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Russische Sloop Wostok (1/700, Kartonowa Flota/Eigenbau) von Lars Scharff, Teil 1 Drucken
Dienstag, 20. Juli 2010 um 07:00

Wostok

Das Original

Die russische Sloop Wostok war eines der drei Schiffe der Kamchatka-Klasse, die f├╝r die baltische Flotte 1816-19 gebaut wurden ÔÇô und das Schiff, von dem aus der Kontinent Antarktis (Antarktika) entdeckt wurde.

F├╝r die russische Flotte wurden damals sowohl als Sloop bezeichnete Schiffe gebaut, als auch solche, die als Korvetten klassifiziert waren (├╝berwiegend wurden die Begriffe damals synonym verwendet). Beide Typen waren als Aufkl├Ąrer, Aviso und Kreuzer gedacht. Die Korvetten waren schneller und prim├Ąr f├╝r Kampfeins├Ątze bestimmt, w├Ąhrend die Sloops ger├Ąumiger waren und dadurch eine gr├Â├čere Reichweite hatten (mehr Vorr├Ąte einlagern konnten). Sloops wurden oft f├╝r Forschungsreisen und als Versorger eingesetzt. Die Kamchatka-Klasse ÔÇô Kamtchatka, Otkrytie und Wostok (Vostok) ÔÇô wurde von V.F. Stroke entworfen und ├Ąhnelten von der Auslegung kleinen Fregatten. ├ťber dem Batteriedeck hatten sie ein durchgehendes Spardeck ohne Kuhl. Getakelt waren sie als Dreimast-Vollschiffe. Der Rumpf wurde aus Nadelholz gebaut.

Wostok war an der Wasserlinie 39,6 lang. Sie war 10,4 m breit und verdr├Ąngte 985 Tonnen. Ihre Segelfl├Ąche betrug 2287,1 m2, womit sie eine Geschwindigkeit von 10 Knoten erreichte.

Bewaffnung 1819
16 18-Pf├╝nder-Kanonen (auf dem Batteriedeck, St├╝ckpforten waren f├╝r 22 Gesch├╝tze vorhanden)
12 12-Pf├╝nder-Karronaden (auf dem Oberdeck)

Die Wostok wurde von 1817-19 auf der Okhta-Werft in St. Petersburg gebaut. Zusammen mit der Sloop Mirnyi (ex Ladoga, urspr├╝nglich als Transportschiff gebaut) lief sie am 3.7.1819 unter Fabian Gottlieb von Bellingshausen aus Kronstadt aus, um den S├╝dkontinent zu entdecken. ├ťber Rio de Janeiro erreicht Bellingshausen im Dezember 1819 S├╝dgeorgien und fuhr ├╝ber die S├╝d-Sandwich-Inseln in Richtung Antarktis. Der Kontinent wurde am 28. Januar 1820 entdeckt. Die Erforschung wurde in ├Âstlicher Richtung fortgesetzt und die Schiffe schlie├člich in Sydney ├╝berholt. Von dort aus wurden ÔÇô im antarktischen Winter ÔÇô diverse pazifische Inseln (u.a. Tuamoto und die Fiji-Inseln) vermessen. Nach einer erneuten ├ťberholung in Sydney wurde im Oktober 1820 die Umrundung der Antarktis fortgesetzt und u.a. die Peter I.-Insel und die Alexander I-Insel entdeckt. ├ťber die S├╝d-Shetland-Inseln ging es ├╝ber Rio de Janeiro zur├╝ck nach Kronstadt, das am 24. Juli 1821 erreicht wurde.

Die Wostok blieb darauf bei der baltischen Flotte, wurde aber bei der Gro├čen Flut am 7.11.1824 in Kronstadt (wie zahlreiche weitere Schiffe) schwer besch├Ądigt. Das besch├Ądigte Schiff wurde 1828 abgewrackt.

Das Modell

Das Modell wollte ich urspr├╝nglich aus dem Kartonbausatz von Kartonowa Flota, der im Ma├čstab 1/300 ausgef├╝hrt ist, bauen. Diesen hatte ich - damals noch in Unkenntnis der historischen Bedeutung der Wostok - billig gekauft. Er besteht aus zwei DIN A4-Seiten aus etwas dickeren Karton f├╝r die meisten Teile und zwei DIN A4-Seiten aus d├╝nneren Karton f├╝r die Segel. Angeregt durch einen Baubericht in ModellWerft 9/2008 hatte ich immer wieder ├╝berlegt, das Modell anzufangen. Anfang 2009 entschied ich mich dann die Wostok gemeinsam mit drei anderen Segelkriegsschiffen zu bauen - in der Erwartung, dass der Bau vielleicht schneller geht, wenn man sie gemeinsam detailliert und takelt. Das erwies sich aber als Irrtum, da das Problem in diesem Fall schon der Rumpf war. Letztlich hielt die Wostok den Bau auch der anderen drei Modelle auf, zeitweise ruhte der Bau von allen komplett und bisher ist auch nur die Wostok fertig.

Aber zur├╝ck zum Anfang des Baus: ich habe den Kartonbausatz eingescannt und auf 1/700 skaliert. Die Spanten und Decks wurden auf 160 g-Papier gedruckt. Der Zusammenbau der Spanten war unproblematisch, man sieht auch die zahlreichen Papierstreifen, um die einzelnen Teile zu verkleben und den Rumpf zu stabilisieren:

Spanten

Danach kam das Oberdeck drauf. Um die Masten und den Bugspriet zu befestigen, habe ich gr├Â├čere Mengen an Zwei-Komponenten-Spachtelmasse angebracht, die auch dazu diente, die Heckform herauszuarbeiten. Die Originalkartonteile f├╝r das Heck schienen mir ungeeignet.

eingesetzte Masten

Danach ging es an das Anbringen der Seitenbeplankung. Der Rumpf ist in einem relativ hellen Braun mit ockerfarbenen-Streifen ├╝ber der Batterie ausgef├╝hrt - was nicht den mir bekannten Abbildungen der Wostok entspricht. Damals war auch ein schwarzer Rumpfanstrich mit wei├čen Streifen schon l├Ąngst Standard. Aber das war nicht das gr├Â├čte Problem: die Bugform soll man mit Hilfe von senkrecht angebrachten Schnitten herausarbeiten k├Ânnen, was bei mir ├╝berhaupt nicht funktioniert hat. Ich baue Kartonmodelle auch nur sehr selten, was erkl├Ąrt, warum es so krass schief ging: der Rumpf macht den Eindruck, als w├╝rde das Schiff ├╝ber den Bug sinken und h├Ątte einen gebrochenen Kiel. Aber auch in dem erw├Ąhnten ModellWerft-Artikel sieht man, dass die Konstruktion der Teile problematisch ist.

Karton-Rumpf

Ich habe danach noch eine Reihe von Teilen angebracht, bis ich mich dann entschieden habe, dass das dieses Modell so nie etwas werden wird und ich es noch mal neu anfangen muss.

Quellen

Teil 2

Teil 3

Lars