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Bronco Models: Unterseeboot Typ XXVII B5 "Seehund" (1/35) Drucken
Freitag, 29. Oktober 2010 um 07:00

Deckel

Modell: German 'Seehund' XXVII B/B5 Midget Submarine
Hersteller: Bronco Models
Maßstab: 1/35
Material: Polystyrol + √Ątzteile aus Messing
Art.Nr.: CB-35053
Preis: ca. ‚ā¨ 35.-

Sehr lange hat es gedauert, bis sich mal ein Hersteller dem technisch ausgereiftesten Kleinst-Uboot der Kriegsmarine, als Plastikspritzguss-Bausatz, im Ma√üstab 1:35 angenommen hat. Seit Anfang der 90er Jahre gab es nur einen nennenswerten "Seehund"-Bausatz in diesem beliebten Ma√üstab und zwar jenen aus Resin der Firma Verlinden. F√ľr die Details sorgte eine Foto√§tzplatine, aber es blieb nicht nur ein sehr teurer, fehlerbehafteter, sondern auch ein sehr schwerer Bausatz, denn der Rumpf war massiv gegossen. Doch nun ist dieser Bausatz Geschichte und selber reif f√ľr das Museum.

Das Original

Sp√§testens mit dem Verlust der Lufthoheit √ľber allen (See)Fronten und den ersten, erfolgreichen alliierten Landungsoperationen in Nordafrika und Italien wurde der deutschen Marinef√ľhrung klar, dass an einen sinnvollen und erfolgreichen Einsatz der Hochsee-U-Boote in k√ľstennahen Gew√§ssern nicht mehr zu denken war. Es war also nur folgerichtig, die bereits begonnene Entwicklung von Kleinst-U-Booten weiter voran zu treiben, zumal die bislang entwickelten Ger√§te in keinem Falle den Anforderungen gen√ľgen konnten. Das Ergebnis dieser Erkenntnisse stellt das Kleinst-U-Boot vom Typ XXVII B5, genannt "Seehund", dar. Die Konstruktionsunterlagen f√ľr die Serienfertigung wurden unter der Leitung von Baudirektor Kurt Fischer im Ingenieurb√ľro "Gl√ľckauf" in Blankenburg ausgefertigt. Bedenkt man die K√ľrze des Entwicklungszeitraums und die bereits katastrophale Kriegslage, ist es schon erstaunlich, dass es m√∂glich war, so ein kompliziertes Fahrzeug nicht nur zu entwickeln, sondern auch noch 285mal zu bauen. W√§hrend der Produktion wurden sogar noch Modifikationen in die Fertigung eingepflegt! Anders als seine Vorg√§nger verf√ľgte der "Seehund" √ľber alle Attribute eines gro√üen Tauchboots. Einen Dieselmotor UND einen Elektromotor, die M√∂glichkeit die Batteriezellen nachzuladen, Tauch- und Regelzellen, die das Tauchen auch ohne Vortrieb erm√∂glichten usw. Allein die menschliche Komponente schien die Einsatzm√∂glichkeiten zu begrenzen, denn die zwei Besatzungsmitglieder hatten kaum M√∂glichkeiten zur Regeneration, da sie im Grunde rund um die Uhr f√ľr den Betrieb ihres kleinen Fahrzeuges gebraucht wurden. Dass die Besatzungen regelrecht unter Drogeneinfluss standen, um mehrere Tage am St√ľck ohne Schlaf im Einsatz stehen zu k√∂nnen, ist ja hinl√§nglich bekannt. Es ist schon schlimm genug, junge begeisterte Menschen, die glaubten, das richtige zu tun, in sinnlose Eins√§tze zu schicken, von denen sie so gut wie nie zur√ľckkehrten, aber ihnen bewusst Drogen zu verabreichen, √ľber deren Nebenwirkungen und Sp√§tfolgen nichts bekannt war, ist geradezu verbrecherisch zu nennen.

