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HMS Courageous 1/700 von Jim Baumann Drucken
Montag, 07. Dezember 2009 um 07:00

HMS Courageous 1/700 von Jim Baumann

Das Original

HMS Courageous wurde während des Ersten Weltkrieges am 18. März 1915 bei Armstrong-Whitworth auf Kiel gelegt, die Indienststellung erfolgte Anfang November 1916. Der erste Seelord Jackie Fisher sah diese Klasse von drei Schiffen - HMS Furios, HMS Glorios und HMS Courageous - dafür vor, sich den Weg in die Ostsee zu erzwingen um ein amphibisches Landungsunternehmen zu unterstützen. Die nachfolgende Invasion würde nur 100 Meilen von Berlin entfernt starten und den Krieg schnell beenden. Um dies zu erreichen, sollten die Schiffe schwere Geschütze und einen geringen Tiefgang haben um in Küstennähe zusammen mit anderen Einheiten operieren zu können.

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Der Plan wurde zwar nie angenommen, aber das Budget für diese "Leichten" Kreuzer mit 38cm Geschützen wurde bewilligt. Der Bau wurde in aller Heimlichkeit durchgeführt, was zum Spruch von "Fischers huh-hush Kreuzern" führte.

HMS Courageous und HMS Glorios waren die extremste Ausführung des Schlachtkreuzerkonzepts und wurden nur noch von HMS Furious übertroffen, für die zwei 45cm Geschütze in Einzeltürmen vorgesehen war.

Eine Probefahrt unter Volldampf in rauer See führte bei Courageous zu verbogenen Rumpfplatten am Vorschiff. Als Konsequenz wurden zusätzliche Versteifungen eingebaut, eine Maßnahme die bei Glorious erst 1918 durchgeführt wurde.

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Die drei Schwestern mit ihrer leichten Konstruktion, den schweren Geschützen und der hohen Geschwindigkeit waren sehr schadensanfällig und somit häufig im Trockendock. Das führte schnell zu Spitznamen wie HMS Outrageous, Uproarious, Curious und Spurious.

Die ursprüngliche Rolle für die Courageous gedacht war nahm nie Gestalt an und so diente das Schiff 1917 im 3. Kreuzergeschwader als Eskorte für Konvois nach Skandinavien. Sie wurde zum Minenleger umgerüstet, aber nie für diesen Zweck eingesetzt.

Im November 1917 nahm sie zusammen mit HMS Renown und HMS Glorios an der zweiten Seeschlacht vor Helgoland teil.

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Nach dem Krieg fehlte eine klar definierte Rolle, aber der lange Rumpf wurde nicht verschwendet - Courageous und ihre Schwesterschiffe wurden zu Flugzeugträgern umgebaut.

Kaum drei Wochen nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatte HMS Courageous das Pech, als erstes britisches Kriegsschiff versenkt zu werden. Sie wurde am 17. September 1939 vor der Küste Irlands von U-29 torpediert, dabei verloren 518 Besatzungsmitglieder ihr Leben.

Technische Daten

Länge:          239,8 m
Breite:          27,6 m
Tiefgang:         8,5 m
Verdrängung:     27.560 t (Einsatz)
Antrieb:         91.194 WPS
Geschwindigkeit: 32 kn
Bewaffnung:      4 x 38cm Geschütze
                16 x 10cm Geschütze
                 2 x 7,5cm Schnellfeuergeschütze
                14 x 53cm Torpedorohre
Besatzung:     829 Mann

Das Modell

Der neue Kleinserienhersteller Admiralty Modelworks brachte als ersten Bausatz die HMS Courageous in der Schlachtkreuzerversion heraus. Der Bausatzinhalt des lange ersehnten Modells erwies sich als sehr vielversprechend.

Offenbar basiert der Bausatz auf den Ausrüstungsplänen der Royal Navy und besitzt deshalb viele Details die man sonst selten sieht. Die Courageous ist in der Version als Minenleger dargestellt, das Achterdeck ist mit Schienen übersät. Als dann aber auch der Bausatz der HMS Glorious herauskam war die Versuchung einfach zu groß, Doppeldeckern die von Plattformen auf Geschütztürmen aus starten konnte ich nicht widerstehen. Somit war ich stolzer Besitzer von zwei Bausätzen dieser Schiffsklasse.

