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Japanische Geschützte Kreuzer Itsukushima: Vergleich Modelkrak und Seals Models (1/700) Drucken
Sonntag, 25. Februar 2007 um 21:54
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Modell: Japanese Cruiser “Itsukushima”
Hersteller: Modelkrak
Maßstab: 1/700
Art. Nr.: Mks-J 017
Material: Resin
Preis: ca. 18 - 27 Euro

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Modell: Cruiser Hashidate & Itsukushima
Hersteller: Seals Models (Interallied)
Maßstab: 1/700
Art. Nr.: INTSMP-03
Material: Polystyrol (Spritzguss)
Preis: ca. 23 - 45 Euro

Original

Die Itsukushima war eines der drei Schiffe der Matsushima-Klasse. Diese Klasse war der Versuch der japanischen Marine mit begrenzten Mittel eine Antwort auf die chinesischen Schlachtschiffe Ting Yuen und Chen Yuen, die stärksten Schlachtschiffe im Fernen Osten, zu erhalten. Da der Bau und Unterhalt eigener Schlachtschiffe noch nicht möglich war, setzte man auf ein relativ kleines Schiff, das dafür eine Kanone erhalten sollte, mit der die Panzerung der chinesischen Schlachtschiffe durchschlagen werden konnte. Der französische Konstrukteur Emil Bertin entwarf für die japanische Marine einen Geschützen Kreuzer, also ein Kreuzer, der lediglich durch ein 5,1 cm dickes Panzerdeck geschützt war, der aber mit einem der stärksten damals erhältlichen Geschütze, ein 32 cm-Geschütz von Canet, ausgestattet wurde. Einen krasseren Gegensatz zwischen Feuerkraft und Panzerung kann man sich wohl kaum vorstellen.

Matsushima erhielt dieses Geschütz achtern, Itsukushima und Hashidate vorne. Die Sekundärbewaffnung, 12 cm-Geschütze, waren entsprechend am jeweils anderen Ende des Schiffes aufgestellt. Diese Schiffe wurden anfangs als Küstenschutzkreuzer (Kaibojunyokan) klassifiziert.

Das Konzept war ein Fehlschlag, da die Feuergeschwindigkeit des 32 cm-Geschützes sehr gering war – ein Schuss in fünf Minuten. Die Richthydraulik war anfällig und dazu war das Zielen schwierig, da das Geschütz, wenn es querab geschwenkt war, wegen seines Gewichts eine Schlagseite des Schiffes verursachte. Die drei Schiffe der Matsushima-Klasse verschossen während der vierstündigen Schlacht von Yalu mir ihren drei 32-Geschützen zusammen nur 13 Granaten und erzielten keinen Treffer, während die beiden chinesischen Schlachtschiffe in der gleichen Zeit mit acht 30,5 cm Geschützen 197 Schuss abfeuerten.

Itsukushima war 99 m über alles lang und 15,39 m breit. Bei einer Verdrängung von 4278 ts war der Tiefgang 6,74 m. Mit ihren 5830 PS starken horizontalen Dreifach-Expansions-Dampfmaschinen war sie 16,54 Knoten (langsam) schnell.

Bewaffnung 1891
1 x 32 cm L/38 Canet
11 x 12 cm L/40 Armstrong-Schnellfeuergeschütze
5 x 4,7 cm Hotchkiss-Schnellfeuergeschütze
12 x 3,7 cm Hotchkiss-Schnellfeuergeschütze
4 x 35,6 cm Krupp-Torpedorohre