Technische Daten:

Länge:                         11,87 m
Breite:                         1,84 m Breite
Druckkörper:                 1,28 m
Außenhautstärke:          5 mm
Verdrängung:                14,9 t (mit Bewaffnung)
Antrieb(Diesel): ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬†¬† 1 x 60 PS 6 Zylinder LKW-Motor (B√ľssing, NAG
Antrieb(Elektro):            1 x 25 PS AW-77 Nebenschlussmotor (AEG)
Geschwindigkeit:¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† 7,7 kn (√ľ.W.), 6 kn (getaucht)
Reichweite:                   270 sm / 7,7 kn durch Satteltanks auf 500 sm erhöht
Batteriekapazit√§t: ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† 8 Tr√∂ge √† 32 Zellen f√ľr 63 sm / 3 kn, oder 19 sm / 6 kn
Bewaffnung:                 2 x T III c Torpedos mit reduzierter Batteriekapazität
Besatzung:                    2

Der Bausatz

Um es gleich vorweg zu nehmen: das Modell von Bronco Models ist z.Zt. das beste Modell, das es vom "Seehund" gibt. Da ich zwei Jahre lang der Modellbauer des Internationalen Maritimen Museums Hamburg war, hatte ich jederzeit Zugang zu dem dort ausgestellten "Seehund", der mit starker Unterst√ľtzung von Klaus Mattes, einem "Seehund"-Fahrer und Autor des bekannten Buches "Die Seehunde", restauriert worden war. Dieser nicht zu identifizierende "Seehund" entspricht den bekannten Abmessungen und auch der schwer zerst√∂rte bzw. korrodierte Turm wurde sehr gut rekonstruiert, so dass er problemlos als Vorbildquelle durchgehen kann. Der Turm ist auch der Bereich am Modell, der fehlerbehaftet ist. Das h√§ngt damit zusammen, dass viele Museums-"Seehunde" gerade in diesem Bereich h√§ufig nicht mehr dem Originalzustand vor der Kapitulation entsprechen und dies von den Konstrukteuren des Bausatzes nicht ber√ľcksichtigt wurde. Daher l√§sst sich tats√§chlich nur ein ganz bestimmter Museums-Seehund "aus dem Kasten" bauen, aber leider kein Abbild des wahren Vorbilds. Jedenfalls nicht ohne eine geh√∂rige Portion Eigenleistung. Doch dazu sp√§ter mehr.

Der Bausatz bietet dem Modellbauer eine hervorragende Basis, um beinahe alle Varianten des "Seehunds" darstellen zu können. Dies wird sowohl durch die optional zu verbauenden Außenbunker, als auch durch zwei von drei möglichen Rudervarianten ermöglicht, die im Bausatz enthalten sind. Vor diesem Hintergrund ist es ebenso schade wie unverständlich, dass Bronco nicht auch noch die dritte Rudervariante, das Doppelruder, produziert hat, aber vielleicht soll damit später eine zweite Bausatz-Version vermarktet werden.

Die Ruderanlage ist auch Thema auf der einen Seite des Korrekturblatts, welches dem Bausatz beiliegt. Hier muss man aufpassen, welche Montagebohrung man aufbohrt, damit das jeweilige Ruder dann sp√§ter auch passt und nicht mit dem Propeller kollidiert, denn je nachdem, welche Rudervariante man w√§hlt, ragt der Propeller k√ľrzer oder l√§nger nach hinten raus, da er sich ja bei der Variante mit der Kortd√ľse in der D√ľse dreht.

Die andere Seite zeigt die Punkte wo man die Bohrungen f√ľr die Montage der Torpedos am Boot setzen soll. Auch hier war den Konstrukteuren ein Fehler unterlaufen. Dies wird langsam zur Unart bei den Herstellern.

Das Modell verf√ľgt √ľber sehr feine Oberfl√§chendetails. Die Schwei√ün√§hte sind hauchzart ausgef√ľhrt, ebenso die Nietenreihen und Schraubenk√∂pfe. Hier hat Bronco einen neuen Ma√üstab geschaffen, an dem sich andere Hersteller sowohl in diesem, als auch in kleineren Ma√üst√§ben werden messen lassen m√ľssen.

