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Tamiya: Japanischer Leichter Kreuzer Abukuma (1/700) Drucken
Sonntag, 20. Januar 2008 um 14:31


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Modell: Japanese Light Cruiser Abukuma
Hersteller: Tamiya
Maßstab: 1/700
Art. Nr.: 31349
Material: Spritzguss
Preis: 14 – 30 €

Original

Abukuma war das letzte Schiff der zwischen 1920 und 1925 gebauten japanischen Leichten Kreuzer der Nagara-Klasse. Die Nagara-Klasse war eine verbesserte Version der 1918-21 gebauten Kuma-Klasse. Zusammen mit der nachfolgenden, zwischen 1922 und 1925 Sendai-Klasse wurden drei Klassen als 5500-Tonnen-Kreuzer bezeichnet. Die Verbesserungen gegenüber der Vorgänger-Klasse waren gering. Der Rumpf, der Antrieb und die Geschützbewaffnung blieb unverändert. Der Kaliber der Torpedos wurde von 53,3 cm auf 61 cm vergrößert, wobei dies ein Vorläufer-Modell des berühmten "Long Lance"-Torpedos war. Der sichtbarste Unterschied zwischen der Kuma- und der Nagara-Klasse war der Hangar unter der Brücke. Wie bei der Kiso der Vorläufer-Klasse und mehreren britischen Leichten Kreuzern der Ceres-, Capetown und Danae-Klasse wurde eine Startplattform vor der Brücke über den vorderen Geschütze montiert und unterhalb der Brücke im stark vergrösserten Brückenaufbau wurde der entsprechende Hangar untergebracht. Daneben gab es noch Änderungen bei anderen Aufbauten, u.a. der Wegfall der achteren Brücke und die Verlängerung des Backdecks über die achteren Torpedorohre (letztes wurde bei der Kuma-Klasse nachträglich durchgeführt).

Zur damaligen Zeit verband die Klasse moderne Merkmale – u.a. eine sehr hohe Geschwindigkeit und Bordflugzeuge – mit veralteten Merkmalen. So war die Hauptbewaffnung in handbedienten Einzellafetten mit nach hinten offenen Schutzschilden so aufgestellt, dass nicht alle Geschütze zur Breitseite feuern konnten und dazu alle auf einer Ebene angeordnet waren, so dass der Feuerbereich auch nach vorne und achtern eingeschränkt war.

Die Klasse wurde in den 30er modernisiert. U.a. wurde die, nie regulär genutzte, Startplattform vor der Brücke entfernt und achtern ein drehbares Katapult aufgestellt. Die Flak wurde modernisiert, ebenso gab es Veränderungen bei den Aufbauten. Abukuma wurde umfangreicher als ihre Schwesterschiffe modifiziert. Neben dem Jacht-Bug, den sie nach einer Kollision erhielt, und diverse Verbesserungen der Aufbauten, Flak und Flugzeugeinrichtungen, erhielt sie als Flaggschiff für Zerstörerverbände bereits 1941 die berühmten Typ 93 61 cm-Torpedos. Der vordere Torpedokuhl wurde geschlossen und die dortigen Torpedozwillinge entfernt. Die achteren Zwillingstorpedorohre wurden durch Vierlingstorpedorohre ersetzt. Von ihren Schwesterschiffen erhielt lediglich Nagara und Isuzu 1944, also sehr viel später, ebenfalls diese Modernisierung der Torpedobewaffnung.

Abukuma war 162,46 m lang (162,15 mit dem ursprünglichen Bug) und 14,17 m breit. Ihre Verdrängung (2/3 Versuchsfahrten) war durch die Umbauten von ca. 6500 Tonnen auf über 7200 Tonnen angestiegen. Ihre vier Sätze Turbinen leisteten 90000 PS, womit anfangs 36 Knoten, zuletzt 32 Knoten erreicht wurden.

Bewaffnung 1925
7 x 14 cm L/50 Typ 3 (Einzellafetten)
2 x 8 cm L/40 Typ 3 (Einzellafetten)
2 x 6,5 mm Typ 3 MG
8 x 61 cm Typ 8 Torpedorohre (vier Zwillinge für Typ 8-Torpedos)

1 Bordflugzeug (nicht regulär verwendet)

Bewaffnung 1941
7 x 14 cm L/50 Typ 3 (Einzellafetten)
4 x 2,5 cm L/60 Typ 96 (zwei Zwillingslafetten)
4 x 1,3 cm Typ 93 (ein Vierling)
8 x 61 cm Typ 8 Torpedorohre (vier Zwillinge für Typ 8-Torpedos)
1 Kawanishi E7K2 Typ 94 Alf Bordflugzeug

