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Baubericht USS Brooklyn (CA-3), Teil 5 - Boote, Boote nichts als Boote Drucken
Dienstag, 28. April 2009 um 07:00

USS Brooklyn

Boote, Boote nichts als Boote!

Das „Schöne“ beim Schiffsmodellbau ist, dass man nie nur ein Modell baut, sondern immer gleich eine ganze Gruppe. Die Brooklyn verfügt über 16 Bei- und Rettungsboote unterschiedlichster Größe und Bauart. Jedes ist ein kleines, eigenes Modellchen und bedarf besonderer Sorgfalt und Hingabe. Unattraktive Boote können den Gesamteindruck eines Modells nachhaltig stören.

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Relativ aufwändig waren die drei großen Dampfbarkassen. Zunächst ersetzte ich den Rauchfang durch ein dünnes Messingröhrchen. Die Tragkonstruktion für das Stoffdach wurde mit Fotoätzteilen und 0,1mm Kupferdraht angefertigt. Liest sich jetzt ziemlich einfach, da es fertig und einigermaßen gelungen ist, allerdings während des Baues war ich ziemlich unlocker und verspannt. Immerhin besteht jedes dieser knapp 3 cm langen Schiffchen aus über 30 Teilen, die mit zittrigen Händen, widerspenstigen Pinzetten und tränenden Auges an den richtigen Ort gebracht werden mussten. Modellbauspaß? Ja, für die unbeteiligten Zuschauer, die sich prächtig über meine sonderbaren Verrenkungen und sehr extravagante Wortwahl köstlich amüsiert haben.

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Die Stoffbespannung stellte ich mit etwas verdünntem Weißleim her. Diesen Trick habe ich von Jim Baumann, und ich muss sagen, er ist genial.

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Weißleim leicht mit Wasser verdünnen. Dies ist eine Gefühlssache, die man aber leicht herausbekommt. Wenn sich zwischen den beiden Drähten eine schöne Haut bildet, stimmt die Mischung. Ich verwende hierfür einen weichen flachen Haarpinsel. Es verlangt etwas Feingefühl, aber eigentlich ist es überraschend einfach, und das Resultat, finde ich, spricht für sich selbst. Bevor man am Modell arbeitet sollte ein wenig an einem Versuchsaufbau geübt werden. Denn wenn die extrem feinen Fäden erst einmal verklebt sind, können sie ohne Zerstörung fast nicht mehr gesäubert werden.

Bei den meisten Bausätzen liegen nun die Ruder als Fotoätzteile bei. Ich finde das für den Maßstab 1/700 zwar in Ordnung, aber bei 1/350 stört mich die flache Ruderpinne. Ruder können allerdings sehr leicht selbst hergestellt werden. Man längt einen nicht zu dünn gezogenen Gußast passend ab. Das untere Ende wird mit einer flachen Pinzette gequetscht sodass ein schönes Ruderblatt entsteht.

USS Brooklyn USS Brooklyn USS Brooklyn

Wie beim eigentlichen Modell muss auch bei den Booten höllisch aufgepasst werden was wann bemalt wird. So ist die Innenseite der Bordwände und der Boden nach dem Einsetzten der Ätzteile nicht mehr zu bemalen.

(Abb.030)

Ich grundiere alle Boote zunächst einmal mattweiß mit dem Airbrush. Die Holzfarbe entsteht durch den mehrfachen Auftrag stark verdünnter Lasuren unterschiedlicher Brauntöne wie Goldocker, gebrannte Siena und gebrannte Umbra, dazwischen etwas highlighten. Sehr meditativ, denn es bedarf einiger dieser hauchdünnen Lasuren. Am Anfang sieht die Farbe sehr sonderbar aus... aber nicht verzagen, es wird mit der Zeit immer besser und irgendwann, so nach dem zweiten bis dritten Durchgang, passt es und sieht wie Holz aus, verlässlich!

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Müde bin ich geh zur Ruh und schließe meinen Bausatz zu

Fast 4 Jahre habe ich jetzt an meiner Brooklyn, mehr oder weniger erfolgreich herumgebaut. Eine lange schöne Zeit und ich kann mich nicht wirklich trennen. Immer wieder finde ich noch das eine oder andere Trumm, das es zu ergänzen gilt oder wo farblich noch etwas nachgebessert werden kann. Natürlich habe ich nicht ständig daran gebaut, aber doch in regelmäßigen Abständen. Ich finde ja Modelle brauchen - wie guter Wein - Zeit zum Reifen. Eines kann ich jedoch mit Sicherheit feststellen, der Bausatz war auf jeden Fall sein Geld wert. Mehr noch, er war eine Herausforderung und Lehrstück in einem. Die Zeit, die ich mit meiner Brooklyn verbrachte, war immer eine Art Belohnung, ein kleines Glück nach einer harten Arbeitswoche. Der innere Schweinehund, der anfänglich so lautstark kläffte liegt, sich wohlig räkelnd, im Eck. Frei nach dem Motto: ich hab es ja schon immer gewusst. In ein paar Tagen ist es dann soweit, wenn die Fotos gemacht sind, wird die Glashaube geschlossen und die Brooklyn für fertig erklärt.

 
Peter Plattner