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Binnenschiff Aaltje (Kempenaar) (1/87, Artitec) von Thomas Sperling Drucken
Montag, 05. Januar 2015 um 06:00

Das Original

SchiffsverlĂ€ngerungen sind fĂŒr Reeder oft eine preiswerte Alternative zu einem Neubau. Dass sich auch ein Modellschiff verlĂ€ngern lĂ€sst, möchte ich hier aufzeigen.

Die Binnenschiffsklasse der Kempenaar ist typisch fĂŒr die KanĂ€le im Grenzgebiet der Niederlande und Belgien und war ursprĂŒnglich auf die Dimensionen des Kempener Kanals abgestimmt. Die Schiffe hatten eine LĂ€nge von 50 m und eine Breite von 6,60 m bei einem Ladevermögen von 400 bis 600 Tonnen und waren als Schleppkahn konzipiert. Im Lauf der Zeit erhielten viele einen eigenen Antrieb und der ursprĂŒnglich offene Fahrstand mit dem waagerechten Steuerrad wurde durch ein geschlossenes Steuerhaus mit dem heute ĂŒblichen senkrechtem Steuerrad ersetzt. Auch VerlĂ€ngerungen bis zu fĂŒnf Metern wurden im Zuge solcher Modernisierungen durchgefĂŒhrt. Heute sieht man Kempenaars fast nur noch auf den kleinen KanĂ€len der Niederlande und Belgiens, die meisten wurden aber leider schon abgewrackt, da sie unrentabel geworden sind.

Mein Kempenaar habe ich Aaltje genannt, ein beliebter hollÀndischer Name der 1930er Jahre.

SchiffsverlÀngerungen auch im Modellbau

FĂŒr die VerlĂ€ngerung des Schiffes beschloß ich, ein passendes StĂŒck aus der mittleren Ladeluke auszuschneiden, zu kopieren und hinterher beide Teile wieder zusammenzufĂŒgen (fĂŒr den Ursprungsbausatz siehe hier; das gebaute Modell hier). Zum Abformen baute ich mir einen kleinen Kasten aus Legosteinen fĂŒr die Silikonform. Das Silikon haftet nicht an den Steinen, man kann sie immer wieder auseinandernehmen und spĂ€ter fĂŒr neue Formen verwenden. Nach gut zwei Stunden Trockenzeit habe ich dann das Teil entformt. Das Gießen (Resin und HĂ€rter 1:1) der neuen Sektion erwies sich als unproblematisch. Nachdem das Resin innerhalb einer Stunde vollstĂ€ndig ausgehĂ€rtet war, konnte ich das neue Gussteil aus der Form nehmen.

Ein erster Vergleich zeigte mir, dass alle Details sehr gut ausgebildet waren und nur kleine Ecken zum Nacharbeiten ĂŒbrig blieben. Um dem ganzen Rumpf wieder seine StabilitĂ€t zu geben, bohrte ich die Stirnseiten der einzelnen StĂŒcke an und klebte Metallstifte ein. Nachdem ich so alle Teile wieder miteinander verbunden hatte, drehte ich den Rumpf um und frĂ€ste zwei kleine Nuten ĂŒber die verlĂ€ngerte Stelle. In diese legte ich zusĂ€tzliche Stahlstifte und verspachtelte alles wieder.

Jetzt konnte ich endlich mit den Aufbau des Schiffes beginnen. Die kleinen Spalten zwischen den einzelnen Rumpfteilen fĂŒllte ich mit Wachs von Rai-Ro. Mit einem kleinen von 0 bis 200° C regelbaren Messingmesser wird das Wachs aufgetragen. Das flĂŒssige Wachs lĂ€uft in die Ritzen und erkaltet innerhalb kĂŒrzester Zeit. Man kann das Wachs sofort sehr gut mit einem kleinen Spachtel (vom Zahnarzt) nacharbeiten. Das hat den Vorteil, dass man nicht Schleifen muss und so die Nietreihen erhalten bleiben. Auch lĂ€sst sich das Wachs gut ĂŒberlackieren. Nach dem Grundieren und dem ersten provisorischen Aufstellen der TrennwĂ€nde und Aufbauten ist deutlich die lĂ€ngere mittlere Ladeluke zu erkennen

Das moderne Steuerhaus baute ich so wie im Bauplan vorgesehen. Das neue Beiboot, ein Stahlruderboot von Artitec, stellte ich auf das Deck des Wohnraums und der Kran kam an einen entsprechenden Platz. Die Montage ging einfach vonstatten, wie auch die Bemalung mit Vallejo Farben. Gealtert wurde nur ganz wenig, da der Frachter ja frisch aus der Werft kam.

Im Vergleich zu meiner ersten gebauten Kempenaar sind die VerÀnderungen am jetzigen Modell auffÀllig. Nicht nur die VerlÀngerung, sondern auch die moderneren Aufbauten und weitere Kleinigkeiten geben dem Schiff ein neues Gesicht. Im Bausatz von Artitec sind sowohl der alte Steuerstand als auch das moderne Steuerhaus enthalten.

Thomas Sperling