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Deutsches U-Boot U 552 (1/87, Artitec) von Wolfgang Kring Drucken
Donnerstag, 30. Mai 2013 um 06:00

 

24.05.1943 - 70 Jahre Schlacht im Atlantik

 

Das Original

U 552, das Teufelsboot, war eines der erfolgreichsten U Boote im Zweiten Weltkrieg.

U 552 wurde am 01. Dezember 1939 in Hamburg bei Blohm und Voss auf Kiel gelegt, lief im September vom Stapel und stellte am 04. Dezember 1940 unter dem Kommandanten Erich Topp zuerst in Kiel und dann in St Nazaire in Dienst. Weitere Kommandanten waren Klaus Popp (ab 09. September 1942) und G√ľnther Lube (ab 11. Juli 1944).

Auf 15 absolvierten Feindfahrten gelang es U 552 insgesamt 29 Handelsschiffe mit 163529 BRT zu versenken und drei weitere mit 26910 BRT teils schwer zu beschädigen. Außerdem versenkte es drei alliierte Kriegschiffe (1937 ts), wobei die Torpedierung der USS Reuben James, eines amerikanischen Zerstörers, der einen britischen Konvoi begleitete am 31. Oktober 1941 viel Aufsehen erregte, da sich die USA zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Krieg mit Deutschland befanden.

Am zweiten Mai 1945 versenkte die eigene Besatzung das Boot in Wilhelmshaven.

Das Modell

F√ľr U-Boote habe ich mich eigentlich nie sehr interessiert. Und auch 1:87 war f√ľr mich bisher ein Ma√üstab f√ľr die Hobby-Kollegen mit ihren zischenden Dampfloks und ratternden ICE-Z√ľgen. Doch Artitecs Resinmodell des Typ VII C U-Bootes weckte meine Neugier. Wie ein Schwamm zog das 77 cm lange Wasserlinienmodell meine ganze Aufmerksamkeit auf sich und weckte mein Interesse an der Geschichte der U-Boote und den Schicksalen ihrer Besatzungen. Mit jeder Zeile, die ich dar√ľber lass wuchs meine Begeisterung beim Bau dieses Modells.

Bei etwa 700 gebauten Typ VII U Booten dauerte es ein wenig, die passende historische Vorlage zu finden, schlie√ülich entschied ich mich f√ľr U 552. Zum Einen, weil es zu den ‚Äěgl√ľcklichen‚Äú Booten geh√∂rte, das von all seinen Eins√§tze zur√ľck kam und erst 1945 von der eigenen Besatzung im Hafen gesprengt wurde, zum Anderen, weil die beiden roten Teufel der Turmmarkierung (denen das Boot seinen Spitznamen verdankte) eine der f√ľnf Varianten von Artitecs Abziehbildern waren. Aber halt! Artitec verwendet keine typischen Nass-Schiebe-Bilder (Decals), sondern Reibebilder, √§hnlich den Letraset Buchstaben. Dazu aber sp√§ter!

Zuerst befreite ich den Rumpf von seinem kleinen Anguss an der Unterseite. Mehr Nacharbeiten waren bei diesem super-sauber gegossenen St√ľck Resin auch nicht n√∂tig und so konnte ich direkt mit dem Anbau der ersten Kleinteile und einzelner Luken an Deck beginnen. Obwohl ich nicht genau wusste, ob U 552 je eine Netzs√§ge trug, sollte, nein musste mein Modell ‚Äď historisch korrekt oder nicht- eine haben.

Schlie√ülich waren auf vielen der mir als Vorlage dienenden Originalbildern eh nur der Turm des Bootes zu sehen. Am meisten beeindruckten mich Fotos, die U 552 nach √ľberstandener Feindfahrt beim Einlaufen in den (Heimat)Hafen zeigten und deshalb entschloss ich mich, einen solchen ‚Äďgl√ľcklichen- Moment darzustellen. Artitec bietet f√ľr die Gestaltung des Modells mehrere Alternativen an. Von ‚Äěfertig zum Tauchen‚Äú, bis hin zur √úbernahme von Torpedos mit ge√∂ffneten Ladeluken liegen alle ben√∂tigten Teile ‚Äď inklusive zweier Torpedos- im Bausatz. Au√üerdem sind zwei unterschiedliche T√ľrme in der Schachtel zu finden, wobei der mit seitlichem Antennenschacht zu den Booten U 201 und U 253, der ‚ÄěStandardturm‚Äú f√ľr U 96, U 564 und eben zu dem von mir gew√§hlten U 552 passt. Dieser erhielt ge√§tzte Handl√§ufe und die Reling des Wintergartens, welche dank einer sehr n√ľtzlichen, im Bausatz enthaltenen Biegeleere aus Resin zuvor in die richtige, konische Form gebracht wurde.