Itsukushima wurde von 1888-91 bei Forges et Chantiers de la Mediterranée in La Seyne (Frankreich) gebaut. Zusammen mit ihren Schwesterschiffen war Itsukushima an der Schlacht von Yalu 17.9.1895 im Chinesisch-Japanischen Krieg beteiligt. Die japanische Flotte konnte zwar einen entscheidenden Sieg erzielen, Itsukushima und ihre Schwesterschiffe waren aber unfähig die chinesischen Schlachtschiffe, zu deren Bekämpfung sie konstruiert waren, zu versenken, so dass diese entkommen konnten. Itsukushima war darauf an der Belagerung der restlichen chinesischen Flotte in Weihaiwei beteiligt, deren Ergebnis die Vernichtung der chinesischen Flotte war. Nach dem Krieg wurde Itsukushima am 21.3.1898 zum Kreuzer 2. Klasse umklassifiziert und als Trainingsschiff eingesetzt. 1900 wurde Itsukushima im Rahmen der Intervention der Großmächte in China (gegen den Boxer-Aufstand) eingesetzt. 1902 wurde sie umgebaut und erhielt neue Kessel. Im Russisch-Japanischen Krieg war Itsukushima an den Angriffen gegen Port Arthur, der Schlacht im Gelben Meer (10.8.1904), der Schlacht bei Tsushima (27./28.5.1905) und Operationen gegen Sachalin beteiligt, aber in erster Linie für Geleitdienst und unterstützende Aufgaben eingesetzt. Nach dem Krieg wurde sie erneut als Trainingsschiff eingesetzt und am 28.8.1912 zu Küstenverteidigungsschiffen 2. Klasse umklassifiziert. Itsukushima wurde am 1.4.1919 von der aktiven Liste gestrichen und danach als Tender für U-Boote eingesetzt. 1920-24 diente sie als schwimmende Schule für die U-Boot-Flotte. Nach der Streichung am 12.3.1926 wurde sie in Kure abgewrackt. Dafür, dass der Entwurf ein Fehlschlag war, hatte Itsukushima eine vergleichsweise lange und ereignisreiche Einsatzzeit.

Die Bausätze

Von der Matsushima-Klasse gibt es im Maßstab 1/700 Modelle von zwei Herstellern: Modelkrak und Seals Models (Interallied). Modelkrak bietet einen Resinbausatz der Itsukushima an, der den Zustand zum Zeitpunkt der Schlacht von Yalu (1895) darstellt.

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Seals Models hat einerseits einen Spritzgussbausatz im Programm, der genügend Teile für zwei Modelle enthält, so dass man sowohl Itsukushima als auch Hashidate bauen kann – also die beiden Schiffe, die das 32 cm-Geschütz vorne hatten. Andererseits gibt es einen weiteren Bausatz, der die gleichen Spritzlinge enthält, aber auch zusätzlich Resin-Teile, insbesondere den vollkommen anders gestalteten Rumpf der Matsushima, die das 32 cm-Geschütz achtern hatte. Aus diesem Bausatz ist ebenfalls der Bau von zwei Modellen möglich: der Bau der Matsushima und der Itsukushima bzw. der Hashidate (und diverse Teile, u.a. ein kompletter Spritzguss-Rumpf, bleiben übrig).

Hier wird nur der Spritzgussbausatz der Itsukushima und Hashidate von Seals Models vorgestellt, der den Zustand während des Russisch-Japanischen Kriegs (1904/05) darstellt. Der Bausatz enthält zwei Spritzlinge mit den für diesen Bausatz spezifischen Teilen sowie zwei der Waffensets von Seals Models, wobei Teile übrig bleiben. Dazu gibt es Flaggen.

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Wenn man die Bausätze nebeneinander hält, fällt sofort auf, dass deren Rümpfe sich in Bezug auf die Abmessungen und auch bei vielen anderen Details unterscheiden.

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Der Rumpf von Modelkrak ist fast acht Millimeter zu kurz und einen Millimeter zu schmal. Achtern ist er auch etwas zu hoch, während das Oberdeck von der Form und der Breite mittschiffs nicht stimmt. Der Rumpf von Seals Models stimmt mit den mir vorliegenden Zeichnungen weitgehend überein. Lediglich die Höhe ist geringer, er liegt tiefer im Wasser. Eventuell stellt Seals Models den voll beladenen Zustand dar. Bei beiden Modellen ist allerdings die Form des Bugs und Hecks nicht ganz richtig. Da Heck steht beim Original mehr über, während der Bug eine leichte Sichelform hat.

Auch bei Details kann der Seals Models-Bausatz mehr überzeugen.