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Es wurde die Entscheidung gefällt den neuerstandenen Bausatz der Glorios zu bauen… Allerdings besaß ich weitaus mehr qualitativ hochwertige Fotos der HMS Courageous, und so startete ich den Bau der Courageous aus dem Glorious Kit, komplett mit Torpedorohren auf dem Achterdeck und Startplattformen.

Zum Glück sind die Schwesterschiffe in ihrem späteren Ausrüstungszustand mit "Kaffeetassen" Suchscheinwerfertürmen praktisch identisch, und so stand meinem festgelegten Plan nichts mehr im Wege.

Ich kaufte in einem Antiquitätenladen, obwohl es leicht verschmutzt und angeknittert war, ein sündhaft teures Sepia Foto der HMS Courageous welches ich vorher noch nie gesehen hatte. Nach dem Einscannen mit 800dpi gab das Bild eine Fülle an Informationen preis, was mich in meinem eingeschlagenen Weg bestätigte.

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Die langwierige und intensive Untersuchung der Fotos offenbarte ein paar kleinere Unterschiede auf die ich in der folgenden Baubeschreibung eingehen werde.
Ich möchte betonen, dass der Bausatz von sehr hoher Qualität ist, als erstes Produkt eines neuen Herstellers verdient es Anerkennung für die Vorbildwahl und die Ausführung.

Nach einer ersten Durchsicht der Teile und der Bauanleitung, begann damit ich alle Kanten am Rumpf und den Aufbauten nach Augenmaß mit einer Messerklinge nachzubearbeiten. Weiche Ecken wurden flach geschabt und alles von der Oberfläche entfernt, was ich verbessern wollte.

Der leicht gewölbte Kopf der zahllosen Pilzlüfter wurde mit einem Schleifstab plan geschliffen, als Nebeneffekt wurde der Übergang von vertikalen zu horizontalen Flächen schärfer. Die Ankerklüsen am Vorschiff wurden aufgebohrt und die fehlende Ankerklüse am Heck steuerbords ergänzt. Danach wurden einige, aber nicht alle, der angeformten Türen entfernt und durch die beiliegenden fotogeätzten Teile, bzw. durch Teile von WEM ersetzt.

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HMS Courageous besaß zum Zeitpunkt den ich darstellen wollte eine Segeltuchbespannung über die gesamte Länge der Reling des Hauptdecks. Das Segeltuch wurde mit der üblichen Methode hergestellt, indem die Reling bemalt, die Zwischenräume mit Weißleim gefüllt und nur die "bespannte" Relingseite nochmals bemalt wurde. Die führt zu einem leichten Kontrast zwischen der Reling und der Segeltuchbespannung.

Die Relings und Schanzkleider der vorderen Brückenfront waren mit Splitterschutzmatten bedeckt. Diese stammen aus den exzellenten Fotoätzteilen von WEM. Um den unebenen Eindruck wie auf dem echten Schiff nachzuahmen, wurden die Streifen in unterschiedliche Richtung gebogen, gefaltet und anschließend wieder gerade gebogen. Vor dem Ankleben an die Resinschanzkleider wurden die Teile noch in kleinere Abschnitte aufgeteilt. Die Illusion räumlicher Tiefe wurde wieder durch Weißleim erzeugt.

Zu einem eher späten Bauzeitpunkt entdeckte ich, soweit ich das durch die Fotos belegen konnte, dass die unteren Manöverbrücken der HMS Glorious nie auf der HMS Courageous vorhanden waren. Nicht ohne etwas Nervenflattern entfernte ich die Manöverbrücken vom bereits zu 75% fertiggestellten Modell.

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Eine der sichtbaren Attraktionen am Schiff im Bauzustand von 1918 sind die an den Geschütztürmen aufgemalten Deflektionsskalen. Die Recherche ergab, dass die Skalen auf Glorious feiner unterteilt waren als auf Courageous (eine einfache Methode um falsch bezeichnete Fotos in einigen Büchern zu identifizieren). Die Skalen wurden als Decals an meinem PC mit Serif DrawPlus 5.0 entworfen und mit meinem Tintenstrahldrucker schwarz auf weißes Decalpapier gedruckt. Die gewölbten Flächen des Turmes wurden vermessen und Papierschablonen zur Kontrolle erstellt. Mehrere Größen wurden ausgedruckt um ggf. kleinere Fehlmessungen zu kompensieren.

