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Landing Ship Medium (LSM) 1/350 von Dirk Mennigke Drucken
Mittwoch, 05. Oktober 2005 um 16:00
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Geschichte


LSM 233 gehörte der über 500 Schiff starken LSM 1 (Landing Ship Medium) Klasse an. Hierbei handelt sich um amphibische Schiffe mit einer Ladekapazität von bis zu 9 Dukw`s, 5 mittleren Panzern oder 3 schweren Panzern.
Diese Landungsschiffe wurden in der Regel von jungen Reserveoffizieren kommandiert, die im US-Jargon auch "90-Tage-Wunderknaben" (90-day-wonders) genannt wurden. Es waren junge Männer, die sich an den Universitäten des Landes freiwillig zum Dienst in der Navy gemeldet hatten und an speziellen Kadettenschulen innerhalb von 90 Tagen das Handwerk eines Seeoffiziers erlernten und zum Ensign (Leutnant zur See) befördert wurden. Viele von ihnen bewährten sich hervorragend, wurden weiterhin schnell befördert und bekamen eigene Kommandos auf Landungsschiffen, Schnellbooten oder Minensuchzerstörern. Der Autor Herman Wouk setzte den „90-day-wonders“ mit seiner Figur des Willy Seward Keith in „Die Caine war ihr Schicksal“ ein Denkmal.
Die Schiffsgattung LSM bildet ein Derivat aus den viel kleineren LCT (Landing Craft Tank) und den wesentlich größeren LST (Landing Ship Tank).Unter den Besatzungen hießen die LST aufgrund ihrer niedrigen Geschwindigkeit von nur 9 Knoten und ihrer exponierten Lage im Landungsgebiet mit einem Anflug von Galgenhumor bezeichnenderweise Large Slow Target großes, langsames Ziel! Ziel bei der Entwicklung der LSM war es, ein Boot zu schaffen, das mit eigener Kraft, vollständig beladen, größere Entfernungen im pazifischen Raum überbrücken kann.
LSM 233 stellte am 3 August 1944, unter Ltjg. Gordon W. Martin, Jr. in Dienst. Danach verlegte das Schiff in den Pazifik, wo es an mehreren Landeoperationen und Versorgungsaktionen beteiligt war.

Das Modell ist im Maßstab 1:350 gehalten und stammt von Commander Models. Commander Models - hm nun ja - sagen wir einmal: Schön, dass es Firmen gibt, die sich dem Thema amphibische Schiffen widmen. Aber der Resinguss und die Detaillierung lassen doch zu wünschen übrig. Der Rumpf bei meinem Modell war wie ein Schwamm. Hatte ich die erste Lage Luftblasen verspachtelt, öffneten sich beim Verschleifen an anderer Stelle die nächsten Löcher. Nachdem ich den Rumpf 4mal gespachtelt hatte, erfolgte eine dreifache Grundierung um auch die feinsten Unebenheiten auszugleichen.la2
Das Projekt, das ich mit meinem Modellbaukollegen Frank Ilse zur Zeit realisiere, stellt eine Versorgungsszene Ende 1944, Anfang 1945 dar, dazu gehören diverse LCTs, LCVPs sowie LSMs. Um die Haushaltskasse zu entlasten entschloss ich mich, das zweite benötigte LSM selbst zu gießen. Die Firma Bakuplast führt alle dafür benötigten Materialen in ihrem Sortiment, dazu gehört Formensilikon des Typs 375-3 und das PU Gießharzsystem 235. Hierbei handelt es sich um ein langsam aushärtendes Harz. Ich erhoffte mir auf diese Art entstehende Probleme durch eingeschlossene Luftblasen zu überwinden, da ich über keinen Vakuumkasten verfüge. Der anschließende Formenbau stellte keine Schwierigkeiten dar. Das Mastermodell ließ sich sehr gut aus der zweiteiligen Form entfernen. Der anschließende Resinguss klappte auf Anhieb und so entstand ein fast fehlerloser Rumpf. Bei den LCTs sah die Angelegenheit etwas anders aus, aber dazu hat Frank ja schon ein paar Zeilen in seinem Bericht auf Modellmarine geschrieben.la3
Um das Modell - bzw. die Modelle - weiter zu detaillieren, brachte ich Relings, Leitern, Positionslampen etc. an. Die verwendeten Materialien stammen von GMM sowie WEM und fanden sich wie auch einige Kleinteile in der Grabbelkiste. Wie schon erwähnt, der Bausatz ist sehr einfach gestrickt und die Qualität der Kleinteile lässt zu wünschen übrig. Flaknester, Schlauchboote, Dingi und diverse Kleinteile entstanden im Eigenbau.la4
Die Farbgebung entspricht dem Mitte 1944 autorisierten Schema 31 für tropische Anstriche. Hierbei kommen Dull Black, Navy Green, Ocean Green sowie Pale Green zum Einsatz. Problematisch ist die Beschaffung gut erhaltener Fotos, um das eigentliche Muster zu identifizieren, da Steuerbord und Backbordmuster unterschiedlich gestaltet sind. Fündig wurde ich letztendlich (oder wie immer) bei Navsource, die den mit Abstand größten Fundus an authentischen Fotos in ihrer Bildergalerie führt. Als Arbeitspferde der Flotte sahen diese Boote stark verwittert aus und entsprechend rostig alterte ich auch meine LSM. Zum Einsatz kamen hier verschiedene Künstlerölfarben in überwiegend braun-roten Farbtönen. Durch starkes Verdünnen mit Terpentinersatz erhält man eine sehr flüssige Substanz, die wunderbar in die Kanten einläuft. Überschüssige Farbe mit einem fusselfreien Tuch abwischen - fertig! Wichtig bei der ganzen Aktion ist, dass die Grundfarben des Tarnanstrichs mindestens 48 Stunden durchgetrocknet sind, ansonsten entsteht ein nicht mehr definierbares Farbdurcheinander.la5la6

Fazit


Aus dem Grundbausatz lässt sich nur ein stark vereinfachtes Modell erstellen. Mit ein wenig Aufwand und entsprechenden Vorbildfotos wird aus dem unscheinbaren LSM ein richtiger Hingucker, der sich trotz seiner geringen Abmessungen aus dem ewigen Tirpitz und Bismarck-Allerlei hervorhebt.
Dirk Mennigke
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