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Baubericht USS Brooklyn (CA-3), Teil 3 - Bunt wie der Herbst Drucken
Freitag, 24. April 2009 um 07:00

USS Brooklyn

Bunt wie der Herbst

Des Modellbauers liebstes Steckenpferd sind exakte Farbangaben. Ellenlange Codes und Mixturen werden da hinter vorgehaltener Hand getauscht. Je intensiver ich mich jedoch mit dieser Materie und dem Modellbau befasse, desto klarer wird mir, was das eigentlich für ein Unfug ist. Vor allem, wenn vom Original nur Zeichnungen und schwarz/weiß Fotos existieren. Wie lässt es sich da doch herrlich diskutieren und schlaumeiern.

Wichtig ist und davon bin ich überzeugt, ein Gefühl für Farben...ganz generell, sowie die gute Kenntnis von Materialbeschaffenheit und Materialien. Wie sich diese verhalten, welche Veränderungen diese im Laufe ihres Lebens erfahren etc. Ganz entscheidend ist aber auch einfach die Intuition, was kann wohl wie ausgesehen haben und was wirkt wie?

Die Brooklyn gefällt mir nicht zuletzt wegen Ihrer Farbigkeit, das rote Unterwasserschiff, das weiße Überwasserschiff, das holzfarbene Deck die „buff“ farbenen Decksaufbauten .... Messingbeschläge ...und ...und ....und! Oh, wie wohl tut das dem Auge im Gegensatz zum späteren Einheitsgrau über alles.

USS Brooklyn

Besondere Aufmerksamkeit verlangt die gute Organisation und zeitliche Abfolge, wann was bemalt werden soll. Bei Schiffen wie diesem ist es nicht immer leicht, denn es gibt zahlreiche Bauteile, an die, wenn sie einmal montiert sind kein Hinkommen, wie auch immer möglich ist.

 Um nicht allzu viel falsch zu machen, habe ich zumindest wesentliche Baugruppen und auch Einzelteile vor dem Zusammenbau meist fertig bemalt und vor lauter Überlegungen einiges übersehen oder vergessen.

Was in aller Welt ist Buff?
Es handelt sich hier nicht etwa um einen Schreibfehler von etwas Unanständigem, sondern um einen gelb/ocker Farbton. Als nicht gelernter Marinefachmann habe ich meine Rundfragen angestellt und wie es so geht, heraus kam immer ein anderes Ergebnis. Einmal war es mehr gelblich, einmal mehr ocker, dann hatte es eher einen Stich ins Rot, dann wieder erschien es mehr grünlich????? Soviel zur Exaktheit. Diese Farbe ist wirklich schwer greifbar und erscheint auch je nach Licht immer wieder anders. Die Quellen sind auch nicht wirklich brauchbar, denn es handelt sich ausschließlich um S/W Fotos bzw. handkolorierte Ansichten. Ich habe mich nach langem hin und her für das Buff von WEM (White Ensign Models) entschieden, weil ich der Ansicht bin, dass die (WEM) schon wissen, was das für ein Farbton ist und ich gerne mit diesen hochwertigen Farben arbeite.

Grundsätzlich male ich - so weit es geht - mit dem Luftpinsel (Airbrush in der Fachsprache). Bei großflächigen Bauteilen bevorzuge ich meist Acrylfarben als Basis. Bei kleineren Bauteilen bereits die Farben, die dann auch mit dem Pinsel gemalt werden. Hier verwende ich vorwiegend WEM Farben, da diese fein pigmentiert sind, sich gut sprühen lassen und auch mit dem Pinsel angenehm deckend aufgetragen werden können.
Über diese Grundierung trage ich dann mit Künstlerölfarben Schicht um Schicht lasierend auf, um verschiedene Teile hervorzuheben, abzudunkeln etc. Das benötig viel Zeit und Geduld, denn es ist wichtig, dass die Schichten dünn aufgetragen werden und gut durchtrocknen, denn da kann es sonst leicht passieren, dass sich die Farbe ungewollt löst. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es immer an sehr prominenten Stellen passiert.

Ich verwende für das „Altern“, aber vor allem für das Hervorheben der Kanten meist gebranntes Umbra als Basis und je nach Ort und Grundfarbe eine Abtönung mit gebrannter Siena oder Chromoxidgrün stumpf, alles stark mit Terpentinöl verdünnt. Manchmal ist auch ein sehr dunkler Blauton sehr gut. Auf keinen Fall schwarz verwenden.

USS Brooklyn

Das Unterwasserschiff einfach nur rot zu streichen (natürlich mit Airbrush), erschien mir zu langweilig. Um diesem prominenten Teil etwas mehr Struktur zu geben, wollte ich die Plattengänge zumindest farblich simulieren. Auf der einheitlich roten Grundierung wurden die Plattengänge mit, in gleich breite Streifen, geschnittenem Maskingtape aufgeklebt. Ein Geduldspiel.
Die frei bleibenden Streifen übersprühte ich mit einem etwas abgedunkeltem (ganz zart) Rot. Bevor das Tape wieder abgezogen wurde habe ich die Ränder noch mit Bleistift nachgezogen. Schlussendlich mussten natürlich auch die Querstöße mit Bleistift angedeutet werden.

USS Brooklyn

Aus der normalen Betrachtungsentfernung sieht man allerdings fast nichts von all den Mühen. Aber es ist eine schöne inhomogene Fläche und vermittelt das Gefühl einer Plattenstruktur. Nachdem alles fertig war, kam der Rost und vergammelte alles schön künstlerisch. Weil ja diese Schiffe auch immer so gerostet haben.

Wie viele Lasurschichten ich auf das Deck aufgetragen habe kann ich nicht mehr sagen, aber es waren viele. Als Grundfarbe eignet sich hier „Teak“(WEM C01) hervorragend. Die Trennlinien zwischen den Planken habe ich mit einem extrem spitzen Bleistift nachgezogen. Nun ja, ich finde es sieht gut aus, aber diese Tätigkeit ist eher etwas für Zen Mönche, sehr meditativ!

USS Brooklyn

 


Chloé Plattner