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Die (rechteckigen) Bullaugen und andere Details am Rumpf sind bei Seals Models feiner. Dazu ist die Form der Barbette bei Modelkrak zu eckig. Der Aufbau unter der Brücke geht bei Modelkrak über den ganze Schiffsbreite, während es tatsächlich seitliche Durchgänge gab. Modelkrak scheinen hier keine guten Deckspläne zur Verfügung gestanden zu haben, was sich ja auch schon bei der falschen Form des Aufbautendecks (die Verbindungsstücke über den Schwalbennestern im Gegensatz zur Anleitung nicht montieren!) und der Form des Oberdecks zeigt. Verbunden mit der falschen Form des Oberdecks ist eine falsche Form der Rumpfseiten bei Modelkrak. Auf dem rechten Photo kann man erkennen, dass der Rumpf bei Seals Models, wie beim Original, viel stärker eingezogen ist (tumblehome) und das Deck somit auch mittschiffs schmaler ist. Hier wird die typische französische Rumpfform deutlich, die auf ihren Konstrukteur Emil Bertin zurückgeht.

Man kann auf diesen beiden Photos auch Unterschiede zwischen Itsukushima und Hashidate bzw. Unterschiede zwischen dem Zustand im Chinesisch-Japanischen Krieg und Russisch-Japanischen Krieg sehen. Bei Modelkrak sind auf beiden Seiten jeweils fünf Stückpforten für die 12 cm-Schnellfeuergeschütze auf dem Hauptdeck vorhanden, während es bei Seals Models nur jeweils drei sind. Wahrscheinlich bei dem Umbau 1902 (1901 bei Hashidate), bei dem die Kessel ausgetauscht wurden, wurden auch vier 12 cm-Geschütze vom Hauptdeck in Schwalbennester auf dem Oberdeck versetzt. Die zweite und vierte Stückpforte auf dem Hauptdeck wurde entfernt, 12 cm-Geschütze befanden sich ab diesem Zeitpunkt in dem vorderen und achteren Schwalbennest auf dem Oberdeck.
Neben der geänderten Aufstellung der 12 cm-Geschütze wurden bei dem Umbau auch die Spieren für die Torpedoschutznetze entfernt (bei Modelkrak fehlt die jeweils vorderste) und die Abstützungen des Dreibeinmasts sowie die Mastkörbe entfernt. Bei Modelkrak findet man den ursprünglichen Mast, wobei man sich die Mastbeine, Spieren und Rahe selbst herstellen muss und dafür aber keine Maßangaben vorfindet. Man soll sich wohl mit der Zeichnung in der Anleitung selbst helfen. Bei Seals Models findet man den Mast ohne Dreibeinmast-Abstützungen und Mastkörbe, aber dafür liegen alle Teile bei. Die Rahe könnte man durch dünnere selbst hergestellte Teile ersetzen. Wahrscheinlich gab es bei dem Umbau auch Veränderungen bei den leichten Torpedoabwehrgeschützen. Nach dem Umbau scheint das Geschütz in dem Schwalbennest auf dem Oberdeck zwischen den 12 cm-Geschützen ein 5,7 cm-Geschütz gewesen zu sein, wahrscheinlich standen zwei weitere achtern auf der Hütte. Mir liegen dazu aber keine genaueren Angaben vor.

Itsukushima und Hashidate konnte man an der Form der Stückpforten für die 12 cm-Geschütze und an der Aufstellung der Torpedoabwehrgeschütze unterscheiden. Itsukushima hatte einfache Stückpforten, deren Deckel zweigeteilt waren und über und unter der Stückpforte befestigt waren. Bei Seals Models sind diese am Rumpf leider falsch dargestellt, da sie beim Original eine größere Höhe als Breite hatten. Die Deckel fehlen bei Seals Models. Hashidate dagegen hatte dagegen leicht vorspringende Schwalbennester auf dem Hauptdeck und die zweigeteilten Deckel waren seitlich von der Stückpforte befestigt. Die Darstellung bei Modelkrak entspricht hier der Hashidate, d.h. Modelkrak stellt tatsächlich diese und nicht Itsukushima dar! Die Darstellung von Modelkrak ist hier auch besser, als die Teile 21, 31 und 39 von Seals Models, bei letzteren fehlen auch erneut die Deckel. Hashidate hatte auf dem Hauptdeck vorne hinter den Ankern auf jeder Seite eine Öffnung für ein leichtes Torpedoabwehrgeschütz. Bei Itsukushima stand dieses dagegen auf der Hütte auf der Position, auf der bei Hashidate zwei zusätzliche Beiboote in Davits vorhanden waren. Modelkrak stellt diese Öffnung hinter den Ankern dar, allerdings auch Geschütze statt der Beiboote auf der Hütte. Die Öffnung ist hier von der Form her bei Seals Models besser wiedergeben. Mir ist aber schleierhaft, wie man die Rückwand darstellen soll. Bei der Itsukushima soll man diese Öffnung mit den Teilen 29 und 30 verschließen. Hier wird man wahrscheinlich aber Spachteln müssen und dabei sehr darauf zu achten haben, dass man die umgebenden Details nicht beschädigt.

