Modellsuche

Suchen

GTranslate

English French Italian Japanese Russian Spanish Swedish

Admiralty Model Works: Zerstörer der Hamburg-Klasse 1/700 Drucken
Samstag, 11. August 2007 um 11:56

Admiralty Model Works: Zerstörer der Hamburg-Klasse 1/700

Modelle:
Hamburg D 181; Schleswig-Holstein D 182 : Hamburg - Klasse (Zerstörer 101 sowie 101A)
Hersteller:
Admirality Model Works
Maßstab: 1/ 700
Material: Resin, Ätzteilsatz
Art.Nr.: 700/001 (101) sowie 700/002 (101A)
Preis: € 72,70 (ohne Versand - beziehbar über NNT); oder € 86,95 (L'Arsenal, incl Versand in EU).

Die Vorbilder

Im Zuge der "Wiederbewaffnung" und Eingliederung in die Nato bekam die BRD 1958 sechs Fletcher–Zerstörer "geliehen", um die Besatzungen für die neue Bundesmarine einfahren zu können. Die erste größere deutsche Eigenkonstruktion nach dem 2. Weltkrieg war das Schulschiff Deutschland, doch zeitgleich zu ihrer Planung kam es zur Bestellung der neuen Zerstörer für die Bundesmarine ("Zerstörer 55"), während deren vierjähriger Planungsphase eine Sondergenehmigung zur Überschreitung der Tonnagebeschränkung (max. 2500 ts) für Nachkriegs-Neubauten eingeholt werden musste.

Hamburg D 181 als Typschiff lief am 26.3. 1960 vom Stapel und wurde (nach Verzögerungen durch Unfälle in der Ausrüstung) am 12.2.1964 nach See-Erprobungen abgenommen und am 23.3.1964 in Dienst gestellt. Ihr folgte Schleswig-Holstein D 182 mit Stapellauf/Indienststellung am 20.8.1960/12.10.1964 nach; am 22.4.1965 war dann die offizielle Indienststellungs-Musterung beider Einheiten als 2.Zerstörergeschwader (Heimathafen Wilhelmshaven). Bayern D 183 (6.7.1965 in Dienst) sowie Hessen D 184 (10.6.1968) komplettierten dieses Geschwader der - wegen ihrer hoch ragenden Aufbauten - so genannten "Hochhäuser".

Zur fast drei Jahrzehnte umfassenden Geschichte dieser beiden nun neu von Admiralty Model Works herausgebrachten Modellvorbilder, D 181 im Bauzustand von 1965 sowie D 182 im Bauzustand 1985 möchte ich auf die entsprechenden Websites www.zerstoerer-hamburg.de und www.d182.de verweisen, eine Quelle für zahlreiche Informationen ist auch das Marine-Arsenal Heft 21, Die Zerstörer der Hamburg-Klasse.

Technische Daten der Vorbilder

L x B x T : 134 m x 13.4 m x 5.2 m
3340 ts Standardverdrängung, voll ausgerüstet 4330 ts.
2 WAHODAG Getriebeturbinen auf 2 Wellen, zusammen 60.000 wPs, 2 Schrauben (anfangs 3-, später 5-flüglig), 35 kn.
Knickspant im Vorschiff, kein Bugwulst, Spiegelheck.
Besatzung 20 Offiziere, 260 Uffz und Mannschaften.

Bewaffnung :
4 x 100 mm L/55 in METL 53 (nach Umbau: 3 x – Wegfall Turm Charlie zugunsten 2 Doppelstarter MM-38 EXOCET)
8 x 40 mm Flak in II-Lafette Mod 58 II /62 Breda (nach Umbau: 40 mm L/70 in IILaf Mod 64 MDL Breda)
5 x TR (3 Bug, 2 Heck über Wasser fix eingebaut) für Mk 37-0 (nach Umbau: Wegfall)
2 x 1 UTR für U-Jagd-Torpedo Mk 44-1 (nach Umbau: Wegfall, Ersatz durch 4 x 1 533mm UTR für TORO UJ 2)
8 x 375 mm Raketenwerfer Bofors in 4-er Gruppen (nach Umbau: zusätzlich 2 x 20-rohrige Düppelwerfer Typ Breda)
2 WaBo – Ablaufbühnen; Minengeleise.

Im Zuge der Umbauten 1974-77 auch neue Radarausrüstung (andere Anordnung bzw Wegfall des achteren Gittermasts), Schornsteinaufsätze, geschlossene Brücke mit verlängerten Nocken … nicht alle diese Änderungen wurden gleichzeitig, oder in der gleichen Reihenfolge gemacht).