Die Torpedos sind gut wiedergegeben. Sie werden mit den einzigen √Ątzteilen des Bausatzes, wenn man einmal von der Namensplakette absieht, detailliert und zwar mit den "Klauen" der Aufschlagz√ľnderpistole. Diese m√ľssen einzeln in kleine Montageschlitze eingeklebt werden. Die Torpedok√∂pfe m√ľssen rund herum abgeschliffen werden, da sie sich leicht nach vorne verdicken. Mit einigen wenigen Schleifrunden ist das Problem aber z√ľgig behoben und die Torpedos sehen danach nicht mehr wie "Keulen" aus.

Einige Probleme bereiten die starren Flossen vor den Tiefenrudern. Sie sind einteilig, massiv gegossen und haben auf beiden Fl√§chen Einsinkungen, die so tief sind, dass sie nicht einfach mit Spr√ľhspachtel o.√§. gef√ľllt werden k√∂nnen. Dies ist auch nicht etwa ein einmaliges Ph√§nomen. Ich habe zwei Baus√§tze und beide weisen dieses Problem auf.

Bronco hat Schnorchel und Kompassantenne komplett dargestellt, d.h. sie setzen sich auch noch in der Turmverkleidung fort. Der Schnorchel verf√ľgt sogar √ľber den Kugelschwimmer, obwohl man den sp√§ter gar nicht sieht. Die Bauteile werden auf dem Druckk√∂rper verklebt und der Turm dann dar√ľber gest√ľlpt und ebenfalls am Druckk√∂rper verklebt. Ungl√ľcklicherweise geht das aber bei der Kompassantenne so nicht, denn die Antenne steckt nicht einfach so von unten durch ein Loch im Turmdach durch. Sie ist vielmehr durch zwei h√∂lzerne Halbringe gegen Schwingungen gesichert, wie man auf den Fotos des "Seehunds" im Internationalen Maritimen Museum Hamburg erkennen kann. Deshalb kann man das "Loch" im Turmdach eben auch nicht sehen.

Diese Fotostrecke zeigt auch in aller Deutlichkeit das Hauptproblem des Bausatzes auf: das vollkommen falsch gestaltete Turmdach. Was ist hier schief gelaufen? Eine schnelle Fotorecherche im Internet ergab, dass sich die Konstrukteure bei Bronco den "Seehund" in Brest angeschaut haben, denn der Bausatzturm entspricht dem dort im Freien ausgestellten Museumsboot mit der Turmnummer 5622. Offensichtlich wurde dieser Turm falsch rekonstruiert, oder in dieser Form von den Franzosen umgebaut, die ja einige "Seehunde" nach dem Krieg getestet hatten. Dieser Turm weist einen Dachausschnitt vor dem Turms√ľll auf, den es bei deutschen "Seehunden" nicht gab. Desweiteren fehlt der manuell zu bedienende Blockierhebel, an Steuerbord "1 Uhr", der das Zuschlagen des Turmluks verhinderte. Ebenso fehlt an Backbord die hochklappbare Halterung f√ľr das wasserdichte Telefon, das bei √úberwasserfahrt zur Befehls√ľbermittlung diente. Das Telefon fehlt deshalb nat√ľrlich auch. Auf den Fotos aus Hamburg kann man die eingeklappte Halterung, ohne das Telefon, gut erkennen.

Auf dem, beim Original hohlem, Spritzwasserabweiser fehlen die Entl√ľftungsl√∂cher. Im inneren des Turmluks fehlt ein Handgriff zum Schlie√üen und ein Hebel zum Verriegeln des Luks. Zwei Handgriffe auf beiden Seiten des Turms fehlen ebenfalls. Alles in allem ist der Turm als mangelhaft zu bezeichnen. Hier wartet viel Arbeit auf den Modellbauer, die bei genauerer Recherche vermeidbar war, denn alle von mir beschrieben Details und Einrichtungen kann man auch auf historischen Fotos des "Seehunds" erkennen. Wirklich √§rgerlich!

Ich bitte noch zu beachten, dass ich f√ľr diesen Artikel keinerlei Korrekturen an den originalen Turmbauteilen von Bronco vorgenommen habe. Zu einem sp√§teren Zeitpunkt werde ich einen entsprechenden Bericht nachreichen.