Die Geschütztürme wurden mit den im Bausatz enthaltenen gedrehten Messingrohren bestückt. Die Rohrhosen wurden durch wiederholtes Aufbringen von Weißleim aufgebaut bis sich ein zufriedenstellender Eindruck ergab.

Am fein abgegossenen Schornstein wurden Rauchleitbleche dünner geschabt und der horizontale Ring aus einem dünnen Draht angebracht. Nachdem der Schornstein fixiert war, wurden die unteren Dampfrohre aus Lötdraht nachgebildet. Die "Kaffeetassen" Türme für die Suchscheinwerfer bekamen am oberen Plattformrand Windabweiser. Dazu wurde dünner Draht aufgeklebt, die Fuge mit Sekundenkleber verfüllt und anschließend das Resinteil von der Rückseite her ausgedünnt um die gewölbte Innenkante darzustellen. Die gleiche Methode wurde auch an der oberen Plattform des Fockmastes verwendet.

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Der charakteristische Ausguck liegt als kompakt gegossenes Bauteil mit sauber wiedergegebenen Fenstern vor. Ich bevorzuge dagegen diesen Effekt der teilweise "Durchblicke" erlaubt. Also wurde das Resinteil abgeschliffen - die Größe stimmte und die Verstrebungen waren schön wiedergegeben, also kein Grund das Rad neu zu erfinden. Die neuen Fenster erwiesen sich aber unvermutet als sehr knifflige Aufgabe…
Der Abstand der Fensterstreben paßte zu keiner meiner vorrätigen, fotogeätzten Leitern

Mit dieser unvorhergesehenen Aufgabe konfrontiert, begann ich mit einer digitalen Schieblehre meine Vorräte an Fotoätzteilen zu vermessen. Nach einer nicht unerheblichen Suche stieß ich auf eine passende Lösung…
Ich verwendete 1/600er Leitern von WEM zur RMS Queen Elizabeth, nach Entfernen der Handläufe und einer Seite paßte das maßstäblich nahezu perfekt. Als Bonus bekam der Ausguck ein dünnes Dach aus Papier. Zuvor hatte ich ein Stück Messingstange an der Ausguckbasis angebracht, das mit einer entsprechenden Gegenbohrung eine stabile Verbindung zu oberen Entfernungsmessplattform ermöglicht.

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Die Bauanleitung erleichtert durch exakte Längenangaben für das mitglieferte Material den Bau des Dreibeinmastes. Ich mache es aber wieder einmal komplizierter… ich bevorzuge es den Rumpf zu durchbohren und die Beine des Dreibeinmastes komplett einzulassen, das macht die MAste stabil und stoßfest.

Der Großmast besaß nach 1918 eine zusätzliche Plattform für Suchscheinwerfer, das Schanzkleid dazu entstand aus Resten von fotogeätzten Platinen, die gewölbten Windabweiser bestehen aus dünnem Draht, die Verstrebungen aus Papierdreiecken.
Die Saling liegt als Resinteil dem Bausatz bei. Trotz vorsichtigem Ausdünnen und Bemalung gelang es mir nicht die gewünschte "Schärfe" zu erreichen. Ich baute deshalb eine neue Plattform aus Papier das in Sekundenkleber getränkt wurde, die Verstrebungen entstanden aus dreieckig zugeschnittenen Messingstreifen.

Die Hauptattraktion des Schiffes sind die Flugzeuge mit ihren Plattformen auf den Hauptgeschütztürmen. Alle bis auf ein Foto zeigen den vorderen Turm ohne Flugzeug. Obwohl die Plattform auf dem Turm installiert war, fehlte die über den Geschützrohren montierte Startrampe auf Courageous meistens - öfter noch als auf Glorious.
Die Plattformen liegen dem Bausatz bei und sind gut dargestellt, allerdings sind die Verstrebungen darunter zwar korrekt aber für meinen Geschmack zu massiv. Ich baute deshalb neue Verstrebungen aus Messingdraht und gezogenem Gussast.