Für die einzelnen darstellbaren Einheiten kommt der Modellbauer also nicht umhin, sich genauer an (eventuell selbstgeschossenen?) Fotos, exakten Daten oder Einsatzdokumentationen zu orientieren; doch ist eine Detaillierung von Hamburg, Schleswig-Holstein, Bayern und Hessen zu jeder Zeit ihrer Laufbahn ohne weiteres möglich.

Der Bausatz

Da es sich eigentlich um zwei Wasserlinien-Modelle handelt, bei denen nur einige der Resin-Balken sowie der Ätzteilsatz und die Decals gleich sind, möchte ich zuerst mal nur die Hamburg im Bauzustand 1965 näher zeigen.

Beim Öffnen der recht stabil und mehrfach verpackten Box (kein einziges verbogenes oder abgebrochenes Teil) sortiert der Inhalt, zum Größenvergleich auf Millimeter-Papier ausgelegt:

altalt

Die Dimensionen stimmen, was aber das Auge von vornherein fesselt, ist die Fülle an Details am aus einem Stück gegossenen Rumpf (spiegelplan in der WL!, keinerlei Luftblasen!):

altaltalt

(man beachte die Unterschnitte! – auch die "nicht sichtbaren Teile" sind realistisch abgeformt)

altaltalt

Manche Einzelheiten lassen sich nur aus verschiedensten Perspektiven und Nähen deutlicher beurteilen, z.B. die filigrane Qualität der angegossenen Rettungsinseln, die papierdünne Ausgestaltung des Splitterschutzes oder der Brückenreling, also fingiere ich mal bei einem Dryfit der Schornsteine und der 100 mm-Türme einen "Vorbeiflug" von Stb achtern über Heck nach Bbd vorne:

altaltalt
altaltaltalt

Die Steuerbord-Seite zeigt einen (allerdings erhabenen… also leicht wegzuarbeitenden!) Kratzer, der – ich nehme da mal was vorweg - nur auf dem Rumpfguß für D 181 sichtbar ist, nicht auf dem für D 182.
Dies, und eine ganz leicht zu "wulstige" Ausbildung der Minen-Schienen, sind aber auch die einzigen Haare, die ich beim Rumpf in der Suppe finden kann.

alt

Kleinteile:

Die 100 mm Türme und ihre Rohre sind als Resinguss ausgebildet und gleichen ihren Vorbildern maßstabsgerecht:

altaltalt

…kein Wunder, wenn man sieht, mit welcher Detailtreue Pavel Vacata, der Schöpfer dieses Modells, bei seinem 3-D-Formenbau werkt.

Ähnliches gilt auch für die 40 mm-Flak:

altalt

altalt

Bevor ich nun auf die für beide Bausätze identen Ätzplatinen und Decal-Sheets näher eingehe, möchte ich den – ebenfalls aus einem Stück mit den Aufbauten - gegossenen Rumpf von Schleswig-Holstein D 182 (1985) vorstellen. Selbstverständlich ist er von selber Feinheit wie der von D 181, hier mal zum Vergleich die wichtigsten Unterschiede:

altalt
altaltalt

Eine weitere Differenz zwischen früherer und später Bauausführung zeigen die Schornsteine (links jeweils nach dem Umbau)

altalt

Zu einer eventuellen Unstimmigkeit für den ersten Bauzustand von Hamburg später dann noch mehr…

Vorerst noch die weiteren, im Bausatz S-H anderen Teile (offen D181, noch in der Plastiktüte D182):

alt

…sowie auch hier die enorme Detaillierung der Breda-Flak und ihrer – diesmal als Extra-Teil - Rohre:

altalt
altalt

Hier nun die Exocet-Behälter und ihre Stützbühnen:

altaltalt

…interessantes Detail: die Stützbühnen können alternativ aus dem PE-Satz gefaltet werden, um noch mehr an Feinheiten darzustellen. Ja, dies leitet nun über zum Ätzteil-Satz aus stabilem feinen Stahlblech, hier mal als Ganzes:

alt

…und noch Ausschnitte der Richtbügel für die 58-er Breda, Radarantennen (vom Feinsten!!! Die traut man sich ja nicht mal zu sprayen…), Masten und Kabelrollen.

altaltalt
alt

Einziger Wermutstropfen: die Anker sind nur 2 mal enthalten, so dass man sich für die frühere Version (noch mit Heckanker) von 1965 wohl aus der Grabbelkiste bedienen muß – oder die kleinen Biestchen scratchen (aber flach schaun’se ja sowieso nix gleich – ebenso wie die Ketten, bei denen ich persönlich jedem PE die feinen Ketten aus dem Modelleisenbahn-Bedarf vorziehe! – meine eigene Ansicht dazu, mag jeder halten wie er will). Relings muß man sich –wie üblich bei Kleinserienherstellern - bei WEM, Tom’s u.ä. besorgen – aber wer in 1/ 700 baut, hat dergl. sowieso in seiner Grabbelkiste!

