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Trafalgar Day: Linienschiff HMS Victory (1/100, Heller/Eigenbau) von Daniel Fischer Drucken
Dienstag, 21. Oktober 2014 um 05:00

„By the Deep 17“ ...

Am 21. Oktober jährt sich zum 209. Mal die Schlacht von Trafalgar. Viel muss man darüber nicht mehr berichten, hier beendete Nelson endgültig die Invasionspläne Napoleons, da die nun verlorene Flotte vorgesehen war um die bei Boulogne-sur-Mer bereits wartende Invasionsflotte beim Übersetzen zu decken.

Anlass ein kleines Projekt vorzustellen, das die Seefahrtskunst der damaligen Zeit etwas im Detail vorstellt. Angefangen hatte es mit einem Stück Resinguss, welches aus einem Testabdruck des 1:100 Heller-Bausatzes der HMS Victory entstand.

Zuerst wurde vorne die überdimensionierte Plankenstruktur abgeschliffen, dann die Stückpforten von hinten freigelegt ...

... das ganze mit 0,3 mm Sheet neu und richtig beplankt und die fehlenden Timberheads und Zierleisten nachgebaut.

Das Ganze wurde neu abgegossen um einen Testträger für Farbanstriche zu bekommen. Basis sind die Farben von Citadell aus dem Table-Top-Gaming.

Nach diversen Tests für die Alterung habe ich mich auf Hinweis von Drake aus dem Wettringer auf Kaseinfarben eingeschossen. Sie haben den Vorteil im Gegensatz zu Öl sehr schnell zu trocknen, lassen sich schichtweise aufbauen, sind auch noch nach langer Zeit mit Wasser revidierbar und trotzdem grifffest genug für das Modellbauerleben. Hinten ist die klassische saubere Variante zu sehen, davor sehr dezente Zeit- und Nutzungsspuren. Das wurde aber noch schlimmer ;-)

Die Rüsten und Jungfern entstanden aus 0,3 mm Messingdraht, der in Schablonen gebogen und dann verlötet wurde. Die Jungfern sind von einem der klassischen Hersteller, die Bohrungen wurden aber verschlossen und an richtiger Stelle neu gebohrt. Die Scharniere der Pfortendeckeln kommen aus meinen eigenen Ätzteilen.

Die Finknetzhalter sind auch Ätzteile, die darin hängenden Hängematten sind aus Fimo. Dabei wurde darauf geschaut, dass dabei sowohl die Schwerkraft ...

... wie auch die Benutzungsspuren beachtet wurden.

Die Netze kommen aus dem Dekobedarf und wurden mehrfach lackiert, um die richtige Struktur zu erzielen.

Die Taue sind alle aus Fliegenfischgarn selbst geschlagen und reichen von 0,15 mm für die Webleinen bis zu 0,7 mm für die Wanten. Die kleinen Klampen sind Ätzteile und die Leitkauschen oben an den Wanten aus gebohrtem und gezogenen Gussast.

Zum Ausweben der Wanten habe ich eine Schablone dahintergeklemmt und nicht nur in eine Richtung gearbeitet, sondern immer die Höhe halbiert und anschließend die so erzeugten Teilstücke auch wieder. So verziehen sich die Wanten nicht so und man kann auch besser in der Höhe ausgleichen.

Blöcke sind alle in Handarbeit entstanden, die Kauschen wieder aus gebohrtem und gezogenem Gussast und Haken sind Ätzteile. Die Blöcke hier sind knapp 2 mm lang.

Und so kam die kleine Vignette zu ihrem Namen: In der damaligen Zeit rief der Lotgast beim Bestimmen der Wassertiefe diese laut aus: "By the Deep 17", das heißt es waren etwas über 17 Faden - also ca. 30 Meter - Wassertiefe vorhanden.

Die dazu verwendete ca. 20 bis 25 Faden lange Leine (ca. 36 bis 45 Meter) hatte in regelmäßigen Abständen Markierungen, die die Tiefenbestimmung erleichterten. War Grundberührung direkt auf der Markierung ertönte der Ruf "By the Mark XX" und wenn zwischen den Markierunegn lautete der Ruf "By the Deep XX". Die Markierungen lagen bei 2, 3, 5, 7, 10, 13, 15, 17 und 20 Faden. 

Diese hatten verschiedene Farben bzw. Ausformungen:
 2 Faden Leder mit 2 Streifen, 3 Faden Leder mit 3 Streifen, 5 Faden weiß, 7 Faden rot, 10 Faden Leder mit Loch, 13 Faden blau, 15 Faden weiß, 17 Faden rot und 20 zwei Knoten (siehe hier).

Also eine Leine von 20 Faden erstellt, die Markierungen und das Blei angebracht, Lotsgast richtig eingekleidet und ...

... und da steht er bereits von einem Brustgurt gehalten in den Rüsten.

Mittlerweile wurde auch die Alterung verfeinert. Die Speigatts bekamen ihren Ausfluss, Rost kam unterhalb von Eisenteilen hinzu und die Lackabplatzer wurden ungleichmäßig platziert. So könnten Schiffe nach einigen Wintermonaten Blockadetätigkeit vor Brest schon ausgesehen haben, es gibt genügend Logbucheinträge der Kapitäne dieser Zeit, die sich über den Zustand ihrer eigenen Schiffe beschwert haben.

Die Auslässe der Pfortenreeps bestehen wieder Mal aus gebohrtem und gezogenem Gussast, die Scharniere bekamen Ätzteilaugen mit einem Ring, das Reep wurde daran mit einem Spleiß befestigt – mit der Nadel zweimal durch das 0,2 mm Tau.

Die Anker sind Resinabgüsse von einem eigens erstellten Master und entsprechen den Schmiedekünsten der Zeit.

Das Bojenreep ist gut vertäut, die Boje hängt in den Wanten. Der Stromanker ist auf dem achternen Pflichtanker vertäut.

Hier noch ein Bild des Entstehens mit meiner Victory im Hintergrund, da sieht man schön den Maßstab ...

... und ein Übersichtsbildchen der fertigen Vignette.

Jetzt steht das gute Stück in meinem Nelson-Schrein neben der Fotografie von Nelsons Geist (der als Lichtpunkt auf dem Anker sitzt), der Nelson-Lupe, der alten Postkarte und dem Humpen mit der Trafalgar-Schlachtordnung – Alles Geschenke meiner englischen Schwiegermutter, die genau am Trafalgartag Geburtstag hat, was mir bei Zeiten zu denken hätte geben sollen.

Mehr auf:
http://www.segelschiffsmodellbau.com/t1535f165-By-the-Deep-3.html#msg18115

Verwendete Ätzteile:
http://www.dafinismus.de

Daniel