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Deutsches Schlachtschiff SMS Bayern (1/350, Kombrig) von Thomas Sperling Drucken
Dienstag, 04. April 2017 um 05:00

Das Original

Über die Geschichte der SMS Bayern hat Wolfgang bei der Vorstellung des Modellbausatzes bereits ausführlich geschrieben. Ich möchte hier noch etwas über die Hebung des Wracks berichten. Nach der Versenkung lag die ca. 29.000 t schwere SMS Bayern kieloben und mit 9° Schlagseite in 37 m Tiefe. Bis auf den Geschützturm „Anton“ waren alle Türme in den Schlamm von Scapa Flow eingedrückt. 1934 sollte das Wrack gehoben und der wertvolle Stahlschrott verkauft werden.

Unter größten Mühen und Gefahren (schlechte Sicht, explosive Methangas-Konzentrationen) dichteten Taucher den Rumpf ab und führten über sieben, bis 27 m hohe und 20 t schwere, schornsteinartige Luftschleusen Pressluft zu. Aufgrund eines Leitungsbruches gelangte am 18. Juli zu viel Luft in das Schiff, sodass es überraschend und vorzeitig mit dem Bug an die Oberfläche trieb, gleich darauf aber wieder versank. Endgültig gehoben wurde die Bayern am 1. September – binnen 30 Sek. schoss sie geradezu aus dem Wasser. Die Bayern wurde zunächst nach Lyness geschleppt. Vom 26. bis zum 30.April 1935 brachten die Schlepper Zwarte Zee, Witte Zee und Ganges das Schiff nach Rosyth, wo am 5. Juni mit den Abwrackarbeiten begonnen wurde.

Nach der Bergung taucht die Schiffglocke der Bayern in den USA auf. Von dort konnte sie mit Unterstützung der in Washington befindlichen Dienststellen der Bundeswehr wieder nach Deutschland zurückgeführt werden. Heute befindet sich die Schiffsglocke im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt.

Das Modell

Die SMS Bayern ist bereits der sechste Bausatz von Kombrig im Maßstab 1/350, den ich gebaut habe. Die üblichen Mängel der Bausätze von Kombrig sind mir hinreichend bekannt. Ich habe mich schon oft genug damit rumgeschlagen. Die Bayern wollte ich aber trotzdem gerne haben und auch bauen.

Wie bei Kombrig so üblich sind die großen Modelle hohl gegossen. Das erschwert, das Modell ordentlich auf einer Helling zu befestigen. Deshalb habe ich den hohlen Rumpf mit Resin ausgegossen und dann von unten für eine Befestigung Gewinde in den Rumpf geschnitten. So kann ich auch hinterher das Modell besser in einer Vitrine befestigen.

Ein erster Trockenzusammenbau zeigte keine Probleme. Aber ein Blick auf die Bauanleitung genügte, um zu erkennen, dass doch noch umfangreiche Recherchen für den Bau nötig waren.

Die Bauanleitung ist eigentlich ein schlechter Witz - absolut mangelhaft!!! Wie bei Kombrig üblich ist sie nur eine Explosionszeichnung. Oft kann man man nicht erkennen, welches Bauteil wohin kommt, manche Bauteile sind gar nicht eingezeichnet oder es sind Teile eingezeichnet, die im Bausatz nicht vorhanden sind. Teile, die man selbst anfertigen soll, sind z.T. ohne Maße und ohne Bezeichnung. Die Seitenansicht, eine sehr schlechte Kopie in einem undefinierbaren Maßstab (1/650 ?). Details sind nicht zu erkennen. Also viel schlechter geht eine Bauanleitung wirklich nicht.

Ich habe mich dann hauptsächlich an das Buch von Koop/Schmolke: Vom Original zum Modell, die Linienschiffe der Bayern-Klasse gehalten. In dem Buch sind gute Zeichnungen und einige Fotos der Bayern und Fotos eines Modells der Baden zusehen.

Beim weiteren Zusammenbau stellte sich dann heraus, dass die Passgenauigkeit einiger Teile nicht gut war. Decks hatten einen Versprung, die Schornsteine waren schief und dazu auch noch unterschiedlich hoch. So etwas kannte ich von Kombrig-Bausätzen bis jetzt noch nicht.

Die kleine Ätzteilplatine war leider zum Teil unbrauchbar. Auch hier fand man Teile, die man nicht zuordnen konnte und die in der Bauanleitung völlig fehlten. So musste ich doch sehr viel von anderen Herstellern ergänzen. Die Niedergänge und Fallreeps stammen von L'Arsenal. Die Geschütze hatte ich mir schon vor längerer Zeit bei Burkhardt Masch besorgt. Die Reling stammt GMM. Der große Dreibeinmast, die oberen Mastsegmente und Rahen sind aus Messingrohren bebaut.

Sehr aufwändig war die Herstellung der Takelage und der großen Antennen. Diese habe ich aus 0,08mm starker Angelschnur hergestellt.

Für die Bayern habe ich mir eine Acyrlhaube der Firma Sudu geleistet. Sie kostet in dieser Größe ca 80 Euro. Sudu stellt die Hauben nach Maß her und gegenüber den Vitrinen von Sora haben sie den Vorteil, dass sie absolut staubdicht sind. Ich finde durch die gebogenen Kanten sehen sie auch gefälliger aus.

Quellen

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass der Bausatz der Bayern von Kombrig in 1/350 nur etwas für eingefleischte Fans der SMS Bayern ist. Das Preis-Leistungsverhältnis liegt bei diesem Bausatz sehr daneben. 250,- Euro ist schon die obere Grenze, die ich für einen 1/350er Bausatz bezahle. Für diesen Preis erwarte ich mehr als nur einen guten Rumpf und detaillierte Aufbauten. Ich weiß, dass die SMS Bayern ein Bausatz mit geringer Auflage ist. Aber trotzdem sollte eine einigermaßen richtige Bauanleitung vorhanden sein. Ich recherchiere immer gerne über das Modell, das ich gerade baue, weil mich das Schiff und der Lebenslauf des Schiffes interessieren, aber der Bauplan selbst im Bausatz muss schon stimmen. Bei dem Preis von 250 € sollte auch eine vernünftige Ätzteilplatine mit einer Reling und brauchbaren Niedergängen dabei sein, die könnte man ja übergreifend für mehrere Modelle herstellen.

Noch einige Bausätze im Maßstab 1/350 von Kombrig warten in meinem Modellbaufundus darauf, dass sie gebaut werden. Ich hoffe, dass sie mir nicht solche Schwierigkeiten machen. Denn eigentlich mag ich die Modelle von Kombrig.

Thomas Sperling