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Das Flugzeug besteht aus einem Resinrumpf und feinen fotogeätzten Tragflächen. Die reliefgeätzten Rippenbänder wären wohl eigentlich in diesem Maßstab nicht wahrnehmbar, allerdings sahen die Papierflügel meiner früheren Versuche mit Flugzeugen in 1/700 alle zu flach aus. Ich gab den Tragflächen eine leichte Wölbung in dem ich das Metall zunächst erhitzte und dann auf einer weichen Unterlage ein Roöhrchen darüberrollte. Das ist zwar wiederum nicht maßstäblich, verringert aber trotzdem den Eindruck der "Flachheit".

Die mitgelieferten fotogeätzten Flügelverstrebungen waren für meinen Geschmack zu massiv und ich beschloss meine eigenen zu machen. Ich benutzte sehr feine Handläufe die von einem Rechteck in eine Raute gebogen wurde, die obere Verbindung wurde abgetrennt. Nach der Fixierung an der unteren Tragfläche wurde der obere Flügel mit einem Tropfen Mattlack und anschließend mit Sekundenkleber befestigt.

Nach dem Zusammenbau folgte die Bemalung und Detaillierung des Flugzeuges anhand nützlicher online Quellen. Das Lewis Zweifach-MG auf der oberen Tragfläche entstand aus GMM Handläufen und je einem Tropfen Weißleim. Mit gezogenem Gussast geriggt und mit den Bausatzdecals versehen, hat man ein eigenes kleines Modell vor sich liegen.

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Auf dem Achterdeck hätten die riesigen, quer zur Schiffsachse montierten Torpedorohre die Laufwege der Crew nach achtern behindert. Nach kurzem Rätseln entdeckte ich auf kleinen, qualitativ schlechten Fotos, dass die Torpedorohre mit Leitern und einer kleinen Gangway (ohne Reling!) überbrückt wurden. Diese war bei Seegang sicher gefährlich - aber ich vermute dass das Achterdeck bei Seegang sowieso überschwemmt war. Die Torpedorohre wurden mit Klappen und der Rumpf darunter mit Abweisern versehen.

Der Schiffsname ist sehr fein am Rumpf abgeformt, aber da ich ja die Bausätze getauscht habe wurden die Buchstaben abgeschabt und später durch Decals ersetzt. Erneut verwendete ich Serif 5.0 und experimentierte mit unterschiedlichen Schriftarten und Größen. Nachdem ich mich auf eine Schriftart festgelegt hatte, druckte ich trotzdem unterschiedliche Größen aus um die Entscheidung später anhand von Originalfotos zu treffen.

Eines der großen Probleme bei einem derart schlanken und langen Schiffsmodell ist die Handhabung während des Baus, da man immer noch an Hinterschneidungen herankommen möchte bevor das Modell auf der endgültigen Basis befestigt wird. Ich habe das Problem gelöst, in dem ich das Schiff mit Abstandshaltern durch die Geschützbarbetten hindurch auf eine Holzleiste geschraubt habe um einen sauberen Wasserpass malen zu können. Das Modell wurde so häufig in einen kleinen Schraubstock gespannt um beide Hände für die Arbeit frei zu haben.

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Nachdem das Modell soweit fertig war um es auf einer Platte aus Edelstahl zu befestigen - einer Art Rückversicherung gegen Verzug des Resinrumpfes - beschloss ich die Gänge der Rumpfplatten leicht anzudeuten. Da die Plattengänge sehr subtil, und manchmal auf Originalfotos auch gar nicht zu sehen sind, verwarf ich den Gedanken sie durch aufgeklebte Streifen darzustellen. Stattdessen zeichnete ich die Plattengänge mit einem Bleistift auf und verwendete Maskierband als Führung. Nach dem Zeichnen wurden die Linien leicht verwischt um die Intensität abzumildern.

Zu einem sehr späten Bauzeitpunkt entdeckte ich eine weitere kleine Unstimmigkeit am Hauptmast die ich nicht unkorrigiert lassen konnte. Aus Originalfotos schloß ich, dass die Struktur Ende 1917 oder Anfang 1918 montiert wurde, allerdings nicht auf der HMS Glorious.