Bewaffnung 1944
5 x 14 cm L/50 Typ 3 (Einzellafetten)
2 x 12,7 cm L/40 Typ 89 (Zwillingslafette)
30 x 2,5 cm L/60 Typ 96 (vier Drillings, zwei Zwillings- und 14 Einzellafetten)
8 x 1,3 cm Typ 93 (eine Zwillings- und sechs Einzellafetten, eventuell auch zwei weitere Einzellafetten)
8 x 61 cm Typ 92 Torpedorohre (zwei Vierlinge für Typ 93-Torpedos)

Abukuma wurde zwischen 1920 und 1925 bei Uraga Dock Co gebaut. Ihre Fertigstellung verzögerte sich, weil das zu 70% fertig gestellte Schiff durch ein schweres Erdbeben am 1.9.1923 beschädigt wurde. Nach ihrer Indienststellung war sie in Kure stationiert. 1929-30 war sie in Reserve, wurde aber für die Großen Manöver aktiviert. Während eines dieser kollidierte Abukuma am 20.10.1930 bei Daio Zaki mit dem Leichten Kreuzer Kitakami, wobei ihr Bug vor dem vordersten 14 cm-Geschütz abbrach. Bei den Reparaturen in Kure, die Ende 1931 abgeschlossen waren, erhielt sie einen Jacht-artigen (S-förmigen) Bug, mit dessen Hilfe sie seither leicht von den fünf Schwesterschiffen unterschieden werden konnte. Nach Wiederindienststellung wurde sie 1932 nach Shanghai geschickt, wo sie japanische Truppen durch Geschützfeuer unterstützte. Ende 1932, Anfang 1933 erfolgte eine erste Modernisierung in Kure, bei der sie u.a. ein Katapult vor dem Großmast erhielt. Ihre Startplattform vor der Brücke wurde noch beibehalten, dort wurde ein 1,3 cm-Vierlings aufgestellt. Danach verblieb sie in Reserve. Von Juni 1934 bis Februar 1935 wurden weitere Modernisierungen durchgeführt, u.a. die Startplattform entfernt und die 8 cm-Flak gegen 1,3 cm-Zwillinge ausgetauscht. Danach wurde sie als Flaggschiff für Zerstörer wieder in Dienst gestellt. Ihr neuer Heimathafen wurde Sasebo. Von April 1937 bis Februar 1938 erfolgte eine weitere Modernisierung, bei der u.a. ihre Brücke modifziert wurde und die 1,3 cm-Zwillinge gegen 2,5 cm-Zwillinge ausgetauscht wurden. 1938 bis 1941 folgten mehrere kurze Einsätze vor China, März bis Mai 1941 wurde die Torpedobewaffnung stark verbessert.

Am 26.11.1941 lief Abukuma mit ihren Zerstörern aus, um die Träger bei dem Angriff auf Pearl Harbor zu schützen. Nach dem Angriff beteiligte sie sich an Ladungsoperationen in Rabaul und Kavieng sowie einem Angriff auf Port Darwin. Zur Unterstützung der Landungsoperationen auf Java, operierte sie mit ihren Zerstörern zwischen Java und Australien. Im März 1942 war sie an dem Vorstoß in den Indischen Ozean, bei dem die Träger Colombo und Trincomalee angriffen, beteiligt. Ab Mai 1942 wurde sie im Nordpazifik eingesetzt, wo sie die Ladungen auf den Aleuten unterstützte. Sie blieb in der Region – abgesehen von einer Modernisierung von Dezember 1942 bis Januar 1943 in Sasebo, bei der u.a. das 14 cm-Geschütz Nr. 5 gegen zwei 2,5 cm-Drillinge ausgetauscht wurde. Meist war sie als Geleitschutz für Nachschubtransporte eingesetzt. Während einer dieser Operationen kam es am 27.3.1943 zur Schlacht bei den Kommandorski-Inseln (Schlacht bei Attu). Auf japanischer Seite kamen unter Vizeadmiral Hosogaya neben ihr die Schweren Kreuzer Nachi und Maya, der Leichte Kreuzer Tama, zwei Hilfskreuzer und vier Zerstörer, auf US-amerikanischer Seite unter Konteradmiral McMorris der Schwere Kreuzer Salt Lake City, der Leichte Kreuzer Richmond sowie vier Zerstörern zum Einsatz. Trotz der japanischen materiellen Überlegenheit, gelang es Hosogaya nicht den Transport zu den Aleuten durchzubringen, lediglich Salt Lake City und der Zerstörer Bailey wurden schwer beschädigt. Das japanische Flaggschiff Nachi wurde ebenfalls beschädigt, Abukuma blieb unbeschädigt – wohl auch deshalb, weil wegen der großen Entfernung die Hauptlast des Schlacht auf die Schweren Kreuzer fiel.