Die 32 cm-Geschütze beider Bausätze entsprechen nicht den Originalabmessungen. Hier ein Vergleich der Bausatzteile mit einem Messingrohr von Burkhardt Masch Kleinserien, das anhand von Originalzeichnungen hergestellt wurde (Sonderanderfertigung für den Autor).

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Das Rohr von Modelkrak ist zu dünn und zu kurz, während dies von Seals Models zu dick und nicht konisch ist. Die zu große Länge des Seals Models-Rohrs ist wahrscheinlich eingebaut nicht mehr sichtbar, aber es empfiehlt sich auf jeden Fall der Ersatz des Bausatzteils.

Die leichten Geschütze wird man beim Modelkrak-Bausatz neu herstellen müssen, da die beiliegenden Blöcke ("Schutzschilde") wohl kaum brauchbar sind. Das Schutzschild für das 12 cm-Geschütz achtern auf dem Oberdeck ist auch zu klein – Rohre fehlen sowohl für die 12 cm-Geschütze, als auch die leichten Torpedoabwehrgeschütze. Diese Geschütze sind auch von Seals Models subobtimal dargestellt, da die Schutzschilde Blöcke ohne Öffnung hinten sind. Auf jeden Fall empfiehlt sich das Studium von Originalphotos des Bauzustands, den man darstellen will, wenn es um die Positionen und den Typ der Torpedoabwehrgeschütze geht.

Der Seals Models-Bausatz enthält zudem diverse Teile, wie Scheinwerfer, die man für den Modelkrak-Bausatz selbst herstellen müsste.

Anleitung

Die Anleitung des Modelkrak-Bausatzes ist typisch für diesen Hersteller. Sie besteht lediglich aus einer vagen Explosionszeichnung, einer Aufsicht und Seitenansicht sowie polnisch-sprachigen Farbangaben.

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Die Anleitung von Seals Models ist vergleichsweise detailliert:

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Neben einer Teileliste findet man eine Explosionszeichnung und Zeichnungen für einzelne Bauabschnitte. Auch auf die Unterschiede zwischen Itsukushima und Hashidate wird eingegangen und es gibt genaue Farbangaben. Allerdings ist die Anleitung ausschließlich japanisch! Die, die wie ich nicht Japanisch lesen können, können sich mit der farbigen Darstellung auf der Rückseite der Schachtel helfen, die die Unterschiede zeigt. Links ist Hashidate und rechts Itsukushima abgebildet. Die Schiffe waren anfangs in einem typischen Tropenanstrich gestrichen, später in einem sehr hellen Grau, während ab dem Russisch-Japanischen Krieg ein viel dunkleres Grau verwendet wurde.

Quellen

  • Sankeikan: Japan’s coast defence ships of the Matsushima class von Jiro Itani, Hans Lengerer und Tomoko Rehm-Takara in Warship 1990
  • Kreisera Typa Matsushima von A.A. Below, BKM-Serie
  • Conway’s All the World Fighting Ships 1860-1905 von Robert Gardiner (Herausgeber), London, 1979

Fazit

Der Vergleich der beiden Bausätze spricht klar für Seals Models. Deren Bausatz ist nicht nur detaillierter und enthält zwei Modelle, sondern die Form dieser außergewöhnlichen Klasse ist auch richtig wiedergegeben. Der Bausatz von Modelkrak enthält im Gegensatz zu der Angabe auf der Schachtel Hashidate. Wie immer wäre viel Eigeninitiative nötig, um aus einem Modelkrak-Bausatz ein gutes Modell bauen zu können. In diesem Fall lohnt sich diese aber nicht, da Modelkrak den Rumpf falsch wiedergibt und dieser Fehler ist nur durch einen kompletten Neubau des Rumpfes korrigierbar. Aber auch bei dem Seals Models-Bausatz wird man bessere Teile für die Geschütze brauchen, hat aber die Grundlage für eine originalgetreue Wiedergabe eines der absurdesten Kriegsschiffe des späten 19. Jahrhunderts.

Lars