Zwei kleine B√ľgel, zum Festmachen des Bootes im Hafen, sind authentisch d√ľnn an einer der Rumpfh√§lften angegossen und brechen daher leicht ab. Am Modell sind sie eher eckig, was es beim Original auch so gab. Ich aber habe sie bei meinem Modell durch halbkreisf√∂rmige B√ľgel aus Kupferdraht ersetzt, was es so auch gab. Dem Sehrohr fehlt leider eine Optik. Unglaublich, aber wahr!

Die Markierungsvarianten

Bronco hat vier Markierungs- und Bemalvarianten im Angebot.

Option Nr. 1 zeigt einen hellgrauen "Seehund" mit einem Wappenschild und einem Haifischemblem am Rumpf, Balkenkreuzen und der wei√üen Nummer '17' am Turm. Haben Sie es schon erkannt? Es handelt sich hierbei um den im Technikmuseum Speyer ausgestellten "Seehund", der so nie lackiert und nat√ľrlich auch nicht markiert war.

Option Nr. 2 zeigt einen ebenfalls hellgrauen "Seehund" ohne Wappen oder Embleme, daf√ľr wieder mit Balkenkreuzen und der wei√üen Nummer '075' am Turm. Auch diese Lackierung und Markierungsoption ist historisch falsch. Dieser "Seehund" steht in Quincy, Massachusetts.

Option Nr. 3 zeigt einen dunkelgrauen "Seehund" dessen √úberwasserschiff mit wei√üen, oder sehr hellgrauen Tupfen getarnt ist. Er soll zwischen Januar und Mai 1945 im √Ąrmelkanal operiert haben. Fotos eines solcher Art getarnten "Seehundes" sind bekannt, daher ist dies wohl der erste historisch korrekte "Seehund", den Bronco uns anbietet.

Option Nr. 4 zeigt einen dunkelgrauen "Seehund" mit dem profilierten Einzelruderblatt. Laut Bauplan wurde dieses Boot von englischen Truppen in einer deutschen Fabrik erbeutet (vermutlich Bunker "Konrad", Kiel). Das d√ľrfte stimmen, da diese Boote nicht mehr ausgeliefert worden sind und daher nicht bei irgendwelchen Einsatzverb√§nden aufgetaucht sein k√∂nnen.

Es gibt noch drei weitere Embleme im Angebot, √ľber die Bronco aber kein weiteres Wort verliert. Ein rotes Herz, das von U-5070 gef√ľhrt wurde, ein vierbl√§ttriges Kleeblatt, sowie einen Elefanten, der mit seinem R√ľssel schnorchelt.

Desweiteren liefert Bronco noch vier Ziffernreihen von 0 bis 9 zum Gestalten eigener Turmnummern. Der Decalbogen liefert erfreulicherweise auch Tiefgangsmarkierungen f√ľr Bug, Heck und sogar Mittschiffs. Die Ziffern sind rot und je nachdem, ob das Boot hell- oder dunkelgrau lackiert werden soll, sind die Skalierungsstriche wei√ü oder blau gehalten. Auf den Fotos, die ich kenne, sind die Ziffern immer wei√ü und Skalierungsstriche sieht man nicht. Wenn man so √ľber die Markierungen f√ľr die beiden Museumsboote nachdenkt, k√∂nnte man doch glatt auf die Idee kommen, eine Familie beim Museumsbesuch als Diorama zu gestalten. W√§re doch mal was anders, oder?

Die Anleitung

Fazit

Der Bausatz von Bronco ist das derzeit beste Plastikmodell eines "Seehunds" √ľberhaupt. Die gesamte Form und Oberfl√§chengestaltung ist erstklassig zu nennen, auf die Detailtreue trifft dies leider nicht in allen Bereichen zu. Wenn man die Fehler kennt, sind sie relativ leicht zu beheben. Aber musste das denn sein?

Ich denke, dass der Bausatz mit Wohlwollen trotz der M√§ngel, das Pr√§dikat "empfehlenswert " verdient hat, da die M√§ngel relativ leicht, wenn auch nicht ganz ohne Aufwand, zu beheben sind. Ich bedanke mich bei Herrn Klaus Mattes f√ľr seine Unterst√ľtzung.

alt empfehlenswert

Olaf Krabbenhöft