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Baubericht USS Brooklyn (CA-3), Teil 2 - Aller Anfang ist teuer Drucken
Mittwoch, 22. April 2009 um 07:00

USS Brooklyn

Aller Anfang ist teuer

Schon in den Jahren zuvor bin ich mit gierig lustvollen Blicken um den Stand von YS Masterpieces auf der Scale Modelworld herumgeschlichen. Der innere Schweinehund brĂŒllte lautstark: „kaufen...kaufen!“ „viel zu viel Geld!“ hielt die Vernunft etwas kleinlaut dagegen.

Das kleine, aber feine Angebot von Yannis Sagidarios, an erstklassigen SchiffsbausÀtzen war zu verlockend. Lediglich der, mir damals doch sehr hoch erscheinende Preis, hielt mich davon ab, einen - oder am besten gleich alle drei - BausÀtze zu erwerben.

AnlÀsslich der Scale Modelworld 2004 in Telford war es dann soweit. Der innere Schweinhund war erledigt. GelÀutert durch meine eigenen Erfahrungen, was Kosten in der Produktion von KleinserienbausÀtzen betrifft, wurde ich schwach und kaufte sÀmtliche BausÀtze der 1/350er Serie, die G.Averoff, die USS Oregon und die USS Brooklyn. Alles Schiffe aus der Zeit vor dem I. Weltkrieg, meinem Lieblingsthema, und BausÀtze von allerfeinster QualitÀt.

Nach dieser heroischen Tat drĂŒckte das Gewissen schon etwas. Ich hatte wirklich viel Geld ausgegeben und drei verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig kleine BausĂ€tze erworben. Meine Freunde fĂŒllten voll Stolz, fĂŒr weit weniger Geld ganze KofferrĂ€ume mit Bau- und ZurĂŒstsĂ€tzen.
Aber was soll`s! Um den wieder zu KrĂ€ften gekommenen Schweinehund zu beruhigen, wartete ich bis Weihnachten und machte mir aus meiner Beute noch ein Geschenk draus. So konnte ich diese Summe auch meinem QuĂ€lgeist gegenĂŒber gut vertreten.

Satt und voll gefressen, der Feiern und der weihnachtlich bedingten GefĂŒhlsduseleien ĂŒberdrĂŒssig, zog ich mich in mein Arbeitszimmer zurĂŒck. Dort gab mich den Wonnen des Modellbaus hin. WollĂŒstig sabbernd vor VergnĂŒgen.

Dieser Bausatz ist einfach ein Genuss.

USS Brooklyn

Der Rumpf wurde in einem StĂŒck gegossen, mit einer extrem feinen Detaillierung und auf der Oberseite absolut blasenfrei. Lediglich auf der Rumpfunterseite, im Bereich des Angusses, befinden sich produktionsbedingt einige Blasen.

USS Brooklyn

Hier muss aber sowieso geschliffen und gekittet werden und das ist auch schon die einzige Stelle, wo dies erforderlich ist.
Zwei umfangreiche Bögen mit superfeinen Ätzteilen und ein Heftchen mit einer ausfĂŒhrlichen Bauanleitung liegen ebenfalls bei.
GrundsĂ€tzlich kann dieses Modell ohne weiters vollstĂ€ndig, wie es so schön grauslich heißt „aus der Schachtel“ gebaut werden. Dass ich dies nicht tat, liegt ausschließlich in meinem unerfindlichen Trieb, etwas „Eigenes“ bauen zu mĂŒssen begrĂŒndet und keinesfalls an der QualitĂ€t der Bauteile.

 

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Lange konnte ich mich nicht entscheiden, ob das Modell in ein Diorama als Wasserlinienmodell versenkt werden, oder als Vollrumpfversion entstehen sollte. Einerseits reizte es mich rund um dieses wunderschöne Schiff eine entsprechende HafenatmosphĂ€re zu inszenieren, anderseits wollte ich unbedingt die bizarr sinnliche Form des Rumpfes darstellen. Nachdem ich dann aber Jim Baumanns perfektes Modell im Wasser sah, entschied ich mich fĂŒr die Vollrumpfversion oder wie enthusiastische Waterliner etwas abschĂ€tzig meinen, fĂŒr ein „aufgespießtes Schiffchen“.

 

Die Kiellegung

An sich ist die Bauanleitung logisch aufgebaut. Da die Bemalung und die Takelage gĂ€nzlich unberĂŒcksichtigt sind, ergibt sich jedoch so manch notwendiger Sidestep. Auch ist es nicht besonders nachahmenswert, die GeschĂŒtzerker erst aufzubohren, wenn der Rumpf im Wesentlichen fertig gebaut und bemalt ist. Etwas mehr Überlegung und Entschlossenheit zahlen sich hier absolut aus. Trotz zahlreicher FlĂŒche und AngstschweißausbrĂŒche, die herrlich gegossenen Teile mit dem Bohrer wild zu devastieren und in unförmige Löcher zu verwandeln, es war es wert.

USS Brooklyn

UnzĂ€hlige Arbeitsstunden spĂ€ter und von großen Zweifeln gemartert, ob das Ding jemals noch etwas wird, bin ich jetzt froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Die offenen Klappen und Luken geben dem bulligen Schiff etwas Leichtes und Filigranes. Die Öffnungen und hauchdĂŒnnen Bleche vermitteln den Eindruck, dass das Schiff hohl ist.

USS Brooklyn

Wirklich wichtig ist, dass man sich die Abfolge der einzelnen Bauabschnitte gut ĂŒberlegt. Denn es gibt Bereiche, an die man spĂ€ter einfach nicht mehr herankommt. Das ganze Modell wird quasi von innen nach außen gebaut.

Ein besonders Schmankerl sind die zahlreichen I-TrĂ€ger fĂŒr das Zwischendeck. Sie bestehen jeder einzelne aus 3 Ätzteilen Obergurt, Steg, und Untergurt , das ganze hat einen Querschnitt von 0,8 x 0,8 mm. Eine wahrlich reizende Fummelei. NatĂŒrlich ist das Ergebnis hĂŒbsch anzusehen, doch unter den vielen Booten bemerkt man es kaum.

 

Ein Schiff ringt um Atem

Ähnlich vielfĂ€ltig wie bei den Booten verhĂ€lt es sich bei den LĂŒftern. Die Konstrukteure der Brooklyn waren unglaublich einfallsreich bei Formgebung und GrĂ¶ĂŸengestaltung dieser notwendigen Atmungsorgane.

USS Brooklyn

Ob ich, trotz genauer Beschriftung und sorgfĂ€ltiger Kontrollen, letztendlich alle richtig positioniert habe, weiß ich nicht, denn hier ist die Bauanleitung leider nicht ganz eindeutig. Die Fotos sind auch nicht sehr hilfreich, denn sie zeigen immer einen leicht verĂ€nderten Zustand.

 


Peter Plattner