Die Beiboote des Bausatzes sind ein echtes Highlight und eigene kleine Modelle. Trotzdem blieb noch Raum für Verbesserungen. Ich verstärkte den oberen Plankengang und brachte Ruderösen sowie Scheuerleisten an. Die Motorboote und Gigs wurden mit Steuerruder, Ruderpinne und Handläufen auf dem Schutzdach versehen. Für die Bootswiegen verwendete ich fotogeätzte Teile von WEM, allerdings auf eine korrekte Höhe gekürzt. Einige Fotos vom Achterschiff zeigen an steuerbord eine seltsame durchbrochene Trägerstruktur hinter den Booten. Ich konnte keinen Hinweis auf die Funktion finden, die Struktur taucht backbords, bzw. auf Glorious überhaupt nicht auf.

Das Modell wurde mit Humbrol28, die Decks mit Humbrol 27 bemalt. Die mit Corticene beschichteten Decks wurden mit WEM Colourcoats Corticene bemalt. Über alles kamen noch ausgiebige Washings mit Enamel wie auch mit Wasserfarben. Viele kleine Details wurden hinzugefügt an die ich mich kaum erinnere und die für sich kaum wahrnehmbar sind, aber zu dem Gesamteindruck beitragen.

Da das Schiff kein Holzdeck hatte wirkt es sehr "grau". Um die Eintönigkeit etwas abzumildern verwendete ich viel Zeit für kleine Details. Die gut sichtbaren Verstärkungsstreifen an Vor- und Achterdeck profitierten von dem Washing und beleben die graue horizontale Fläche. Ankerketten und Stopper, Decksluken, Kabeltrommeln mit Hülle, zusätzliche Lüfter sowie kleine abgestrebte Kräne beleben die Szene.

Die Wasserabweiser über den Bullaugen wurden mit Bleistift angedeutet, Rohrleitungen wurden auf der Brücke und den Plattformen ergänzt. Bootsbefestigungen und die in kleinen Gruppen aktive Besatzung bringen Leben auf dieses lange, schlanke Projektil von einem Schiff. Ganz speziell die Semaphorenstationen, es gibt vier davon, bekamen besondere Aufmerksamkeit da sie oft - meiner Meinung nach - falsch in einigen Fotoätzteilsets dargestellt sind, mit Armen die 45 Grad angewinkelt sind. Ich baute meine eigenen in zwei Größen, mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand.

Zum großen Teil wurde das Modell nach der exzellenten Aleitung mit Bausatzteilen gebaut. Die Ätzteilplatine ist nicht die dünnste, ich habe nur etwa 30% davon verwendet. Die fotogeätzten Tragflächen waren aber ein großer Bonus. Als Reling kamm von GMM Gold Plus Superfine zum Einsatz. Das Modell wurde auf eine glatte See, kaum gekräuselte See gesetzt, so als ob es den sicheren Ankerplatz in Rosyth verläßt und den Firth of Forth hinabfährt. Dabei kam meine übliche Technik mit Aquarellpapier zum Einsatz wie sie auf modelwarships inkl. Bemalung mit Enamel- und Wasserfarben beschrieben ist. 

Für das Rigg verwendete ich gezogenen Gussast, eine Mischung aus schwarz für das stehende, und hellbraun für das laufende Gut, so wie auf modelwarships beschrieben. 

Fazit

Ein ausgezeichneter Bausatz einer beeindruckenden Schiffsklasse. Die Kritik an der Feinheit der Fotoätzteile ist überwiegend auf meine penible Art zurückzuführen.
Ich bin mir sicher dass nachfolgende Bausätze von Admiralty Modelworks den Standard noch weiter anheben. Ich spüre schon das Fieber die Courageous als Minenleger zu bauen.


Jim Baumann

aus dem Englischen übersetzt von Stefan

Referenzen:

Battlecruisers, John Roberts
Royal Navy Shipboard aircraft developments 1912-1931, Dick Cronin
British Battleships of World War One, R. A. Burt
British Battleships of World War One, A. Preston
Battleships of the Grand Fleet, Trotter
NMM as fitted plans of HMS Glorious