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Russischer atomgetriebener Eisbrecher Arktika (Alanger, 1/400), Teil 1 von Frank Spahr Drucken
Dienstag, 15. September 2009 um 07:00

Arktika

Das Original

Die frühere Sowjetunion und Rußland umfaßt und hat wesentliche wirtschaftliche und strategische Interessen in der Arktis. Aus diesem Grund ist das Land auch sehr aktiv im Bau von Eisbrechern. Bereits 1959 wurde der erste Eisbrecher mit Atomantrieb, die Lenin, gebaut. Dieser folgten bis heute neun weitere Schiffe, von denen sechs der ab 1975 gebauten Arktika-Klasse angehören.

Die übrigen drei sind der Containerfrachter Sevmorput und die Fluß-Eisbrecher Taimyr und Vaigach. Die Arktikas werden einerseits dazu benutzt, die Nordpassage um Rußland herum von der Barents-See zur Beringstraße offenzuhalten, darüber hinaus können sie für wissenschaftliche Expeditionen eingesetzt werden. Seit 1989 ist es auch möglich, auf einigen der Schiffe als Tourist – wenn möglich bis zum Nordpol – mitzureisen. Betreiber war lange Zeit die Murmansk Shipping Company. 2008 gingen die Schiffe in die Verantwortung des Staatsbetriebs Rosatom über. Sinhkendes Frachtaufkommen und wohl auch ihr Alter hat mittlerweile zur Verkleinerung der Flotte geführt.

Technische Daten (Wikipedia)

Länge: 148 m
Breite: 30 m
Tiefgang: 11 m
Höhe vom Kiel bis zur Mastspitze: 55 m
Verdrängung: 23.000 t
Maschinenanlage: 2 OKA-900A Reaktoren zu 171 MW,
75.000 PS auf drei Schrauben
Besatzung: ca. 150 Personen, ca. 100 Passagiere

Diese sehr massiven Schiffe haben einen doppelwandigen Rumpf von bis zu 48 mm Stärke. Der Wasserballast zwischen den Rumpfschalen kann getrimmt werden, um das Eisbrechen zu erleichtern. Ein Wasserdüsensystem verstärkt das Eisbrechen. Die Arktikas können sowohl vorwärts als auch rückwärts Eis brechen. Sie können nur in kaltem Wasser betrieben werden, da sie kein eigenes Kühlsystem für die Reaktoren haben und das kalte Meerwasser dazu nutzen. Eine Verlegung aus der Arktis durch die Tropen ist deshalb nicht möglich. Nur einer der beiden Reaktoren wird normalerweise benutzt, während der andere als Reserve dient. Die Seeausdauer beträgt siebeneinhalb Monate, eine neue Brennstoffladung wird etwa alle vier Jahre fällig. Die Schiffe tragen einen bis zwei Hubschrauber sowie mehrere Beiboote, darunter bis zu vier Schlauchboote. Sie sind verhältnismäßig luxuriös ausgestattet mit Schwimmbad, Sauna, Kino und Sportstudio. Die Bordrestaurants haben auch eine Bar, einige der Schiffe haben eine Bibliothek und mindestens eines ein Volleyballfeld. Das zuletzt gebaute Schiff, 50 Let Pobedy unterscheidet sich deutlich von den früheren Einheiten; es ist länger und weist eine optimierte Rumpfform auf.

NS Arktika

Die Arktika wurde als Typschiff der Klasse im April 1975 in Dienst gestellt. Am 17 August 1977 erreichte sie als erstes Überwasserschiff den Nordpol. Ende der 1990er wurde sie modernisiert, nach 30 Jahren im Dienst hatte sie 2005 eine Million Seemeilen zurückgelegt. Seit einem Feuer an Bord im Jahr 2007 liegt sie außer Dienst in ihrem Heimathafen Murmansk. Sie soll abgewrackt werden.

Quellen:

de.wikipedia.org/wiki/Arktika
mkmagazin.almanacwhf.ru/ships/arktika.htm

Der Bau

Mir waren verschiedene Dinge klar – meine Arktika würde in ein Diorama kommen, sie würde durch eine Eisfläche pflügen, und ich würde schauen, wie weit ich den doch eher groben, aber ansprechenden Bausatz etwas aufmoppeln könnte. Also schaute ich nach passenden Ätzteilen und benutzte schließlich folgende Quellen:

  • Meine Grabbelkiste, die eigentlich ein Ordner mit Prospekthüllen und Kartoneinlagen ist
  • ?1:700 Soviet/Russian Radars von Lion Roar
  • ?Vierzügige Reling und Niedergänge von Saemann in 1:350/400 (Obacht, ich habe zwei Pakete Reling praktisch komplett verbraucht – das sind volle 180 cm!)
  • ?GMM 1:700 Japanese Cruiser/Destroyer und Japanese Battleships

Zuerst wurde der Rumpf im Rohbau erstellt, verschliffen und verspachtelt, die Ankerklüsen geöffnet und die Bullaugen entlang einer Lehre aus Tamiya-Tape nachgebohrt. Ebenso wurden die Aufbauten soweit möglich in Unterbaugruppen erstellt, vormontiert, versäubert, gespachtelt und verschliffen, die Brückenfenster vorsichtig versäubert und nachgefeilt. Die massiven angegossenen Schanzkleider wurden weggefräst, das zog einiges an Nacharbeiten nach sich. Auch wurden die angegossenen Ankerketten entfernt und später durch Gliederketten ersetzt.

Das Diorama

Zum Einbau ins Diorama war der Rumpf zu hoch; also mußte er gekürzt werden, wozu ich eine Diamantscheibe in der Minifräsmaschine benutzte – Achtung, erhebliche Verletzungsgefahr! Als Dioramaträger wurde ein Bilderrahmen benutzt, zur Gewichtsersparnis wurde er soweit möglich mit Styropor ausgefüllt. Die freien Bereiche um das Schiff wurden mit Styropor – Platzhaltern vor dem Gips geschützt, mit dem der Rahmen ausgegossen wurde. Die Gipsoberfläche wurde mit verschiedenen Werkzeugen bearbeitet, um annähernd korrekt auszusehen. Bemalt wurde sie mit Wandfarbe in – na klar – Polarweiß. Ich hatte mir zusätzlichen Gips auf eine Platte gegossen und mit Backpulver bestäubt; aus diesem fertigte ich ein paar Eisbruchstücke, die ich achteraus platzierte. Hier wurde sehr viel mit Bemalung und Acrylgel gearbeitet, um den Effekt des aufgewühlten Wassers mit Eisbrocken so hinzubekommen, wie ich ihn mir vorstelle. Das klare Acrylgel verleiht dem Ergebnis eine gewisse Tiefe. Das Schiff wurde schließlich mit Silikon eingeklebt und die verbleibenden Spalten möglichst geschlossen.

Spätestens nach Knut, Flocke und dem Film „Unsere Erde“ mussten Eisbären in mein Diorama. Da ich keine fertigen Eisbären in 1:400 fand, baute ich sie mir selbst aus Polystyrolprofilen, zahntechnischem Gusswachs und Farbe. Sie wurden schließlich mit Weißleim neben das Schiff geklebt, als würden sie aufgestört von ihm wegrennen. Hier sieht man, wie groß so ein Eisbrecher eigentlich ist.

Frank Spahr

FORTSETZUNG FOLGT