Abukuma blieb auch weiter im Nordpazifik im Einsatz. Von April bis Mai 1943 wurde sie in Maizuru nachgerüstet, dabei wurde auch No. 21-Radar montiert. Im Juli 1943 evakuierte sie zusammen mit dem Leichten Kreuzer Kiso die Garnison von Kiska, wobei es auf der Hinfahrt zu einer Kollision mit dem Geleitschiff Kunashiri kam. Abukuma wurde aber nicht wesentlich beschädigt. Bis Oktober 1943 blieb sie im Nordpazifik, danach erfolgte eine Modernisierung in Yokosuka, bei der u.a. ihr 14 cm-Geschütz Nr. 7 gegen eine 12,7 cm-Zwillingsflak ausgetauscht, das Katapult entfernt und die sonstige Flak stark verstärkt wurde. Nach einer weiteren Phase im Nordpazifik erhielt sie im Juni 1944 in Yokosuka weitere Flak und No. 22-Radarantennen.

Nach dieser letzten Modernisierung sollte sie im Rahmen der Operation „SHO 1 GO“ die US-amerikanischen Flotte vor den Philippinen angreifen. Zusammen mit den Schweren Kreuzern Ashigara und Nachi und vier Zerstörern griff sie am 25.10.1944 durch die Surigao-Straße an. Dort wurde sie von einem Torpedo des Schnellboots PT-137 getroffen und musste sich zurückziehen. Nach ersten Reparaturen in Dapitan wurde sie bei dem Versuch sich weiter zurückziehen in der Sulu-See vor der Insel Negros durch US-amerikanischen B-24 Bomber durch drei Bombentreffer versenkt.

Bausatz

Tamiya hat bereits 1994 mehrere Bausätze von Schwesterschiffen der Abukuma herausgebracht: Nagara (Bauzustand 1944), Isuzu (als Flakkreuzer), Natori (1934) und Kinu (ca. 1941). Die Spannbreite reicht von den ersten Modernisierungen der Klasse (Ausrüstung mit Katapult, Entfernung der Startplattform vor der Brücke, verbesserte Flaks) bis hin zu den späten Umbauten. Umso bemerkenswerter ist es, dass der Bausatz der Abukuma nicht einfach eine weitere Version der schon erhältlichen Bausätze ist, sondern eine Neukonstruktion.

Der Bausatz stellt die Abukuma in dem Aurüstungszustand während des Angriffs auf Pearl Harbor dar.

Ein Merkmal dafür, dass dies eine neue Form ist, ist der Rumpf:

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Der Rumpf besteht nicht mehr aus einem Teil (plus der Wasserlinienplatte), sondern ist in Rumpfseiten und Decks aufgeteilt. Dadurch sind die Rumpfseiten wesentlich detaillierter, ein Beispiel ist das Entmagnetisierungskabel um den Rumpf. Der Rumpf beinhaltet auch nicht mehr die Option, den vorderen Torpedokuhl offen zu bauen, so dass es hier auch keine Spachtelarbeiten mehr anfallen. Der Bereich um die Torpedovierlinge ist wesentlich detaillierter als bei den älteren Bausätzen der Nagara-Klasse ausgeführt. Allerdings ist der Rumpf etwas (nicht ganz 2 mm) zu kurz und die Abstützungen des Backdecks achtern an backbord neben dem Katapult ist nicht dargestellt. Bei letzterer, die man gut auf dem Deckelbild erkennen kann, muss man entweder auf entsprechende Ätzteile warten und diese mittels gezogenen Gussästen selbst bauen.

Der nächste Spritzling enthält die Teile für die Aufbauten, Masten und Schornsteine:

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Auch hier sind die Teile schön detailliert. Lediglich die Brüstung um die Brücke und andere Plattformen sind etwas dick und niedrig. Der Schornsteingrill ist für ein Spritzgussteil gut, kann aber sicher noch verbessert werden. Das Katapult und den Flugzeugkran kann man mittels Ätzteilen besser darstellen.

