ€lt u.a. den Gittermast, Radarantennen, MGs, Rotoren fĂŒr die Sea King und die Reling. Die Teile fĂŒr die Reling ist bereits abgelĂ€ngt, muss also nicht angepasst werden.

Abziehbilder

Der Abziehbilderbogen enthĂ€lt die Kennnumern und Flugdeckskennungen fĂŒr alle Schiffe der Klasse, die Flugdeckmarkierungen, Warnkreise, Markierungen fĂŒr die Sea King (Nummern fĂŒr vier Maschinen), Flaggen, BrĂŒckenfenster (!) und die Darstellung der Gitter am Schornstein. Die Cartoons auf der RĂŒckseite des 5,7 cm Turms fehlen leider.

Die Anleitung

Die englisch-sprachige, farbige Anleitung besteht aus Teilelisten, zwei Übersichtszeichnungen, die den Zusammebau erklĂ€ren. Der Zusammenbau des Masts, der Radarantennen und der Sea King ist extra gezeichnet. Dazu gibt es eine ausfĂŒhrliche Bemalanleitung, die auch verschiedene BauzustĂ€nde eingeht.

Die Anleitung ist vorbildlich. ZusĂ€tzlich bietet Resin Shipyard eine CD-R mit Fotos der Halifax (167 Fotos von 2007), Vancouver (159 Fotos von 1997) und Toronto (20 Fotos von 1999, ĂŒberwiegend Unterwasserschiff im Dock) an, die haufenweise Details der Schiffe zeigen - und dere Kauf sich meiner Meinung trotz der zahlreichen Fotogalerien, die ich im Internet gefunden habe (siehe Quellen unten), gelohnt hat.

Quellen

Fazit

Der Bausatz der Halifax-Klasse macht auf dem ersten Blick einen erstklassigen Eindruck und dĂŒrfte relativ leicht baubar sein. Auf dem zweiten Blick - ausgerĂŒstet mit einem Berg von Fotos der Originale - findet man dann doch ein paar Teile, die besser sein könnten. In den meisten FĂ€llen dĂŒrfte die Korrektur nicht aufwendig sein - und bei einem Spritzgussbausatz wĂ€ren solche Fehler "normal", da vom Material her fast unvermeidlich. Aber einige Punkte hĂ€tte der Hersteller auch leicht lösen können, z.B. indem das Gestell der Harpoon-Starter beigelegt worden wĂ€re. Insgesamt begrĂŒĂŸe ich, dass ein weiterer Hersteller im Bereich 1/700-Wasserlinienmodelle aktiv geworden ist und dazu ein Modell eines modernen Schiffs einer Marine herausgebracht hat, die bisher unterreprĂ€sentiert war. Und als Erstlingswerk in diesem Maßstab ist das Modell sehr gelungen.

alt empfehlenswert

Lars