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Flämische Galeone, 1593 - Teil 3: Der Rumpfbau - I Drucken
Dienstag, 21. Oktober 2008 um 07:00

Das Pilotmodell


Bevor ich mit dem Rumpfbau anfange, möchte ich einige Worte zum in 1/100 gebauten Pilotmodell verlieren. Ursprünglich wollte ich nur ein “Kontrollmodell“ bauen.

Daher habe ich ein Spantmodell aus 0,5, 1 und 2 mm dicken Polystyrol-Platten gebaut. Nachdem der Rumpf fertig war, habe ich kurzerhand weitergebaut, d.h. ich habe eine zweite Beplankung aus 0,6 mm Möbelfurnier angebracht, sowie einige Decks und Grätings gefertigt. Das erste ernsthafte Problem ist aber aufgetaucht, als ich die Verzierungen bzw. die Ranken fertigen wollte.


Ich muss dazu sagen, dass seit über 30 Jahren mein Lieblingsmaßstab 1/50 ist!
Bei Auftragsarbeiten baute und baue ich auch Baukästen in anderen Maßstäben. Schon die ersten Versuche, wenigstens mittelmäßige Ranken in 1/100 zu fertigen, haben mich in tiefe Frustrationen gestürzt!
Ok, dachte ich, viele Sachen, bzw. Dinge die ich mache, können für Aussenstehenden total verrückt erscheinen, aber dass ich mich total überflüssig mit sowas quäle, nein. Also wurde der Weiterbau abgebrochen. Seitdem staubt dieses Modell im Schrank vor sich hin, was eigentlich schade ist.

Der Rumpfbau

Der Rumpfbau eines beplankten Modells ist nicht so kompliziert, wie der Bau eines sog. Admiralty -Modells. Trotzdem müssen die Schritte zum Bau eines solchen Modells gründlich überlegt werden. Hierbei müssen eine Menge Konstruktionszeichnungen erstellt werden. Da die Spantbauweise schon sehr oft beschrieben worden ist, möchte ich das Thema nicht detailliert vertiefen.

 

Kiel und Steven:

Die sog. Kielplatte habe ich aus 6 mm dickem Sperrholz gefertigt. Die Dicke des fertigen Kiels wird im weiteren Bau aber auf 11 mm erhöht, aber davon später.

 

Die Spanten:

Die Spanten bestehen auch aus 6 mm Sperrholz. Bei meiner Rekonstruktion habe ich einen Spantabstand von 16 mm angenommen, d.h. beim Original wären die Achsen der Spanten 80 cm voneinander entfernt, die Breite wäre 50 cm und der Abstand zwischen den Spanten 30 cm. Ich habe für mein Modell jeden zweiten Spant als Bauspant vorgesehen, d.h. der Achsabstand der Bauspanten beträgt 32 mm.
Damit erhalte ich 24 Bauspanten und 10 Halbspanten am Heck. Nach dem Spantenriss müssen jetzt bei jedem einzelnen Bauspant die Spantenbreite bzw. die Spantentiefe, sowie die Decksbalken und die Knie eingezeichnet bzw. konstruiert werden.

 

Die Spantentiefe:

Bei einem damaligen Kriegschiff betrug die "Bordwandtiefe" bei der größten Breite ca. 60 - 70 cm, zieht man davon für die Dicke der äußeren Planken 10 - 12 cm und die der inneren Planken 6 - 8 cm ab, erhält man für Spantentiefe zwischen 46 cm und 50 cm. Das sind im Maßstab 1/50 8,8 mm; darunter wird die Spantentiefe größer, darüber kleiner.

 

Die Deckswölbung

Die Höhe des Decksbalkenbogens in der Mitte ist 1/24 bis 1/50 Decksbalkenlänge. Sie hängt vom Schiffstyp sowie von der Zeit ab. Diese Höhe war bei den älteren Schebecken extrem groß , bei den modernen Segelschiffen des 19. Jhdt. kaum 1/50 oder noch weniger.
Bei den älteren Schebecken war die Deckswölbung extrem groß, so dass beidseitig Hilfsdecks eingebaut werden mußten, damit die Kanonen waagerecht stehen konnten.

Hauptspant einer Schebecke: 1. Decksbalken und Deckswölbung, 2. Hilfsdeck


Manchmal sogar waren die Daten nicht ganz eindeutig. Z.B. bei der französischen La Couronne, wo die Originalzeichnung des Hauptspantes eine genauso extreme Deckswölbung zeigt, wie bei der Schebecke, was aber kaum glaubhaft ist.

E.Paris schreibt dazu:
"Für die Decksbucht wird angegeben, dass ein Kreisbogen abc mit dem Radius 2BD ( größte Breite ) geschlagen werden soll, wie in der Zeichnung durch die gestrichelte Linie angegeben. An den Schiffsseiten entstünde dadurch eine Schräge, die den Erfordernissen der Geschützbedienung widerspricht."

Damit hätte auch diese Konstruktion für den Atlantik jene Nachbildung der Mittelmeer-Gewonheiten aufgewiesen, die auf den Schebecken zusätzliche hochlliegende Seitenplattformen als Geschützträger notwendig machte. Deshalb wurde eine andere Regel aus demselben Buch angewandt und eine Bucht von 10 Zoll auf 20 Fuß (Balken)Länge oder 1/24 angesetzt, wie in der Zeichnung durch die Vollinien ab?c angegeben.
Es erschien mir aber noch immer zu groß, deshalb habe ich die Wölbung auf 1/40 genommen.
Glücklicherweise sind die Radien bei allen Balken gleich, so dass wir nur eine Wölbung konstruieren müssen.

Und so geht es:
- Wir nehmen ein Stück Karton, noch besser eine Polystyrolplatte
- ziehen eine 250 mm lange Gerade
- auf in der Mitte senkrecht gezeichnete Linie 250/40= 6,25 mm aufmessen
- den Bogen zeichnen
- Ausschneiden der Schablone
 

Die Schablone


Für diejenigen, die gerne Schiffsrisse zeichnen - bzw. zeichnen würden - ein Trick:
Die langen, flachen Bögen vieler Risse können wir mit den normalen Kurvenlinealen nicht aufzeichnen.
Die Lösung:
- Auf einem Zeichnenbrett befestigen wir eine 0,5 mm dicke Eisenblechplatte - möglicherweise bemalt oder verzinkt - und darauf die Zeichnung.
- Aus der Tür eines alten Kühlschrank reissen wir die Magnetgummibänder aus. Mit deren Hilfe können wir schöne Bogen ziehen.)

 

Laszlo Szeibel