Decals und Bauanleitung

alt

Ohne Versatz, sauber gedruckt, superdünn – für alle Einheiten zu jeder Periode verwendbar …halt! Eine Ausnahme! Das Hamburg-Wappen stimmt farblich nicht, Göttin Hammonia bevorzugt silberne Mauerkrone auf Rot, und nicht schlichtes S/W. Da muß nachgebessert werden (hab auch Pavel diesbezüglich gleich angemailt … der Fehler lag bei ner vergeigten Druckvorstufe seines Zulieferers. Wird geändert, sagt er).

Beide Anleitungen unterscheiden sich in Bezug auf die differierenden Aufbauten etc, je nach Bauzustand, und geben (siehe hier im Vergleich) eingangs auch einen Seiten- und Decksplan (in 1/ 700, erfreulicherweise!).

alt

Hier – und auch im weiteren Verlauf der Anleitung für D 181 – werden die korrekten Schornsteinkappen für die erste Bauausführung gezeigt. Wie oben schon angedeutet, sind die tatsächlich der 1965er-Version des Modells beigelegten Teile jedoch in diesem Punkt nicht ganz korrekt. Allerdings vermute ich, dass es für einen versierten Modellbauer ein Kleines ist, mit ein wenig Schleiferei und chirurgischem Geschick die geraden Aufsätze der allerersten Jahre herzustellen.

altaltalt

Die Bauanleitung selbst (hier für D 181) ist angenehm übersichtlich, klar durchdacht und unterscheidet sich sehr positiv von den üblich-hingeschluderten Explosionszeichnungen, die Modellbau zu einer Art von "was-wollte-der-Dichter-uns-damit-denn-wohl-sagen?"–Rätselralley machen können.

Allerdings auch hier – Vorsicht! Man soll vier UTR einbauen (Schritt 3) – das ist für den ersten Bauzustand nicht korrekt (der Risse hingegen sind korrekt - ??? – da war wohl der Aufgaben-Teilungs-Teufel aktiv!).

Schönes Detail am Rande: bei den Bemalungshinweisen gibt Admirality Model Works nicht nur einfach einen Grauton an, sondern klebt auch ein Fleckchen in dieser Farbe gespraytes Papier mit in die Anleitung:

alt

Daß die WEM-Farben auf Papier wesentlich dunkler erscheinen als auf grundiertem Resin – was soll’s. Da zählt die Absicht, und ich hoffe, Pavel kommt meiner Idee, einfach gesprayte Plastik-Etiketten einzukleben, nach.

Zusammenfassung

Pavel Vacata hat mit AMW 700/001 und /002 seinen wundervoll detaillierten Erstling für die Bundesmarine-Schiffe geschaffen, der so leicht nicht bald getoppt werden kann.

alt

Vorteile:

  • exakt detailliert
  • blasenfreier Guss
  • feinstes PE
  • auch für den Anfänger gut verständliche Bauanleitung

Bonus: dem Hersteller liegt offenbar was dran, daß das Modell bestens gelingt……und der "Modell-Liebhaber" kann je nach Ausgangsbausatz jeglichen Bauzustand der Hamburgs über fast 30 Jahre hin mit nur geringen Änderungen realisieren.

Nachteile:

  • nix für Leute mit Wurstfingern (obwohl, das gehört eher noch in die "Vorteile"!)
  • D 181-Wappen noch nicht korrekt (wird korrigiert, also forget about it)
  • Schornsteinkappen für die früheste Version nicht korrekt (nimm nen Sägeblatt und Schleifpapier, erledigt!)

Fazit:

Eine rundum gelungene Repräsentation einer interessanten Schiffklasse! Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, Details "a Wahnsinn!", Hilfestellung der Bauanleitung sehr gut. Für den Resin-Neuling (oder eventuell ehemalige Besatzungsmitglieder?):

alt Uneingeschränkt empfehlenswert


Harold Winkel