Der Spritzling, der Waffen, Davits und diverse andere Details enthält, liegt zwei Mal bei:

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Erneut sind die Teile gut detailliert, hervorzuheben sind die neuen 14 cm-Geschütze. Bei dem 1,3 cm-Vierling kommt man bei jedem Material in diesem Maßstab an die Grenzen des Machbaren, weshalb auch hier die Rohre recht dick ausfallen. Nach den Photos zu urteilen, fehlt bei den 61 cm-Torpedorohren der Splitterschutz für die Bedienung. Ein paar Teile werden hier nicht benötigt.

Auch dieser Bausatz enthält den üblichen Spritzling mit Booten, Flugzeugen, Flaks und anderen Details:

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Hier werden nur zwei 2,5 cm-Zwillinge, die Kawanishi E7K2 Typ 94 Alf und mehrere Beiboote gebraucht, der Rest bleibt für andere Projekte übrig. Die 2,5 cm-Zwillinge fallen recht groß aus, treffen aber das Aussehen des Vorbilds recht gut. Das Bordflugzeug könnte man durch Verstrebungen aufbessern.

Die Flaggen sind hier auf sehr dünnes Papier gedruckt:

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Dazu findet man noch Abziehbilder für das Bordflugzeuge:

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Andere Varianten als den Zustand während des Angriffs auf Pearl Harbor sieht Tamiya nicht vor. Der Umbau in den Zustand von Anfang 1943, Ende 1943 oder Ende 1944 ist auf der Basis der angegeben Literatur schon fast alleine mit den beiliegenden Teilen machbar. Lediglich der Splitterschutz für den 12,7 cm-Zwilling (die letzten beiden genannten Versionen), die No 21. Radarantenne (ab Mai 1943) und 1,3 cm-Zwillings- und Einzellafetten (ab Ende 1943) müssen ergänzt werden. Ein Umbau in den Zustand vor 1941 ist schwieriger, da der vordere Torpedokuhl in den Rumpf geschnitzt werden müsste. Da empfiehlt sich dann wohl eher der Umbau aus den Tamiya-Bausätzen der Natori oder Kinu, wobei dann der ab 1932 vorhandene S-förmige Bug selbst modelliert werden muss. Für einen ursprünglichen Zustand mit Startplattform vor der Brücke wären selbst bei dem Bausatz der Natori Umbauten bei der Brücke, den achteren Aufbauten und der Masten nötig. Ein Umbau des hier beschriebenen Bausatzes in eines der Schwesterschiffe ist nicht empfehlenswert, da nicht nur der Bug neu modelliert werden müsste, sondern auch – je nach Bauzustand – diverse weitere Umbauten nötig sind. Beides ist bei den anderen Tamiya-Bausätzen der Klasse nicht notwendig.

Anleitung

Die Anleitung ist sehr übersichtlich und beschreibt den Zusammenbau in fünf Schritten:

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Dazu findet man auf Japanisch und Englisch Angaben über das Vorbild und eine Bemalanleitung. Das Farbschema entspricht dem Zustand während des Angriffs auf Pearl Harbor. Photos, welche die Abukuma am 7.12.1941 zeigen, bestätigen dies (in „Japanese Cruiser of the Pacific War“ auf S. 417/418, in „Japanese Light Cruisers of World War II in action“ auf S. 32). Leider bietet Tamiya nicht die Möglichkeit, die Abukuma in einem späteren Zustand zu bauen. So war im Juli 1943 der mittlere Schornstein weiß gestrichen (Photo in „Japanese Cruiser of the Pacific War“, S. 421), eventuell hatte sie sogar ein ähnliches Tarnschema mit größeren weißen Bereichen wie Tama und Kiso. Für den Zustand im Juli 1943 müssten das 14 cm-Geschütz Nr. 5 entfernt, zwei 2,5 cm-Drillinge über den Torpedorohren montiert, der 1,3 cm-Vierling vor der Brücke durch einen Zwilling ersetzt und eine No. 21-Radarantenne auf dem Fockmast aufgestellt werden.

Quellen

Fazit

Der Bausatz der Abukuma ist eine Neuentwicklung. Die Detaillierung ist gegenüber den älteren Bausätzen von Tamiya der Nagara-Klasse noch mal verbessert worden. Die noch älteren Bausätze der Nagara-Klasse von Fujimi sollte man nicht in Betracht ziehen, da sie qualitativ im Vergleich zu diesem und den anderen Bausätze dieser Klasse von Tamiya doch deutlich schlechter sind. Negativ fallen bei dem neuen Bausatz der Abukuma nur wenige Details, wie der fehlende Splitterschutz an den 61 cm-Torpedorohren und die zu dicken und zu niedrigen Brüstungen der Brücke, auf. Insgesamt ist der Bausatz

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Lars
Wir danken der Firma Dickie-Tamiya für das Muster