Nun war es Zeit f√ľr die Grundierung von Rumpf und Turm um die Trockenzeit f√ľr den Zusammenbau der noch fehlenden Kleinteile, wie etwa den Bordgesch√ľtzen nutzen zu k√∂nnen. Doch bei weiteren, vor allem genaueren Studien meiner Quellen fielen mir zwei Fehler auf, die mir ‚Äďals ausgesprochenem U-Boot-Laien- bei all der Begeisterung und meinem Schnellstart unterlaufen waren. Zum einen hatte ich die L√ľftungsgitter f√§lschlicherweise an der Innenseite des Kommandoturmes angebracht, zum Anderen die hintere Abst√ľtzung der Netzs√§ge gespreizt dargestellt. Beides war mit wenig Aufwand zu beheben und es konnte ohne gr√∂√üere Verz√∂gerung weiter gehen.

Das aufgespr√ľhte Einheitsgrau der Grundierung verschwand langsam unter mehreren unregelm√§√üigen, hauchd√ľnnen Schichten diverser grauer Farbt√∂ne, um einzelne Fl√§chen, oder Plattenst√∂√üe voneinander abzusetzen. Auf Artitecs Homepage ist ein (englischsprachiger) Link zur Farbgebung deutscher U Boote des zweiten Weltkrieges zu finden -mit Angaben der passenden Farben aus dem Sortiment g√§ngiger Hersteller, wie z.B. Revell, Humbrol, Model Masters oder Colourcoats. Die obere H√§lfte des Rumpfes und die Seiten des Turms blieben hellgrau, die unter H√§lfte mit den Satteltanks erhielt einen dunkelgrauen Anstrich. Das Deck mit seinen sagenhaft feinen Oberfl√§chenstrukturen wurde auch zuerst abgedunkelt, √ľberfl√ľssige Farbe mit einem Schwamm abgetupft und anschlie√üend mehrmals trockengemalt um diese wunderbaren Details auch zur Wirkung zu bringen.

U 552 war oft und lange im Einsatz, was Spuren hinterlie√ü. Deshalb durchliefen auch Turm und Rumpfseiten einige Durchg√§nge Trockenmalerei. Zus√§tzlich brachte ich Rostspuren und andere ‚ÄěLacksch√§den‚Äú mit dem Pinsel ans Boot und auch die Reibebilder fanden ihren Platz am Turm; die beiden roten Teufel vorne, die beiden Stiere an den Flanken und die Wasserstandsmarkierungen entlang des Rumpfes. Mit einem Klebestreifen auf einer Seite fixierte ich den jeweiligen Tr√§gerfilm und rieb die Bildchen mit einem harten Bleistift auf den Untergrund. Zur Kontrolle konnte ich den Tr√§gerfilm immer wieder aufklappen und bei Bedarf noch mal nacharbeiten. Danach versiegelte ich die Fl√§chen mit Klarlack.

Zum Abschluss der Malerarbeiten setzte ich noch einen hellen Filter. Dazu nahm ich ein St√ľckchen Papier, den Filter, ein wenig Tabak, drehte das Ganze ein, z√ľndete mir die Zigarette an und genoss ein paar entspannende Z√ľge. Das in Mode gekommenen setzen von Farb-Filtern an Modellen √ľberlasse ich lieber den Kollegen mit den Airbrush-Pistolen.

Inzwischen hatte die Firma BMK (Burkhardt Masch Kleinserien) ein kleines, f√ľnfteiliges Erg√§nzungsset aus gedrehten Messingteilen auf den Markt gebracht, bestehend aus zwei Periskopen, den Rohren f√ľr die 8,8 cm Kanone und die Flak, sowie den Flaggstock des Wintergartens. Besonders die Rohre f√ľr die beiden Bordwaffen stellen weit mehr als nur Ersatz f√ľr die weichen, leicht verbogenen Resinteile des Bausatzes dar.

Artitecs von Hand gezeichnete Bauanleitung war im Bereich der 8.8 ein wenig vage und ich r√§tselte anfangs etwas √ľber die genauen Klebepunkte, sowie Biege-Kanten einzelner √Ątzteile. Die L√∂sung a la Artitec ist ein in der Bauanleitung stehender Verweis auf deren eigene Internetseite und dem dort mit zahlreichen Detailfotos geschilderten Bau eines ihrer U-Boote. Ideal und einfach! Mit dieser Hilfe gab es bei der Montage der restlichen Baugr√ľppchen keine Probleme mehr. Die 8.8 bekam noch eine Verschlusskappe und eine Rei√üleine aus Kupferdraht verpasst. Aus Kupferdraht entstanden auch die Wellenbrecher des Angriffs-Sehrohrs.

