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Französisches Schlachtschiff Richelieu (1/350, Trumpeter) von Andreas Wollinger Drucken
Dienstag, 08. Dezember 2015 um 06:00

Das Original

Die französischen Schlachtschiffe der Richelieu-Klasse wurden in Reaktion auf die italienische Littorio-Klasse gebaut. Sie zeichneten sich durch die ungewöhnliche Anordnung der acht 38 cm-Geschütze in zwei Vierlingstürmen auf dem Vorschiff aus. Dadurch konnte die gepanzerte Zitadelle mit Munitionskammern und Antrieb relativ kurz gehalten werden, so dass eine relativ schwere Panzerung möglich war. Von der Auslegung ähnelten sie damit der Dunkerque-Klasse, die Bewaffnung und Panzerung fiel aber wesentlich schwerer aus.

Eine weitere Besonderheit der Richelieu-Klasse war, dass sie eine 15,2 cm-Mittelartillerie erhielt, die sowohl zur Bekämpfung von Schiffszielen als auch zur Flugabwehr verwendet werden konnte. Wegen der zu geringen Feuergeschwindigkeit kamen trotzdem zusätzliche 10 cm-Geschütze als schwere Flak an Bord. Die Richelieu-Klasse gehörte insgesamt zu den am besten konstruiertesten Schlachtschiffen, die zwischen den Weltkriegen entworfen worden waren.

Die Richelieu war 247,9 m lang, 33 m breit und verdrängte voll beladen 47 548 t. Der Antrieb bestand aus sechs Kesseln und vier Dampfturbinensätzen, die zusammen 150 000 PS leisteten. Damit wurden 30 kn erreicht. Die Besatzung setzt sich 1943 aus 1670 Mann zusammen.

Bewaffnung 1943
8 x 38 cm L/45 Mod 35 (zwei Vierlingstürme)
9 x 15,2 cm L/55 Mod 36 (drei Drillingstürme)
12 x 10 cm L/45 Mod 31 (sechs Zwillingslafetten)
56 x 4 cm L/56 Bofors (14 Vierlingslafetten)
50 x 2 cm L/70 Oerlikon (Einzellafetten)

Die ab 1935 auf der Marinewerft Brest gebaute Richelieu war bei der französischen Kapitulation 1940 noch nicht voll einsatzbereit, wurde aber trotzdem nach Dakar, einer Kolonie Vichy-Frankreichs, verlegt. Dort versuchte die Royal Navy sie auszuschalten. Am 8. Juli wurde nachts von einem Motorboot eine Ladung Wasserbomben unter das Heck der Richelieu geworfen, die aber nicht explodierten. Am frühen Morgen danach griffen Swordfish-Torpedobomber der Hermes an, die einen Treffer achtern erzielte, der schwere Schäden verursachte. Die provisorische Reparatur der Schäden war noch in Arbeit, als am 23. September 1940 britische und freie französische Einheiten Dakar angriffen (Operation Menace). Sie wurde leicht durch Nahtreffer der Schlachtschiffe Barham und Resolution und des Flugzeugträgers Ark Royal beschädigt, eröffnete aber selbst zum ersten Mal das Feuer mit den schweren Türmen. Dabei wurden teilweise Treibladungen für 33 cm-Geschütze genutzt, die nur provisorisch auf die 38 cm-Geschütze angepasst wurden. Dabei wurden drei Rohre des zweiten Turm zerstört. Die Repaturen wurden danach abgeschlossen, sie erhielt auch drei Loire 130-Bordflugzeuge, Radar und die leichte Flak wurde verstärkt. Es fehlten aber immer noch Ausrüstungsgegenstände, z.B. die Flugabwehrmunition für die 15,2 cm-Geschütze, die beschädigten Rohre des Turms 2 konnten nicht ersetzt werden und nur drei von vier Maschinen funktionierten.

Im November 1942 lief Richelieu zu den Alliierten über und wurde bis November 1943 in New York vollständig repariert und dazu modernisiert. Die Katapulte wurden entfernt, sie erhielt eine komplett neue leichte Flak und neue Radaranlagen, aber keinen Feuerleitradar. Sie wurde mit in den USA produzierter Munition ausgerüstet, erhielt aber immer noch keine Flugabwehrmunition für die 15,2 cm-Geschütze und auch keine zum Landzielbeschuss geeignete 38 cm-Munition. Nach diesem Werftaufenthalt wurde sie erst Teil der britischen Mittelmeerflotte und dann der Home Fleet. Anfang 1944 erhielt sie einen britischen Feuerleitradar und wurde dann zur britischen Fernostflotte verlegt. Im Oktober 1944 war sie zurück im Mittelmeer und zum ersten Mal wieder in Frankreich. Es folgte einer Überholung und Modernisierung in Casablanca, wo weitere Radaranlagen installiert wurde und sie 38 cm-Munition erhielt, die gegen Landziele verwendet werden konnte. Bis Kriegsende war sie überwiegend im Indischen Ozean mit der britischen Fernostflotte im Einsatz, Ende 1945 folgten Einsätze im Indochinakrieg. 1952 wurde sie Artillerieschulschiff, 1958 wurde sie außer Dienst gestellt und diente noch bis 1965 als stationäres Schulschiff. 1968 wurde sie in La Spezia abgewrackt.

Das Modell

Meine Richelieu stellt den Ausrüstungszustand ab September 1943 dar, also nach dem Umbau in New York.

Für das Modell wurde besorgt:

  • Trumpeter Bausatz der Richelieu 1943.
  • Flyhawk Fotoätzteilsatz.
  • Pontos Holzdeck in Deck Blue B20.
  • 2 Fotoätzteilbögen für Bofors Magazinhalteringe von Alliance Models (sind bei Flyhawk leider nicht dabei).
  • 36 Inch Suchscheinwerfer und Anker von North Star.
  • Mk 51 Zielsuchgeber, 20 mm-Einzelflaks, 40 mm-Bofors, Lüftergitter und Stützen von L'Arsenal.
  • Diverse nautische Gerätschaften für die Brücke (Kompass, Ferngläser, Signalscheinwerfer etc.) von verschieden Herstellern.
  • Munitionskisten aus Eigenguss sowie Poller.
  • Super Drawings Buch von Kagero.
  • Okrety Wojenne Buch Pancerniki typu "Richelieu".
  • French Battleships 1922-1956 von Seaforth.
  • Für die Bemalung werden wieder die beiden Lifecolorsets für die US-Navy benutzt.

Das schöne ist, dass der Flyhawksatz sowohl die 1943 als auch 1945-Version abdeckt, also auch die von mir gewünschte Version.

Das Vorschiff muss abgeändert werden, da die Decksteile spiegelverkehrt sind. Da wurden die Ankerwinschen umgesetzt und die Handräder noch zusätzlich dazu gemacht, da diese die fehlten, sowie die Anker von Northstar verbaut und die Ankerketten verlegt. Die Abgänger auf dem Vorschiff zwischen Turm 1 und 2 waren zugegossen. Diese wurden korrekt aufgeschnitten, mit einer Plastikwandung und einer Tür versehen. An den Zurrwinden wurden die Laufwalzen nachträglich angebracht. Eine fehlende Luke zwischen beiden Türmen wurde auch noch nachträglich angebracht sowie einige Lüftungsgitter an den Seiten der Abgänge ergänzt. Dazu habe ich die Ankerklüsen sowie die Bullaugen aufgebohrt. Alle Oberlichter und Lukendeckel wurden aus dem Flyhawksatz verbaut.

Der Bau des Modells hat insgesamt zwei Monate in Anspruch genommen.

Andreas Wollinger

(Text über Original von Lars)