Zu dieser Zeit erfuhr ich zuf√§llig auf einem Klassentreffen vom ‚ÄěMiniland‚Äú, einer gut 400 m¬≤ gro√üen H0-Modellbahnanlage in Heimstetten, √∂stlich von M√ľnchen.

Bei meinem ersten Besuch bekam ich einige ausgediente Figuren, die sich im Laufe der Zeit von der Anlage gel√∂st hatten. Neben einigen Uniformierten suchte ich mir auch ein paar junge M√§dels aus, die die Heimkehrer begr√ľ√üen sollten. Schritt f√ľr Schritt wurde so aus Schaffnern, Lokf√ľhrern und Hausfrauen meine Besatzung samt ihren G√§sten. Erg√§nzt wurde die Truppe noch von einigen ‚Äďfabrikneuen- H0-Soldaten von Preiser. Doch bis zu ihrem Einsatz auf dem Boot sollte es noch etwas dauern, denn das Modell schien an Bl√§hungen zu leiden. Das Material Resin kann ausgasen, was besonders bei einem derart gro√üen und massiven St√ľck, wie dem Rumpf des U-Bootes unerw√ľnschte Folgen haben kann. In den verklebten Ladebuchten an Deck staute sich Gas und die d√ľnnen, anfangs aufgeklebten Luken w√∂lbten sich langsam nach oben. Nur mit einem hei√ü laufenden F√∂n und sanften Druck lie√üen sie sich wieder zur√ľck biegen. Um solche Beulen dauerhaft zu verhindern bohrte ich von der Unterseite des Rumpfes ‚ÄěEntl√ľftungsl√∂cher‚Äú in die Hohlr√§ume.

Den Problemen mit der massiven Materie Herr geworden widmete ich mich der filigranen Reling und den luftigen Antennen, die sich √ľber die gesamte L√§nge des Bootes erstreckten. Der daf√ľr ben√∂tigte schwarze Faden war in zwei unterschiedlichen St√§rken in mehr als ausreichender L√§nge vorhanden. Dieser wurde einfach zwischen den Isolatoren gespannt und verklebt. Diese Isolatoren, die die Antennen vom Bootsk√∂rper trennten lagen in Form von √Ątzteilen im Bausatz. In Wirklichkeit bestanden sie zum Teil aus Holzkugeln und deren Darstellung durch flaches Blech √ľberzeugte mich nicht g√§nzlich. Doch mit ein paar Tropfen Holzleim auf den entsprechenden Stellen erhielt ich den gew√ľnschten plastischen Effekt. Ein bisschen Farbe und etwas Alterung rundeten das Ganze im wahrsten Sinne des Wortes ab.

Das Aufstellen der Reling war in wenigen Minuten geschafft. Die Fu√üleisten der gr√∂√üeren Segmente rund um den Turm verschwanden in extra daf√ľr ins Deck eingelassenen Nuten, womit die Reling automatisch die teilweise leicht gerundete Form annahmen. Um besseren Halt der √ľbrigen, einzelnen Relingpfosten zu gew√§hrleisten bohrte ich die angezeichneten Aufnahmel√∂cher etwas tiefer in den Rumpf. Das spannen der F√§den zwischen diesen Pfosten war dank der ge√§tzten √Ėsen ebenso schnell erledigt.

Der Endspurt an U 552 hatte begonnen. Das abschlie√üende Aufkleben der letzten Bauteile und das Aufstellen der Figuren war kein gro√üer Akt mehr. Allerdings hatte meine Crew ‚Äďanders als beim Original- nur eine sehr kurze Dienstzeit zu absolvieren, n√§mlich ausschlie√ülich w√§hrend des Fototermins f√ľr diesen Artikel vor der Kulisse der bereits erw√§hnten Eisenbahnanlage ‚ÄěMiniland‚Äú. Dort hat U 552 inzwischen auch seine neue Heimat gefunden. Nach ein paar kleineren Umbauten und der Abl√∂sung der Crew liegt es nun neben kilometerlangen Gleisen und unz√§hligen Sehensw√ľrdigkeiten aus ganz Deutschland gut sichtbar als Museumsschiff im Hafen.

Empfohlene Literatur

  • U-Boot VIIC ‚ÄěSuper drawings in 3D‚Äú Kagero Verlag Art Nr 16003 (englisch)

Wolfgang Kring